Zwischen den Inseln 6 oder der tanzende griechische Satyr

Am Donnerstag haben wir nach viel Wind Palermo verlassen, daher hatten wir direkt nach der Hafenausfahrt auch viel Welle. Der interessante Küstenabschnitt direkt hinter dem ersten Kap hat mich jedoch die Welle vergessen lassen, nein, ich habe sie ausgeblendet, denn querab hatten wir hohe Berge, interessante Dörfer, vorallem immer wieder grüne Landschaften und dann doch wieder einen Blick Richtung Palermo zu erhaschen. Ehrlich gesagt, war es eine Wohltat, die laute Stadt Palermo mit all ihren interessanten Eindrücken hinter sich zu lassen. Nach  ein paar Tagen in einer Stadt sind wir entnervt und brauchen wieder Ruhe. Diese stellt sich meistens auf dem Wasser schnell ein. Warum? Wir genießen das immer noch sehr gute Wetter mit Sonne, der Blick ruht in der Ferne, spannende Ausblicke, wohin man schaut. Zum Beispiel ein Blick nach Norden, um eine weitere Insel zu entdecken. Ustica liegt in der Verlängerung der eolischen Inseln, aber doch zu weit weg, um sie anzulaufen, so bleibt der Blick darauf mit der Sehnsucht, eventuell hierher zurückzukommen. Weiter geht es der Nordküste entlang. Am Horizont erscheint ein liebliches Bild, ein weiteres Kap, zuerst sieht man nur einen hohen Berg und denkt, dahinter verbirgt sich eine weitere Insel, doch dann wird klar, es ist eine Landzunge und gleichzeitig wohl der nordwestlichste Punkt von Sizilien, San Vito lo Capo. Der schönste Strand und der netteste Badeort Siziliens? Bisher ja, aber es können noch schönere kommen.

Diesen Ort hatte mir meine Friseurin zu Hause schon ans Herz gelegt. Ok, ich sehe ihn,

wir umrunden das Kap und neue Ausblicke ergeben sich.

 

An Steuerbord sind weitere Inseln zu erkennen, es handelt sich um die Ägadischen Inseln: Marettimo, die größte Favignana mit 19 km Länge  und einem bezaubernden Dorf die mit der besten Infrastruktur. Levanzo, Formica, sowie eine rein militärisch genutzte Insel bleiben uns verborgen, wir werden sie vielleicht später erkunden. Unser Ziel heißt Trapani. Ein historischer Ort, der heiß umkämpft war wegen seiner strategisch guten Lage. Wir laufen ein, als es fast schon Dunkel wird. Da wir am nächsten Tag schon wieder früh ablegen wollen, sehen wir uns die Stadt bei Nacht an. Die Infrastruktur ist mehr als außergewöhnlich, da dieser Hafen auch von Kreuzfahrtschiffen angesteuert wird, aber erklärlich. Auf den Plätzen der Stadt reges Treiben, im Hafen ebenfalls, was zu einigem Schwell führt. Neben den Kreuzfahrern legen hier mächtig viele Fähren an und ab, die die Versorgung der ägadischen Inseln gewährleisten.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns früh, denn wir wollen auch mal etwas früher einen Hafen anlaufen, die Entfernung ist auch mit 32 SM nicht so groß, wie die Strecke, die wir tags zuvor mit 60 SM bewältigt haben. Der erste Schreck kurz nach der Hafenausfahrt: wir haben nur noch 2,5 m Wasser unterm Kiel. Der heutige Tagesabschnitt ist gekennzeichnet von geringer Wassertiefe, daher muss der Kurs immer wieder korrigiert werden. Zum zweiten Mal an diesem Tag passiert es mir an einem weiteren Kap. Alles geht gut, ich habe halt nur noch das Ziel Marzala del Vallo im Kopf und die Möglichkeiten der Besichtigungen, die sich mir dort bieten. So lasse ich den Skipper allein an Bord und erkunde das Städtchen, das neben einem historischen Kern eine riesige Kashba mit jüdischem Viertel hat. Die Häuser sind mit Kacheln verziert, eine Besonderheit, die auf ganz Sizilien anzutreffen ist. Aber ich will weiter. 1998 hat ein Fischer ein altes Kulturgut aus dem Wasser gefischt, einen tanzenden griechischen Jüngling, der im Reiseführer besonders erwähnt wird. Diesem jungen Mann ist ein ganzes Museum gewidmet. Eine alte Kirche wurde zum Museum und darin kann ich den Satyr bewundern. Neben diesem Fund gibt es noch einige Amphoren und Anker zu sehen. Ein englisch sprachiger Film berichtet, wie der Jüngling an Land kam. Der Skipper darf meine Handybilder betrachten, bekommt ein leckeres Essen gekocht und darf danach das Geschirr spülen.

Wieder einmal ist viel Wind vorhergesagt und wir beschließen als nächstes Sciacca anzulaufen. Es gibt hier im Westteil der Insel wenige Häfen, die Entfernungen sind oftmals über 30 SM, die Tage sind kurz und wir laufen morgens kurz nach 9 Uhr aus. Doch welch ein Schreck nach der Hafenausfahrt. Da draußen steht extrem hohe alte Dünung an. Die Welle läuft quer zum Boot, das Geschaukel ist heftig. Irgendwann denkst du, das hältst du nicht aus, es gibt jedoch kein zurück. Neben der Welle von der Seite, kommt irgendwann Wind von der anderen Seite auf. So holen wir die Genua ein Stück raus, das Geschaukel wird etwas erträglicher, doch prickelnd ist anders. Hinter einem Kap können wir den Kurs ändern, die Welle schiebt jetzt von hinten, ist aber echt hoch. Der Wind frischt auf, frischt auf und nun kommt auch noch eine kurze Windsee hinzu. Wir sind erleichtert, als wir durch das Fernglas endlich die Hafeneinfahrt von Sciacca entdecken. Frank nimmt das Handy, ruft den Hafenmeister an und dieser steht am Ponton um uns beim Anlegen behilflich zu sein. Hier werden wir zuerst einmal bleiben, wenn auch der Hafen nicht gerade optimal für den kommenden noch stärkeren Wind sein wird. Den Abend verbringen wir in der historischen Stadt, dafür sind gefühlt 300 Treppenstufen zu erklimmen. Wir genießen einen Apperitif mit Blick auf den Hafen und die untergehende Sonne. Das Meer ist ganz ruhig. Keine Welle, unglaublich wie schnell sich die Situation ändert.  Beim durchforsten der Stadt entdecken wir ein kleines, ganz neu eröffnetes Restaurant und genießen ein leckeres Essen.

Heute gegen Mittag fing dann der Mistral an zu blasen, es weht heftig und Welle steht ins Hafenbecken, wir schaukeln heftig, liegen fest verzurrt an 2 Moorings und hoffen, dass der Spuk schnell vorbei ist. Ich vertreibe mir die Zeit um die Altertümer und 29 Kirchen zu besichtigen. Unglaublich, welche Geschichte hier geschrieben wurde. Historische  Gebäude, wohin man sieht, enge Gässchen laden zum verweilen ein. Immer wieder steige ich Stufen hinauf oder hinab. Nun ist es gerade mal kurz nach 17 Uhr und es wird dunkel. Zeit zu kochen, denn bei dem Wind haben wir keine Lust, in die Stadt zu gehen. Unser Winterlager ist noch ca 50 SM entfernt und wir würden gerne dort ankommen. Vielleicht schaffen wir es rechtzeitig zu unserem Hochzeitstag am 31.10. anzukommen. Drückt uns die Daumen, dass der Wind nachlässt und die Welle sich beruhigt, dann machen wir einen letzten langen Schlag, laufen früh morgens aus und hoffen noch vor Einbruch der Dunkelheit in Licata einzulaufen. Schönen Sonntag Euch allen, in Deutschland weht auch ein Sturm, das konnten wir zumindest den Nachrichten entnehmen. Macht es Euch bequem und gemütlich, dafür ist der Herbst genau die richtige Jahreszeit.

Zwischen den Inseln 5: von den Inseln der Winde, in den Wind nach Sizilien

Am letzten Freitag morgen ganz früh haben wir die Inseln des Windes, die 7, nach Eolos, dem Gott des Windes, benannten Inseln verlassen. Lipari liegt quer ab, Vulcano voraus. Die Fumarolen qualmen und setzen ein Zeichen. Auf den Bildern, die ich mit meinem Handy mache, sehen wir links Qualm von Vulcano und rechts Qualm von Salina, der Vulkan  von Stromboli qualmt hinter uns. Wir werden diese Inseln und ihren Liebreiz so schnell nicht vergessen. Vor uns zeichnet sich klar und deutlich Sizilien ab.

Zum ersten mal seit Tagen ist die Sicht gut. Dies bedeutet eine einfache Ansteuerung, allerdings siehst du auch den ganzen Tag, wo die Reise hingeht. Da wir endlich auch mal wieder Segel gesetzt haben, sind wir ziemlich schnell unterwegs. Der Autopilot steuert den Kurs, wir haben Zeit zu lesen, zu essen und zu beobachten. Die Markierungen der Fischer müssen umfahren werden. Manchmal haben wir das Gefühl, dass neben uns einfach eine Boje aufploppt. Da kann man so viel beobachten wie man will. Ein gutes hat das Rundumsehen dann doch: ich sehe eine riesige Schwanzflosse. Eindeutig die eines Wales, denn für einen Delphin war das Gesehene zu groß. Es ist spät am Nachmittag, als wir Cefalu vor uns sehen. Ein weiteres liebreizendes Städtchen mit einer historischen Altstadt und natürlich einer Kokathedrale im normannischen Stil. Sie gehört zum Weltkulturerbe. Leider will uns niemand einen Platz im Hafen zuweisen, all unsere Bemühungen bleiben ungehört, bzw. unbeachtet. Einfach so in den Hafen hineinfahren wollen wir auch nicht, denn im Hafen wird geankert, also wieder raus aus der Ansteuerung. Plan B muss her. Wir umfahren die Altstadt und sehen nun, dass es sich um keine sichere Bucht handelt. Trotzdem werfen wir den Anker, in der Hoffnung, dass nach dem Essen eventuell der Schwell nachlässt. Weit gefehlt. Ich lege mich hin, dann dreht der Wind und die Welle steht voll auf unser Heck. Ich quäle mich, wälze mich hin und her, an Schlaf ist nicht zu denken. Wir entschließen uns, direkt ankerauf zu gehen und Palermo anzulaufen. Mitten in der Nacht, müssen die einzelnen Leuchttürme und Lichter genau bekannt sein, in weiser Voraussicht hatte der Skipper und Navigator schon die 3 zu beachtenden Leuchtfeuer notiert. Außer uns ist niemand unterwegs. Wir haben die Genua draußen und genießen die Fahrt durch die Nacht, wenn da nicht die hohe Welle wäre. Gegen morgen nimmt der Verkehr zu, schließlich laufen wir die Hauptstadt Siziliens an, entsprechend viele Fähren und Kreuzfahrer sind unterwegs. Wir beschließen, mit dem ersten Tageslicht Palermo einzulaufen. Ein Kreuzfahrer und eine Fähre werden von Pilotbooten gelotst, dann kommt unsere große Stunde, Einfahrt in den Stadthafen von Palermo. Er ist schon etwas größer und die Orientierung nach durchwachter Nacht nicht ganz einfach. Um 7:30 liegen wir dort, wo wir eigentlich nicht liegen wollten, doch so früh am Morgen, war kein Marinero aufzutreiben. Wir gönnen uns ein opulentes Frühstück mit 3 Spiegeleiern. Frank ist zu aufgedreht zum schlafen und macht einen Spaziergang durch die Stadt, während ich versuche, wenigstens eine Stunde Schlaf zu bekommen. Doch auch ich bin nicht wirklich in der Verfassung, jetzt zu ruhen. Ich stelle fest, dass wir in den Hochsommer zurück gekehrt sind. Also packe ich die Sommerkleider aus und wir steuern nun gemeinsam die Stadt an. Was gleich auffällt ist die Dichte an historischen Häusern, wunderschönen Plätzen und bella vita. Wir lassen uns treiben, haben nichts vor. Die Stadt macht uns sprachlos. In 2 Stunden haben wir gefühlt 100 Kirchen gesehen.

An der schönen Piazza Pretoria bewundern wir einen Brunnen direkt vor dem Rathaus.

Hinter dem Rathaus stehen zwei Kirchen aus der normannisch byzantinischen Zeit, die wir uns später noch ansehen werden.

Wir laufen die Straße weiter und stehen plötzlich vor den Quattro Canti.

Es handelt sich dabei um vier Häuser, die an einer Straßenkreuzung stehen und quasi achteckig sich einfügen. Die Gebäude sind reich verziert und stellen Personen zu den vier Jahreszeiten dar. Wenn man dieser Straße folgt, kommt man gleich an den wunderschönen Platz Bologna. Hier rasten wir etwas im Schatten, trinken einen Prosecco und ein Bier und lassen die Stimmung auf uns wirken. Es ist Samstag Nachmittag, der Platz ist mit Lokalen gut bestückt, Musiker ergänzen die Stimmung auf dolce vita. Wir machen uns wieder auf und entdecken nach ein paar hundert Metern die Kathedrale von Palmero. Normannischer Stil mit kleinem Park. Die Besichtigung heben wir uns für ein anderes Mal auf. Wir flanieren im wahrsten Sinne von Highlight zu Highlight ohne zu vergessen, dass am Abend der leere Magen gefüllt werden muss. In einem Carrefour decken wir uns mit dem nötigsten ein. Da Palermo so viele Schmuckstücke hat, beschließen wir, einige Tage hier zu bleiben und uns Kunst und Kultur zu widmen. Das Wetter soll auch sehr windig werden, ein Grund mehr, hier zu bleiben.

Schock am Morgen. Das Lieblingsspielzeug des LI wurde geklaut, haben uns die Arschlöcher (O-Ton LI) doch tatsächlich über Nacht die Angel nebst Rolle vom Boot entwendet, wobei wir direkt darunter geschlafen haben. Frank ist entsetzt, auch etwas verärgert wegen seiner Leichtsinnigkeit. Wir sind um eine Erfahrung reicher und um eine Angel ärmer. Es wird bis Weihnachten nur noch  gekauften Fisch auf den Tisch kommen.

Am Sonntag ist die Stadt überfüllt. Fast alle Straßen wurden zu einer Fußgängerzone umfunktioniert. Der Grund für die Menschenmenge: ab Ende September bis Ende Oktober kann man, nachdem man sich registriert hat, die bedeutendsten Kirchen, Gebäude, Paläste für kleines Geld ansehen. Eine Registrierung am Plazza Pretoria genügt und es kann losgehen, einreihen in riesige Schlangen und warten, bis man die Gebäude betreten kann. Wir entschließen uns, dem nicht zu folgen, sondern picken uns ein paar Gebäude und Kirchen heraus, die wir uns ansehen. Als erstes betreten wir die Chiesa e Chiostro di Santa Caterina d`Alessandria. Es handelt sich  um eine Kirche mit angeschlossenem Kloster, in dem Nonnen lebten.

Man sieht die kleinen Zellen der früheren Bewohnerinnen, davor jeweils ein kleiner Brunnen als Waschgelegenheit. Die Nonnen haben ihr ganzes Leben diesem Kloster gewidmet, jede hatte ihre speziellen Aufgaben, daneben natürlich beten. Die Kirche ist unglaublich reich verziert, es blendet in den Augen. Spektakulär ist, dass man über Balkone auch ins innere der Kirche vordringt. Man sieht die Rundung des Daches, weil man dahinter vorbeigehen kann und über steile Stiegen am Glockenturm vorbei schließlich auf das Dach gelangt. Von hier aus hat man eine hervorragende Sicht über die ganze Stadt, einschließlich Hafen und Hinterland. 85 Personen dürfen gleichzeitig oben sein, dann bitte wieder zügig absteigen, natürlich wollen wir auch fotografieren. Am Ende besichtigen wir die Kirche. Von hier aus geht es zur Kathedrale, denn diesen Prachtbau wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Gualtiero, der Erzbischof gründetete diese Kirche zwischen 1169 und 1190. Die Kirche wurde immer wieder erweitert, dies ist beachtlich, da Sizilien nicht immer katholisch war, sondern auch islamische Herrscher hatte. Den Nachmittag lassen wir in einer Osteria ausklingen. In der Nacht frischt der Wind auf. Am Montag nutzen wir den Tag um einzukaufen und zu faulenzen, obwohl wir auch da mindestens 10 KM durch die Stadt gelaufen sind. Gestern am Dienstag standen wieder einige Kirchen auf dem Programm, denn der islamische Stil einiger Gebäude hat uns sehr begeisert. Die Chiesa di San Cataldo wurde ca 1160 begonnen zu bauen, direkt dahinter die Kirche der heiligen Maria des Admirals, die Martorana. Es handelt sich hierbei um eines der schönsten Meisterwerke Palermos und wurde von Georg von Antiochien in Auftrag gegeben. Ihre Geschichte ist kontrovers und von vielen Machtübergängen gezeichnet. Einzigartige Mosaike zeigen die Krönung des Königs Rüdigers und Georgs von Antiochien zu Füßen Marias. Heute werden byzanitinisch orthodoxe Rituale durchgeführt, gilt diese Kirche als Co – Kathedrale von Eparchia die Piana degli Albanesi.

Ich könnte stundenlang weiter berichten, will euch jedoch nicht langweilen. Als weiteren Höhepunkt haben wir gestern das Theatro Massimo besichtigt. Es stellt den Stolz der Stadt dar, denn es handelt sich um das drittgrößte Theater von Europa. Es steht an der Piazza Verdi, benannt natürlich nach Verdi, der in diesem Opernhaus eine Oper uraufgeführt hat. Das Gebäude wurde 1997 restauriert, ist in einem außerordentlich guten Zustand. 3200 Personen können hier gleichzeitig der Kunst frönen, da die Logen über mehrere Etagen angeordnet sind. Allein im Innenraum finden 400 Personen Platz. Wir konnten in der Loge des Königs sitzen und waren ob der Größe sehr beeindruckt.

Was wäre das Mittelmeer ohne Märkte. Natürlich haben wir auch hier den einen oder anderen angesehen. Am schönsten war für mich der Mercato Ballaro, der sich als Straßenmarkt unendlich lange hinzieht und alles zu bieten hat, was man sich so vorstellen kann, gleich ob Schweinsköpfe, Schwertfische, Gemüse, Obst, vorallem auch Nüsse. Ich habe noch nie so große Walnüsse wie hier gesehen. Ansonsten gibt es in jedem Viertel Händler, die ihre Ware auf kleinen Verkaufsständen oder den Dreiradautos verkaufen.

Heute wird das Boot aufgeklart und für die Weiterreise ins Winterlager vorbereitet. Ich wurde zweimal zum bunkern von Lebensmitteln in die Stadt beordert. Wir haben einfach von allem zu viel an Bord. Über Winter muss die Strategie neu überdacht werden, denn wir räumen und suchen uns echt ein Apfelkörbchen. Der Asiatische Nudelsalat für morgen tagsüber ist vorbereitet, ein frischer Smoothie kühlt und heute wird es zum ersten Mal in Italien Spagetti Bolognese geben. Wir merken, dass der Mistral der letzten Tage mit dem Nordwind für Abkühlung gesorgt hat. Die Sommerkleidung wird verstaut, denn es wird Herbst auf Sizilien. Tutto bene aus Palermo.

 

 

Morgen ist es so weit: 111 Tage und mehr als 1700 SM

Lipari wurde heute von uns beiden Saarländern erobert. Die Marina EOL Mare liegt ca 1 km von Lipari Dorf entfernt. Kein Problem für die Crew, die vor 36 Std den Stromboli erstiegen hat. Das Dorf ist liebreizend und nach einem Capucchino tauchen wir in die Geschichte der Insel ein. Wir besichtigen das archäologische Museum der Gemeinde. Dafür muss die Burg erklommen werden. Enge Gässchen laden zum Schlendern ein. Doch uns reizt die Historie der Vulkan Inseln. Wir erfahren, dass es bereits vor 5500 Jahren v. Chr. zu ersten Besiedelungen durch Griechen kam. Das Museum zeigt dies alles auf. Es wurden Gräber aus diesen Jahren gefunden, inklusive Grabbeigaben, Töpfereien, Geschirr. Wenn man die Jahre verfolgt, kann man den Fortschritt der Entwicklung sehen und wie immer, die Gräber und die Beigaben. Ebenfalls erstaunlich, die Anzahl der Kirchen, die es in der Vorzeit für solch einen kleinen Ort gab. Hervorragend ist der Dom, dessen Schutzpatron der Heilige Bartholomäus ist. Die Geschichte des Märtyrers wird beschrieben. Sein Sarg, den Asiaten ins Meer warfen, wird hier angespült. Seither ist er der Schutzheilige. Stundenlang schlendern wir durch die Anlage des Museums, sehen, die Entwicklung der Menschheit in diesem Bereich Europas. Wiege der Kulturen, ob Griechen, Römer, Spanier, Bourbonen oder Normannen, die Inseln hatten viele Herren, immer bekriegt, denn es gab ein Gut, dass wertvoll war: Obsidian, das schwarze Gold der Vergangenheit, später Bimbsstein, und natürlich allgegenwärtig: der Vulkanismus. Ein deutscher Experte wird immer wieder erwähnt: Rittmann, der bekannteste Vulkanologe, hat hier viel geforscht. So verbringen wir einen erneut sehr spannenden Tag zwischen den äolischen Inseln, unseren 110. Tag der neuen Zeitrechnung. Morgen werden wir Sizilien ansteuern und irgendwann im November unser Winterlager in Licata anlaufen. Zeit, danke zu sagen für Erlebnisse, Bekanntschaften und Erfahrungen, die wir sammeln durften. Danke zu sagen, der Familie, die zu Hause unserer Berichte harrt und danke zusagen Euch Interessierten, die diesem Blog folgen. Wir freuen uns auf weitere 110 Tage und die SM, die vor uns liegen. Wir wünschen uns weiterhin Fair Winds und eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Bleibt gesund wo auch immer Ihr gerade seid.

Anm. des LI, in dem Falle besser des Navigators: Morgen gibt es 55 SM auf das Log, Sizilien ruft, aber auch ein Tief sucht seinen Weg hierher. Da wäre ich gerne in Palermo, ein paar Takte mit meinen Kumpels von der Mafia quatschen, derweil den Wind aussitzen. Keep upright!

 

Zwischen den Inseln 4 ODER WAS AUCH IMMER an Inseln so anliegt

Ja, wir sind wieder in einem Archipel, den kaum jemand von Euch kennt. Wir haben die liparischen oder äolischen  Inseln erreicht. Dieser Archipel zeichnet sich dadurch aus, dass alle Inseln vulkanischen Ursprungs sind,  mal mehr, mal weniger alt. Die erste Insel, die wir von Kalabrien aus anlaufen, ist Stromboli. Der einzige aktive Vulkan Italiens. Wir bekommen eine Boje mit der Option, am nächsten Tag, den Vulkan zu besteigen. Ich, Eva, war schon auf einigen, aber ein Nachtabstieg ist auch für mich neu. Wir werden um  14.30 am Boot abgeholt und treffen mit ca 30 Mitstreitern an. Die Ausrüstung wird verteilt, ohne Helm und Kopflampe geht nichts, Wanderschuhe obligatorisch. Wir steigen auf. 982 Höhenmeter sind bis zum Gipfel zu bewältigen. Langsam ist unser Schritt. Frank und ich sind sehr gut ausgerüstet. Wir haben Bergsteigerschuhe und Stöcke dabei, genug zu trinken und zu essen. Es ist nicht mein erster Vulkan und ich weiß, was uns erwartet. Der Weg ist uns gnädig. Wir gehen nur im Schatten. 1000 Höhenmeter sind zu bewältigen. Ein Wahnsinn, für jemand wie Frank, der das noch nie bewältigt hat. Er schafft es, wie alle aus der internationalen Gruppe: USA, Malta, Italien, Spanien, Frankreich Österreich, Schweiz und Deutschland, vertreten. (Anm.: des LI: Das waren locker 500 Höhenmeter Treppensteigen über Geröll, lavamäßig. Könnte man eine Seilbahn hinbauen! Gemäß meinem Motto: Gehe keinen Meter zu Fuß den man nicht auch fahren könnte). Wir alle harren dem Sonnenuntergang, Drohnen fliegen, Fotos werden geschossen, wir sind international und erleben alle das gleiche Spektakel: der Vulkan spuckt und wir sind mittendrin und erleben es life. Feuerwerk an Sylvester kann nicht spektakulärer sein. Irgendwann steigen wir ab. Wie ihr euch denken könnt, extrem steil. Nach Stunden ist auch das geschafft und wir warten auf unser Taxi zum Boot. Wir sind nass geschwitzt, uns ist kalt, wir wollen zum Boot. Dann kurz Schwimmen, duschen und ab ins Boot. Das ist schön warm, draußen war es TAGSÜBER 30 °.

HEUTE Morgen wollen wir uns das Spektakel life ansehen und umsegeln die Westküste. Der Vulkan raucht aus mindestens 6 Schloten. Wissen wir, wie wohlbehütet wir in Deutschland leben? Die Bevölkerung von Stromboli lebt mit der täglichen Gefahr, dass der Vulkan ausbricht. Wie gehen wir da mit um? Ich könnte so nicht leben und bin froh, dass wir uns über Pantarea nach Lipari verlegen. Morgen wird die Altstadt erkundet. Bis dahin buona notte!

20171017_184713_5

Gestern Abend

20171018_100925

Heute Morgen

Sonntag, oder wie man sich den versauen kann

Nachdem wir mal den Fäkalientank in Betrieb hatten (warum eigentlich?) müfft es immer im Boot. Heute wollte ich diesen spülen, damit die Nörgelei meiner liebsten Eignerin ein Ende findet. Über die Absaugöffnung mit dem Wasserschlauch rein und mit der Pumpe wieder raus. Soweit ein guter Plan, wenn man davon absieht, dass die Plörre in den Hafen fließt, bis die Pumpe versagt. Ups! Shit, im wahrsten Sinne, nun geht nix mehr, die Stromzuleitung ins Bad ist wech. Kein WC, keine Dusche, kein Grauwassertank (Waschbecken läuft da rein), nichts geht mehr. Morgen wollen wir auf die liparischen Inseln!!!

Da reiß ich mal eben schnell das halbe Boot auseinander um am Ende des Tages festzustellen, dass sich eine Lüsterklemme unterhalb des Schaltpaneels verabschiedet hat, glatt verschmurgelt. Wahrscheinlich mangelhafte Verbindung, gepaart mit hoher Stromaufnahme durch die mühsame Arbeit der Fäkalienpumpe (da waren einige Bröckchen zu fördern), das war’s. Danach Entwarnung, alles wieder zusammenbauen, wegräumen und Freigabe an die Kombüse zum Kochen. Der Plan kann gehalten werden, wenngleich ich die vergammelten Sonntage auf der Couch in meinem früheren Leben manchmal vermisse…

Kalabrien, du mein Traum!

Seit Tagen Motoren und Segeln wir entlang der traumhaften Küste Kalabriens. Nie hätte ich vermutet, dass mich ein Landstrich so faziniert. Direkt an der Küste kleine verschlafene Dörfchen, meist mit historischem Kern! Einer alten Kirche, netten Menschen, die nicht vor ihren Fernsehern sitzen, sondern sich auf Plätzen treffen, auf einer Bank sitzen und miteinander reden. Die Männer spielen  Karten, es werden übrigens andere Karten benutzt als in Deutschland. Zwischen den Ortschaften Sandstrände mit traumhaft klarem Wasser, kleine Buchten, einige, die man nur über das Wasser erreichen kann. Hinter den Dörfchen liebliche Hügel, die gerne erwandert werden, denn es finden sich überall kleine Hotels oder Bed and Breakfast Möglichkeiten. Die Infrastruktur ist ausgesprochen gut, es fahren Züge bis nach Rom oder Neapel, natürlich sind auch Busse und Fähren im Einsatz. Da wir kein Auto zur Verfügung haben, nutzen auch wir diese Nahverkehrsmöglichkeiten, wenn wir uns Altertümer ansehen.

Hinter den Hügeln ragen höhere Berge auf, sie Strecken ihre Gipfel oft auf über 1500 m in den Himmel, na und der ist dieser Tage oft genauso blau, wie das Wasser. Wir haben in der Regel jetzt Mitte Oktober 25- 30 °, abends wird es früh dunkel, dann fallen auch die Temperaturen recht schnell auf moderate 18 – 20 °.

Die Marinas, die wir zur Zeit mangels Buchten anlaufen, sind sauber, die Marineros extrem hilfsbereit. Gestern wollten wir zuerst die Marina Amantea anlaufen, ebenfalls ein Örtchen mit ganz viel Charme, der die Jahrhunderte überstanden hat. Schnell haben wir gemerkt, dass unser Boot zu groß für den kleinen Hafen  ist. Was tun, keine Ankermöglichkeit weit und breit, daher mache ich den Vorschlag nach Vibo Valentia zu gehen. Leider noch über 20 SM entfernt, es ist schon 16 Uhr. Als wir im Hafen anrufen, wird uns versichert, dass Platz ist und die Marineros auf uns warten, bis wir ankommen. Es wird vereinbart, dass wir uns melden, sobald die Hafeneinfahrt in Sicht ist. Uns ist etwas mulmig, weil es die erste Ankunft bei Nacht im Hafen ist. Wir melden uns im Hafen und werden an die Mooring geleitet mit Licht- und später auch Handzeichen. 3 Marineros stehen bereit. Einer auf dem Nachbarboot mit der Mooring, die er auch selbst am Heck unserer Eira befestigt, zwei vorne am Steg, die mir helfen, unsere Landleinen zu vertüdeln, ein nettes buon notte und verschwunden sind die 3. Bezahlen sollen wir heute, später. Schließlich ist fast 20 Uhr, die Männer machen jetzt Feierabend. Wir sind stolz und glücklich, dass das Anlegen so gut geklappt hat und machen uns an die Zubereitung des Abendessens. Da der Skipper am Freitag den riesigen Schwertfisch gefangen hat, gibt es natürlich noch einmal Fisch mit Minizucchinis und Bulgur. Ja und dann erwartet uns heute früh eine Überraschung, als wir bezahlen. Die Marina kostet für eine Nacht nur 27,-€! Da sagt Frank, dann bleiben wir 2 Nächte, weil er sich in der Zwischenzeit die Duschen und Toiletten angesehen hat. Für die beiden Übernachtungen zahlen wir letztendlich 50,-€, wo wir auch schon mal 90,-€ in einer anderen Marina für 1 Nacht zahlen sollten. Das Internet ist hervorragend, wir finden Läden, in denen wir heute am Sonntag frische Lebensmittel kaufen können und bleiben daher gerne einen Tag länger. Heute wollten wir eh nur 10 SM weiter nach Tropea, wer weiß, was uns dort erwartet hätte. Nach den 11 Stunden und 55 SM von gestern, tut ein Tag Ruhe auch mal gut.

Morgen legen wir ganz früh ab in Richtung Stromboli, da wir im Hellen ankommen möchten, es gibt keinen Hafen, nur Bojen. Die Insel gehört zu den äolischen  oder liparischen Inseln, die wir uns in den nächsten Tagen ansehen möchten. Sie sind bekannt, wegen dem aktiven Vulkan auf Stromboli und ihrer Abgeschiedenheit und Autentizität. Wir freuen uns darauf und hoffen, dass es uns möglich sein wird, den Stromboli bei Nacht zu besteigen, ansonsten werden wir uns auf jeden Fall die Feuerrutsche vom Wasser aus ansehen. So nennt man den Ort, wo die Lava ins Meer rutscht.

Zu Beginn des Beitrages habe ich erwähnt, dass wir viel Motoren. Das ausgewachsene Hoch, das uns Barometerwerte von über 1030 beschert, sorgt dafür, dass sich kein Lüftchen regt. Und selbst wenn, nur mit Lüftchen können wir nicht Segeln, zumal wenn wir abends in einem bestimmten Hafen ankommen wollen oder müssen. Daher also unter Motor unterwegs. Den Tank haben wir günstig, lach bei 1250,-€, in Korsika gefüllt. Aus diesem Grund haben wir auch die Muße, diese schöne Landschaft zu betrachten. Genießt den Sonntag. Das machen wir nun auch. Ciao ihr Lieben.

Golfo di Policastro. Von lieblichen Gegenden und räuberischen Fischen.

20171013_150634

Normalerweise kommt mir nah an der Küste nichts an den Haken.

20171013_180211

Dieser liebliche Gummitintenfisch ist aber überall erfolgreich. Beißt da doch glatt ein Schwertfisch rein, was nicht dessen beste Idee war.

 

Deutlich größer als beim letzten mal, müssen wir uns ernsthaft mit der Zubereitung beschäftigen. Heute wird er gegrillt, Tip von Olaf und davon hat er Ahnung. Also Pesce spada vom Lotus-Grill und das am Freitag den 13.

Camerota , gestrandet in der Idylle

Seit gestern morgen wissen wir, dass wir eine neue Starterbatterie benötigen. Die Alte  zählt so viele Lenze wie das Boot. Das frühe Ablegen in Agropoli hat sich etwas verzögert. Klar ist, dass wir mit diesem Problem nicht die liparischen Inseln, die fernab von Sizilien liegen, anlaufen können. Unsere Reisestrecke gestern führt uns aus der Bucht von Salerno heraus und weiter entlang eines lieblichen Küstentreifens mit Wäldern bis an die zahlreichen kilometerlangen Strände, die nur durch Felsen voneinander getrennt sind. Im Hintergrund sehr hohe Berge, die immer wieder an Form und Beschaffenheit voneinander abweichen und dem Auge daher gut tun. Leider bleibt der Wind aus, es wird immer wärmer, kurze Hose und T – Shirt sind um die Mittagszeit bis ca 15 Uhr fast zu warm. Irgendwann wird klar, dass wir das uns gesteckte Tagesziel Maratea   nicht erreichen, bevor es längst dunkel ist. Zwar  können wir die  Segel setzen, der Wind reicht jedoch nicht aus, um effektiv  schneller voran zu kommen. Neuer Plan, schon im Hinblick auf die zu besorgende Starterbatterie lässt uns die Marina Camerota anlaufen. Ein netter Hafen, sehr freundliches Personal und endlich mal wieder Duschen, die wir gerne nutzen, da sie groß und geräumig sind, mit 2 Haken und einem Hocker ausgestattet sind. Es sind die ersten Duschen an Land, seit wir Ostia  verlassen haben. Entweder müssten wir unsere Dusche an Bord nutzen oder könnten Schwimmen um anschließend die Außendusche zu aktivieren.

Frank hat nach unserer Ankunft gleich die Batterie bestellt, die heute um 10 Uhr geliefert werden sollte. Die Lieferung verzögert sich nun doch etwas, so dass an ein Ablegen heute nicht mehr zu denken ist. Also den Ort erkunden, frische Lebensmittel besorgen, einen Capuccino Trinken und die Zwischenzeit nutzen:

Bettwäsche waschen. Das Wetter ist bestens, um nicht zu sagen: heiß ohne Ende. Ich sitze bei mehr als 30 ° im Schatten an Bord, während die Wäsche in der Sonne trocknet.  Die Hochsommer Bekleidung ist hinten in den Schränken verstaut, also Bikini hervorkramen und die Sonne genießen.

Das kleine Städtchen ist ein Traum mit netten Restaurants, Eisdielen und Läden, in denen man sich gut versorgen kann.  Einfach mal treiben lassen, Streß machen nutzt nichts. Das Dolce Vita auch mal genießen. Morgen ist auch noch ein Tag um unsere Route gegen Süden weiter in Angriff zu nehmen.

20171012_132600

 

 

 

 

 

Bilder von Ercolano, Pompeii und Amalfiküste

Wir waren noch Bilder der Ausgrabungen schuldig, hiermit erledigt.

20171006_123238

20171006_144302

20171006_123230

20171006_124432

In der Zwischenzeit, haben wir Capri passiert, nicht im Dunkeln und nicht als die Sonne rot im Meer versank, sondern bei helllichten Tag. Am Sonntagmorgen mit ganz viel Fährverkehr und einem Kreuzfahrtschiff, das bei Sorrento lag, kein Vergnügen. Nach der Kabbelsee zwischen Festland und Capri war es ein Vergnügen, die Amalfiküste entlang zu motoren. Kein Wind ließ uns ganz nah an die Küste kommen, so dass wir die lieblichen Orte wie Positano, ich denke dann sofort an Stefan Andres und Goethe, sowie Amalfi passieren konnten. Wir wollten ein Stück weiter kommen, haben Salerno angefragt und sind in Cetera gelandet. Ein kleines Fischerdörfchen,  kurz vor Salerno, gefiel uns so gut, dass wir dort übernachtet haben. Der freundliche Marinero hilft beim Anlegen und fragt uns, wie lange wir bleiben wollen. Ich sofort: eine Nacht, denn hier kann man auch für ein, zwei Stunden bleiben, den Ort besichtigen, etwas essen und trinken und dann wieder ablegen. Der liebliche Ort hat es uns angetan! Die Einheimischen verbringen den Sonntagabend auf den Plätzen und Bänken und unterhalten sich. Kein Fernsehn kann so interessant sein, wie das persönliche Gespräch und das Treffen mit Freunden. Eine Gruppe Männer spielt Karten, Töchter gehen  mit ihren Müttern spazieren. Man trifft sich auf ein Eis, ein Glas Wein und unterhält sich. Ich kenne dies noch aus meiner Kindheit, als ich bei meiner Urgroßmutter und Oma war. In Deutschland Geschichte, schade!

Am Morgen bezahle ich den Hafen und bin freudig überrascht. Der Marinero will lediglich 20€ von mir. Schöne Überraschung zum 100. Tag auf See.

Wir verlassen Cetera und erleben ein weiteres Highlight: Delfine sind in der Bucht von Salerno zu Hauf unterwegs, spielen mit uns und verschönern uns die Fahrt nach Agropoli. Hier wurde die Marina aufgeteilt in Stege und jeder Steg hat einen anderen Besitzer. Wir bekommen zwar einen Platz, fühlen uns im Vergleich zu Cetera abgezockt. Der Marinero will 70,- € die Nacht und wir wollen 2 Nächte bleiben, können ihn auf 60,-€ runterhandeln. Da wir uns Paestum ansehen wollen, bleibt uns keine Wahl, wir bleiben und zahlen den Hochsaisonpreis. Beim Erkunden des alten Dörfchens entdecken wir die Zugverbindung nach Paestum, eigentlich wollten wir mit dem Bus fahren, eher per Zufall. Gleich sind die Karten am Automaten gekauft, eher einfacher, als in Deutschland, und zurück ist der Weg auch schneller gefunden, als der Hinweg. Durch den historischen Dorfkern gelangen wir schnell wieder zum Hafen.

Heute morgen sind wir dann mit dem Zug 6 Minuten gefahren um unmittelbar vom Bahnhof von Paestum in die griechisch, römische Antike einzusteigen. Eine 15 m hohe Stadtmauer umgibt die Anlage, die teilweise 5-7 m dick ist und von einem Wassergraben umgeben. Mit Audioguide ausgestattet, besichtigen wir Tempel, Wohnhäuser, Amphitheater und Forum.  Die Gebäude entstanden teilweise 600 v. Chr, wurden von den Griechen errichtet. Die Stadt hieß damals Poseidon, nach dem Gott des Meeres. Die Tempelanlagen sind extrem gut erhalten und erlauben einen Einblick in die Lebensweise vor 2600 Jahren. Unglaublich, wie gut die Haushaltsgegenstände erhalten und beschrieben sind. Wir sind schon gespannt, was uns in Sizilien an weiteren griechischen Tempeln erwartet.

Am Abend habe ich uns einen Kuchen und ein Brot gebacken und morgen geht es weiter Richtung Süden. Bona notte.

von Ercolano nach Pompej oder wow

Gestern sind wir in die Vergangenheit eingetaucht. Mit dem Zug, der in einer unglaublichen Geschwindigkeit an der Küste entlang gebraust ist, haben wir zuerst Ercolano Scavi erreicht. Ursprünglich wollten wir den Vesuv besteigen, da der Vulkan aber den ganzen Tag in Wolken gehüllt war, haben wir das Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt. Dafür hatten wir den ganzen Tag zur Verfügung um die Altertümer zu besuchen. Auf Ercolano ist Frank gekommen. Es handelt sich dabei um eine kleinere Anlage als Pompej, dafür übersichtlich und sehr informativ. Mit einem Audioguide ausgestattet, sind wir die Anlage abgeschritten. Man erreicht die Ausgrabungen durch einen Tunnel, der in die Lava gebohrt wurde. Die ersten Gebäude sind am früheren Strand gelegen. Leider wird das gefundene Ruderboot gerade restauriert. In diverse Häuser kann man hineingehen, sieht Küchen mit Aborten direkt neben der Kochstelle, Handwerkerhäuser, Tempel, Thermen. Unglaublich, wie fortschrittlich schon vor Christi Geburt gelebt wurde. Morgens frühstückte man nicht viel, zu Mittag ging man in eine der zahlreichen Tavernen, wo das Angebot an Speisen und Getränken vielfältig war, und alles wurde in Tonkrügen aufbewahrt. Hier traf man sich zu Gesprächen und zum Verweilen. Teilweise sind Fresken gut erhalten, man sieht verkohlte Balken, denn auch hier hat der Vesuv die Stadt eingeäschert. Beeindruckend auch die Thermen. Angegliedert Sporträume, die zuerst aufgesucht wurden um sich dann später in der Anlage zu reinigen und zu relaxen. Natürlich streng getrennt nach Männern und Frauen. Das Wasser wurde durch Bleirohre geleitet. Brunnen standen quasi an jedem Straßenzug. Sportstätten und Theater waren ebenfalls vorhanden.

Von Ercolano sind wir wieder mit dem rasenden Zug, der zudem voll besetzt war, zurück nach Pompej gefahren. Diese Ausgrabung ist viel weitläufiger, als die zuvor besuchte und natürlich stärker frequentiert. Hier die Übersicht zu behalten gestaltetete sich sehr schwierig, trotz Plan hat auch der Navigator nicht immer gewußt, wo wir uns gerade befinden. Da Pompej größer als Ercolano war, sind die Straßen breiter. Damit man diese besser überqueren konnte, wurden Trittsteine über den Weg verlegt. Auch heute noch sehr praktisch zum Seitenwechsel. Auch hier eine Anzahl von Tavernen, Bäckereien, selbst Ärzte und Apotheken gab es schon. Natürlich dürfen auch Tempel nicht fehlen. Es gab mehrere Theater, ein kleineres sogar überdacht. Schockierend waren für mich die gefundenen Menschen, die vom Ausbruch überrascht wurden und versteinert ausgegraben wurden. In der Ausstellung zur Ausgrabung sieht man sehr gut erhaltene Gefäße, die kunstreich verziert wurden.

Im Zug zurück nach Castelammare di Stabia, waren wir dann auch erschlagen von dem gerade gesehenen. Da wir noch nicht genug gelaufen sind an diesem Freitag, machen wir noch eine Orientierungstour durch die Stadt, weil wir uns noch versorgen müssen und auch eine Wäsche wäre wieder fällig. Wir finden alles mögliche, aber keine Wäscherei mit Selfservice. Lavanderia ist hier auch gleichzeitig eine Reinigung. Also fragen wir den Marinero, der nach einiger Zeit uns eine brauchbare Wegbeschreibung geben kann.

Am heutigen Morgen war der Vesuv ganz ohne Wolken zu sehen. Da wir Waschtag haben, bleibt keine Zeit nochmals die ganze Strecke mit dem Zug in Richtung Vesuv anzutreten. Bleibt mir nur, heute diverse Bilder vom klar sichtbaren Vulkan zu schießen. Man kann nicht alles haben. Das Schiff wird aufgeklart, die Kleiderschränke aufgeräumt, denn die Hochsommerkleidung wird nicht mehr benötigt. Der gemeine Italiener trägt jetzt schon  Winterkleidung. Der Wind war heute recht stark, weswegen wir auch entschieden haben, noch einen Tag in der nicht gar so schönen Marina zu bleiben. In der Stadt sind Frank und ich mit unseren Kurzarmshirts und Shorts doch etwas merkwürdig beäugt worden. Das Schiff ist gesäubert, die Schaps sind gefüllt. Morgen machen wir uns auf in Richtung Amalfiküste, denn wir wollen uns noch die Liparischen Inseln ansehen und die Tage werden immer kürzer. Ciao!