Das 4. Jahr

hat gestern begonnen.

Ursprünglich wollten wir um diese Zeit bereits auf den Balearen sein und leere Buchten und Strände genießen, da das Virus uns im Frühjahr schon den Jahresplan hatte ändern lassen und ob der weltweiten Situation Europa angenehmer als erratische Präsidenten jenseits des großen Teiches erschien.
Zwischenzeitlich hat es aber leider Eva böse erwischt, ischämischer Pons- und Mittelhirninsult, auf deutsch Schlaganfall.
Aus nicht wirklich heiterem Himmel, ohne Vorzeichen, Vorerkrankungen oder auf Grund ihres Lebenswandels gefährdet, keine Ahnung wo das herkam.
Das wirft nun unsere kurz-, mittel- und möglicherweise langfristigen Planungen komplett über den Haufen.
Kurzfristig ist Eva nun nach der stroke unit in Saarlouis nach Heidelberg verlegt worden und mischt dort die Therapeuten auf.
Die linksseitigen Lähmungen bilden sich zurück oder besser der gesunde Teil des Gehirnes übernimmt die Steuerung der Funktionen, schneller als allgemein üblich, aber dieser Weg wird lang sein.
Mittelfristig bleiben wir natürlich in Deutschland, Eva kämpft und ich versuche sie bestmöglich zu unterstützen. EIRA bleibt vorerst in Cartagena und nach stationärer und anschließender ambulanter Reha wollen wir entscheiden, ob langfristig unser Plan noch zu halten sein wird.
Hat ja keine Eile.
Ist zwar ein wie immer schlechter Sommer hier, wenig Wasser in Eppelborn, kein Raubfisch für die Schleppangel und sonst nur Corona, Corona, Corona.
Egal, Eva schaut positiv in die Zukunft, gibt wie immer alles und wir warten mal ab. Vielleicht können wir im Herbst absehen, was möglich sein wird, vielleicht auch erst später, on verra.

Gruß diesmal aus Eppelborn

Frank

Lernkurve

Eindeutig ansteigend, finde immer etwas neues.

Neulich war ich mal wieder der Meinung basteln zu müssen, Langeweile und die Neugier auf das Ruderlager waren der Auslöser.
Die Demontage war verhältnismäßig einfach, das Chaos in der Achterkabine dagegen groß.

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Der ausgebaute Ruderquadrant.

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Das obere Ruderlager, die Buchse aus POM im Hintergrund. Der Schmodderkram davor ist ein Kugellager zwischen Lager und Quadrant.

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Koker von oben (eingeschweißtes Rohr mit Aufnahme für die Notpinne), da ist alles anmontiert. Unten noch der Kolben des Hydraulikzylinders.

Beim Nachmessen des alten Lagers musste ich dann leider feststellen, dass dat Dingens konisch ausgeschlagen ist. Unten größer als oben. Gehe also davon aus, dass beide gewechselt werden müssen. Im Wasser jetzt nicht so der ultimative Job. Alles wieder zusammengeschraubt, die beiden Neuteile um 4/10 tel Millimeter abdrehen lassen, sollte jetzt passen, Austausch an Land!
Bei der Gelegenheit noch einen neuen Hydraulikzylinder bestellt, das Bauteil, auf das wir nicht verzichten können. Ist mittlerweile da, bereits verstaut und gibt uns Redundanz falls der alte mal siffen sollte. Ob wir diese Saison aus dem Wasser gehen ist noch nicht entschieden, muss ich erst wissen wie sich das schnuckelige Virus vermehrt. Spanien hat viel Lehrgeld zahlen müssen für ihre anfängliche Ignoranz.

Kaum genesen von der Schweinerei, da war überall Fett in rauhen Mengen, der ganze Ruderkoker voll davon und rundherum auch nicht gegeizt, richtet sich mein Adlerblick auf die Toilette. Tröpfelt seit geraumer Zeit vor sich hin, nicht viel, aber konstant.
Also frisch ans Werk und zerlegt.
Immerhin kein Fett dran, ansonsten jedoch so das ein oder andere….

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Die zwei Übeltäter, (Un)dichtung und Popelschräubchen, schon etwas ramponiert.

Das Zerhackermesser war kurz vorm Abflug, allerhöchste Eisenbahn für den Kontrollblick. Neue Mutter drauf (selbstsichernd aus unserem Fundus), hätten die Taiwanesen auch von Hause aus so montieren können, Schlamperei!
Austausch der Dichtung, zweimal zusammengeschraubt, da der Schlingel nicht auf Anhieb dicht war, geht wieder. Zwischenzeitlich eine Befestigungsmutter nebst U-Scheibe und zugehöriger Nuss unter der Duschtasse wieder hervorgeholt, reichlich geflucht und nach vier Stunden war alles wieder gut.
Jetzt warte ich auf einen neuen Anfall von Langeweile und suche mir ein neues Projekt, konnte bis dato aber noch elegant umschifft werden, bin ja auch der Skipper hier.
Die Tage tröpfeln so dahin, erste Lockerungen in Kraft, aber nicht wirklich große Veränderungen. Wird wohl vor Mitte bis Ende Juni nix mit ablegen und davor muss ich auch erst noch ins Wasser, Propeller sieht bestimmt aus wie Sau, klingt jedenfalls so.
Wasser hat mittlerweile gut 20°C und ich fürchte nur der Sommer kommt bald. Dann wird es wutzeheiß im Hafen. Letzte Woche hatte ich einen kurzen Vorgeschmack und ratz fatz die Beschattung der Luken und Fenster montiert, wird kuschelig werden.

Also kurzes Update, der Kahn schwimmt noch und der Bub ist gesund.

Gruß aus Cartagena, Frank

Spannungsarm

Dieser Tage abends fällt mein kritischer Kontrollblick auf die permanente Spannungsanzeige am Schaltpanel.

11, irgendwas Volt. Alarm!
Direkt daneben am Batteriemonitor, der normalerweise immer SOC (state of charge) oder besser den Ladezustand der Batteriebank anzeigt, genug übrig und wie immer 13,2 Volt.
Ups, wattt’en datt schon wieder. Wer klaut hier die Spannung?
Erstmal eine schlaflose Nacht, am nächsten Tag alle Stromkreise auf Masseschluss geprüft (Aluschüsseln mögen das überhaupt nicht), alles ok. Die Überprüfung aller 12 Einzelzellen der Batteriebank (durchgehend 3,33 Volt pro Stück) brachte auch keine echte Erkenntnis.
Schaltplan: Wo wird der Saft gespeichert und wie verteilt?

Monsterböhmisches Dorf, wie immer wenn ich in die Masse der Papiere blicke. Einige Demontagearbeiten und Messergebnisse später schält sich heraus, dass über alle Wege der gefühlt kilometerlangen Kabel ein sone Schlingel (Plus in dem Falle) rund 1,5 Volt weniger anbietet als ihm zur Verfügung gestellt wird und ausgerechnet die Hälfte des Schaltpanels versorgend, an dem die Spannungsanzeige, aber auch die beiden Kühlschränke hängen. Der eine für Lebensmittel, der andere für das Eis des Gin Tonic verantwortlich. Panik!
Es hat einen weiteren Tag und locker 2 Bier benötigt um einer schlechten Verbindung der Zuleitung im Klemmblock auf die Spur zu kommen. Erinnerte mich stark an die verschmurgelte Lüsterklemme in Italien (Hauptzuleitung zum Bad), damals sonntags! Abends vor dem Absprung zum Stromboli 2017, weswegen ich uns geschworen hatte nie mehr Sonntags an Werkzeug zu denken, geschweige denn das Zeug anzufassen.
Was für ein Aufwand für eine Verbindung. Und da sag mal einer in Coronazeiten sei es langweilig.

Mittlerweile habe ich mich dazu entschlossen einen weiteren Monat in Cartagena zu bleiben. Mazarron ist 15 sm entfernt, da wird gearbeitet und ich darf auch dorthin, aber danach kann ich unsere Langzeitkonditionen über den Winter nicht wieder erwarten, es sei denn ich zahle durch. Super, dann halt doppelt oder was? Es ist zur Zeit leider nicht erkennbar, wann wir uns wieder frei bewegen können, insofern möchte ich nicht auf die verhältnismäßig günstigen Liegeplatzgebühren verzichten.
Werde in Ruhe, solange der Strom wie gewohnt durchs Schiff fließt, abwarten. Im Zweifel kommt der Bock erst nächsten Winter an Land, der Bewuchs unter der Wasserlinie hält sich noch in Grenzen und kann tauchend abgeschrubbelt werden. Immer vorausgesetzt wir dürfen Spanien tatsächlich mal verlassen, Schengen und so, da war doch mal was.

Also alles beim Alten, gesund und munter, wieder total unter Spannung und immer noch optimistisch.

Keep distance, stay safe

Frank

Lost in space oder der unfreiwillige Pfadfinder

Gestern musste ich unseren Leihwagen zum Flughafen Alicante zurückbringen, rund 120 km entfernt und das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, sehr schlechtes timing.
Ostersamstag mitten in der sehr strikten Ausgangssperre, theoretisch laut Autoverleiher erlaubt, wie aber den genervten Polizisten erklären?
Also gehe ich der Diskussion aus dem Weg und schleiche im Morgendunst zum Flughafen. Die Bullerei hat Schichtwechsel oder sitzt beim Frühstück oder was auch immer, keiner da.
Dummerweise ist aber am Flughafen auch keiner da, nur Polizei, zwei Ambulanzen, Sicherheitspersonal, das wars.
Lost in space!
Kein Informationsschalter, kein Bus. Den Abend zuvor sollten laut Fahrplan drei Busse nach Murcia fahren, am Morgen allerdings nicht mehr. Die Situation hat sich also schlagartig geändert und ich sitze auf dem Trockenen.
In Alicante landet lediglich ein Flugzeug pro Tag, braucht man demzufolge auch keinen regelmäßigen Personennahverkehr mehr.
Glücklicherweise langweilen sich eine Ebene tiefer eine Handvoll Taxifahrer und stehen sich die Reifen platt.
Der erste in der Schlange hatte den ultimativen Glückstag und offeriert die Rückfahrt nach Cartagena zum Normalpreis. Hätte ich vielleicht angesichts der Umstände sicher runterhandeln können, richtig gestresst sah er nicht aus, aber da kam der Pfadfinder, der ich nie war, mit seiner guten Tat.
Dafür verteidigt er auf der Rückfahrt tapfer seinen Fahrgast gegen alle Diskussionen der mittlerweile zahlreich präsenten Polizei, umschifft die Kontrollen und hatte fast Tränen in den Augen als wir im Hafen ankommen. Ich relativ früh zu Hause, er mit dem wahrscheinlich höchsten Tagesumsatz der letzten Wochen, beide glücklich.
Hier wird von einer 15-tägigen Verlängerung nach dem 26. April gemunkelt, aber nichts genaues weiß man nicht.
Weiterhin planlos, abwartend, aussitzend. Bin aber gesund und das ist die Hauptsache.

Fügt euch (hier ist es wesentlich restriktiver), schützt eure Lieben.

Frohe Ostern und viele bunte Eierchen,

Frank

Tausend Tage an Bord und Eva allein daheim

Nachdem Frank seine Situation beschrieben hat, bin nun ich an der Reihe. Meine Komfortzone ist hier in Eppelborn im Heimathafen bei meinem Bruder riesengroß. Im Gegensatz zu Frank, der in der Marina die Dusche mit vielen Personen teilen muß, habe ich ein Bad mit Dusche für mich alleine. Welch ein Luxus auf der einen Seite und welche Risikolosigkeit mich während des Duschens anzustecken. An Bord gibt es noch genügend Desinfektionmittel, sodass Frank sich ausreichend schützen kann.

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Stay at home

Frank hat seine tägliche VHF Runde, die Telefonate mit mir, seiner Mama und seiner Schwester und gelegentlich meldet sich ein Freund bei ihm. Meine Kontakte, rein menschlich direkt, begrenzen sich auf meinen Bruder Markus und seine Frau Corinne, sowie Frank’s Mama und seine Schwester Birgit. Mit ihr gehe ich spazieren. Meine Schwiegermama versorge ich mit Lebensmitteln. Meine Mama kann ich nicht mehr sehen, da sie in einem Pflegeheim untergebracht ist und seit fast 14 Tagen ein Kontaktverbot gilt.

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Wir halten Distanz, beim Spaziergang mit meiner Freundin Ute

Was mache ich den lieben langen Tag? Aufstehen, Yoga, Frühstück, Duschen. Irgend etwas ist immer zu putzen, waschen oder zu organisieren. Ich backe mein Brot selber, im Moment ist Dinkel – Walnussbrot mein absoluter Favorit. Grüne Smoothies und viel Tee halten mich warm  und bisher gesund. Einkaufen gehe ich nur dann, wenn ich etwas benötige, im Wechsel mit Corinne, sodass wir die Ansteckungsgefahr einschränken können. Da es hier in Deutschland sonnig aber kalt ist, gehe ich jeden Tag an die frische Luft. Das Virus hat uns und unser Leben im Griff. Was vor 2 Monaten üblich und normal war, ist verboten oder eingeschränkt. Wenn es mich und meine Liebsten schützt, bin ich gerne bereit zu verzichten. Dies fällt uns, die wir auf Booten leben vielleicht auch leichter, denn es gehört zu unserem Alltag. Wir sparen Wasser und Energie, denn beides ist an Bord nur begrenzt vorrätig. Wir passen unser Leben den Jahreszeiten an, die Sonne gibt uns den Takt vor. Lebensmittel werden bevorratet und sind für 4- 6 Wochen an Bord und werden mit frischem Obst, Salat und Gemüse aufgepeppt. So habe ich mich, als ich nach Deutschland kam bevorratet, alles Notwendige ist im Haus und in der Tiefkühltruhe. Es fehlt an nichts, auch nicht an Toilettenpapier.

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So hat das Virus also unser Leben verändert. Wie schön also, die Wochen seit Januar Revue passieren zu lassen.

Beginnen möchte ich mit einem Treffen mit Segelfreunden im Januar in Mutzig. Während Anja und Klaus aus der Schweiz anreisen, kommen wir aus dem Saarland ins Elsass., unglaublich, da dort, wo wir uns trafen nun das Epizentrum der Corona Erkrankungen in Frankreich liegt.

Bisher haben wir uns persönlich noch nicht getroffen, ich hatte seit circa 3 Jahren oft intensiven Kontakt zu Anja via Facebook und Messenger. Unsere gemeinsame Leidenschaft zum Segeln hat uns zusammengeführt. Während Frank und ich bereits auf unserem  Boot im Mittelmeer leben, können Anja und Klaus nur die Urlaube nutzen. Sie befinden sich auf einer Balticrunde und veröffentlichen auf YouTube Filmchen über ihre Erlebnisse. In Mutzig treffen wir uns im Bärenhotel, mitten im Dorf am Brunnen gelegen. Der Bär zieht seine Spuren durch das komplette Hotel, in keinem Raum fehlt das Tier, selbst die Weihnachtsdeko folgt dem Motto. Am ersten Abend genießen wir ein Feinschmecker Menü und fallen weit nach Mitternacht gesättigt ins Bett. Am nächsten Tag genießen wir die Sonne bei einem langen Spaziergang zur Feste Kaiser  Wilhelm II hoch über dem Ort gelegen.  Es war die erste moderne Festung der Welt.  Wir erkunden das alltägliche Leben von 7000 Soldaten zwischen 1914 und 1918. Wir steigen hinab in kühle 14 ° kalte Räume und laufen mehr als 2 km unterirdisch durch die Verteidigungsanlage. Wir sehen Schlafräume, Waschgelegenheiten, Küchen und Lazarette. Tatsächlich wurde hier nie ein Schuss abgefeuert. Der junge Franzose, der uns durch die Feste führt betont in ausgezeichnetem Deutsch die Bedeutung von einem geeinten Europa für diese Grenzregion.

Geschichte macht hungrig, so genießen wir am Abend elsässische Spezialitäten und plaudern bei einem guten Wein über unsere Leben, Boote und Vorhaben. Nach einem Spaziergang durch den Ort heißt es am nächsten Mittag  Abschied nehmen. Wir haben uns auf Anhieb prächtig verstanden und freuen uns auf ein Wiedersehen.

In Deutschland treffen wir uns mit Freunden, fahren auf die Boot nach Düsseldorf und dann heißt es schon wieder hasta luego, denn ich fliege Anfang März bereits wieder nach Deutschland.

In Spanien landen Frank und ich in der ersten Woche gleich mal mit Grippe im Bett. Während Frank sich zügig erholt, dauert es bei mir 14 Tage, bis ich den Kopf nochmals heben kann, Corona Virus? Wir wissen es nicht.

Aber gerade rechtzeitig zu meinem Geburtstag bin ich wieder fit und wir verbringen einen wunderschönen Tag am Strand gemeinsam mit unseren Freunden von Odin – X Michaela und Sven, bei Tapas und einem fruchtigen Weißwein.

Am 20. Februar besuchen wir Pascale und Gerrit von Mojito in Torrevieja. Die Sonne scheint warm und lädt ein zu einem ausgedehnten Strandspaziergang und ausgiebigen Gesprächen, haben wir uns doch seit Oktober nicht mehr gesehen.

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Markthalle in Cartagena

 

Am nächsten Morgen mache ich mich schon früh auf, den Markt zu besuchen. Die Erdbeerzeit ist gekommen und die Früchte wurden jeden Tag größer und reifer. Der Preis stimmt und so schleppe ich 7,5 Kg Früchte an Bord, zusammen mit den übrigen Lebensmitteln wird mir der Weg zurück zum Boot lang, also rufe ich Frank an und bitte um Tragehilfe. An Bord beginnt gleich die Arbeit und am Samstag stehen 17 Gläser Erdbeermarmelade in Reih und Glied. Ich wurde rechtzeitig fertig, denn heute startet der spanische Karneval in die Endphase. Mittags sind wir in der Stadt unterwegs, um ein paar Gesangsgruppen zu hören. Am Abend lassen wir uns von tollen Kostümen und Tanzgruppen beim großen Umzug mitreißen, farbenprächtige, kunstvoll sind die Kostüme, die an uns vorüberziehen. Nach 4 Stunden sind wir erschlagen und gehen erschöpft zurück an Bord.

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War das unser Verderben? Karneval in Cartagena

Im Gegensatz zu Deutschland ist es in Spanien warm und sonnig und dem sonntäglichen BBQ steht nichts im Wege, es sollte mein vorletztes sein, denn es kündigte sich viel Wind an.

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BBQ am Sonntag

Mit dem Auto machen wir uns auf nach La Unidad, um den Parque Minero zu besichtigen. Rund um Cartagena gibt es 1200 Minen, die ersten wurden bereits durch die Römer betrieben. Nachdem wir uns im Museum einen Überblick verschafft und Grundinformationen erhalten hatten, wurden wir mit einem kleinen Zug zur Mine gebracht. Ausstaffiert mit Haarnetz und Helm stiegen wir hinab in die Dunkelheit.

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Unter Tage, Besuch einer Eisenerzmine

Ich hielt mich direkt hinter unserem Führer auf, sodass ich von seiner Taschenlampe profitieren konnte. Das Areal der Mountain Range beläuft sich auf 50000 qm und verläuft über 5 Ebenen, bis zur 4. können wir absteigen, die 5. ist geflutet.

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In der Mine

Wir können nur erahnen, wie mühevoll die Arbeit hier war. Im letzten Jahrhundert wurde an 7 Tagen der Woche malocht, um täglich 37 Wagen a 1000 Kg Eisenerz zu fördern. Erst wenn diese Menge erreicht war, durften die Arbeiter nach Hause gehen. Der Heimweg war lang, denn die wenigsten Arbeiter wohnten in La Unidad. Entlohnt wurde nicht mit Bargeld, sondern mit Gutscheinen. So profitierten die Minenbesitzer gleich doppelt, denn ihnen gehörten auch die Läden, in denen die Gutscheine einzulösen waren. Durch die harten Arbeitsbedingungen wurden die Arbeiter nicht alt, arbeiteten doch jeweils nur 7 Männer auf einer Sohle. Nachdenklich und erschüttert verlassen wir die Mine.

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Besichtigung eines Marine Versorgungsschiffs

Da in Cartagena immer etwas los ist, besichtigen wir ein Marineversorungsschiff, das für 2 Tage im Hafen festmacht. Ein Matrose führt uns, denn in den endlosen Gängen hat man sich schnell verlaufen. Beeindruckend ist es schon, auf der riesigen Brücke zu stehen, mit all dem technischen Gerät, was der Marine zur Verfügung steht.

Und da man mit einer Besichtigung nicht ausgelastet ist, gehen wir im Anschluss zur Bike und Car Ausstellung direkt bei der Marina.

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Bike & Car in Cartagena

Wir lassen uns ein frisch gezapftes Bier schmecken und hören der Lifemusik zu, die wir dank der Nähe zur  Marina während 3 Tagen Ausstellung genießen können.

Die Zeit rast wie im Flug. Ein letztes Mal Wäsche waschen, die Schapps und Bilgen füllen, denn Frank soll es während meiner Abwesenheit an nichts mangeln. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nichts, von der rasanten Corona Entwicklung, die wenige Tage später in Spanien zu Ausgangssperren und Flugstornierungen führen sollte.

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Geplant war, dass Frank am 29.3. nach Deutschland kommt, um am 4.4. den 80. Geburtstag seiner Mama zu feiern.

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Morgen ist unser 1000. Tag an Bord, wie traurig. Es wird keine Flasche Champagner geköpft, die Zeiten  sind zu schlimm, die Crew getrennt und separiert. Hoffen wir, dass diese Krise schnell vorüber geht und die Mannschaft  sich in Deutschland wieder trifft. Wann wir weitersegeln und wohin, steht momentan in den Sternen.

Ich wünsche Euch allen: bleibt gesund und verzweifelt nicht. Denkt mit aller Kraft an die Zukunft und vergesst uns nicht!

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Viva España

 

 

No plan, just options

So ist der Bootsname von unseren australischen Freunden.

Jeder Plan für die kommende Saison, den ich in den letzten Wochen in den Raum geworfen habe, ist jetzt in der Tonne, zwangsläufig reingetreten.
Kein Plan mehr, null Ahnung.
Ich befinde mich in Cartagena, Eva in Deutschland. Ob diese lieben Königskinder wieder zueinander finden werden steht wohl außer Frage. Nur wann?
Hier in Spanien ist die Situation echt übel, fast schon italienisch. Die Einwohner sind ängstlich, aber nicht panisch. Ich bin in Quarantäne auf EIRA und solange ich mich nicht von Bord begebe passiert nichts.
Einkaufen ist natürlich notwendig, aber ohne Handschuhe (gestellt vom Supermarkt), kommt keiner zum Kaufrausch, den es hier übrigens nicht gibt. Alles da, alles normal, auch Klopapier.
Langeweile macht sich breit und ich will auch nicht unnötig rumschrauben, denn never touch a running system.
Ende letzten Jahres habe ich soweit schon alle üblichen Ölwechsel etc. erledigt, Reparaturen ebenfalls. Nun bin ich etwas vorsichtiger geworden, denn Unterstützung ist zur Zeit nicht erhältlich und EIRA funktioniert annähernd tadellos, also lass ich die Mauken wech.
Aktuell sind noch 3 Wochen Ausgangssperre angeordnet und das wird hier sehr ernst genommen. Aus dem Hafen darf ich nicht und ich wüsste zur Zeit auch keinen Hafen weltweit! in den ich reinfahren könnte. Also gelbe Flagge auf der ganzen Kugel sozusagen.
Leider habe ich diese Nacht feststellen müsssen, dass meine Fensterabdichtaktion letzten Herbst immer noch nicht erfolgreich war, was für eine Scheiße. So langsam gehen mir die Ideen aus.
Der Rest ist voll funktionsfähig, immerhin, und der Bewuchs hält sich trotz zwei Jahren Antifouling in Grenzen, krieg ich auch unter Wasser geregelt. Die Frage ist nur wo, s.o. null Ahnung. Man kann natürlich sagen das ist nichts neues bei mir, aber so planlos bin ich eher selten. O A!
Lassen wir uns überraschen. Erfreulich ist, dass meine Familie in Gänze wohlauf ist, was für ein Segen in diesen Zeiten.

Richtig schlechtes Wetter in Cartagena, Regen und höchstens 15° C, mittendrin ein gelangweilter Skipper.

Der einzige Lichtblick ist die neue Batteriebank. Seit Einbau kein Landstrom mehr, egal was wir einschalten und da sind wir die einzigen im ganzen Hafen.

Bleibt gesund, haltet Distanz, schützt eure Mitmenschen.

Frank

Kommt mit, wir erkunden gemeinsam Cartagena!

Am Tag 840 unserer Reise starten wir, die Marina und Cartagena zu erkunden.  Was uns hier erwartet ist die spannende Frage, die wir uns stellen. Unser erster Gang führt uns natürlich zum Marina Office. Hier gilt es, die Bootspapiere: Auszug aus dem Schiffsregister Hamburg, Versicherung, Personalausweise und Standerschein Transocean, vorzulegen und den Wintervertrag abzuschließen. In Cartagena wird jeder Tag abgerechnet, es gibt keinen Winterkontrakt, so zahlen wir für 14m Länge 2817 Euro, davon sind schon die Prozente für Transocean Mitglieder ab. Dies bedeutet, dass wir schon mal 1000 € mehr zahlen als in Licata, Sizilien. Strom und Wasser kosten nach Verbrauch. Wir besichtigen die Duschen und Toiletten, jeweils 3 für Männer und 3 für Frauen, okay, aber nicht berauschend, kein überdachtes BBQ Areal, kein Raum für Yoga, Musik und ähnliches. Die Stimmung ist etwas weniger euphorisch, doch, von solchen Kleinigkeiten, lassen wir uns die Stimmung nicht verderben. Ein Pluspunkt hat der Hafen: 2 saubere Waschmaschinen und ein Trockner zum Preis von jeweils 4 €, fußläufig vom Boot in 2 Minuten erreichbar. Jetzt wird zuerst geduscht und dann geht es auf in die Stadt, es muss schließlich alles erkundet werden: wo kaufe ich was, nettes Cafe etc.

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Die Stadt ist groß mit über 600.000 Einwohnern. Direkt an der Marina gibt es eine Veranstaltungshalle, ein Unterwassermuseum, von der Stadtmauer trennt uns eine vierspurige Straße. Cartagena ist eine Jahrtausende alte Stadt, in der bereits Hanibal und Scipio Africanus ihre Schlachten schlugen. Ein Spaziergang führt uns durch das punische, römische und moderne Cartagena. Rundum, auf jedem Hügel befinden sich alte Forts. Geht man entlang der Promenade in westlicher Richtung, entlang einer weiteren Marina, hat man zur rechten immer die Stadtmauer im Blick. Am Ende gelangt man zum Marinemuseum und von dort über die Cala Major zum Rathaus und er Haupteinkaufsstrasse. Am besten lässt man sich treiben, biegt immer mal wieder in eine der vielen Nebenstrassen ein. Meist endet man vor einer alten Fassade. Die lässt man un Cartagena gerne stehen und integriert diese in einen Neubau. Oder man steht vor römischen oder punischen Ausgrabungen. Man könnte Cartagena auch als ein riesiges Freilichtmuseum bezeichnen. Steigst Du auf einen Hügel, siehst Du alte Windmühlen, eine Festung, oder eine Burg. Natürlich ist dies eine interessante, blitzsaubere Stadt, Einziger Nachteil: hier landen viele Kreuzfahrtschiffe, an manchen Tagen gleich drei, dann bleiben wir an Bord und waschen keine Wäsche, da diese riesigen Schiffe fortwährend Feinstaub ausstoßen und je nach Wind, bekommen wir den ganzen Dreck ab.

Am Sonntag findet bei gutem Wetter das BBQ hinter dem Container des Büros statt. Der Platz ist leider nicht vergleichbar mit Licata, aber man kann nur mit den Mädels tanzen, die da sind. So what, wir machen das Beste daraus. Es ist sonnig und mehrere Grills sind vorhanden. Während dem sonntäglichen Treffen lernen wir die übrigen Boaties kennen, tauschen uns aus, treffen Verabredungen.

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Bei einem Spaziergang an der Promenade entlang, lernen wir einen Schweizer mit einer Stahlreinke kennen.

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Nach einem Sommer an Bord sammelt sich so einiges an. Das heißt, nun wird geputzt und weggeworfen, was das Zeug hält. Am Ende, müssen frische Lebensmittel an Bord. Die Versorgungslage ist gut, Mercadona, Carrefour und Lidl sind fußläufig gut erreichbar. Die Bäckerei ist nur 10 Minuten entfernt. Kein Problem demnach, doch am Ende des Tages habe ich oft 10000 Schritte absolviert.

Am nächsten Morgen regnet es, also wird innen weiter geputzt, jedes Schapp kommt dran, ausräumen, saubermachen, wegwerfen, was seine beste Zeit hinter sich hat, einräumen. Der Muskelkater ist vorprogrammiert.

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Am nächsten Tag scheint die Sonne, also Wäsche waschen. Zwischendurch kommt Werner, der Schweizer vorbei und wir verabreden uns für den Abend bei uns an Bord. Da es Quiche Lorraine geben soll, kruschelt Frank das Fahrrad raus und besorgt die Zutaten. Und was soll ich sagen, am Abend funktioniert der  Backofen mal und die Quiche schmeckt lecker, wir verbringen einen kurzweiligen Abend.

Morgens stehen die Reiniging des Dhingies, der Luken und der Abdeckungen auf dem Programm. Da am Abend Gabriele, eine Nachbarin zum Essen kommt, muss Fisch besorgt werden, und da ich scheinbar noch nicht genug Aktion hatte, gehe ich auch noch in die Stadt und suche mir einen Frisör, werde herrlich verwöhnt mit einer Aromamassage und dann zurück in die Pantry. Leider verbringen Gabriele und Thomas nicht den Winter hier, wir haben uns  echt gut verstanden, die Beiden segeln nach Almerimar, schade.

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Endlich haben wir am nächsten Abend Gelegenheit, mit fünf Engländern und zwei Norwegern zum Tapas Essen in die Stadt zu gehen. Wir probieren einiges und verleben einen unterhaltsamen Tagesausklang.  Und es kommt, wie es kommen muss, ich bekomme die erste Grippe an Bord, fühle mich richtig krank und das, wo doch eine Schiffsumbenennung ansteht und wir eingeladen sind. Lisa und Ross haben ein gebrauchtes Boot  gekauft, das sie auf den Namen Betsy taufen wollen. Dies ist nicht ganz unproblematisch, müssen Poseidon und die Götter der Winde besänftigt werden. Die Beiden haben nicht nur den Meeresgott eingeladen, auch Vetreter der vier Winde geben alles, damit Betsy immer faire Winde und eine handbreit Wasser unterm Kiel hat,doch seht selbst, wie tolles war:

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Einen Tag vor unserem Hochzeitstag bekommen wir abends Überraschungsgäste. Pascale und Gerrit verbringen zwei Tage in der Marina, wie schön, sie nochmals zu sehen. Wir verabreden uns zum Essen in einem schicken Restaurant, müssen jedoch noch abwarten, bis die Kinder ihr Saures und Süßes zu Halloween abgeholt haben.

Dann geht es ins Luces, wo wir richtig verwöhnt werden und ja, auch hier spielt Halloween eine große Rolle.

Am nächsten Tag müssen wir die Crew der MOJITO in ihr Winterlager nach Torrevieja verabschieden, so Schade, dass wir den Winter nicht gemeinsam verbringen können.

In Cartagena beginnt nun das 39. Jazzfestival und ich konnte für das Eröffnungskonzert 2 Karten ergattern. Am 1. November erleben wir die 89 jährige Kubanerin Portuondo mit ihrer Band im El Batel. Wir erleben Buona Vista Social Club vom Feinsten, Singen, Tanzen zu karibischen Klängen. Wie spannend ist doch unser Leben.

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Und nun wird es 4 Wochen lang jeden Samstag ein Open Air Konzert in der Stadt geben: Cartagena swingt durch den November und wir swingen mit ♡. Musik liegt in der Luft.

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Ja und dann ist es soweit, wir starten Yoga im Park, unterhalb der Stadtmauer, in der Sonne, ich bin begeistert.

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Daneben werden Arbeiten am Boot erledigt,

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wie Holz streichen, Freunde treffen, mittlerweile sind Karen, Toby und die 3 Jungs hier eingetroffen und wir freuen uns auf ein Widersehen nach 18 Monaten.

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Ich beginne wieder zu Joggen, Sarah überredet mich und gemeinsam mit ihr, Katie, Amanda und Phil erlaufen wir uns Cartagena.

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Wir lernen immer mehr Überwinterer kennen, Die Zeit wird kurzweilig, weil Cartagena eine Stadt ist die lebt, Mittelaltertage, Geburtstage, wie der 57. von Frank kommen und gehen.

Die Zeit vergeht im Fluge. Mädelsabende bei Tapas Wein und Bier wechseln sich mit Spieleabenden an Bord ab. Meine Laufkarriere nimmt ein plötzliches Ende, meine Achillessehne streikt, also Bein hoch und Ruhe bewahren.

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Wir besuchen Freunde in Mazaron und besichtigen gleichzeitig die Werft, wo wir im April einige Arbeiten ausführen lassen werden. Dort liegt eine Galeone, der Nachbau eines alten Seglers, den wir gerne besichtigen.

Mittlerweile haben wir ein Auto gemietet, das wir in Alicante am Flughafen entgegen nehmen. Der Preis ist mit anfänglich 3,14€ für 14 Tage sehr preiswert, oder was meint ihr dazu?

Und dann steht plötzlich Weihnachten vor der Tür! Die Stadt ist toll dekoriert undes macht Spaß, abends durch die Stadt zu streifen.

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Am Plaza San Francisco wird eine riesige Grippenlandschaft aufgebaut.

Nachtspaziergang, Tagspaziergang

 

Letzte Streifzüge durch die Stadt, Abschied nehmen.

Weihnachten ist die Zeit der Familie. Wir fliegen nach Deutschland. Bevor es in die Heimat geht, gibt die Marina eine Weihnachtsparty für alle Überwinterer.

Am 13.12. Versammeln wir uns vor dem Office und essen und trinken die leckeren Tapas, Bier, Wein und alkoholfreien Getränke.

ZEIT für letzte Gespräche, denn morgen geht es in den Heimathafen zu Markus. Doch unsere Reise wird auch 2020 fortgesetzt, versprochen! Cartagena hat noch einiges zu bieten:

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Hurra, wir leben noch

Das schlechte Gewissen und zusätzlich schlechtes Wetter sorgen heute dafür, ein Lebenszeichen zu geben.

Wir sind in Cartagena, unserem Winterhafen 2019 bereits am 18.10.19 eingetroffen, d.h. wir haben uns hier bereits gut  eingelebt und vieles gesehen. Doch, der Reihe nach. Gemeinsam sind wir bis Calpe gekommen. Der Sonntag diente dem relaxen, gut essen und spazieren gehen. Am Montagmorgen stehe ich früh auf, gratuliere unserem Freund Rudi Holzer zum Geburtstag. Mit einem genialen Ableger verlassen wir die Marina am Fuße des Isfach. Genial deshalb, weil die Box mega eng ist und wir alle Möglichkeiten durchgesprochen haben. Ja, manchmal sind die Verhältnisse optimal. Das bisschen Wind drückt uns in die richtige Richtung, also kann es los gehen nach Alicante. Der Küstenabschnitt ist echt häßlich, einziges Hihglight sind Wasserfälle, die wir kurz vor Benidorm sehen. Das Wetter wird schlechter. Dicke Regenwolken ziehen auf, wir durchsegeln 2 Gewitterfronten mit heftigen Schauern.

Beim Einlaufen in den Yachthafen von Alicante zeigt sich die Sonne. Wir zahlen die Marina für 2 Tage und machen uns auf in die Stadt. Ist es die gewittrige Stimmung, die uns keinen echten Zugang zur Stadt finden lässt? Keine Ahnung, nach 2 Stunden und einem Apero an einem unschönen Platz gehen wir zurück an Bord und bereiten Gnochi mit Chorizo in Cidre Soße zu. Wenigstens das Essen ist lecker. Ein weiteres Gewitter lässt uns früh in die Koje kriechen.

Ausgeruht und mit gereinigte kühler Luft, es sind gerade mal 18 Grad, machen wir uns auf zu einer weiteren Erkundung der Stadt. Zuerst steuern wir den Mercat central an.

Die Stände erstrecken sich über 2 Etagen, doch wir lassen uns nicht verführen, kaufen nichts sondern trinken in der Sonne hinter der Markthalle einen Cafe con leche. So gestärkt beschließen wir, die Festung Santa Barbara zu erklimmen und zu besichtigen. Hoch über der Stadt thront die ehemalige Burg in gut erhaltenen Zustand. 166 m über dem Meeresspiegel auf dem Berg Monte Benacantil gelegen, unmittelbar am Meer bietet sich uns ein gewaltiger Rundumblick. Bereits die Mauren nutzten im 9. Jhd diesen äußerst strategischen Punkt um die Bucht und das gesamte Hinterland zu verteidigen.

Die Burg trägt ihren Namen, weil Alfonso el Sabio, der Weise, die Burg am 4. Dezember 1247 den Mauren entreißen konnte, dem Namenstag der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute. Während der Regentschaft von König Felipe dem II. wurde die Burg im 16. Jhd erheblich ausgebaut und besteht seither aus 3 Teilen, von starken Mauern und Wehrtürmen umgeben. Wir genießen die unglaubliche Aussicht und machen uns bei strahlendem Sonnenschein an den mühseligen Abstieg über hunderte von Stufen.

Das städtische Leben spielt sich auf den Plätzen der Stadt und der Esplanada, einer Promenade unter Palmen in Sichtweite zum Meer. Hier schlendern sowohl Einheimische, als auch Besucher entspannt entlang. Hier herrscht keine Hektik, kein Massentourismus, wie in den umliegenden Orten, hier geht es lässig und leichtfüßig über das Wellenmuster des Bodens.

Die Ursprünge der Stadt reichen ins 5./4. Jhd v. Chr zurück. 3 Jhd später bauten die Römer die Siedlung Lucentum aus. Ab dem 8. Jhd herrschten hier die Mauren, bis die Stadt 1266 von Jaime I. erobert wurde. Der Aufstieg als Handelszentrum war nicht mehr aufzuhalten. Der Hafen wurde zum wirtschaftlichen Motor. 1812 wurde Alicante zur Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Während dem spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 war Alicante der letzte Rückzugsort der Republikaner und vom Hafen versuchten viele Bürger vor Franco zu fliehen. Heute wird der Hafen vom Kreuzfahrterminal und dem riesigen Industriehafen  überragt.

Am nächsten Morgen finde ich an Deck einen abgebrochenen Bolzen. Oh Schreck, was ist kaputt? Finde die Ursache in einem Karabiner an der Reffleine des Trekkers. Schäkel tauschen und Leinen los Richtung Santa Pola, wo wir uns mit Freunden aus Licata, Anne – Inger und Morten aus Norwegen, treffen wollen. Mit schönem Wind geht es bis zum Cap vor Santa Pola. Die Marina ist der Hammer, separate Nasszellen mit Toiletten, alles perfekt sauber.

Ich bereite einen kleinen Imbiss vor und dann stehen die beiden Norweger vor uns. Welch eine Freude, die beiden nach einem halben Jahr und unterschiedlichen Segeltouren wieder zu sehen. Sie sind mit dem Flugzeug aus Catania für einen Kurzbesuch hierher gekommen. Wir berichten von unseren separat verbrachten Monaten, es gibt viel zu erzählen, gehen die Beiden nun mit ihrem Segelboot über die französischen Kanäle zurück nach Norwegen.

Gemeinsam besuchen wir eine Fischauktionshalle , genannt Llonja. Bereits im 5. Jhd v. Chr gab es hier eine iberische Handelssiedlung, die Seehandel betrieben. Nachdem wir uns auch das Fortaleza, eine Festung aus 1557 zum Schutze der Bevölkerung und des Fischerhafens vor plündernden Piraten erbaut, angesehen haben, heißt es bereits wieder Abschied nehmen.

Schade! Mit den Beiden haben wir zwei tolle Winter in Licata verbracht, wer weiß, was uns in unserem Winterhafen in Cartagena erwartet?

Am nächsten Tag bereite ich alles vor für unseren letzten langen Schlag nach Cartagena. Wasche Wäsche, bereite Nudelsalat vor. Ein letzter Spaziergang durch Santa Pola.

Um 6:45 am 18. Oktober legen wir ab. Mit dem Großsegel versuchen wir Stabilität is Boot zu bringen, aber irgendwie haben wir die Strömung gegen uns. Wir werden immer langsamer, so ein Mist. Aber es sollte noch schlimmer kommen. 2 Mal wird uns heute noch der Motor ausfallen. Und wir wollen doch endlich in Cartagena ankommen. Zum Glück lässt sich die Maschine immer wieder starten, aber, das ist jetzt klar, der Motor braucht nun viel Pflege und Wartung.  Die Delfine merken wohl, dass wir etwas Aufmunterung benötigen. Mehrere Gruppen zeigen, was sie können, springen hoch, überschlagen sich, so dass die Stimmung an Bord steigt. Die Sonne geht in einer Feuerexplossion unter. Mein Gott, unser letzter Sonnenuntergang auf See ist unbeschreiblich schön. So laufen wir im Dunkeln den Hafen von Cartagena an, ein riesiger Naturhafen mit Industrie-, Werften- und Marinebereichen. Auch ein Uboothafen gibt es hier, also viel zu sehen. Unsere Leinen sind um 20:30 fest. Müde trinken wir unser Anlegerbier. Jetzt noch kochen und dann fallen wir müde in den wohlverdienten Schlaf.

 

Valencia mi amor oder fasziniert von einer Stadt

Nur gut, dass wir von Anfang an vorhatten, hier so lange zu bleiben, hatten wir doch Informationen aus erster Hand von Susan und Mikel von Amarone.

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Wir hatten vier Häfen zur Auswahl, was die Entscheidung nicht gerade leicht machte. Da unsere Freunde Petra und Peter von Flip Flop im Club Nautico waren, haben wir uns für die gute Alternative Marina Mar entschieden, ok, ausschlaggebend war der niedrige Preis mit 17 ,- € die Nacht, dafür nahmen wir die weiten Wege gerne in Kauf. Haben wir doch Fahrräder an Bord, die bisher immer nur im Winter zum Einsatz kamen, sollten sie nun für mehrere Tage unser Fortbewegungsmittel sein. Zuerst wurden wir jedoch von einem netten Schweizer begrüßt, der ebenfalls im Club Nautico mit seiner Stahl Reinke 10 mit Namen SY Pasodoble liegt. Andy kam am ersten Abend mit dem Fahrrad vorbei, neugierig auf unsere Reinke, haten wir uns am Tag zuvor zufällig in der Facebook Gruppe Reinke Technik und Erfahrungsaustausch kennengelernt. Andy hatte angeregt, eine Liste zu erstellen, wo welche Reinke liegt. Am nächsten Morgen haben wir seine Reinke angeschaut. Stahl halt und soviel zu tun, dass wir froh waren, eine Aluyacht zu besitzen.

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Am Nachmittag kamen Petra und Peter zu Besuch, bei Kaffee und Apfelkuchen haben wir über unsere Erlebnisse auf Columbretes  berichtet, abends gab es eine leckere Paella Marisco und wir machten Pläne, was wir gemeinsam ansehen wollten. Am nächsten Morgen also kruschelt Frank die Fahrräder raus aber oh Schreck, wo sind die Schlüssel für die Schlösser? Heftige Suchaktion, die ich mit Erfolg abschließen konnte, auf die Fahrräder und los. Erster Stop das Science Center, das man über  genial angelegte Fahrradwege erreichen kann. Dieses Zentrum liegt in einem trocken gelegten Flußbett des Turia und beherbergt ein Ozeaneum, in dem alle Meere mit Lebewesen besichtigt werden können, ein Science Zentrum, in dem die Wissenschaften erklärt werden, ein riesiger Kinokomplex, eine Ausstellungshalle und Gärten, Parks, Musikhallen und so vieles mehr. Der Fluß Turia  trat in den fünziger Jahren des letzten Jahrhunderts über die Ufer, die Überschwemmungen waren fürchterlich, viele Menschen starben, die Stadt musste evakuiert werden und man beschloss, den Fluss umzulegen. Daraus entstand eine Brachfläche mit 8 KM Länge. heute genutzt als Jardin ( Garten ) del Turia. Somit entstand mitten in der Stadt, entlang der alten Stadtmauer eine grüne Oase der Ruhe, mit Wegen speziell für Fahrradfahrer, Fußgänger, Sportflächen und der Stadt der Künste und Wissenschaften.

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Das ungewohnte Fahrradfahren iim heißen Valencia wurde erleichtert durch diese Grünanlagen. Schattige Plätze laden zum Verweilen ein, doch wir hatten ein Ziel, den Biopark, in dem der Kontinent Afrika nachgebildet wird. Nein, es ist kein Zoo, die Tiere leben in Gehegen, die nicht durch Gitter abgesperrt sind, aber ja, die Tiere sind nicht freiwillig dort, vermehren sich aber prächtig, was wir bei den Silberrücken beobachten konnten.

 

Wir liefen mehr als 5 KM durch diesen Park. auch hier viele schattige Plätze, die zum Verweilen einladen, du gehst über eine Brücke und plötzlich sieht dir eine Giraffe in die Augen. Es nahm den ganzen Tag in Anspruch, wir konnten uns von diesem Ort der Stille und Ruhe kaum trennen, unglaublich, dass dieser Park mitten in der Stadt Valencia liegt.  Zurück am Boot hatten wir mehr als 35 km geradelt, ohne die Straße benutzen zu müssen. Ihr merkt, ich bin begeistert, da könnten sich die meisten deutschen Städte drei Scheiben und mehr davon abschneiden. Man fühlt sich auf dem Rad sicher und traut sich in eine Großstadt, denn dabei handelt es sich bei Valencia, ist sie die drittgrößte Stadt Spaniens.

Doch mitten in die Altstadt trauten wir uns noch nicht mit den Fahrrädern. So nahmen wir am nächsten Tag den Bus, der direkt vor dem Club Nautico abfährt, Anreise zur Haltestelle immerhin 2 km, dies jedoch mit dem Fahrrad. Die Linie 15 brachte uns direkt an den Nordbahnhof,  er ist eine wahre Augenweide, erschaffen im Stil des valencianischen Modernismus, erbaut von Demetrio Ribes zwischen 1906 und 1917. Hier trifft Altes auf Neues, der Innenraum ist mit Mosaiken geschmückt, die Orangen, Palmen und mehr darstellen. Eine wundervoll gestaltete Holzdecke wird von wuchtigen Stützpfeilern gehalten und rundum gibt es gute Reise Wünsche in mehreren Sprachen. Daneben die modernsten Kartengeräte und die Abfahrtshalle ist eine Wucht. Da die hochmodernen Schnellzüge andere Spuren brauchten, hat man diesen Traum von Bahnhof nicht abgerissen, sondern einige Meter weiter, ein modernes Gebäude für diese Art von Fortbewegung geschaffen, die bessere Wahl als Stuttgart 21.

Nebenan gleich die Stierkampfarena, die zu den größten Spaniens gehört und zwischen 1850 und 1860 im neoklassizistischem Stil erbaut wurde. Ich habe mich geweigert, den Skipper zu einem Stierkampf zu begleiten, auch wenn es eine Vorstellung ohne Töten gab.

Nur wenige Schritte entfernt liegt an einem großen Platz, Placa de lˋAjuntament auf der einen Seite das Rathaus mit einem prächtigen Glockenturm, der noch immer die vollen Stunden ankündigt  und im Inneren gibt es ein kleines Geschichtsmuseum zu besichtigen. Wir kreuzen den Platz und stehen unmittelbar vor der Post mit einer unglaublich schönen Glaskuppel, in welche die Wappen aller 48 spanischen Provinzen  eingearbeitet sind. Im Eingangsbereich befinden sich die Briefkästen, hübsch sortiert nach den verschiedenen Bestimmungsorten. An der Außenfassade befinden sich 2 Briefkästen in Form eines Löwenmauls, wer hier seine Post einwirft, muss sinnbildlich seine Hand ins Löwenmaul stecken.

Nächster Stop ist der Mercat Central, die Jugendstil Halle, mit 8160 qm in zwei unterschiedliche Zonen unterteilt. Das Gebäude wird von Eisenträgern gehalten und ist mit viel Glas versehen sowie mit Glaskunst dekoriert. Im Inneren fällt Licht durch eine große Kuppel in 30 m Höhe. Es gibt 300 Verkaufsstände, die alle möglichen Leckereien zum Kauf anbieten. Seht selbst.

Wir kosten von den Tapas und haben plötzlich Hunger auf mehr, suchen uns eine nette Tapasbar, in der wir an Körper und Geist regenerieren. So gestärkt machen wir uns auf zum Placa de la Reina, ein weiterer begrünter Platz unmittelbar an der Kathedrale. Die Santa Maria de Valencia steht auf historischem Boden, hatten bereits die Römer hier zu Ehren der Göttin Diana einen Tempel errichtet. Nach den Goten errichteten die Muslime hier eine Moschee und nach der christlichen Eroberung der Stadt 1238 wurde 1262 mit dem Bau der Kathedrale begonnen. Gebaut wurde bis 1426 und weiter und weiter. 1703 entstand der barocke Haupteingang, ein prachtvolles Tor mit allegorischen Skulpturen verziert. Diverse Kapellen säumen den Hauptgang. Direkt neben dem Haupttor befindet sich in der Capilla del Santo Caliz der heilige Gral, ein Kelch, den Jesus beim letzten Abendmahl benutzte.

Der Hauptaltar ist ein prachtvolles Werk, das mehrere Einzelbildnisse enthält, jedes für sich ein eigenes Kunstwerk. Hier kann man Stunden verweilen, ein angeschlossenes Museum zeigt verschiedene Gemälde und religiöse Kultgegenstände der lokalen Prozessionen.

Den Glockenturm Micalet kann man über 207 sehr enge Stufen ersteigen und oben 14 Glocken sehen, von denen die schwerste 7800 kg wiegt, doch wir haben ein anderes Ziel. Gibt es doch ums Eck das Tribunal de les Aigües zu besichtigen. Dieses Wassergericht ist eine einmalige Institution, die bereits seit 1000 Jahren existiert und jeden Donnerstag tagt, ja, es ist Donnerstag, doch leider spät nach 12 Uhr, als wir endlich eintreffen. Auf valencianisch wird hier über Streitigkeiten rund um Bewässerung und Kanäle  mündlich verhandelt, dazu treffen sich die Vertreter der acht ländlichen Wasserbezirke in traditionell bäuerlicher, dunkler Tracht.

Vor dem Gebäude ein weiterer Platz, der Placa de la Mare de Deu mit einem auffälligen Springbrunnen. Die zentrale männliche Gestalt symbolisiert den Fluss Turia, die 8 leichtbekleideten Wasserträgerinnen repräsentieren die 8 Bewässerungsbezirke Valencias.  Müde und erschlagen von der Schönheit und dem Glanz dieser beeindruckenden Stadt machen wir uns per Bus zu 1,50 € auf den Heimweg.  Es heißt Abschied nehmen von Petra und Peter, die sich am nächsten Morgen auf den Weg in ihren Winterhafen nahe Barcelona begegeben. Schön war es mit Euch zusammen in Port d‘ Andratx, wo wir gemeinsam die Gewitter und Unwetter erlebt haben und auf Ibiza, beim gemeinsamen Schaukeln im Wind.

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Wir steigen am nächsten Tag auf unsere Räder und fahren zum größten Aquarium Europas. Hier werden in 42 Millionen Liter Salzwasser, die dem Mittelmeer entnommen und über ein kompliziertes System aufbereitet bzw. an kühlere oder auch wärmere Lebensräume angepasst werden.

500 Tierarten werden auf 110.000 qm in neun Bereiche verteilt dargestellt. Spektakulär ist der 70 m lange Unterwassertunnel, der sinnbildlich die Meeresfauna und – flora Europas mit der Karibik verbindet.

Praktischerweise liegt direkt gegenüber ein riesiges Einkaufszentrum. Im Carrefour decken wir uns mit Leckereien ein, sind wir am Abend doch recht erschlagen, von all dem, was wir gesehen, erlebt und erradelt haben.

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Letztlich sind wir so mutig, dass wir mit dem Fahrrad in die Innenstadt fahren. Wir schlendern durch den Garten der Königin, radeln zum Mercat de Colon, wo es heute weniger Leckereien zu kaufen,

 

als vielmehr zu esssen und zu trinken gibt, unter der Brücke de les Flors entlang, der Blumenbrücke, wo jährlich 105.000 Blumen gepflanzt werden. Früher wurden die Pflanzen mehrmals im Jahr ausgetauscht, nach der Finanzkrise 2008 konnte das Geld, 500.000 € nicht mehr aufgebracht werden.

Einen Abend treffen wir uns mit Tatjana und Thomas, die mit ihrer Stahlyacht SY Wal in der Marina Real de Juan Süd liegen, sie sind in Deutschland losgesegelt, haben aber noch so einige Projekte zum abarbeiten.

Wir besichtigen die Seidenbörse , ein wuchtiges Gebäude im gotischen Stil, das zwischen 1483 und 1498 erbaut wurde und nun um Weltkulturerbe der Menschheit gehört. Es repräsentiert Macht und Reichtum, den die Fernhändler im 15. Jahrhundert erarbeitet hatten. Der große Saal wird getragen von 17,40 m hohen Palmensäulen.  Die Händler wurden damals schon schriftlich angehalten, saubere Geschäfte abzuschließen, wenn nicht, landeten sie in einem Kerker, der praktischerweise, in das Gebäude integriert war. Im Obergeschoss tagte das Consulat del Mar, das über Streitigkeiten im Seehandel wachte. Die Holzdecke hier ist unglaublich.

Ein Katzensprung entfernt, wieder der Mercat Central. Ein letztes Mal verpflegen.

 

 

Dann stehen profane Dinge an wie Wäsche waschen, einkaufen, Route planen und Wetterberichte ansehen, ja, und dann geht es nach einem letzten Abendessen mit Andy und einer valencianischen Paella, Hähnchen, Kaninchen, Elefantenbohnen und Reis, weg aus dieser traumhaften Stadt der Paella, Kunst und Wissenschaft.

Wir erwischen einen denkbar schlechten Tag, mit viel Welle, Regen und laufen am Nachmittag im Sonnenschein Denia an. Verweilen hier nur eine Nacht unterhalb der Burg, machen einen kurzen Ausflug in die Altstadt und sagen am nächsten Morgen: hasta luego, bis bald.

Jetzt liegen wir bereits den zweiten Tag in Calpe, unter dem beeindruckenden Pennon de Ifach, der verglichen wird mit dem Felsen von Gibraltar. Während Calpe Erhebung bedeutet, wird Hifach oder Ifach mit Norden übersetzt. Die Phönizier haben hier als Erste einen Handelsplatz errichtet. Heute ist es einer der hässlichsten Orte an der Costa Blanca, ein Platz, der von Ferienhochhäusern und Hotels gekennzeichnet ist. Der Berg hinter uns ist jedoch genial, 332 m hoch, ragt er einen Km ins Meer hinaus. Die Möwen, die hier nisten, schreien Tag und Nacht. Morgen geht es für uns weiter nach Alicante und danach nach Santa Pola, wo wir Freunde aus Licata treffen werden. Die Tage werden kürzer, die Crew sehnt sich nach dem Winterhafen. Cartagena ist nicht mehr weit, womöglich sind wir bereits nächstes Wochenende dort. Wir haben viel erlebt auf den gesegelten 1600 SM bisher, noch sind wir nicht am Ziel für dieses Jahr.

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Genießt den Sonntag, lasst es euch gutgehen, wo auch immer ihr gerade seid.

 

Die Crew sagt hasta luego und bleibt uns treu.

 

Vom Wetterphänomen Gota Fria bis zur Vertreibung aus dem Paradies

Ja, es wird Herbst, unschwer an der Häufigkeit der Gewitter zu erkennen. Nun sollte es aber ganz böse werden. Gota fria wurde angekündigt und Wetterwarnungen wurden ausgesprochen. Also mussten wir uns einen halbwegs sicheren Platz suchen. Wir verlegten nach Port d´Andratx an eine Boje, lediglich 7 SM von Santa Ponsa entfernt. Der Hafen ist zu teuer im September und die Boje bietet uns die Sicherheit, die wir suchen. Doch was ist schon sicher bei Sturm und Gewitter. Gota Fria bedeutet kalter Tropfen und ist ein Wetterphänomen, das meist zu Beginn des Herbstes auftritt, wenn kalte Luftmassen des Windes Transmontana aus den Pyrenäen auf Mistral und warme Luftmassen aus Algerien oder Marocco treffen. Am Dienstag, den 10.9. ist es dann soweit, anstatt entspannt in Cabrera den Naturpark zu genießen, harren wir in Port d´Andratx aus und lasssen ein Gewitter nach dem anderen über uns ergehen. Leider dreht der Wind auf Südwest, so dass nun auch noch eine elendige Welle in die Bucht steht, wir rollen hin und her. Starkregen verbannt mich ins Innere des Bootes, während Frank am Ruder steht und versucht, die schlimmsten Bewegungen des Schiffes auszugleichen. Handy, Tablett, Handfunke sind mal wieder im Backofen und der Motor läuft, damit wir bei einem Blitzeinschlag manövrierfähig sind.  Ursprünglich wollten wir uns mit Mojito und Pascale und Gerrit auf Cabrera treffen und 800 Tage an Bord feiern. Muss alles abgesagt werden, die Boje kann nicht storniert werden, was sollˋs, die Sicherheit für Boot und uns geht vor. Es stellt sich dann heraus, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, denn die Ostseite und insbesondere Cabrera hatten Windstärke 10 und meterhohe Wellen, dazu Hagelkörner, die Biminis zerstört und GFK Boote beschädigt hat.. Durchatmen,  als die errste Front durch ist, leider ist noch mehr angekündigt, also verpflegen wir uns am Mittwoch in einer Wetterpause, versuchen, einen Hafenplatz in Palma zu bekommen und erhalten leider eine Absage. Es ist auch nicht sicher, ob wir hier an der Boje bleiben können, denn nachdem noch mehr schlechtes Wetter angesagt ist,sucht jedes Boot einen sicheren Platz. Der nette Marinero lässt uns wissen, dass er uns nicht vertreiben wird, wir buchen gleich bis Sonntag,so dass meine Nerven nicht mehr flattern.

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In der Zwischenzeit lassen wir es uns gutgehen, genießen den außerordentlich guten Thunfisch, den uns ein netter Spanier geschenkt hat und gehen immer wieder an Land. Die nächste Front naht, Vorbereitungen an Bord, Dingi und Motor hoch an Deck, alles fest verzurren. Das erste Gewitter erwischt uns am Freitag den 13. morgens. Heftige Böen kündigen mehr an, das Dingi wird mehrere Zentimeter über Deck geschoben. Renne raus, das Meer kocht, die Boote tanzen an den Bojen. Sehe, wie der Katamaran hinter uns immer näher kommt, Frank rennt zum Heck, gerade rechtzeitig, um Schlimmeres zu verhindern, der Kat rammt uns hinten, Ankerkasten hängt nur noch an einer Halterung und die Badeleiter verhindert, dass der Kat uns aufspießt, Leider bricht dabei eine Holzstiege der Badeleiter und ein derber Schrammen ist das Ergebnis der Attacke. Wie uns die Crew von Flip Flop später berichtet, hatte der Kat anstatt Rückwärtsgang einzulegen, den Vorwärtsgang bedient und somit den üblichen Sicherheitsabstand zwischen den Booten zerstört. Auch Luna hat nun einen Schmarren vorne an der Backbordkufe.

Zeit durchzuatmen und den ersten Schaden zu beheben. Am Abend treffen uns die nächsten beiden Gewitter. Wie die Mallorcazeitng später mitteilt, gab es in der Nacht 153.000 Blitze rund um Mallorca, die schwere Schäden verursachten. Wir blieben verschont, unsere Nerven waren zwar aufˋs höchste gespannt, doch außer, dass uns der Schlaf geraubt wurde, ist nicht’s passiert. Am Samstag verpflegen wir uns, denn wir wollen nun endlich rüber nach Ibiza. Abends treffen wir uns bei Susan und Mikel zum Apero um anschließend an Land eine leckere Pizza zu verspeisen, hurra, wir haben es hinter uns! Petra und Peter von Flip Flop schließen sich uns an und wir genießen den Abend in vollen Zügen.

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Am nächsten Nachmittag gibt es bei uns an Bord Apfelkuchen und Kaffee, denn es sollte unser letzter Abend auf Mallorca sein. Nun heißt es mal wieder Abschied nehmen, während Susan und Mikel Richtung Sizilien segeln, werden wir nach Südwesten Ibiza ansteuern und dort vielleicht nochmals auf Flip Flop und Mojito treffen.Früh am Montagmorgen heißt es die Leine loszuwerfen und Kurs Ibiza ansteuern. Es sollten mal wieder 60 SM von der üblen Sorte werden: das Geschaukel war grenzenlos, Eira schleuderte im Wellental hin und her, in den Schapps schepperte es ohne Ende. Waren wir wohl einen Tag zu früh aufgebrochen. Endlich sehen wir Ibiza vor uns liegen. Von Pascale und Gerrit, SY Mojito wissen wir, dass sich in den Süden verkrochen haben. Als ich meutere beschließt Frank, uns einen ruhigen Abend in der Marina Santa Eulalia zu gönnen. Dankbar stelle ich mein Gemeutere ein und zücke liebend gerne die Kreditkarte um 112,25 € zu berappen. Wir genieeßen die schwankenden, exklusiven Duschen und reinigen am nächsten Morgen das Boot, hatten wir doch ganz schön Salzwasser überbekommen.

Mit Genua und Groß geht es nun dem Süden von Ibiza entgegen. Endlich sehen wir auch wieder Delphine, die mit unserem Boot Fangen spielen. Wir segeln durch die Meerenge zwischen Ibiza und Formentera und treffen endlich auf Pascale und Gerrit. Anker runter, Dingi ins Wasser und die beiden herzlich in den Arm genommen, haben wir uns seit Mai und Malta doch nicht mehr gesehen. Abends können wir dann auch endlich auf unsere 800 Tage Bordleben anstoßen, obwohl es nun bereits 808 sind. Mojito ist ähnlich lange wie wir unterwegs. In der ruhigen Bucht frönen wir dem Schwimmen, Paddeln

und Yoga, machen abends einen Spaziergang an Land. Früh am nächsten Morgen muss Frank unsere 11 KG Gasflasche wechseln, die wir in Licata kurz vorm Ablegen gefüllt hatten. Will ich doch Kuchen backen, denn heute feiern wir Frank’s  2. Geburtstag, den wir seit 2003 nach dem schlimmen Motorradunfall jährlich feiern. Mit Genua und Motor geht es weiter, der Anker fällt an der Südwestküste von Ibiza. Nach Kaffee und Kuchen gibt es abends eine riesige Paella Marisco in der Cala d’Hort.

Windwechsel vertreibt uns am nächsten Morgen, wir gehen zurück an die Südküste und finden in der  Cala Sa Caxata einen ruhigen Platz für die Nacht. Während unsere Freunde in Deutschland, Birgitt und Rudi, in der Nacht zum 2. Mal Großeltern wurden, dauert das Warten auf das Baby von Anika, Frank’s Nichte, noch immer an. Wir sind unruhig und nervös, war der errechnete Geburtstermin am 9.9. und nun ist bereits der 20. September. In der Nacht platzt dann die Fruchtblase, Anika fährt ins Geburtshaus, das Warten geht weiter. Wir suchen einen ruhigen Ankerplatz, werden jedoch nicht richtig fündig, ankern in der Punta des Llumbi bei viel Geschaukel. Am Samstag ist es dann soweit, Leonidis, genannt Leon oder Leo ist endlich zur Welt gekommen. Frank telefoniert mit Birgit und Olaf, den glücklichen Großeltern, wir feiern mit Linsensuppe und Würstchen und stoßen abends mit Gerrit und Pascale auf den neuen Erdenbürger an, gleichzeitig ist es unser letzter gemeinsamer Abend, da wir hoch nach Sant Antoni wollen und Gerrit und Pascale zum Festland müssen. Schon wieder Abschied nehmen, ich werde es nie lernen, es geht mir immer so nah, doch es besteht Hoffnung, dass wir uns über Winter treffen werden.

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Wir kommen abends nach viel Wind und noch mehr Welle in Sant Antoni an, finden ein Sandfleckchen und lassen genau darauf den Anker nieder. Anker hält, durchatmen und auf eine ruhige Nacht hoffen. Der Gott des Windes ist uns gnädig und nach einer absolut ruhigen Nacht erkunden wir am nächsten Morgen das Städtchen.

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Schnell sind wir riesig enttäuscht, Tourismus und Kommerz ohne Ende. Lichtblick sind der nahe Lidl, der uns mit einer bayrischen Woche milde stimmt, können wir hier endlich mal wieder deutsche Leckereien einkaufen. Finden direkt am Hafen auch noch eine Wäscherei: was wollen wir mehr. Der Tag wird gekrönt durch die Ankunft von Flip Flop und einen gemeinsamen Absacker bei ihnen an Bord. Am nächsten Abend grillen wir gemeinsam zum Abschied, denn Petra und Peter wollen in den Süden, während wir auf den Absprung auf die Columbretes warten.

 

Doch zuerst meldet sich am Morgen der Ankeralarm, den Frank wohlweißlich eingestellt hat, sollte es doch viel Wind geben. Um uns herum driften die Boote, weil der Anker nicht hält. Wir liegen fest und beobachten, was in der großen Bucht so abgeht. Bereite uns Wurstsalat zu,  nachdem sich der Wind beruhigt hat, fahren wir nochmals an Land zum bunkern, während ich einkaufe, datet Frank Handies und Tablet up. Am nächsten Morgen habe ich endlich Zeit und beste Bedingungen um die Yogamatte auf’s Vorschiff zu legen und eine Yogastunde zu haben. Frank bringt ein letztes Mal den Müll an Land, Motor an Deck, Dingi auf’s Vorschiff und um 16:30h gehen wir Anker auf Rictung Columbretes. Es sollte eine Nacht mit viel Wind und Welle sein, schade, dass uns keine ruhige Überfahrt gegönnt ist. So segeln wir einmal mehr mit Groß und einem Hauch Genua durch eine stockfinstere Nacht. Die Wellen klatschen rechts und links an Bord, wir finden beide keinen Schlaf und sind froh, als wir das Leuchtfeuer der großen Insel der Columbretes sehen. Doch es sollte noch 2 Stunden dauern, bis wir schließlich an einer Boje festmachen, gerade rechtzeitig, um die Sonne aufgehen zu sehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Rühreiern lege ich mich für 2 Stunden auf’s Ohr. Später nehmen wir uns eine andere Boje und vereinbaren mit den Rangern eine Besichtigung der Insel. Columbrets sind ein vulkanischer Archipel, der 30 SM vom spanischen Festland entfernt liegt, die Insel stehen unter Naturschutz, d.h.. sie dürfen nur in Begleitung von Rangern betreten werden, Hunde sind verboten.

 

Das Meeresgebiet in einem weiten Umkreis ist ebenfalls Reservat und somit Fischen und Angeln verboten. Um 17 Uhr starten wir mit 8 Fanzosen und 2 Rumänen zur Erkundung. Unser Guide ist Spanier, Biologe und spricht sehr gut Deutsch. Die Inselns sind vor 1 Million Jahren entstanden, der letzte Ausbruch war vor 350.000 Jahren, somit nicht aktiv. Im 19. Jahrhundert  wurde der Leuchtturm erbaut und anschließend 4 Familien angesiedelt, die das Leuchtfeuer betrieben.  Zuvor mussten jedoch die Schlangen, die den Inseln den Namen gaben, Columbretes, ausgerottet werden. Seit 1980 wird die Anlage mit Solarzellen unterhalten, so dass weniger Personal notwendig war. 1988. wurden die 4 Inseln unter Naturschutz gestellt, um die einzigartige Fauna zu schützen. Später, 1990 wurde das Seegebiet rundum ebenfalls dem Reservat zugeordnet.

Wir beobachten Falken, die hier nisten und gerade ihren Jungen bekommen um dann im November weiterzuziehen. Außerdem nutzen die Zugvögel den Archipel als Zwischenstation auf ihrem Weg nach Madagaskar, somit haben die Falken genügend Futter, um die Jungvögel aufzuziehen. Die Zugvögel werden hier beringt und vermessen. Es gibt endemische Skorpione, die wir Gott sei Dank nicht sehen, 2 endemische Käferarten, wilde Möhren, Kaktusfeigen, niedrig wüchsige Gräser und ganz viel Ruhe, die wir sehr zu schätzen wissen, nach dem Trubel der Balearen, dem Massentourismus und der Action.

 

Wir schwimmen im glasklaren Wasser und möchten länger bleiben, wissen jedoch, dass wir am nächsten Morgen hier durch ein Ausflugschiff vertrieben werden. So what, den Abend können wir hierbleiben, es gibt keine Berechtigung und nur 10 Bojen. Spät kommen unsere rumänischen Nachbarn zu einem Glas Wein an Bord. Melinda arbeitet als Modell und Schauspielerin und Rari kümmert sich um das Boot.

Während wir uns des Lebens freuen, kämpfen in der Nähe von Cartagena 7 Flüchtlinge um ihr Leben. Ausgesetzt in einer Rettungsinsel hören wir die Nacht unserer Überfahrt ins Pardies alle 15 Minuten das Pan Pan der Küstenwache. Wir können nicht in Erfahrung bringen, ob die Flüchtlinge gerettet werden konnten.

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Und wir werden dann tatsächlich um 11.15h am Samstag Morgen vertrieben. Der Ranger funkt uns an, dass das Ausflugsboot an Boje 10 festmachen wird. Super, ich am Geschirrspülen, Dingi noch nicht oben, so what, wir werfen die Leine los, gehen um die Insel herum und machen an Boje 11 fest, klaren das Schiff auf und beschließen, das Festland anzusteuern, da hier draußen zuviel Schwell ansteht. Wir reinigen auf der Überfahrt, die ruhig verläuft, den Grauwassertank, der total verschmutzt ist, natürlich nicht ganz freiwillig, habe ich gestern Abend eine Linse verloren, die wir versuchen zu finden. Letztendlich finde ich sie in einem Organizer im Bad.

 

Die nächsten beiden Nächte verbringen wir im Hafen von Buriana Nova, am spanischen Festland. Der Hafen ist äußerst preiswert, zahlen wir je Nacht lediglich 13,-€, nach den Preisen der Balearen kaum zu glauben, haben wir doch für die Boje in Andratx schon 46,50 € je Tag bezahlt.

 

Mittlerweile sind wir in Valencia angekommen und genießen diese 3. größte Stadt Spaniens in vollen Zügen. Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag. Wir wünschen Euch einen schönen Sonntag, wo auch immer Ihr seid. Ganz lieb grüßen wir den Wonneproppen Leo und seine Eltern Anika und Albi.