Mein Held, oder der Mann und das Meer

Ich sage es fast jeden Tag zu Frank, daher nun einen Beitrag über meinen Helden Frank! Es ist kaum zu glauben, was dieser Typ, der ja zufällig mein Mann wurde, alles kann. Angefangen bei der Ausrüstung des Bootes, Reparaturen an Bord, Segelsetzen, einreffen, Navigation, Fischen, mich beruhigen, mich mitziehen, er hat das alles drauf. Das bestätigte sich mal wieder bei der letzten Überfahrt. Im Hafen sieht es einfach aus. Wir machen einen Plan, nachdem wir über mehrere Tage das Wetter beobachtet haben, denn ich bin was Nachtfahrten anbelangt, total unerfahren. Gerade einmal 3 Nächte auf See lagen hinter mir, als wir am Mittwoch morgen den wunderschönen Hafen von Porto Vecchio verlassen haben. Die Mindestwegstrecke, die vor uns liegt, beträgt 135 SM. Also mindestens eine weitere Nachtfahrt! Schön in der Bucht hat sich gezeigt, dass es zuerst viel Wind und Welle aus Nordost geben wird. Wegen der einlaufenden Fähre könnten wir Groß- und Trekkersegel erst außerhalb der Bucht setzen. Dafür in den Wind zu gehen, bedeutet für mich am Ruder stehen, während Frank nach vorne zum Mast und Trekker muß, um die Segel hochzuziehen. Da wir vorsichtig sind, natürlich mit Rettungsweste und Lifebelt. Bei dem Seegang ist das so etwas wie meine Lebensversicherung. Wir reffen das Groß und auch den Trekker. Sofort liegt das Schiff stabiler und pflügt nun durch die hohe Welle. Schräglage enorm, da Kurs hoch am Wind anliegt. Nach Stunden nimmt der Wind ab, die See wird ruhiger, angenehmer, doch den von uns geplanten Kurs Rom könnten wir zwischenzeitlich nicht halten, abfallen Richtung Anzio, eine Zeitlang sogar Richtung Pontinische Inseln. Wir reffen aus, Segelfläche wird größer, der Wind dreht Richtung Nord und Anzio wird wieder möglich, sind halt 30 SM mehr. Frank hat natürlich die Angel draußen. Gegen 15:30 h beißt ein Fisch an. Die Leine rauscht aus! Ich nehme Geschwindigkeit aus dem Boot und Frank holt den Fisch ein. Es handelt sich um einen kapitalen Schwertfisch.

IMG_7252 Mit der Gaff wird unser Abendessen getötet, dazu ein Schnaps in die Kiemen. Dann beginnt das filetieren. Und dann beginnt mein Part: was machen wir daraus? Zuerst mache ich aus den kleinen Filets Tatar und die großen Filets werden gebraten und mit Reis und Zitrone gegessen. Die Stücke, die wir nicht schaffen kommen mit dem Tatar in die Kühlung. Das Ganze hat uns 3 Stunden beschäftigt. Der Fischgeruch war heftig kann ich euch sagen. Geschirspülen im Schiff ging bei mir dann auch nicht.

Ziehe mich warm an für meine Nachtwache, während Frank das Schiff aufklart und sich schlafen legt. Wir haben Halbmond und der Sternenhimmel ist grandios. Der Mond geht schon früh zur Ruhe, feuerrot versinkt er im Meer. In der Zwischenzeit läuft ein Kreuzfahrtschiff in sicherem Abstand an uns vorbei. Ich lese zwischen meinen Inseln, welch passende Lektüre in diesen Tagen, beobachte die Segelstellung, hole Trekker und Groß etwas dichter, trinke heißen Tee und werde immer müder. Um 00:30 H wecke ich Frank. Wachwechsel, für mich heißt es, irgendwie in den Schlaf finden. Der ist nicht tief, mit einem Ohr bin ich immer am Boot. Als Frank um 6 Uhr Kaffee kocht, stehe ich auf. Wachwechsel.

IMG_7273 Mein Held erzählt von den zahlreichen Schiffen, die unseren Weg durch’s Wasser gekreuzt haben, teilweise ganz schön nahe. 100 SM haben wir irgendwann hinter uns. Schon wieder kommt die Angel raus, ich protestiere, da die Kühlung voll mit Fisch ist. Mittags gibt es Tatar auf spanischen Tapasbrot. Lecker und erfrischend. Wir fiebern der Küste entgegen, immer noch kein Land in Sicht, obwohl wir nur noch 15 SM vor uns haben. Die Küste ist hier ganz flach, nicht so bergig wie die Ansteuerung Mallorca oder Sardinien. Der Wind frischt auf, drückt uns nun von hinten quasi Rom entgegen, denn dieser Kurs wurde dann doch irgendwann morgens wieder möglich. Wir sehen dann doch die Küste, steuern quasi direkt auf die Hafeneinfahrt zu. Daneben ergießt sich der Tiber ins Meer.  Das Wasser des Flusses stinkt und wir sind froh, uns für den Hafen Rom entschieden zu haben und nicht für die Häfen, die in der Tibermündung liegen. Die Marineros weisen uns eine Mooring zu. Wir liegen an Pier N 545. Ich melde das Boot an, wir bekommen einen elektronischen Schlüssel für den Pier und die Duschen. Was soll ich sagen, es war eine tolle Überfahrt, mit allem was man sich an Winden so vorstellen kann. Die Welle war zu Beginn hoch, dann immer flacher um zum Schluß wieder höher zu werden. Als Abendessen gab es natürlich: Fisch. Fischcurry an Kokossoße mit Aubergine und Banane, Reis nicht zu vergessen. Vorweg haben wir das restliche Tatar verspeist.

Geschlafen habe ich dann wie eine Tote. Eventuell war dies dem Rotwein geschuldet, egal, Hauptsache geschlafen. Nach dem Frühstück haben wir den riesigen Hafen erkundet und dann eine Einkaufsmöglichkeit gesucht. In dem riesigen Areal keine Versorgung! Dafür habe ich in Ostia eine Markthalle gefunden und mich dort mit frischen Produkten aus dem Umland versorgt. Smoothie ist schon zubereitet, wie auch Bohnensalat für die Fahrt morgen nach Anzio. Frank, mein Held schraubt am Boot, während ich unsere Verpflegung sicher Stelle und Blog schreibe. Nun genieße ich die strahlende Sonne noch etwas. Arrividerci, tutto bene.

Mein erster Fisch

Jahrelang zerre ich Unmengen von Ködern durch das Mittelmeer, immer in Küstennahe. Kann man sich schenken. Bei der Überfahrt Menorca-Sardinien hatte ich den ersten Biss, da fault direkt am Boot so ein Sch… Wirbel (französischer!). Wieder nix. Gestern zwischen Korsika und dem Schienbein vom Stiefel (italienischer) wieder ein Biss und siehe da, ein Schwertfisch (war noch jung der Bub oder das Mädel). Kein Monsterkaliber, hätte ich eh nicht in das Cockpit hieven können, eher Richtung Nachwuchs, blöd genug meinen Gummitintenfisch essen zu wollen. Was für ein Festessen gestern unterwegs und heute im Hafen bei Rom. Hatte auch heute Angelverbot, schnief! Jetzt isser wech, übermorgen darf ich wieder, Petri Heil.

Zwischen den Inseln 2

Nachtrag zur Marina Porto Torres: die Marina ist insolvent, aber es liegen noch Boote dort. Einige Dauerlieger bleiben dort, weil es nichts kostet, bis das Insolvenzverfahren abgeschlossen ist. Ich finde dies zwar bedenklich, weil niemand die Moorings prüft. An diesen Teilen werden nämlich die Boote festgemacht. Das kann schon mal übel enden. Daher haben wir uns mit mehreren Landleinen längsseits der Pier festgemacht. War auch nur für eine Nacht, also kein Problem.

Das Maddalena Architekt ist eine Inselgruppe, Nordsardinien vorgelagert. Wunderschöne Landschaft, die Naturpark ist. Dies bedeutet, dass man nicht einfach irgendwo Ankern darf, sondern nur an Plätzen die entsprechend ausgewiesen sind. Damit soll das Seegras geschützt werden. Das Wasser ist glasklar, türkisfarben ( Calzedon deep Blue mäßig). Wir haben die Zeit hier genützt und sind viel im Wasser gewesen. Die Buchtfische sind mit uns um die Wette geschwommen und die Möwen , die frechen, haben um Futter gebettelt. Nix gab’s. Gestern morgen haben wir die grandiose Landschaft verlassen. Schade, doch wir haben noch eine lange Wegstrecke vor uns und den Naturpark muss man im Vorhinein buchen. Boje frei geworfen und auf nach Korsika. Mit wenig Wind und kaum Welle sind wir mit Trekker und Großsegel nach Norden gesegelt. Wir hatten uns vor Beginn für den Hafen Porto Vecchio an der Südostküste entschieden, einfach so, weil es eine Tankstelle gibt, Waschmaschinen und der Hafen in einer langen gut geschützten Bucht liegt. Die Ansteuerung erfolgt durch ein Verkehrstrennungsgebiet. Da darf man nicht einfach fahren, wo man will. Porto Vecchio wird von Fähren angelaufenen die Bucht ist recht schmal. Ich habe es gut hinbekommen. Es war meine erste Ansteuerung in dieser Art. Zuerst sind wir an die Tankstelle gefahren und haben Diesel gebunkert. 905 l gingen in den Tank. Da wir mit Diesel heizen, haben wir hier in Frankreich nochmals zugeschlagen. Wir haben insgesamt ca 1300l an Bord. Das wird hoffentlich reichen. Anleger war easy. Als wir an Land gehen wollen, kommen uns Nicky Müller und Ihr Freund Jochen entgegen. Große Freude, Umarmung und natürlich ein Bierchen gemeinsam auf deren Boot Jojo  getrunken und gleich die ganze Crew kennengelernt. Ich sage ja, die Welt ist klein. Die Essensempfehlung von Jochen war genial, mein Menü lecker. In der Nacht hat uns leider ein Gewitter überrascht und den Vormittag hat ein Regenschauer den nächsten gejagt. Dann kam die Sonne und hat uns entschädigt. Mein Besuch in der Altstadt, oben auf dem Hügel, hat mir die Schönheit der Bucht gezeigt. Auch hier gibt es eine Saline, was leider auch für Stechmücken sorgt. In der Altstadt, mit ihren engen verwinkelten Gässchen gibt es Designerklamotten, Schuhe, Taschen und viel Schmuck und auch Touristenläden. Ein Restaurant grenzt an das nächste. Die Besucher kommen aus allen Herrenländern um sich die Historie anzusehen. Natürlich war auch Korsika heftig umkämpft, daher hat fast jede Stadt ihre Citadelle. Frank hat heute einen neuen Schwimmerschalter besorgt und gerade eingebaut, außerdem hat er Nachschub an Angelköder und Haken besorgt. Bisher war die Fischerei leider erfolglos. Fische gibt es aber noch, denn auf unseren Törns sehen wir immer wieder Fischschwärme und Bonitos auf der Jagd, diese hüpfen aus dem Wasser und versuchen aus dem Schwarm heraus was zu fressen. Es sieht aus, als würde das Wasser kochen.

Genug geschrieben und getan. Wir haben Hunger. Heute gibt es Quiche Lorraine und Salat. Bon appetit, ihr Lieben.

Nachtrag des LI: Der Schwimmerschalter des Grauwassertanks beschäftigt mich schon seit geraumer Weile. Heute war jetzt endgültig Schluss mit lustig! Neuen eingebaut und alles funzt wieder. Den Diesel habe ich noch mit Grotamar geimpft, hoffentlich bekommen wir nicht die Dieselpest an Bord, wir Segeln ja auch nicht nach Madagascar. Die Planung Richtung Festland oder direkt auf die Pontinischen Inseln wird konkreter, werde mich nach dem Essen wieder mal den Wettervorhersagen widmen und später noch mit meiner Schwester telefonieren, drückt Olaf ganz fest die Daumen, er hat es nötig und erst recht verdient.

Zwischen den Inseln

Leider ist der letzt Blogeintrag verschwunden, bzw. nie auf unserer Seite gelandet. So begine ich nun wieder bei der Isla Asinara. Die Naturschutzinsel war nachhaltig schön, zumal wir am letzten Abend die einzigen in der riesigen Bucht waren, nachdem die Fähre die Insel wieder verlassen hatte.

Samstags sind wir mit Wind durch die Bucht gesegelt, unser Ziel war Porto Torres. Wir wollten den Hafen testen um dort eventuell meine Schwägerin Birgit und deren Mann Olaf an Bord zu nehmen. Schon beim einkaufen ist uns der morbide Charme aufgefallen. Niemand meldet sich auf unseren Funkspruch, also legen wir einfach mal an, nehmen pflichtbewußt unsere Papiere und suchen den Marinero. Gebäude verlassen und verdreckt. Auf dem Rückweg werden wir von einem Schweizer Ehepaar aufgeklärt. Die Marina ist seit letztem Jahr insolvent, kostet daher nix, aber Strom und Wasser sind nicht verfügbar. Außerdem erhalten wir Infos über Einkaufsmöglichkeiten, Waschsalon etc. Wir suchen den Supermarkt, kaufen ein, denn wir haben vor fast einer Woche in Alghero das letzte Mal gebunkert.

Sonntagsmorgens legen wir ab. Unser Ziel ist heute Castelsardo. Unterwegs legen Wind und Welle immer mehr zu. Das Geschaukel beim Segeln ist riesig, die Welle wird fast nicht mehr steuerbar. Da sehen wir auch schon die Mole. Nur, wie jetzt in den Hafen reinkommen bei der Welle. Der Wind weht heftig und treibt uns quasi in den Hafen rein. Ein Marinero steht schon bereit und weist uns einen Liegeplatz zu. Trotz des Windes legen wir souverän an. Die Marina ist gut aufgesteĺlt mit Supermarkt, Angelzubehör, Schiffsbedarf und Tankstelle, Waschsalon und 2 Restaurants. Dann erleben wir eine Überraschung. Meine Facebook Freundin Nicky Müller ist mit Ihrem Freund Jochen, einem Skipper in der Nähe und spontan verabreden wir uns zu einem Kennenlerntreffen. Schnell duschen, eine Wäsche in die Maschine und dann sind die Beiden auch schon da. Wie toll, dass wir uns nun auch persönlich kennenlernen. Wir verstehen uns auf Anhieb, Jochen ist Skipper und fährt mit seinen Gästen rund um Sardinien und Korsika. Da gehen uns die Gesprächsthemen natürlich nicht aus. Viel zu schnell ist der Nachmittag vergangen und die Beiden fahren zurück zu ihrem Boot. Am nächsten Tag erkunden Frank und ich das uralte Städtchen Castelsardo, mit seinen engen Gassen hoch über der Bucht gelegen echt sehenswert. Später erkunden wir die Einkaufsmöglichkeiten, die hier fantastisch sind. Abends Braut sich ein Gewitter zusammen, daher verstauen wir die Elektronik im Backofen. Daher bekommen wir auch nicht mit, dass Frank’s Schwester versucht, uns zu erreichen. Der geplante Urlaub bei uns an  Bord muß abgesagt werden, da Olaf schwer erkrankt ist. Welch ein Schock mitten in der Nacht. Wir sind beunruhigt und finden keinen Schlaf mehr. Schade, wir hatten uns auf die Beiden so gefreut. Die nächsten Tage bringen keine Entwarnung, was den Gesundheitszustand von Olaf betrifft. Nach 2 Tagen Sturm, den wir im Hafen abwettwern verlegen wir in die Cala Marmorata, dafür , müssen wir durch die Straße von Bonifacio Segeln. Oft entsteht hier eine erhebliche Düse, doch heute ist alles ruhig. Die Bucht ist traumhaft und erinnert mit dem kristallklaren Wasser und den Steinen an die Seychellen. Wir genießen die Nacht, Schwimmen und genießen die Einsamkeit. Morgens legen wir ab Richtung Maddalena Archipel. Es ist so unglaublich schön hier, leider herrscht hier viel Segelbetrieb. Ich bekomme fast die Panik. Zumal wir eigentlich nach Cannigione wollen und gegen an kreuzen müssen. Nach 2 Stunden brechen wir ab und steuern La Maddalena direkt an. Cala Galleta wird uns über Nacht aufnehmen. Wir liegen mitten in der Stadt, gehen abends Essen und staunen über die vielen Menschen. Auf dem Nachbarboot sind Deutsche, die zum wiederholten Male hier sind und uns Tipps geben. Wir erstehen eine Naturparkvignette und ab geht es ins innere des Archipels. Die erste Nacht verbringen wir in der Cala Palma auf Cabrera und haben Mühe, die Boje zu erwischen. Schwimmend kann Frank alles richten. Morgens, nach einem Bad in der Bucht, machen wir uns Richtung Maddalena Ostküste auf. Hier hilft uns der Marinero beim Bojenandocken und wir basteln mal wieder den ganzen Nachmittag am Schwimmerschalter vom Grauwassertank. Gleich gibt’s mehr von den Inseln.

 

 

Update Technik und Sehenswertes

Die neuen Starterbatterien (Uih, ich weiß!) aus Malle funktionieren prächtig. Zwischenlösung! Immerhin muss ich nicht mehr den Generator (30 kg) aus der Backskiste auf das Achterdeck wuchten, die Bandscheiben erholen sich langsam. Die Butter hart, das Bier kalt, alles bestens.

Das AIS hat den Platz des alten GPS übernommen, das neue GPS den Platz des AIS, alles stand alone und nix vernetzt. Navigiert wird zur Zeit mit Navionics auf einem Tablet, das Backup auf meinem alten Streichelhandy ist Opfer der See geworden, muss ich auf dem Neuen mal wieder aufspielen. Bis jetzt also alles im Lot, verpaddelt haben wir uns auch noch nicht. Wäre gestern in der Fornelli-Passage auch fatal gewesen, nix wie Steine und nur 3,5 m Wassertiefe, kribbelig und nichts für schwache Nerven.

Heut sind wir auf einem Inselchen mit Unmengen Eseln (passt ja) und leider auch Bienen. Noch eine Klinik für Schildkröten, die Eva sich natürlich ansehen musste. Aktuell werden 3 Schildkröten behandelt, eine, deren Panzer von einer Schiffschraube beschädigt wurde, eine, die einen Fischköderhaken im Maul hatte und eine, die ganz in Plastik gefangen war und dieses auch noch im Magen hatte. Die 2 letzteren können demnächst wieder ins Meer zurück, die erste leider nicht. Mit den Eintrittsgeldern wird die Schildkrötenklinik teilweise finanziert. Die Isola Asinara liegt im Naturpark Asinara. Hier darf nicht geankert werde  um das Seegras zu schützen. Sehr sinnvoll, denn das Wasser ist glasklar und türkisfarben. Seit langer Zeit begegnen uns hier auch wieder Segelboote. Kann man verstehen, der Norden ist viel reizvoller als die Westküste. Als wir gestern hierher gesegelt sind, gab es unterwegs nur unbesiedelten Land, schroffe Felsen und Wasser. Wir konnten den Bonitos beim Jagen zusehen, denn um uns herum sind die Fische aus dem Wasser gesprungen, eine Menge Möwen, die einen Happen abbekommen wollten. Die Fornelli Passage war eine Herausforderung, die wir wegen wenig Wind und später flachem Wasser technisch sauber gequert haben. Die Passage selbst ist Wasser technisch ein Traum, Karibik Feeling pur. Dank der Nachsaison haben wir an den Bojen einen Platz ergattert, viel los ist hier eh  nicht mehr und wir genießen das tolle Wetter, das Wasser, das jetzt auch wieder Schwimmtemperatur hat und natürlich die Sonne.

Morgen  geht  es wieder auf die Hauptinsel, müssen bald mal einkaufen, der Vino Rosso ist fast alle und das geht gar nicht!

Fornelli-Passage

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Bojenplatz

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Gut gegen Nordwind

Er bläst noch immer, nun schon den 5. Tag in Folge. Zeit, sich die Stadt Alghero mit Ihrer langen Geschichte anzusehen. Schon im 8. Jahrhundert vor Christus wurde die Insel besetzt, d.h. dass immer wieder Fremdherrschaft die Insel einnahm. Phönizier,  Karthager, die Republik Genua und auch die Katalanen befreiten die Insel von Piraten und Eroberen. Das Katalanische ist hier verhaftet, sowohl in der Sprache, als auch in der Lebensweise. Während in Spanien die Katalanen unabhängig werden wollen, ist man auf Sardinien stolz auf die katalanischen Ursprünge. Die Altstadt mit den mittelalterlichen Festungen, Türmen und Gässchen lädt zum Verweilen ein. Shopping Freunde aus aller Herren Länder treffen sich hier. Die Sprache ist international. So kann Frau sich die Zeit bei Nordwind vertreiben. Der LI hat andere Interessen: er verfolgt diverse lange aufgeschobene Arbeiten, baut das AIS um, das neue GPS ein und stellt das ganze Schiff auf den Kopf. Leider muss nach Nordwind immer das ganze Boot geputzt werden, denn überall dringt Staub ein. Gesäubert wurde am Montag, da war es nicht nur windig, sondern auch recht frisch. Nach mehreren Tagen im Hafen gibt es leicht einen Koller, daher haben wir gestern in die Badebucht am Cap Cacchia verlegt. Viel Welle stand in der Bucht an, das Auf und Ab entsprechend heftig. Wir haben die Zeit genutzt, um Trinkwasser zu bereiten. Kurz vorm Ansteuern der Bucht hat ein Delfin fast unseren Bug gerammt. Die Fischer sind auch wieder ausgelaufen, ein eindeutiges Signal: der Wind lässt nach. Mich macht zu viel Wind agressiv. Das konnte ich schon in Südfrankreich beobachten und hier haben wir es nach wie vor mit Mistral zu tun. Nun liegen wir in der Cala  Tramariglio und lassen uns den Wind um die Bootsnase wehen. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne brennt. Das Wasser ist durch den Nordwind erheblich abgekühlt. Ich hatte gestern fast Herzstillstand, nachdem ich ins Wasser sprang!  Nur ganz kurzer Aufenthalt, nachhaltig erfrischend. Am Abend wurde in der einsamen Bucht gekocht: Vitello mit Pilzen und Pfefferrahm, dazu Rigatoni und Tomaten mit Mozarella. Als Dessert gab es Süßigkeiten, die wir noch in Alghero eingekauft hatten.

Morgen geht es mit hoffentlich abgeschwächten Wind in den Norden. Die Fornelli Passage soll durchquert werden. Da die Hauptsaison eindeutig vorbei ist, hoffen wir, in einer Ankerbucht übernachten zu können.

Die Quintessenz von Nordwind ist: du brauchst Zeit zum Abwarten. Zeit zur Körperpflege, Zeit zum Knoddeln, wie der Saarländer zu sagen pflegt und Zeit zum Lesen. Gerade lese ich: solange es Schmetterlinge gibt, davor Mandelmond und Lindenmond. Danach werde ich den 3. Band der Warringham Saga lesen. Ich schicke Euch ein paar wärmende Sonnenstrahlen nach Deutschland. Bleibt gesund.

 

 

 

 

Eingeweht

Der Wind bläst wohl im ganzen Mittelmeer recht heftig. Wir haben daher nach Alghero verlegt und liegen jetzt unmittelbar hinter der Altstadt im Hafen. Die Stadt war in früherer Zeit heiß umkämpft. Oben auf der Stadtmauer gibt es altes Kriegsgerät, das erinnert an die üblen Auseinandersetzungen: riesige Steinschleudern, Kananonenrohre, Vorrichtungen zum Übergießen der Gegner mit Pech und heißem Öl. Es schaudert einen, wenn man daran denkt. Heute fallen keine Besatzer ein, sondern Touristen. Die Stadt ist international. In der Altstadt reiht sich Shop an Shop, Restaurant an Restaurant und es gibt alle 10 Meter eine Eisdiele. Natürlich Trinken wir einen Capuccino am Morgen und als ich mittags die Altstadt durchstreife, gönne ich mir ein Eis, oh wie lecker.

HEUTE vor 70 Tagen sind wir auf unser Boot gezogen! Ein Grund zu feiern und heute Abend die Bordküche geschlossen zu halten. Früh am Morgen hatte uns Regen geweckt. Der Himmel grau, das Meer stürmt. Der Wind soll auf Süd drehen und wieder Sonne bringen. Wir nutzen den bedeckten Vormittag zum einkaufen und auf der Suche nach einem Supermarkt entdecken wir eine Markthalle mit einheimischen Produkten. Ob Brot, Fleisch, Fisch, Käse und Obst und Gemüse, alles wird sehr ansprechend präsentiert. Ich ergänze meine Grünen Vorräte und kaufe dunkles Brot, was hier nur sehr schwer zu besorgen ist und zudem horrend teuer. Eine gute und ausgewogene Ernährung ist uns wichtig, da ist dann auch fast nichts zu teuer. Den sardischen Wein haben wir ebenfalls bereits gekostet und für lecker und süffig empfunden. Auch hier würden die Vorräte aufgefüllt. Wir wissen nicht wie lange wir hier bleiben, es wird sehr viel Wind geben, so dass eine Fahrt durch die Straße von Bonifatio, sprich Richtung Korsika entfällt. Wir werden wohl hier in der Bucht von Alghero das schlimmste abwetternd auf moderate Winde warten. Keine Lust, die Sturmsegel auszuprobieren. So bleibt dann Zeit, einen Kuchen zu backen. Wieder im Omnia auf dem Gasherd. Heute wurde es ein Rührteig mit Apfeldecke. Leider schon wieder zu heiß gebacken. Der nächste wird besser! Was mich erstaunt, hier gibt es nirgends gemahlene Mandeln oder Haselnüsse, und wenn, dann zu horrenden Preisen. Vielleicht kann meine Schwägerin jeweils ein Päckchen mitbringen? Ich gebe keine 7,50 € für 250g Mandeln aus! Backin habe ich ebenfalls noch nicht entdeckt. Über Weihnachten, wenn wir in Deutschland sind, werde ich die Vorräte auffüllen.

Gestern habe ich endlich auch einen Waschsalon entdeckt und 1 Stunde mit Waschen und Trocknen verbracht. Dank Mandelmond, ein Buch das ich gerade am Lesen bin, wurde die Wartezeit überbrückt.

Jetzt wird es Zeit zu duschen und mich ausgeh fein zu richten. Ciao und bis bald!