Zwischen den Inseln 6 oder der tanzende griechische Satyr

Am Donnerstag haben wir nach viel Wind Palermo verlassen, daher hatten wir direkt nach der Hafenausfahrt auch viel Welle. Der interessante Küstenabschnitt direkt hinter dem ersten Kap hat mich jedoch die Welle vergessen lassen, nein, ich habe sie ausgeblendet, denn querab hatten wir hohe Berge, interessante Dörfer, vorallem immer wieder grüne Landschaften und dann doch wieder einen Blick Richtung Palermo zu erhaschen. Ehrlich gesagt, war es eine Wohltat, die laute Stadt Palermo mit all ihren interessanten Eindrücken hinter sich zu lassen. Nach  ein paar Tagen in einer Stadt sind wir entnervt und brauchen wieder Ruhe. Diese stellt sich meistens auf dem Wasser schnell ein. Warum? Wir genießen das immer noch sehr gute Wetter mit Sonne, der Blick ruht in der Ferne, spannende Ausblicke, wohin man schaut. Zum Beispiel ein Blick nach Norden, um eine weitere Insel zu entdecken. Ustica liegt in der Verlängerung der eolischen Inseln, aber doch zu weit weg, um sie anzulaufen, so bleibt der Blick darauf mit der Sehnsucht, eventuell hierher zurückzukommen. Weiter geht es der Nordküste entlang. Am Horizont erscheint ein liebliches Bild, ein weiteres Kap, zuerst sieht man nur einen hohen Berg und denkt, dahinter verbirgt sich eine weitere Insel, doch dann wird klar, es ist eine Landzunge und gleichzeitig wohl der nordwestlichste Punkt von Sizilien, San Vito lo Capo. Der schönste Strand und der netteste Badeort Siziliens? Bisher ja, aber es können noch schönere kommen.

Diesen Ort hatte mir meine Friseurin zu Hause schon ans Herz gelegt. Ok, ich sehe ihn,

wir umrunden das Kap und neue Ausblicke ergeben sich.

 

An Steuerbord sind weitere Inseln zu erkennen, es handelt sich um die Ägadischen Inseln: Marettimo, die größte Favignana mit 19 km Länge  und einem bezaubernden Dorf die mit der besten Infrastruktur. Levanzo, Formica, sowie eine rein militärisch genutzte Insel bleiben uns verborgen, wir werden sie vielleicht später erkunden. Unser Ziel heißt Trapani. Ein historischer Ort, der heiß umkämpft war wegen seiner strategisch guten Lage. Wir laufen ein, als es fast schon Dunkel wird. Da wir am nächsten Tag schon wieder früh ablegen wollen, sehen wir uns die Stadt bei Nacht an. Die Infrastruktur ist mehr als außergewöhnlich, da dieser Hafen auch von Kreuzfahrtschiffen angesteuert wird, aber erklärlich. Auf den Plätzen der Stadt reges Treiben, im Hafen ebenfalls, was zu einigem Schwell führt. Neben den Kreuzfahrern legen hier mächtig viele Fähren an und ab, die die Versorgung der ägadischen Inseln gewährleisten.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns früh, denn wir wollen auch mal etwas früher einen Hafen anlaufen, die Entfernung ist auch mit 32 SM nicht so groß, wie die Strecke, die wir tags zuvor mit 60 SM bewältigt haben. Der erste Schreck kurz nach der Hafenausfahrt: wir haben nur noch 2,5 m Wasser unterm Kiel. Der heutige Tagesabschnitt ist gekennzeichnet von geringer Wassertiefe, daher muss der Kurs immer wieder korrigiert werden. Zum zweiten Mal an diesem Tag passiert es mir an einem weiteren Kap. Alles geht gut, ich habe halt nur noch das Ziel Marzala del Vallo im Kopf und die Möglichkeiten der Besichtigungen, die sich mir dort bieten. So lasse ich den Skipper allein an Bord und erkunde das Städtchen, das neben einem historischen Kern eine riesige Kashba mit jüdischem Viertel hat. Die Häuser sind mit Kacheln verziert, eine Besonderheit, die auf ganz Sizilien anzutreffen ist. Aber ich will weiter. 1998 hat ein Fischer ein altes Kulturgut aus dem Wasser gefischt, einen tanzenden griechischen Jüngling, der im Reiseführer besonders erwähnt wird. Diesem jungen Mann ist ein ganzes Museum gewidmet. Eine alte Kirche wurde zum Museum und darin kann ich den Satyr bewundern. Neben diesem Fund gibt es noch einige Amphoren und Anker zu sehen. Ein englisch sprachiger Film berichtet, wie der Jüngling an Land kam. Der Skipper darf meine Handybilder betrachten, bekommt ein leckeres Essen gekocht und darf danach das Geschirr spülen.

Wieder einmal ist viel Wind vorhergesagt und wir beschließen als nächstes Sciacca anzulaufen. Es gibt hier im Westteil der Insel wenige Häfen, die Entfernungen sind oftmals über 30 SM, die Tage sind kurz und wir laufen morgens kurz nach 9 Uhr aus. Doch welch ein Schreck nach der Hafenausfahrt. Da draußen steht extrem hohe alte Dünung an. Die Welle läuft quer zum Boot, das Geschaukel ist heftig. Irgendwann denkst du, das hältst du nicht aus, es gibt jedoch kein zurück. Neben der Welle von der Seite, kommt irgendwann Wind von der anderen Seite auf. So holen wir die Genua ein Stück raus, das Geschaukel wird etwas erträglicher, doch prickelnd ist anders. Hinter einem Kap können wir den Kurs ändern, die Welle schiebt jetzt von hinten, ist aber echt hoch. Der Wind frischt auf, frischt auf und nun kommt auch noch eine kurze Windsee hinzu. Wir sind erleichtert, als wir durch das Fernglas endlich die Hafeneinfahrt von Sciacca entdecken. Frank nimmt das Handy, ruft den Hafenmeister an und dieser steht am Ponton um uns beim Anlegen behilflich zu sein. Hier werden wir zuerst einmal bleiben, wenn auch der Hafen nicht gerade optimal für den kommenden noch stärkeren Wind sein wird. Den Abend verbringen wir in der historischen Stadt, dafür sind gefühlt 300 Treppenstufen zu erklimmen. Wir genießen einen Apperitif mit Blick auf den Hafen und die untergehende Sonne. Das Meer ist ganz ruhig. Keine Welle, unglaublich wie schnell sich die Situation ändert.  Beim durchforsten der Stadt entdecken wir ein kleines, ganz neu eröffnetes Restaurant und genießen ein leckeres Essen.

Heute gegen Mittag fing dann der Mistral an zu blasen, es weht heftig und Welle steht ins Hafenbecken, wir schaukeln heftig, liegen fest verzurrt an 2 Moorings und hoffen, dass der Spuk schnell vorbei ist. Ich vertreibe mir die Zeit um die Altertümer und 29 Kirchen zu besichtigen. Unglaublich, welche Geschichte hier geschrieben wurde. Historische  Gebäude, wohin man sieht, enge Gässchen laden zum verweilen ein. Immer wieder steige ich Stufen hinauf oder hinab. Nun ist es gerade mal kurz nach 17 Uhr und es wird dunkel. Zeit zu kochen, denn bei dem Wind haben wir keine Lust, in die Stadt zu gehen. Unser Winterlager ist noch ca 50 SM entfernt und wir würden gerne dort ankommen. Vielleicht schaffen wir es rechtzeitig zu unserem Hochzeitstag am 31.10. anzukommen. Drückt uns die Daumen, dass der Wind nachlässt und die Welle sich beruhigt, dann machen wir einen letzten langen Schlag, laufen früh morgens aus und hoffen noch vor Einbruch der Dunkelheit in Licata einzulaufen. Schönen Sonntag Euch allen, in Deutschland weht auch ein Sturm, das konnten wir zumindest den Nachrichten entnehmen. Macht es Euch bequem und gemütlich, dafür ist der Herbst genau die richtige Jahreszeit.

Ein Gedanke zu „Zwischen den Inseln 6 oder der tanzende griechische Satyr“

  1. Hallo Eva,
    sehr gut geschrieben, da habe ich wieder richtig Lust bekommen.
    Ich war 1993 fast genau diesen Törn mit der La Luna und meiner Frau unterwegs.
    Liebe Grüße, vor allem auch an Frank
    Franz

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