Nach dem Kino

Mein erster italienischer Film hat mich total begeistert! Nicht, dass ich alles verstanden hätte, aber mitlachen konnte ich an den richtigen Stellen. Der Film handelt von der Mafia in Licata und ist mehr eine Gangsterkomödie und mit Laiendarstellern gedreht. Mai arrendersi oder kapituliere nie, zeigt traumhafte Bilder von Licata, all die Orte, die wir hier lieben gelernt haben. Im Kino saß eine der Hauptdarstellerinnen neben mir und der gute Cop und das frühere Mafialiebchen hinter mir.

AB7FD312-91ED-4A08-993C-9AFD112BF8E8

Als wir mit 6 Personen aus der Marina das Kino verließen, haben uns die Darsteller draußen erwartet und wollten wissen, wo wir herkommen und ob uns der Film gefallen hat. Erstaunt waren sie, dass unsere kleine Gruppe aus 4 Nationen kam: Deutschland, Schweiz, Norwegen und USA. Und natürlich waren wir begeistert vom Film. Enzo, ein weiterer Darsteller, war nicht dabei, er arbeitet in Mailand, also wurde er kurzerhand angerufen, damit er uns kennenlernen konnte. Unglaublich, aber so ist Licata und die Licatesen und genau deshalb fühle ich mich hier so wohl.

E675C705-A831-4FAB-90E7-2A772C67E16D

Ansonsten feiern wir hier andauernd jemandes Geburtstag, letzte Woche war Anne – Inger an der Reihe. Der Geburtstagskuchen von mir, darf dabei nicht fehlen.

44799BB5-9CAD-4E6F-B90F-8D4A6F84B8E3

Gestern und heute, haben wir heftigen Ostwind mit 46 Knoten fegt er gerade durch die Marina. Da kommt Abwechselung mit Sport gerade recht. Gestern morgen hatten wir HIIT und gerade eben Yoga. Beim Yoga mußte ich feststellen, dass ich bedingt durch das heftige Schaukeln im Boot doch sehr unruhig stehe, quasi die Bootsbewegungen bereits voll und ganz adaptiert habe. In der Nacht soll es ruhiger werden, hoffentlich. Denn mal wieder eine Nacht durchschlafen wäre echt toll.

E525839F-FB69-496E-B5AF-2246A0B40812

Genießt eure Zeit und bleibt uns treu.

Arbeitspause

20190321_144013

Musste heute kurz vor einem Koller das Boot verlassen. Einfach zuviel Wind, konstante 9 Bft machen selbst im Hafen nicht wirklich Spaß, das Photo gibt die Situation nur unzulänglich wieder.

Normalerweise wären weitere Vorbereitungen zum Einbau der neuen Batterien im Plan, habe mich aber für eine kurze Auszeit entschieden. Auch der Muskelkater vom Austausch der Förderpumpe in den Tagestank hält noch an.

20190320_151704

Das Popelpümpchen hat mich echt gefordert. Musste 4 Löcher bohren und Gewinde in Edelstahlhalter schneiden, ein richtiger Kraftakt. Diesmal ein für das zu fördernde Gut ausgelegte Pumpe (Zahnrad). Die alte Pumpe hat gesäpelt wie Bill, da haben nicht mal mehr Pampers geholfen.

Das Markieren der Kette war dagegen vergleichsweise simpel.

3734B1DC-2646-4FE5-8CCA-FF9F8D6C19CB

100 m und inklusive Anker knapp 300 kg auf dem Steg.

3563DBCE-D812-4761-B8BD-5385320A2245

Nun können wir auch mal die Länge der gesteckten Kette vor Anker zuverlässig bestimmen.

Die Montage unserer neuen Abdeckung der Scheiben im Salon war reine Fleißarbeit, 24 Löcher mit Gewinde in den Rahmen unserer Fenster, aber Aluminium ist ein wirklich dankbares Metall für derlei spangebende Formänderungen.

3A45770F-17D9-4828-919B-C37E8EE2AFDE

Bin gespannt, ob die Temperaturen im Sommer wieder 45°C erreichen werden.


7FAC5B4C-2DB3-414C-A5EA-F11841C839AD

Den Wasseranschluss aus der Backskiste nach außen zu verlegen war dem Komfort geschuldet, das Leben darf auch mal simpler werden.

AE2C80D1-81FA-40A0-A677-E86CF1358528

Die kleineren Umbauten fallen nicht so ins Gewicht, alles Kleinkram. Echte Erleichterung brachte noch der Einbau eines Aktivkohlefilters in den Kaltwasserzulauf unserer Küchenarmatur, damit hat die Schlepperei der Wasserflaschen im Winter ein ultimatives Ende, nebenbei natürlich auch die Müllentsorgung.

Die Vorbereitungen für 3 neue LifeYPo4-Batterien sind natürlich doch im Gange, wenigstens mental. Und der Batteriemonitor ist bereits eingebaut, trollt ja auch schon 2 Jahre in der Vorratskiste, war bislang jedoch nicht essentiell. Den Ladezustand der alten Batteriebank kann man ganz gut mit Hilfe der vorhandenen  Spannung bestimmen (12,75V ist voll, 12,5V am morgen heißt 75% noch da), das wird künftig nicht mehr gehen. Die neuen Lithium Eisen Yttrium Phosphat Kraftwerke müssen bilanziert werden, da die Spannung über den nahezu gesamten Verlauf konstant bleibt. Also messen und zählen was rein- und rausgeht. Die Dinger sind bestellt und unterwegs, die Erläuterungen dazu sind ein gesonderten Artikel wert. Nur soviel, damit ist das Schiff endgültig autark, kein Landstrom mehr notwendig.

Erwähnenswert ist noch der Flop mit der Phasenanschnittssteuerung unseres 230V Netzes. Hat erst mal 2 Tage gedauert bis der Heizstab im Boiler demontiert, entkalkt, neu abgedichtet und wieder montiert war. Dann das Wundergerät hinter den Inverter geklemmt und 3 Tage lang Warmwasser über die Solarpaneele produziert, dann ist das Dingens abgeraucht. Der Plan war, nur so ca. 200W aus den Batterien zu ziehen, da der kleine Heizstab schon 1000W will und das sind 80A, dat geit net. Soviel schieben unsere Paneele selbst im Optimalfall nicht nach (ca. 40A, mehr ist nicht). Deshalb Leistungsbegrenzung, jedoch scheint der nachgebaute Sinus unseres Wechselrichters nicht zu harmonieren. Egal, zukünftig wird das gehen, auch bei Vollast.

Genug der Technik für heute, nächste Woche kann ich vielleicht mehr berichten.

Auch Bootsbastler müssen mal raus

Nun haben wir das Auto schon über 3 Wochen und langsam wird es Zeit, dasselbe wieder nach Catania zurück zu bringen. Natürlich nutzen wir die Fahrt um uns einiges anzusehen.

Als erstes geht es zu Opas Grab nach Motta San Anastasia. Wie schon berichtet, gibt es hier einen Kriegsgräberfriedhof, auf dem 4500 Kriegsopfer beigesetzt wurden.  Zum Glück scheint dieses Mal die Sonne, ich verabschiede mich von Opa, denn wir werden im April Sizilien verlassen und ich weiß nicht, ob ich zuvor noch einmal Gelegenheit habe, das Grab zu besuchen. Tief bewegt verlassen wir die Anlage, schon seltsam, so weit weg von zu Hause ein Familienmitglied zu haben.

714AD71D-9ABB-4EBD-BFA3-8ADBCDFFBE35

Das Grab meines Opas Leo Bach in Motta San Anastasia

Es ist Faschingssonntag und Himmel und Menschen sind unterwegs. In Montebianco treffen wir auf den ersten Faschingsumzug. Verkehrschaos herrscht nicht nur hier, sondern in der kompletten Stadt Catania. Frank bewahrt Ruhe und so gelangen wir schließlich zum Museo dello Sbarco. Ein Museum, das der Befreiung im 2. Weltkrieg gewidmet ist. Ein Dorf wurde autentisch nachgebaut, vor der Bombadierung und danach. Wir sehen einen Bunker, die Türen werden geschlossen und die Bombardierung beginnt. Erst Fliegeralarm, dann Bombardierung, die Bomben schlagen in der Nähe an, das Gemäuer wackelt, Staub ist zu riechen. Originalgetreu, wir sind etwas überrascht. Wir sehen die Landung der Allierten, Engländer, vertreten durch Australier und Amerikaner. Mit dem Besuch des Museums folgen wir einer Empfehlung eines Sizilianers, der wir beim 3.Anlauf nun endlich nachkommen. Bisher standen wir immer vor verschlossener Tür.

E7935A24-3937-402F-80CC-CF6ED63FCFFD

Das Innere des Zuges

Als weitere Attraktion haben wir uns eine Fahrt mit der Schmalspurbahn rund um den Ätna vorgenommen. Nun suchen wir zuerst mal die Stelle, an der der Zug abfährt. Mitten in der Stadt, etwas entfernt von unserem wundervollen B&B Aquadellaerte. Hier beziehen wir in einem uralten Palazzo aus dem 17. Jd. ein gemütliches Zimmer.

7703CC4A-C1D4-465D-9ECB-3F959EA29207

Die Stuckdecke im B&B Aquadellarte in Catania, geniales Frühstück inbegriffen

Die Lage ist genial, direkt am Fischmarkt und in unmittelbarer Nähe zu allen Attraktionen der Stadt.

7443A739-5930-49C1-A736-332EA903E0B1

1A83B1A9-5148-449E-8884-798DC2B7FC46

Jeder Raum hat andere Fliesen

Die Lady des B&B ist sehr hilfsbereit und erklärt uns, wie wir von hier zum Bahnhof Borgo gelangen, wo die Schmalspurbahn startet. Tatsächlich hat Catania seit einiger Zeit eine Metro mit wenigen Stationen, und eine davon hält tatsächlich in Borgo. Früh am Morgen machen wir uns an Rosenmontag auf den Weg. Während zu Hause die Freunde sich dem Karnevalsumzug widmen, steigen wir in den Zug Richtung Ätna.

E4D6DCC9-91EF-428A-B87C-32C4A0A9F2D8

Der Circumetnea mit seinen traditionellen Zügen

Die alte Bahn ist in die Tage gekommen, schnauft und wackelt und muss mit jedem KM, den sie zurücklegt 36 Höhenmeter überwinden. Die Circumetnea kostet pro Person 7,90 € und bringt uns dem Ätna schnaufend näher.

0293EF56-4374-4CAA-8E81-4464AC3E2FD5

Ausblicke auf den Ätna

A268A28B-D1CB-4175-8DB1-1D64277AD68E

Wir überfahren den Passo Zingaro, passieren die Pistazienstadt Bronte und erreichen mit Maletto den höchsten Punkt der Fahrt. Immer wieder sehen wir aus einer anderen Perspektive den Ätna, kommen näher und näher. In der Stadt Randazzo verlassen wir den Zug, um uns die Stadt am Fuße des Ätnas anzusehen, die bisher immer von der Lava verschont wurde. Randazzo wird als schwarze Stadt bezeichnet, einige Kirchen sind tatsächlich aus Lavasteinen gebaut.

E46083AD-02BE-4F7E-9D18-251455E928AC

 

Wir sehen uns Kirche nach Kirche an und genießen einen weiteren sonnigen Tag, diesmal hoch oben in den Bergen.

4F6B51DF-6E70-4698-9577-BCC1206B0C4F

 

E621EACB-2E7A-4082-9B90-EA9C1F36F646

3E89A12B-1293-4FE6-B195-89B28D8EE432

Zurück geht es mit dem Vulcano  einem herrlich neuen und komfortablen Zug nach Catania.

77BDF9DD-D33F-443E-B0DA-0F59EC8EDEA8

Dem Ätna ganz nah

Wir schlendern durch die Stadt, genießen einen Prosecco in der Sonne und planen unser Essen am Abend am Fischmarkt. Mit einer leckeren Scheibe Thunfisch auf sizilianische Art beschließen wir den traumhaften Tag.

CC359274-BE37-451B-BFC1-8A68732DA3B9

Thunfisch auf sizilianische Art

Am nächsten Morgen besuche ich den Fischmarkt und bin etwas betrübt, dass ich keinen Fisch hier kaufen kann. Nehme die Eindrücke in mich auf, bin faziniert von all dem Getier, das um mich herum ansprechend angeboten wird, gleich ob Fisch, Meeresfrüchte oder Schwein und Huhn.

A27E9559-C850-4306-9A5D-EC0A1ADF67C8

Fischmarkt Catania

5A5F5CBD-EB33-4547-A157-BC1235AAFFC1

Eine letzte Autofahrt bringt uns zu Decathlon, wo wir unsere Bekleidung aufstocken, dann zurück zum Flughafen, Auto abgeben und mit dem Bus zurück nach Licata.

Nun hat das dolce vita ein Ende. Bevor die Segelsaison beginnt, gibt es noch einiges am Boot zu tun.

Zum einen, wollen wir außen an der Backskiste einen permanenten Wasseranschluss anbringen, damit wir im Sommer komfortabler außen duschen können. Ich darf nur Hilfestellung geben und bin vom Ergebnis begeistert.

AE2C80D1-81FA-40A0-A677-E86CF1358528

Süßwasseranschluss für die Außendusche

Der neue Sonnenschutz für die Fenster wird geliefert, nun müssen Löcher gebohrt werden, damit die Bahnen angebracht werden können. Die ersten Arbeiten sind erledigt, allerdings bremst uns heute der heftige Wind ein, so dass die Befestigung erst morgen erfolgen kann. Bilder werden auf jeden Fall nachgereicht.

Unterdessen beschäftigt sich Frank mit dem Austauschen unserer Batterien. Nicht dass wir ein Problem hätten, denn unsere Batterien stammen aus August 2017. Lithium Batterien haben eine wesentlich längere Laufzeit, können tiefer entladen werden und kosten daher ein Vermögen. Rund 7000,- € sind zu investieren. Kein Wunder, dass wir uns mit der Entscheidung etwas schwertun. Ich denke, die Würfel sind gefallen, Gerrit benötigt neue Batterien, da seine den Geist aufgegeben haben und wir könnten eine gemeinsame Lieferung erhalten.  Wenn nun unsere gebrauchten Batterien in der Marina eine neue Heimat finden, dann werden wir wohl die kostenintensive Investition durchführen. Dazu wird es einen technischen Blogbeitrag von Frank geben. Ich fühle mich damit etwas überfordert.

Meine Tätigkeiten an Bord beschränken sich auf Beschaffung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln und Reinigungsarbeiten und als Diskuissionspartner für Investitionen. So bringe ich den Sonnenschutz des Cockpits auf Fordermann und reingie die diversen Organizer im Boot, nach fast 2 Jahren kein Luxus.

Ciao ihr Lieben, bis bald

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind

Nicht immer ist es so ruhig, wie auf dem Foto oben. Während wir die letzte Woche traumhaftes Wetter mit fast sommerlichen, deutschen Temperaturen um 20-23 ° hatten, bläst es seit Sonntag immer wieder heftig. Diese Nacht hatte unser Boot auf einmal richtige Schräglage, das war der Moment, als der Sturm begann. Seitdem haben wir immer wieder Schräglage, wenn die Böen über die Marina hereinbrechen. Wir haben Wind aus Nordwest und der Spaziergang durch die Stadt ist nicht wirklich schön. In die engen Gassen bläst der Wind, wirbelt den ganzen Unrat auf und auch Sand ist in der Luft. Komme gerade vom Einkaufen zurück und ich mußte mich teilweise gegen den Wind stemmen. Die nette Bäckerin hat mir Wegzehrung mitgegeben und mich gefragt, wie es mit dem Schlafen bei so viel Wind ist. Na ja, es gibt Nächte, das schläft man schon besser. Arbeiten an Bord ist wegen des Windes nicht möglich, da wir uns immer wieder zur Seite neigen und der Wind verweht alles. Heute wollten wir den neuen Sonnenschutz an den Scheiben anbringen, vertagt auf morgen, in der  Hoffnung, dass der Wind über Nacht nachlässt. Also habe ich meine Sachen zusammengepackt und sitzen nun im Cafe Letterio und schreibe Blog. Habe auch einiges Nachzuholen, da wir die letzten Wochen, als wir das Auto hatten, viel unterwegs waren.

Ein Ausflug hat uns nach Enna geführt. Bei Enna handelt es sich um die höchstgelegene Provinzhauptstadt ganz Italiens.

CD5F2E56-2172-4AD7-9534-D8BE48727FBB

Die Gegend soll einer der Lieblingsorte der Korngöttin Demeter gewesen sein und schon die Hinfahrt in die Mitte der Insel lässt ahnen, warum sie von diesem Landstrich so begeistert war.  Alles grün, Mandelbäume, Wein, Oliven und Gerste wechseln sich ab. Dazwischen immer wieder Gemüse. Es geht bergauf, die Straße ist erträglich gut ausgebaut, sodass die knapp 100 km angenehm zu fahren sind. Das kann man hier nicht immer erwarten. Teilweise sind die Brücken in einem katastrophalen Zustand und man ist froh, wenn sie nicht unter einem zusammenbricht. Gerrirt und Frank fachsimpeln über die Qualität und Fertigung der Bauwerke.

Von Enna bassa schrauben wir uns quasi dem Himmel entgegen, denn Enna alto liegtn 1000 m hoch auf einer Bergkuppe. Das Auto wird vor dem Castello di Lombardia abgestellt. Die Burg wurde vom Normannen Roger I. im 11. Jh. gegründet und steigt man auf den höchsten Turm Torre Pisana, so erreicht man 1100 Höhenmeter und wird mit einem genialen Rundumblick belohnt.

38EEB4A4-C59F-4929-B657-3DB024498D54

Während man im Osten den Ätna rauchen sieht,

8F25328A-F613-4465-AB9B-CC1DB97A78B7

kann man im Westen das Bergstädtchen Erice erblicken. Dazwischen das Grün der Landwirtschaft und schneebedeckte Berge. Wir sind begeistert von unserem kostenlosen Guide, der uns in einem unglaublich schnellen Deutsch, das wir kaum verstehen, die Geschichte dieser Anlage nahebringt. Die Burg ist gepflegt, die 3 Höfe pikobello sauber. Am Eingang können wir uns eine Ausstellung über die Osterprozessionen ansehen, die von den diversen Bruderschaften organisiert werden.

Als nächstes sehen wir uns den Dom aus dem 14.Jh. an, Maria SS della Visitazione. Die Kirche wurde nach einem Brand im 15. Jh. im gotischen Stil wieder aufgebaut. Die Schiffe sind durch dicke Säulen aus schwarzem Basalt getrennt. Über uns schwebt eine kunstvoll geschnitzte Kassettendecke aus Kastanienholz, gefertigt im 16. Jh.

B19DE460-D1AB-4A97-B537-5746DFA6AD43

Nach einem Spaziergang durch den Ort, mit einem kurzen Kaufstop in einem Resycling Laden, in dem ich ein paar blaue Ohrringe erstehe, gönnen wir uns einen Cappuccino und machen uns auf nach Caltagirone.

5D40B497-C233-4EEA-BD6A-3DCC93BE5D4F

Es handelt sich um die Citta della Ceramica, die Straßen sind gesäumt von Ateliers in denen wunderschöne Keramiken hergestellt werden: Fliesen, Tische, Waschbecken, alles individuell gefertigt. Wir lassen uns treiben und steigen natürlich die 142 Stufen der Freitrepppe Scala di S. Maria del Monte hoch. Hunderte von Majokikafliesen zieren die Treppe. Auch hier befinden sich rechts und links der Treppe Ateliers, die zum Verweilen einladen um den Künstlern über die Schulter zu sehen.

8D417DA9-3256-43F7-BE86-E3FF34361593

Wir sehen uns den Dom aus dem 18. Jh. an und erhalten eine weitere kostenlose Führung durch den ehemaligen Kerker, der heute eine Ausstellung beherbergt.

In einem traumhaften Innenhof entdecken wir einen Laden, der antike Fliesen verkauft und Lieferant für alle Dolce & Gabana Verkaufsstores der Welt sein soll. Hier finden wir auch die arabisch anmutenden Blumentöpfe in Form von Köpfen. Der Sage nach, soll ein arabischer Fürst in den Gassen eine wunderschöne Frau gesehen haben und sich unsterblich in sie verliebt haben. Er wollte sie heiraten. Sie findet jedoch heraus, dass er bereits verheiratet ist und bei einem Date, schlägt sie ihm den Kopf ab. Zur Abschreckung an weitere Liebhaber stellt sie den Kopf auf den Balkon und pflanzt Blumen ein. Ein Töpfer sieht das „Kunstwerk“ und ahmt es nach. So gibt es heute auf Sizilien tausende dieser Blumentöpfe auf Terassen und Balkonen.

 

 

Natur pur

heute entführen wir Euch ins Riserva naturale di Torre Salsa, WWF, westlich von Siculiana. Wir haben bereits mehrere Anläufe unternommen, dieses traumhaft ruhige und saubere Gebiet zu erkunden.

2175D819-CCCC-4C5D-BC4F-A4FD93F57D89

Beim dritten Mal haben wir endlich das Glück, den richtigen Einstieg zu finden. Es handelt sich um einen wunderschönen Küstenstreifen mit einsamen Naturstränden, gestrandeten Schiffen, herrlicher Vegetation und Ruhe.

Das Pfeifen der Vögel begleitet uns beim Abstieg zu den Kalkklippen. Es sind nicht nur die Seevögel, die gerne hier verweilen sondern gerade jetzt Ende Februar machen hier die Zugvögel auf ihrem Weg in den Norden Rast. Hier oben sind sie ungestört und dank der fruchtbaren Gegend finden sie hier genügend Insekten um sich zu stärken. Der Wanderer tut gut daran, Verpflegung mitzubringen, denn um die Landschaft zu schützen, gibt es hier keine Versorgungsmöglichkeiten. Ausgerüstet mit ausreichend Wasser und Keksen machen wir später unser einsames Picknick auf den Klippen.

AD86E17E-40AF-46DB-93C0-44EDAB636A52

3FF1C628-3D6C-40A2-B023-BB2F51B2B75D

 

Zahlreiche Orchideen, 11 unterschiedliche Arten, säumen unseren Weg und Wolfsmilchgewächse und Macchia  tauchen die Landschaft in blühendes Grün. Auch die Meeresschildkröten wissen den Strandabschnitt zu schätzen und kommen zum laichen hier her. Wir gewähren ihnen die notwendige Ruhe und sehen uns das Ganze lediglich von oben an.

90EF374B-B47A-4081-861E-552371F4ED37

Unsere weitere Fahrt bringt uns nach Siculiana. Am Ortseingang stellen wir fest, dass es sich um die Partnerstadt von Marpingen im Saarland handelt, ein Grund mehr, das Städtchen zu besichtigen. Gegründet im 14. Jh. wird es als das Tor Siziliens bezeichnet. Oben am höchsten Punkt des Ortes thront ein arabisches Kastell und diverse Kirchen. Uns begeistert die Segmentkuppel der Chiesa Madre und mit Blick auf Küste, Kastell und Kirche genießen wir einen Cappuccino.

57900F60-85CD-416A-8359-0E5E37EA2411

52592A5B-D71A-4892-A147-3D9542E5DEB9

 

32FEC64B-4B1F-405E-98A9-0F893D7D7933

Meine Yogagruppe  hat im Laufe des  Winters immer mehr Zuwachs aus Licata und Umgebung erhalten. Zum einen Mariela, die Anwältin, mit der und bei ihr ich mehrfach kochen und backen durfte und Ruth, die Schweizerin, die mit ihrem Mann Urli in den Bergen bei Campobello di Licata lebt. Sie haben vor 22 Jahren ein wunderschönes Anwesen hoch gelegen und abseits jeglicher Zivilisation erworben und kultiviert. Hier oben gedeihen Weinreben, Oliven, Zitronen, Granatäpfel, Mandeln und Kaktusfeigen neben Salbeibüschen und Rosmarin. 8 Hunde laufen frei herum und sichern das einsame Anwesen, denn die nächsten Nachbarn leben weit entfernt. Oben bei ihnen gibt es Strom und zusätzlich Solarpaneele, aber kein Wasser. Daher wird Regenwasser gesammelt und mit einem Wasserbereiter gefiltert. Sie führen hier ein einsames Leben, verzichten auf Komfort, dafür NATUR PUR!

70C1694D-649F-4A97-9FF0-9F1465CB705B

Wir verbringen einen herrlichen Nachmittag mit ihnen und kehren beladen mit Zitronen, Rosmarin und Salbei zurück zur Marina.

C8ABFCEF-54C7-47A5-9343-411028A46009

Klar ist, dass es am nächsten Tag Saltimbocca alla Romana gibt, denn der Salbei duftet köstlich und mit den Zitronen lässt sich eine leckere Soße bereiten. Außerdem bin ich mittlerweile großer Fan der Cedri geworden. Dabei handelt es sich um eine riesige Zitrone, die komplett gegessen wird, inklusive Schale. Als Vorspeise bereite ich daraus ein Carpaccio auf Ruccola mit Buttara, einem besonderen Mozzarella. Beim Schreiben des Artikels läuft mir gerade das Wasser im Munde zusammen.

2AA55C28-70B8-4651-9EA0-2CB16697C1DE

Apropo Yoga: die Marina hatte im Februar einen externen Yogalehrer für uns organisiert. Natürlich kam Moreale, wie es sich für einen richtigen Italiener gehört, eine halbe Stunde zu spät. Begrüßte uns kurz, startete einen Speaker mit indischer Musik und verschwand wieder. Kurze Zeit später erschien er diesmal ohne Shirt, so dass wir all seine Muskeln begutachten konnten. Uns blieb wahrlich der Mund offen stehen, aber keine Zeit, dieses Muskelpaket mit all seinen Tätowierungen zu bewundern, er startete sogleich sein extrem schwieriges Yogaprogramm ohne Pause, ohne Ansage, lediglich, wenn es zu einem Wechsel kam, sagte er Change the Position. Aber seht selbst:

AB9359FE-4D9E-440E-9F13-9BF591493DAF

Unsere Arbeiten an Bord gehen weiter: Frank hat eine Luke in die Sprayhood eingebaut. Wir mussten feststellen, dass wir zu wenig Frischluft im Cockpit haben. Nachdem wir uns diverse Schiffe angesehen haben, wurde beschlossen, es mit dieser Luke zu probieren. Bestellt in Deutschland bei SVB kam sie mit einer großen Lieferung in Sizilien an. Bedingt durch einen Denkfehler, ließ sie sich nicht vollständig schließen, schlecht, falls wir mal Wasser überbekommen, also musste eine Nut gefräst werden, jetzt ist sie voll funktionsfähig und wir freuen uns auf eine weitere Verbesserung.

76F9C764-A0D9-4215-A055-79938C30E59B

Der Bootsbastler hat immer eine Lösung parat. Das Fachwissen und Talent ist nicht nur auf unserer Eira gefragt, nein, er arbeitet auch an anderen Booten. Unser finnischer Nachbar Samy ist froh, dass er auf Frank zurückgreifen kann und mein Mann ist nun häufig auf Samys Boot anzutreffen.  Bin gespannt, ob unser Boot rechtzeitig zur Segelsaison fertig ist.

von griechischen und barocken Orten

Frühlingshafte Temperaturen und die Tatsache, ein Auto zu haben, macht uns mobil und so erkunden wir die nähere Umgebung mit gelegentlichen Ausflügen. Heute bringt uns die Fahrt nach Eraclea Minoa, eine griechische antike Siedlung, die auf einem Hochplateau am Capo Blanco liegt.

 

Einer der schönsten Badestrände liegt unter uns, während wir uns auf den Rundweg machen, die Anlage des kretischen Königs Minos zu besichtigen.

359B38E4-DDC8-4186-9F7C-0376782D8171

Minos wurde von König Kokalos getötet, als er den Helden Theseus und dessen Sohn Ikarus verfolgte. Es entstand im 6. Jh. v. Chr. eine Tochterstadt von Selinunte mit Amphietheater, Stadtmauer, einigen Häusern, unter anderem einer Töpferwerkstadt, Fragmente der Ausgrabungen kann man in einem kleinen Museum besichtigen.

534B7B3C-C604-426E-8F75-4754AD8E9199

Im 3. Jh. wurde der Ort von den Römern erobert und bis ins 1. Jh. nach Chr. bewohnt. Ein reicher Boden lässt rundum Landwirtschaft entstehen, Schafherden kommen uns auf unserer Wanderung entgegen und wir genießen die phantastische Fernsicht entlang der Küste.

D9D4414F-0ADD-4F1C-9D26-A3B104A59350

Dies macht Hunger auf mehr und so fahren wir zurück nach Realmonte, der Partnerstadt von Eppelborn um dort gemeinsam mit unseren Freunden Pascale und Gerrit von Mojito die Scala dei Turchi zu besteigen.

 

Der Legende nach stiegen die Sarazenen über diese Kalkstufen an Land und eroberten Sizilien. Im Sommer ein Rummelplatz wegen all der Touristen, haben wir hier den Strand fast für uns alleine. Leider haben die Strandbars noch nicht geöffnet, so dass es weder Pasta noch Pizza gibt, lediglich ein frisch gepresster Orangensaft wird uns gereicht. Unternehmungslustig, wie wir heute sind, machen wir uns auf in das Barockstädtchen Naro. Es handelt sich um eine der größten Universitäten Siziliens. Wir parken das Auto vor einem uralten Konvent, das leider nicht besichtigt werden kann. Der Weg durch die historische Altstadt gestaltet sich schwierig, da es keine Hinweisschilder zur Orientierung gibt.

6C0CC21B-A0DD-44B9-BBAE-A4E5E9BC9822

Nach einigem Suchen stehen wir schließlich vor der normannischen Burg, die kostenlos zu besichtigen ist. Wir fragen uns immer wieder, wie diese alten, baufälligen Gemäuer erhalten werden können, wenn die Touristen nichts zahlen müssen.

A40182F7-D514-46F2-A400-4122C35148FD

Wir besteigen den Turm und haben von hier einen 360 ° Rundumblick über das liebliche Valle del Paradiso, fruchtbar und wasserreich mit einigen Stauseen.

 

winterblues

Weihnachten haben wir in Deutschland verbracht, da kannst du den Winterblues bekommen. Nicht nur das Wetter machte uns zu schaffen, auch die Tatsache, dass meine Mama ins Pflegeheim kam und somit ihr Appartement aufgelöst, ausgeräumt, geputzt und übergeben werden musste. Möbel verkaufen etc. Auch Arztbesuche waren zu absolvieren, schließlich musste Frank auch noch an der rechten Oberschenkelvenenklappe operiert werden. Also ganz schön viel zu tun. Genossen haben wir in dieser Zeit jedoch das Zusammensein mit unseren Familien und Freunden. Endlich mal wieder Freundinnen treffen, zusammen klönen und genießen. So vergingen die 7 Wochen in Deutschland rasend schnell und siehste nicht, biste nicht, bist du schon wieder auf Sizilien gelandet. Am Flughafen das zuvor gemietete Auto in Empfang genommen und auf`s Boot gefahren. Wie schön, endlich wieder zu Hause zu sein und zu sehen, dass die Abdichtungsarbeiten an den Fenstern und Luken erfolgreich waren. Kein Wasser im Boot und da die Toilette mit Süßwasser beim Wegfahren gespült worden war, auch kein Gerüchle an Bord. Nur etwas kalt war es. Also Heizung an und nach einer halben Stunde war es wohlig warm im Schiff.

Die ersten Tage haben wir alle Mitbringsel aus Deutschland verstaut, jeden Tag kam ein anderes Paket an, so dass neben der Grundreinigung des Bootes einiges zu tun war. Vor allem mussten Getränke an Bord, da wir das Auto haben, kein logistisches Problem.

Mit unseren Deutschen Freunden Pascale und Gerrit von Mojito haben wir an meinem Geburtstag einen Ausflug nach Ragusa Ibla und Modica gemacht. Beides alte Städtchen mit viel Charme. Während Ibla im Winterschlaf ruhte, waren wir lange auf der Suche nach einem Cafe, nach etlichem bergauf und bergab haben wir endlich am Dom eine schöne Bar gefunden und nach dem obligatorischen Cappuccino mit einem Glas Prosecco angestoßen. Winterruhe in diesen alten Städtchen ist auf einer Seite schön, dort wo sich üblicherweise Touristenscharen tummeln, hast Du jetzt Platz und Muse und Gelegenheit auf manch ein schönes Erlebnis.

57FB5738-DBE4-437C-B243-49F5C92F6079

C79B0CA7-9252-4125-9B26-E651AFAE28ED

139B92E0-1D30-47F5-8A7F-E4981233C992

Frank hat uns als souveräner Fahrer weiter nach Modica gefahren, die Schokoladenstadt, die wir anlässlich des jährlichen Schokoladenfestivals 2017 schon besuchten. Jetzt lockte uns ein Eis, das uns Stärkung sein sollte für den Aufstieg in die Altstsdt. Verwinkelte Gässchen geben immer wieder schöne Ausblicke frei und wir genießenden Nachmittag in der Sonne. Natürlich besichtigen wir den Dom und bekommen die Gelegenheit, den Glockenturm zu besteigen.

1046BCF4-4AE2-4A8F-8557-75DDDD0EEADD

Von hier oben haben wir einen herrlichen Blick über das ganze Tal.

78650A6C-D099-4563-B1C8-70969B29420B

Am Abend genießen wir ein leckeres Essen im de Gustibus in Licata und fallen in der Nacht todmüde ins Bett.

Während ich am nächsten Morgen pflichtbewusst die Yogastunde abhalte, beginnt Frank mit den Arbeiten im Boot. Heute steht die Heizschlange für das Warmwasser an, was sich dann als Zweitagesbeschäftigung entpuppt, da sich die Heizschlange nicht vom Fleck rühren will und zudem eine Leckage entdeckt wird.

B7F5CF75-48F5-4141-A231-7EC47634306E

Also sieht das  Boot wie eine Baustelle aus. Input von diversen Seiten führt dazu, dass am Montag die Heizspirale ihren Widerstand aufgibt und ausgebaut und gereinigt werden kann. Der Kalk von 20 Jahren muss entfernt werden und dank der Zitronensäure gelingt die vollständige Reinigung. Schließlich wird das Ganze wieder eingebaut und abgedichtet. Ergebnis mehr als zufriedenstellend: kein Tropfen verlässt die Leitung. Ursprünglich wollte Frank bei all dieser Tätigkeit nur einen geeigneten Platz für den Leistungssteller finden, eine Phasenanschnittsteuerung, um Wasser über die Solarpaneele zu erwärmen. In den ersten Tagen unserer Rückkehr wurde der neue Lazybag geliefert. Unser Groß liegt nun in einem neuen Bett und wir hoffen, dass das Setzen und Bergen des Großsegels nun einfacher zu handhaben ist. 3D4009FE-42B6-4089-B8F7-B27677A3987E