Valencia mi amor oder fasziniert von einer Stadt

Nur gut, dass wir von Anfang an vorhatten, hier so lange zu bleiben, hatten wir doch Informationen aus erster Hand von Susan und Mikel von Amarone.

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Wir hatten vier Häfen zur Auswahl, was die Entscheidung nicht gerade leicht machte. Da unsere Freunde Petra und Peter von Flip Flop im Club Nautico waren, haben wir uns für die gute Alternative Marina Mar entschieden, ok, ausschlaggebend war der niedrige Preis mit 17 ,- € die Nacht, dafür nahmen wir die weiten Wege gerne in Kauf. Haben wir doch Fahrräder an Bord, die bisher immer nur im Winter zum Einsatz kamen, sollten sie nun für mehrere Tage unser Fortbewegungsmittel sein. Zuerst wurden wir jedoch von einem netten Schweizer begrüßt, der ebenfalls im Club Nautico mit seiner Stahl Reinke 10 mit Namen SY Pasodoble liegt. Andy kam am ersten Abend mit dem Fahrrad vorbei, neugierig auf unsere Reinke, haten wir uns am Tag zuvor zufällig in der Facebook Gruppe Reinke Technik und Erfahrungsaustausch kennengelernt. Andy hatte angeregt, eine Liste zu erstellen, wo welche Reinke liegt. Am nächsten Morgen haben wir seine Reinke angeschaut. Stahl halt und soviel zu tun, dass wir froh waren, eine Aluyacht zu besitzen.

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Am Nachmittag kamen Petra und Peter zu Besuch, bei Kaffee und Apfelkuchen haben wir über unsere Erlebnisse auf Columbretes  berichtet, abends gab es eine leckere Paella Marisco und wir machten Pläne, was wir gemeinsam ansehen wollten. Am nächsten Morgen also kruschelt Frank die Fahrräder raus aber oh Schreck, wo sind die Schlüssel für die Schlösser? Heftige Suchaktion, die ich mit Erfolg abschließen konnte, auf die Fahrräder und los. Erster Stop das Science Center, das man über  genial angelegte Fahrradwege erreichen kann. Dieses Zentrum liegt in einem trocken gelegten Flußbett des Turia und beherbergt ein Ozeaneum, in dem alle Meere mit Lebewesen besichtigt werden können, ein Science Zentrum, in dem die Wissenschaften erklärt werden, ein riesiger Kinokomplex, eine Ausstellungshalle und Gärten, Parks, Musikhallen und so vieles mehr. Der Fluß Turia  trat in den fünziger Jahren des letzten Jahrhunderts über die Ufer, die Überschwemmungen waren fürchterlich, viele Menschen starben, die Stadt musste evakuiert werden und man beschloss, den Fluss umzulegen. Daraus entstand eine Brachfläche mit 8 KM Länge. heute genutzt als Jardin ( Garten ) del Turia. Somit entstand mitten in der Stadt, entlang der alten Stadtmauer eine grüne Oase der Ruhe, mit Wegen speziell für Fahrradfahrer, Fußgänger, Sportflächen und der Stadt der Künste und Wissenschaften.

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Das ungewohnte Fahrradfahren iim heißen Valencia wurde erleichtert durch diese Grünanlagen. Schattige Plätze laden zum Verweilen ein, doch wir hatten ein Ziel, den Biopark, in dem der Kontinent Afrika nachgebildet wird. Nein, es ist kein Zoo, die Tiere leben in Gehegen, die nicht durch Gitter abgesperrt sind, aber ja, die Tiere sind nicht freiwillig dort, vermehren sich aber prächtig, was wir bei den Silberrücken beobachten konnten.

 

Wir liefen mehr als 5 KM durch diesen Park. auch hier viele schattige Plätze, die zum Verweilen einladen, du gehst über eine Brücke und plötzlich sieht dir eine Giraffe in die Augen. Es nahm den ganzen Tag in Anspruch, wir konnten uns von diesem Ort der Stille und Ruhe kaum trennen, unglaublich, dass dieser Park mitten in der Stadt Valencia liegt.  Zurück am Boot hatten wir mehr als 35 km geradelt, ohne die Straße benutzen zu müssen. Ihr merkt, ich bin begeistert, da könnten sich die meisten deutschen Städte drei Scheiben und mehr davon abschneiden. Man fühlt sich auf dem Rad sicher und traut sich in eine Großstadt, denn dabei handelt es sich bei Valencia, ist sie die drittgrößte Stadt Spaniens.

Doch mitten in die Altstadt trauten wir uns noch nicht mit den Fahrrädern. So nahmen wir am nächsten Tag den Bus, der direkt vor dem Club Nautico abfährt, Anreise zur Haltestelle immerhin 2 km, dies jedoch mit dem Fahrrad. Die Linie 15 brachte uns direkt an den Nordbahnhof,  er ist eine wahre Augenweide, erschaffen im Stil des valencianischen Modernismus, erbaut von Demetrio Ribes zwischen 1906 und 1917. Hier trifft Altes auf Neues, der Innenraum ist mit Mosaiken geschmückt, die Orangen, Palmen und mehr darstellen. Eine wundervoll gestaltete Holzdecke wird von wuchtigen Stützpfeilern gehalten und rundum gibt es gute Reise Wünsche in mehreren Sprachen. Daneben die modernsten Kartengeräte und die Abfahrtshalle ist eine Wucht. Da die hochmodernen Schnellzüge andere Spuren brauchten, hat man diesen Traum von Bahnhof nicht abgerissen, sondern einige Meter weiter, ein modernes Gebäude für diese Art von Fortbewegung geschaffen, die bessere Wahl als Stuttgart 21.

Nebenan gleich die Stierkampfarena, die zu den größten Spaniens gehört und zwischen 1850 und 1860 im neoklassizistischem Stil erbaut wurde. Ich habe mich geweigert, den Skipper zu einem Stierkampf zu begleiten, auch wenn es eine Vorstellung ohne Töten gab.

Nur wenige Schritte entfernt liegt an einem großen Platz, Placa de lˋAjuntament auf der einen Seite das Rathaus mit einem prächtigen Glockenturm, der noch immer die vollen Stunden ankündigt  und im Inneren gibt es ein kleines Geschichtsmuseum zu besichtigen. Wir kreuzen den Platz und stehen unmittelbar vor der Post mit einer unglaublich schönen Glaskuppel, in welche die Wappen aller 48 spanischen Provinzen  eingearbeitet sind. Im Eingangsbereich befinden sich die Briefkästen, hübsch sortiert nach den verschiedenen Bestimmungsorten. An der Außenfassade befinden sich 2 Briefkästen in Form eines Löwenmauls, wer hier seine Post einwirft, muss sinnbildlich seine Hand ins Löwenmaul stecken.

Nächster Stop ist der Mercat Central, die Jugendstil Halle, mit 8160 qm in zwei unterschiedliche Zonen unterteilt. Das Gebäude wird von Eisenträgern gehalten und ist mit viel Glas versehen sowie mit Glaskunst dekoriert. Im Inneren fällt Licht durch eine große Kuppel in 30 m Höhe. Es gibt 300 Verkaufsstände, die alle möglichen Leckereien zum Kauf anbieten. Seht selbst.

Wir kosten von den Tapas und haben plötzlich Hunger auf mehr, suchen uns eine nette Tapasbar, in der wir an Körper und Geist regenerieren. So gestärkt machen wir uns auf zum Placa de la Reina, ein weiterer begrünter Platz unmittelbar an der Kathedrale. Die Santa Maria de Valencia steht auf historischem Boden, hatten bereits die Römer hier zu Ehren der Göttin Diana einen Tempel errichtet. Nach den Goten errichteten die Muslime hier eine Moschee und nach der christlichen Eroberung der Stadt 1238 wurde 1262 mit dem Bau der Kathedrale begonnen. Gebaut wurde bis 1426 und weiter und weiter. 1703 entstand der barocke Haupteingang, ein prachtvolles Tor mit allegorischen Skulpturen verziert. Diverse Kapellen säumen den Hauptgang. Direkt neben dem Haupttor befindet sich in der Capilla del Santo Caliz der heilige Gral, ein Kelch, den Jesus beim letzten Abendmahl benutzte.

Der Hauptaltar ist ein prachtvolles Werk, das mehrere Einzelbildnisse enthält, jedes für sich ein eigenes Kunstwerk. Hier kann man Stunden verweilen, ein angeschlossenes Museum zeigt verschiedene Gemälde und religiöse Kultgegenstände der lokalen Prozessionen.

Den Glockenturm Micalet kann man über 207 sehr enge Stufen ersteigen und oben 14 Glocken sehen, von denen die schwerste 7800 kg wiegt, doch wir haben ein anderes Ziel. Gibt es doch ums Eck das Tribunal de les Aigües zu besichtigen. Dieses Wassergericht ist eine einmalige Institution, die bereits seit 1000 Jahren existiert und jeden Donnerstag tagt, ja, es ist Donnerstag, doch leider spät nach 12 Uhr, als wir endlich eintreffen. Auf valencianisch wird hier über Streitigkeiten rund um Bewässerung und Kanäle  mündlich verhandelt, dazu treffen sich die Vertreter der acht ländlichen Wasserbezirke in traditionell bäuerlicher, dunkler Tracht.

Vor dem Gebäude ein weiterer Platz, der Placa de la Mare de Deu mit einem auffälligen Springbrunnen. Die zentrale männliche Gestalt symbolisiert den Fluss Turia, die 8 leichtbekleideten Wasserträgerinnen repräsentieren die 8 Bewässerungsbezirke Valencias.  Müde und erschlagen von der Schönheit und dem Glanz dieser beeindruckenden Stadt machen wir uns per Bus zu 1,50 € auf den Heimweg.  Es heißt Abschied nehmen von Petra und Peter, die sich am nächsten Morgen auf den Weg in ihren Winterhafen nahe Barcelona begegeben. Schön war es mit Euch zusammen in Port d‘ Andratx, wo wir gemeinsam die Gewitter und Unwetter erlebt haben und auf Ibiza, beim gemeinsamen Schaukeln im Wind.

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Wir steigen am nächsten Tag auf unsere Räder und fahren zum größten Aquarium Europas. Hier werden in 42 Millionen Liter Salzwasser, die dem Mittelmeer entnommen und über ein kompliziertes System aufbereitet bzw. an kühlere oder auch wärmere Lebensräume angepasst werden.

500 Tierarten werden auf 110.000 qm in neun Bereiche verteilt dargestellt. Spektakulär ist der 70 m lange Unterwassertunnel, der sinnbildlich die Meeresfauna und – flora Europas mit der Karibik verbindet.

Praktischerweise liegt direkt gegenüber ein riesiges Einkaufszentrum. Im Carrefour decken wir uns mit Leckereien ein, sind wir am Abend doch recht erschlagen, von all dem, was wir gesehen, erlebt und erradelt haben.

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Letztlich sind wir so mutig, dass wir mit dem Fahrrad in die Innenstadt fahren. Wir schlendern durch den Garten der Königin, radeln zum Mercat de Colon, wo es heute weniger Leckereien zu kaufen,

 

als vielmehr zu esssen und zu trinken gibt, unter der Brücke de les Flors entlang, der Blumenbrücke, wo jährlich 105.000 Blumen gepflanzt werden. Früher wurden die Pflanzen mehrmals im Jahr ausgetauscht, nach der Finanzkrise 2008 konnte das Geld, 500.000 € nicht mehr aufgebracht werden.

Einen Abend treffen wir uns mit Tatjana und Thomas, die mit ihrer Stahlyacht SY Wal in der Marina Real de Juan Süd liegen, sie sind in Deutschland losgesegelt, haben aber noch so einige Projekte zum abarbeiten.

Wir besichtigen die Seidenbörse , ein wuchtiges Gebäude im gotischen Stil, das zwischen 1483 und 1498 erbaut wurde und nun um Weltkulturerbe der Menschheit gehört. Es repräsentiert Macht und Reichtum, den die Fernhändler im 15. Jahrhundert erarbeitet hatten. Der große Saal wird getragen von 17,40 m hohen Palmensäulen.  Die Händler wurden damals schon schriftlich angehalten, saubere Geschäfte abzuschließen, wenn nicht, landeten sie in einem Kerker, der praktischerweise, in das Gebäude integriert war. Im Obergeschoss tagte das Consulat del Mar, das über Streitigkeiten im Seehandel wachte. Die Holzdecke hier ist unglaublich.

Ein Katzensprung entfernt, wieder der Mercat Central. Ein letztes Mal verpflegen.

 

 

Dann stehen profane Dinge an wie Wäsche waschen, einkaufen, Route planen und Wetterberichte ansehen, ja, und dann geht es nach einem letzten Abendessen mit Andy und einer valencianischen Paella, Hähnchen, Kaninchen, Elefantenbohnen und Reis, weg aus dieser traumhaften Stadt der Paella, Kunst und Wissenschaft.

Wir erwischen einen denkbar schlechten Tag, mit viel Welle, Regen und laufen am Nachmittag im Sonnenschein Denia an. Verweilen hier nur eine Nacht unterhalb der Burg, machen einen kurzen Ausflug in die Altstadt und sagen am nächsten Morgen: hasta luego, bis bald.

Jetzt liegen wir bereits den zweiten Tag in Calpe, unter dem beeindruckenden Pennon de Ifach, der verglichen wird mit dem Felsen von Gibraltar. Während Calpe Erhebung bedeutet, wird Hifach oder Ifach mit Norden übersetzt. Die Phönizier haben hier als Erste einen Handelsplatz errichtet. Heute ist es einer der hässlichsten Orte an der Costa Blanca, ein Platz, der von Ferienhochhäusern und Hotels gekennzeichnet ist. Der Berg hinter uns ist jedoch genial, 332 m hoch, ragt er einen Km ins Meer hinaus. Die Möwen, die hier nisten, schreien Tag und Nacht. Morgen geht es für uns weiter nach Alicante und danach nach Santa Pola, wo wir Freunde aus Licata treffen werden. Die Tage werden kürzer, die Crew sehnt sich nach dem Winterhafen. Cartagena ist nicht mehr weit, womöglich sind wir bereits nächstes Wochenende dort. Wir haben viel erlebt auf den gesegelten 1600 SM bisher, noch sind wir nicht am Ziel für dieses Jahr.

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Genießt den Sonntag, lasst es euch gutgehen, wo auch immer ihr gerade seid.

 

Die Crew sagt hasta luego und bleibt uns treu.

 

Vom Wetterphänomen Gota Fria bis zur Vertreibung aus dem Paradies

Ja, es wird Herbst, unschwer an der Häufigkeit der Gewitter zu erkennen. Nun sollte es aber ganz böse werden. Gota fria wurde angekündigt und Wetterwarnungen wurden ausgesprochen. Also mussten wir uns einen halbwegs sicheren Platz suchen. Wir verlegten nach Port d´Andratx an eine Boje, lediglich 7 SM von Santa Ponsa entfernt. Der Hafen ist zu teuer im September und die Boje bietet uns die Sicherheit, die wir suchen. Doch was ist schon sicher bei Sturm und Gewitter. Gota Fria bedeutet kalter Tropfen und ist ein Wetterphänomen, das meist zu Beginn des Herbstes auftritt, wenn kalte Luftmassen des Windes Transmontana aus den Pyrenäen auf Mistral und warme Luftmassen aus Algerien oder Marocco treffen. Am Dienstag, den 10.9. ist es dann soweit, anstatt entspannt in Cabrera den Naturpark zu genießen, harren wir in Port d´Andratx aus und lasssen ein Gewitter nach dem anderen über uns ergehen. Leider dreht der Wind auf Südwest, so dass nun auch noch eine elendige Welle in die Bucht steht, wir rollen hin und her. Starkregen verbannt mich ins Innere des Bootes, während Frank am Ruder steht und versucht, die schlimmsten Bewegungen des Schiffes auszugleichen. Handy, Tablett, Handfunke sind mal wieder im Backofen und der Motor läuft, damit wir bei einem Blitzeinschlag manövrierfähig sind.  Ursprünglich wollten wir uns mit Mojito und Pascale und Gerrit auf Cabrera treffen und 800 Tage an Bord feiern. Muss alles abgesagt werden, die Boje kann nicht storniert werden, was sollˋs, die Sicherheit für Boot und uns geht vor. Es stellt sich dann heraus, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, denn die Ostseite und insbesondere Cabrera hatten Windstärke 10 und meterhohe Wellen, dazu Hagelkörner, die Biminis zerstört und GFK Boote beschädigt hat.. Durchatmen,  als die errste Front durch ist, leider ist noch mehr angekündigt, also verpflegen wir uns am Mittwoch in einer Wetterpause, versuchen, einen Hafenplatz in Palma zu bekommen und erhalten leider eine Absage. Es ist auch nicht sicher, ob wir hier an der Boje bleiben können, denn nachdem noch mehr schlechtes Wetter angesagt ist,sucht jedes Boot einen sicheren Platz. Der nette Marinero lässt uns wissen, dass er uns nicht vertreiben wird, wir buchen gleich bis Sonntag,so dass meine Nerven nicht mehr flattern.

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In der Zwischenzeit lassen wir es uns gutgehen, genießen den außerordentlich guten Thunfisch, den uns ein netter Spanier geschenkt hat und gehen immer wieder an Land. Die nächste Front naht, Vorbereitungen an Bord, Dingi und Motor hoch an Deck, alles fest verzurren. Das erste Gewitter erwischt uns am Freitag den 13. morgens. Heftige Böen kündigen mehr an, das Dingi wird mehrere Zentimeter über Deck geschoben. Renne raus, das Meer kocht, die Boote tanzen an den Bojen. Sehe, wie der Katamaran hinter uns immer näher kommt, Frank rennt zum Heck, gerade rechtzeitig, um Schlimmeres zu verhindern, der Kat rammt uns hinten, Ankerkasten hängt nur noch an einer Halterung und die Badeleiter verhindert, dass der Kat uns aufspießt, Leider bricht dabei eine Holzstiege der Badeleiter und ein derber Schrammen ist das Ergebnis der Attacke. Wie uns die Crew von Flip Flop später berichtet, hatte der Kat anstatt Rückwärtsgang einzulegen, den Vorwärtsgang bedient und somit den üblichen Sicherheitsabstand zwischen den Booten zerstört. Auch Luna hat nun einen Schmarren vorne an der Backbordkufe.

Zeit durchzuatmen und den ersten Schaden zu beheben. Am Abend treffen uns die nächsten beiden Gewitter. Wie die Mallorcazeitng später mitteilt, gab es in der Nacht 153.000 Blitze rund um Mallorca, die schwere Schäden verursachten. Wir blieben verschont, unsere Nerven waren zwar aufˋs höchste gespannt, doch außer, dass uns der Schlaf geraubt wurde, ist nicht’s passiert. Am Samstag verpflegen wir uns, denn wir wollen nun endlich rüber nach Ibiza. Abends treffen wir uns bei Susan und Mikel zum Apero um anschließend an Land eine leckere Pizza zu verspeisen, hurra, wir haben es hinter uns! Petra und Peter von Flip Flop schließen sich uns an und wir genießen den Abend in vollen Zügen.

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Am nächsten Nachmittag gibt es bei uns an Bord Apfelkuchen und Kaffee, denn es sollte unser letzter Abend auf Mallorca sein. Nun heißt es mal wieder Abschied nehmen, während Susan und Mikel Richtung Sizilien segeln, werden wir nach Südwesten Ibiza ansteuern und dort vielleicht nochmals auf Flip Flop und Mojito treffen.Früh am Montagmorgen heißt es die Leine loszuwerfen und Kurs Ibiza ansteuern. Es sollten mal wieder 60 SM von der üblen Sorte werden: das Geschaukel war grenzenlos, Eira schleuderte im Wellental hin und her, in den Schapps schepperte es ohne Ende. Waren wir wohl einen Tag zu früh aufgebrochen. Endlich sehen wir Ibiza vor uns liegen. Von Pascale und Gerrit, SY Mojito wissen wir, dass sich in den Süden verkrochen haben. Als ich meutere beschließt Frank, uns einen ruhigen Abend in der Marina Santa Eulalia zu gönnen. Dankbar stelle ich mein Gemeutere ein und zücke liebend gerne die Kreditkarte um 112,25 € zu berappen. Wir genieeßen die schwankenden, exklusiven Duschen und reinigen am nächsten Morgen das Boot, hatten wir doch ganz schön Salzwasser überbekommen.

Mit Genua und Groß geht es nun dem Süden von Ibiza entgegen. Endlich sehen wir auch wieder Delphine, die mit unserem Boot Fangen spielen. Wir segeln durch die Meerenge zwischen Ibiza und Formentera und treffen endlich auf Pascale und Gerrit. Anker runter, Dingi ins Wasser und die beiden herzlich in den Arm genommen, haben wir uns seit Mai und Malta doch nicht mehr gesehen. Abends können wir dann auch endlich auf unsere 800 Tage Bordleben anstoßen, obwohl es nun bereits 808 sind. Mojito ist ähnlich lange wie wir unterwegs. In der ruhigen Bucht frönen wir dem Schwimmen, Paddeln

und Yoga, machen abends einen Spaziergang an Land. Früh am nächsten Morgen muss Frank unsere 11 KG Gasflasche wechseln, die wir in Licata kurz vorm Ablegen gefüllt hatten. Will ich doch Kuchen backen, denn heute feiern wir Frank’s  2. Geburtstag, den wir seit 2003 nach dem schlimmen Motorradunfall jährlich feiern. Mit Genua und Motor geht es weiter, der Anker fällt an der Südwestküste von Ibiza. Nach Kaffee und Kuchen gibt es abends eine riesige Paella Marisco in der Cala d’Hort.

Windwechsel vertreibt uns am nächsten Morgen, wir gehen zurück an die Südküste und finden in der  Cala Sa Caxata einen ruhigen Platz für die Nacht. Während unsere Freunde in Deutschland, Birgitt und Rudi, in der Nacht zum 2. Mal Großeltern wurden, dauert das Warten auf das Baby von Anika, Frank’s Nichte, noch immer an. Wir sind unruhig und nervös, war der errechnete Geburtstermin am 9.9. und nun ist bereits der 20. September. In der Nacht platzt dann die Fruchtblase, Anika fährt ins Geburtshaus, das Warten geht weiter. Wir suchen einen ruhigen Ankerplatz, werden jedoch nicht richtig fündig, ankern in der Punta des Llumbi bei viel Geschaukel. Am Samstag ist es dann soweit, Leonidis, genannt Leon oder Leo ist endlich zur Welt gekommen. Frank telefoniert mit Birgit und Olaf, den glücklichen Großeltern, wir feiern mit Linsensuppe und Würstchen und stoßen abends mit Gerrit und Pascale auf den neuen Erdenbürger an, gleichzeitig ist es unser letzter gemeinsamer Abend, da wir hoch nach Sant Antoni wollen und Gerrit und Pascale zum Festland müssen. Schon wieder Abschied nehmen, ich werde es nie lernen, es geht mir immer so nah, doch es besteht Hoffnung, dass wir uns über Winter treffen werden.

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Wir kommen abends nach viel Wind und noch mehr Welle in Sant Antoni an, finden ein Sandfleckchen und lassen genau darauf den Anker nieder. Anker hält, durchatmen und auf eine ruhige Nacht hoffen. Der Gott des Windes ist uns gnädig und nach einer absolut ruhigen Nacht erkunden wir am nächsten Morgen das Städtchen.

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Schnell sind wir riesig enttäuscht, Tourismus und Kommerz ohne Ende. Lichtblick sind der nahe Lidl, der uns mit einer bayrischen Woche milde stimmt, können wir hier endlich mal wieder deutsche Leckereien einkaufen. Finden direkt am Hafen auch noch eine Wäscherei: was wollen wir mehr. Der Tag wird gekrönt durch die Ankunft von Flip Flop und einen gemeinsamen Absacker bei ihnen an Bord. Am nächsten Abend grillen wir gemeinsam zum Abschied, denn Petra und Peter wollen in den Süden, während wir auf den Absprung auf die Columbretes warten.

 

Doch zuerst meldet sich am Morgen der Ankeralarm, den Frank wohlweißlich eingestellt hat, sollte es doch viel Wind geben. Um uns herum driften die Boote, weil der Anker nicht hält. Wir liegen fest und beobachten, was in der großen Bucht so abgeht. Bereite uns Wurstsalat zu,  nachdem sich der Wind beruhigt hat, fahren wir nochmals an Land zum bunkern, während ich einkaufe, datet Frank Handies und Tablet up. Am nächsten Morgen habe ich endlich Zeit und beste Bedingungen um die Yogamatte auf’s Vorschiff zu legen und eine Yogastunde zu haben. Frank bringt ein letztes Mal den Müll an Land, Motor an Deck, Dingi auf’s Vorschiff und um 16:30h gehen wir Anker auf Rictung Columbretes. Es sollte eine Nacht mit viel Wind und Welle sein, schade, dass uns keine ruhige Überfahrt gegönnt ist. So segeln wir einmal mehr mit Groß und einem Hauch Genua durch eine stockfinstere Nacht. Die Wellen klatschen rechts und links an Bord, wir finden beide keinen Schlaf und sind froh, als wir das Leuchtfeuer der großen Insel der Columbretes sehen. Doch es sollte noch 2 Stunden dauern, bis wir schließlich an einer Boje festmachen, gerade rechtzeitig, um die Sonne aufgehen zu sehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Rühreiern lege ich mich für 2 Stunden auf’s Ohr. Später nehmen wir uns eine andere Boje und vereinbaren mit den Rangern eine Besichtigung der Insel. Columbrets sind ein vulkanischer Archipel, der 30 SM vom spanischen Festland entfernt liegt, die Insel stehen unter Naturschutz, d.h.. sie dürfen nur in Begleitung von Rangern betreten werden, Hunde sind verboten.

 

Das Meeresgebiet in einem weiten Umkreis ist ebenfalls Reservat und somit Fischen und Angeln verboten. Um 17 Uhr starten wir mit 8 Fanzosen und 2 Rumänen zur Erkundung. Unser Guide ist Spanier, Biologe und spricht sehr gut Deutsch. Die Inselns sind vor 1 Million Jahren entstanden, der letzte Ausbruch war vor 350.000 Jahren, somit nicht aktiv. Im 19. Jahrhundert  wurde der Leuchtturm erbaut und anschließend 4 Familien angesiedelt, die das Leuchtfeuer betrieben.  Zuvor mussten jedoch die Schlangen, die den Inseln den Namen gaben, Columbretes, ausgerottet werden. Seit 1980 wird die Anlage mit Solarzellen unterhalten, so dass weniger Personal notwendig war. 1988. wurden die 4 Inseln unter Naturschutz gestellt, um die einzigartige Fauna zu schützen. Später, 1990 wurde das Seegebiet rundum ebenfalls dem Reservat zugeordnet.

Wir beobachten Falken, die hier nisten und gerade ihren Jungen bekommen um dann im November weiterzuziehen. Außerdem nutzen die Zugvögel den Archipel als Zwischenstation auf ihrem Weg nach Madagaskar, somit haben die Falken genügend Futter, um die Jungvögel aufzuziehen. Die Zugvögel werden hier beringt und vermessen. Es gibt endemische Skorpione, die wir Gott sei Dank nicht sehen, 2 endemische Käferarten, wilde Möhren, Kaktusfeigen, niedrig wüchsige Gräser und ganz viel Ruhe, die wir sehr zu schätzen wissen, nach dem Trubel der Balearen, dem Massentourismus und der Action.

 

Wir schwimmen im glasklaren Wasser und möchten länger bleiben, wissen jedoch, dass wir am nächsten Morgen hier durch ein Ausflugschiff vertrieben werden. So what, den Abend können wir hierbleiben, es gibt keine Berechtigung und nur 10 Bojen. Spät kommen unsere rumänischen Nachbarn zu einem Glas Wein an Bord. Melinda arbeitet als Modell und Schauspielerin und Rari kümmert sich um das Boot.

Während wir uns des Lebens freuen, kämpfen in der Nähe von Cartagena 7 Flüchtlinge um ihr Leben. Ausgesetzt in einer Rettungsinsel hören wir die Nacht unserer Überfahrt ins Pardies alle 15 Minuten das Pan Pan der Küstenwache. Wir können nicht in Erfahrung bringen, ob die Flüchtlinge gerettet werden konnten.

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Und wir werden dann tatsächlich um 11.15h am Samstag Morgen vertrieben. Der Ranger funkt uns an, dass das Ausflugsboot an Boje 10 festmachen wird. Super, ich am Geschirrspülen, Dingi noch nicht oben, so what, wir werfen die Leine los, gehen um die Insel herum und machen an Boje 11 fest, klaren das Schiff auf und beschließen, das Festland anzusteuern, da hier draußen zuviel Schwell ansteht. Wir reinigen auf der Überfahrt, die ruhig verläuft, den Grauwassertank, der total verschmutzt ist, natürlich nicht ganz freiwillig, habe ich gestern Abend eine Linse verloren, die wir versuchen zu finden. Letztendlich finde ich sie in einem Organizer im Bad.

 

Die nächsten beiden Nächte verbringen wir im Hafen von Buriana Nova, am spanischen Festland. Der Hafen ist äußerst preiswert, zahlen wir je Nacht lediglich 13,-€, nach den Preisen der Balearen kaum zu glauben, haben wir doch für die Boje in Andratx schon 46,50 € je Tag bezahlt.

 

Mittlerweile sind wir in Valencia angekommen und genießen diese 3. größte Stadt Spaniens in vollen Zügen. Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag. Wir wünschen Euch einen schönen Sonntag, wo auch immer Ihr seid. Ganz lieb grüßen wir den Wonneproppen Leo und seine Eltern Anika und Albi.

 

Saarländer an Bord und Heimatklänge

Mallorca hat den Reiz, dass es von Deutschland aus in 2 Stunden mit dem Flieger erreichbar ist. So waren unsere letzten Wochen gefüllt mit Klängen und Besuchen aus der Heimat. Endlich wieder liebe Menschen treffen, ja, ich gebe es zu, Freunde vermissen wir natürlich in der Fremde. Zuerst kam Georg, Freund, medizinischer Berater, Elferrat und und und. Frank und er verbrachten eine unbeschwerte Zeit in Santa Ponsa vor Anker, wenig Wind, oder besser gesagt, Windstille luden zum schwimmen und relaxen ein. Zur gleichen Zeit urlaubten Christian und Bernd in Santa Ponsa. Bereits vor 2 Jahren waren sie Gäste für einen Segelausflug an Bord und so verlebten die vier eine Skipperin und fraulose Zeit mit einigen Wasseraktivitäten, die mehr Alibi als Pflicht waren. Frank warf unser neuestes Spielzeug, ein SUP, ins Wasser, was Bernd direkt mit Beschlag belegte und den Spruch prägte: Bergrunter geht einfacher als Berghoch. Selten so gelacht, meinte er damit doch nur, dass es mit der Welle und dem Wind einfacher geht, als gegen die Welle.

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Von Santa Ponsa ging es nach Palma zum Crewwechsel, während die unbeschwerte Zeit für Georg zu Ende war, kam die Eignerin wieder an Bord. Nachdem Lebensmittel und Getränke gebunkert waren, ging es tatsächlich mal unter Segeln nach Es Trenc, kilometerlanger weißer Sand, Fische und Wasser wie in der Karibik so grünblau. Wärend ich im inneren des Bootes einen Kuchen buck, hatte Frank Kontakt  mit Stefan, der sich kurzentschlossen einen Urlaub mit Lebensgefährtin Susanne auf der Insel gönnte. Schnell war ein Treffen für den nächsten Tag verabredet, unglaublich, Monate kein Besuch und nun innerhalb einer Woche gleich mehrere Saarländer an Bord, da kommt echte Freude auf.

Ganz ohne Schrecken ging der Tag nicht zu Ende. Am Nachmittag hörten wir über Funk ein Pan, Pan, einen Notruf eines Motorbootfahrers, wie sich herausstellte, in unmittelbarer Nachbarschaft von uns. Es qualmte aus dem Schiff, zuerst nur an Backbord. Ein Seenotretter kam aus Palma, um den Brand zu löschen, da wurde das Pan, Pan zurückgenommen. Wie sich herausstellte viel zu früh. Nach einiger Zeit, während das Rettungsboot versuchte, mit Salzwasser den Brand zu löschen, qualmte es immer heftiger. Die Crew, schon lange von Bord, versuchte mit Feuerlöschern, den Brand im Inneren durch Luken zu löschen. Doch das Schicksal nahm seinen Lauf, plötzlich loderten Flammen aus dem Schiff, es erfolgte eine unglaubliche Rauchentwicklung, dass wir schnellstens reißaus nahmen, ankerauf und weg von der Unfallstelle Richtung Sa Rapita. Hatte ich doch morgens das Boot geputzt und keine Lust, die Asche von Deck zu pützen. Auch aus der Distanz konnten wir beobachten, wie das komplette Boot ausbrannte. Es handelte sich um eine 33m Yacht, die man wochenweise chartern kann und irgend etwas war wohl schiefgelaufen. Die Yacht wurde Richtung Palma abgeschleppt und während dessen muss wieder ein Feuer entflammt sein, was dazu führte, dass die Yacht sank. Erschreckend zu beobachten, wie schnell das alles ging. Bei Feuer hat man nicht wirklich große Chancen, das Schiff zu retten. Möge das Universum verhindern, dass bei  uns ähnliches geschieht!

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Doch nun erfreulicheres, sonntags kamen Susanne und Stefan mit unserem Dingi an Bord und wir verbrachten einen unbeschwerten Tag. Die Zeit verging wie im Fluge, hatten wir uns schon ewig nicht mehr gesehen und daher viel zu berichten.  Nach solchen Treffen kommt immer etwas Wehmut auf, wissend, dass es nun wieder eine zeitlang dauert, bis man sich wiedertrifft.

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Am nächsten Morgen ging es Wind und Wetter geschuldet zurück nach Santa Ponsa, unspektakuläre 31 SM, während des Segelns wurde der Wasservorrat aufgefüllt und als die Tanks voll waren, auch die Wasserflaschen befüllt. Welche Überraschung, als sich im Laufe des Tages Bernd meldete, der seinen Urlaub in Santa Ponsa verlängert hatte und fragte, ob wir Lust auf ein weiteres Treffen hätten. Klar, natürlich, doch zuerst mussten wir ein heftiges Gewitter vor Anker überstehen, das mit Wucht, viel Wind und Welle von Ibizza zu uns rüber zog. Eira wurde aufgeklart, die Blitzortungsapp lieferte wertvolle Informationen, Zeit genug, um die wichtigen elektronischen Geräte im Backofen zu verstauen, Handies, Tablett zum navigieren, Handfunke und Surface. Schlechtwetterklamotten bereit gelegt und schließlich, Motor gestartet. Nachdem im lezten Jahr der Blitz in die Second Life eingeschlagen hatte und dort alle Geräte, einschließlich Anlasser und Motor zerstört hatte, ist uns klar, Motor muss laufen, damit man im Notfall wegfahren kann. Der Wind frischte immer mehr auf, Blitz und Donner sehr nah, wurde es stockdunkel. Die Gischt peitschte um das Schiff, Frank stand am Ruder, obwohl wir vor Anker lagen, um die heftigen Bewegungen des Bootes auszugleichen. Es kam keine Panik auf, konnten wir doch beobachten, dass unser Anker trotz der heftigen Windböen hielt, während um uns herum viele Boote auf Drift gingen. Nach 2 Stunden waren die Böen vorbei, das Gewitter tobte sich über Palma aus. Zeit zum Durchatmen. Lediglich etwas Regenwasser war durch einige Luken gedrungen, die auf Lüftung standen. Am Abend war alles vorüber und Eira und unser Anker hatten ein Lob verdient. Bernd fragte an, ob wir das Unwetter unbeschadet überstanden hätten und auch Susanne und Stefan meldeten sich, die ganz in der Nähe, in Andratx, vom Gewitter überrascht wurden.

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Am nächsten Morgen ging Frank zum Arzt, war sein Finger, der seit Wochen schmerzt, noch immer dick geschwollen und sehr druckempfindlich. Die erste Ladung Antibiotika zeigte keine Wirkung. Wieder Antibiotika, diesmal höher dosiert, ob das wohl Linderung verschafft? Abwechslung bereitete uns Bernd, der uns zum selbstgekochten Essen einlud und gleich vorschlug, Wäsche im Appartement zu waschen. Echt nett, so maschierten wir mit einer Flasche Rotwein und unserer Wäsche zu einem leckeren Landessen. Wir revanchierten uns donnerstags mit einem Segelausflug, bei leichten Winden ein Genuss für alle Beteiligten.

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Es war Berndˋs letzter Urlaubstag und wir brachen am Freitag auf nach Cabrera, der traumhaften Naturschutzinsel unterhalb des Cabo Salinas gelegen. Dort benötigt man eine Genehmigung und eine Boje, sollen die raren Seegrasbestände geschützt werden, damit der Fischbestand größer werden kann, dient doch das Seegras als Kinderstube für Fische. Unterwegs mit mäßigen Winden, warf der Skipper mal wieder die Angel ins Rennen, und was soll ich sagen, wir hatten 3 Bisse, den 2. hatten wir bereits am Boot, einen Mittelmeerspeerfisch, wir schafften es nicht, ihn an Bord zu holen, letztendlich konnte er davonschwimmen, gut gemacht mein Knecht, denn auf Cabrera darf man nicht grillen und ich hatte keine Lust, den Fisch im Boot zuzubereiten.

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So konnten wir die beiden Tage an der Boje, bei glasklarem Wasser, vielen Fischen um uns herum genießen. Schwimmen, Yoga auf dem SUP und durch die Bucht paddeln, wie Urlaub, so habe ich diese Tage verbracht.

 

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Zurück nach Es Trenc ging es mit wenig Wind und Motor um vor Ort festzustellen, das gehörig Schwell in die Bucht stand und mit der Welle auch Spiegeleiquallen in riesiger Zahl um uns schwammen. Keine Lust, ins Wasser zu springen! Diese Tierchen sind zwar ungefährlich, aber ekelig, waren sie so groß wie Köpfe.

Regen weckt uns am nächsten Morgen, wo kommt der denn her? Klar, vom Himmel, war aber nicht angekündigt. Auch der Wind war nicht so heftig wie vorausgesagt und als Regen und Gewitter vorbeigezogen waren, ging es ankerauf und mit herrlichem Segelwind nach Santa Ponsa. Das war Fun pur, lief Eira ohne Welle sage und schreibe 6,9kn und die 31 SM waren unbeschwert zu bewältign. Lediglich ein paar Segelmanöver, mehr nicht!

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Nun waren wir heute Morgen wiedeer beim Arzt, Diagnose vom ehemaligen Schiffsarzt: Pilz, da nützt kein Antibiotika, neue Medikamente, alles sehr professionell und auf deutsch! Da bleibt mir nur noch dem Skipper gute Besserung zu wünschen und euch da draußen einen schönen Herbst. Machtˋs gut und liebe Grüße von der EIRA Crew!

Heimathafen

Im Hochsommer mache ich für 14 Tage Heimaturlaub. Die Ursache ist der 70. Geburtstag meiner Tante Christine, der jüngsten Schwester meines Papas. Mein Bruder Markus holt mich mitten in der Nacht bei heftigen Gewittern in Hahn vom Flughafen ab. Eine herzliche Umarmung und 90 Minuten später kommen wir in Eppelborn an. Will nur noch schlafen, doch als ich in unser Schlafzimmer gehen will, bleibe ich davor sehr gerührt stehen, hängt doch neben der Tür ein hölzernes Schild: Heimathafen.

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Da fließen glatt ein paar Tränchen. Am nächsten Morgen begrüße ich meine Schwägerin, die mir ein deutsches Frühstück serviert. Besuche meine Mama im Pflegeheim und schon geht meine Reise via Auto zum Bahnhof und mit Zug und U- Bahn zu meiner Tante nach Neckarrems.

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Um 17 Uhr stehe ich endlich vor ihr und kann zum runden Geburtstag gratulieren.

Die Feierlichkeiten dauern 3 Tage und finden ihren Abschluss in Bürg auf einer alten Burg. Hier versammelt sich die ganze Familie zu einem tollen Fest.

 

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Zurück im Saarland treffe ich meine Schwiegermama Lydia, die mir freundlicherweise immer ihr Auto zur Verfügung stellt. So bin ich mobil, ohne mir jedes Mal ein Auto leihen zu müssen. Später besuche ich meine Schwägerin Birgit und meinen Schwager Olaf zum ersten Mal seit über 6 Monaten. Es tut so gut, sie alle wiederzusehen. Natürlich sind die Tage in Eppelborn gefüllt mit Treffen von Freundinnen, Arztterminen und allem, was Frau sonst noch so beim Bootsleben vermisst, wie Kosmetikerin, Friseur und Fußpflege. Meine Freundin Ute widmet mir die meiste Zeit, wir kochen zusammen, wandern und quatschen, was das Zeug hält.

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Während dessen, ist Frank alleine auf Mallorca und hütet das Boot. In der Hauptsaison sind Hafenplätze rar und exorbitant teuer, so dass er vorzieht, in der Sonne auf meine Rückkehr zu warten. Er hat einige Bekannte in der Bucht von Santa Ponza, so dass er viele Einladungen zum Essen erhält und auch für ihn die Zeit rasend schnell vergeht. Nach einer Woche kommt mit Georg sein bester Freund aus Deutschland zu Besuch und die Beiden chillen und genießen die fraulose Zeit. Mit Christian Baltes ist ein Mandant mit Freund Bernd in Santa Ponza und alle 4 verleben bei einigen Treffen eine schaukelige Zeit an Bord, geschuldet der Tatsache, dass die Bucht mit Booten gefüllt ist und ein Kommen und Gehen vorherrscht.

Ja, Heimaturlaub ist auf der einen Seite anstrengend, weil man in die kurze Zeit versucht, so viel wie möglich zu erledigen, doch auf der anderen Seite all das nachzuholen, was man an Bord vermisst: Bruder Markus, der uns leckere Burger auf dem Grill bereitet, Freundinnen und Freunde, Bekannte und Verwandte zu treffen. Kaum Möglichkeit einfach mal die Ruhe des Heimathafens zu genießen: still zu sitzen, den Vögeln am offenen Fenster zuzuhören und Seele baumeln lassen, denn an Bord sind wir zu 99% immer zusammen. Und, Deutschland verändert sich, und auch ich bin eine Andere geworden. Ein Leben mit den Jahreszeiten und abhängig zu sein von Wetter, Wind und Welle macht dich sensibler. Sensibler und dankbarer: für schöne gemeinsame Stunden, für Zeitopfer, gute Gespräche und liebe Menschen und Familie.

Mit meiner Freundin Deana frühstücke ich bei Martin, bis wir beide fast platzen, die von ihm liebevoll angerichtete Mahlzeit ist jedoch jede Sünde wert.

Ein letztes Treffen mit Frank’s Familie bei einem gemeinsamen Abendessen, zubereitet vom Neffen Tilman, der gerade aus Mexiko zurück gekehrt ist, rundet den Besuch ab. Leider hat ein Zusammenkommen mit Anika nicht geklappt, sie sitzt in Berlin und wartet hochschwanger auf die Geburt ihres ersten Sohnes. Ich übergebe Lydia das Auto und sage ihr, dass etwas mit der Bremse nicht stimmt. In der Werkstatt stellt sich heraus, dass ein Marder die Bremsleitungen durchgebissen hat. Da hatte ich echt Glück, dass ich nicht weit gefahren bin und nicht mehr so rasant fahre wie früher.

Auf dem Herzweg in Tholey mache ich eine letzte Wanderung mit Ute. Ich stärke mich mit einer Currywurst, oh, so lecker!

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Sorry, wenn ich nicht jeden erwähnt habe, mit dem ich zusammengetroffen bin. Ihr seid mir alle wichtig und es war schön, euch zu sehen.
Schnell sind meine Siebensachen gepackt, dank des Heimathafens im Haus meines Bruders, kann ich immer mit kleinem Gepäck reisen. Schon heißt es Abschiednehmen. Ein letzter Besuch bei Mama und im Büro und schon sitze ich wieder im Flieger.

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Spät am Abend treffe ich im Flughafen Palma noch mit Georg zusammen, der mit meiner Maschine zurück nach Deutschland fliegt. Frank begrüßt mich stürmisch am Hafen von Palma. Ach, endlich wieder Meerluft schnuppern und zurück auf dem Boot zu sein. So schön die Heimat auch ist, so schön ist auch das Ankommen an Bord. Natürlich habe ich die Zeit in Deutschland genossen, den Luxus eine Dusche ohne Schwanken zu nehmen, den Platz in der Wohnung, das breite Bett.

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Wir verbringen einen weiteren Tag in Palma. Proviant muss beigeschafft werden, eine letzte Wäsche gewaschen und dann heißt es Leinen los. Unser Ziel ist der türkisfarbene Strand von Es Trenc.

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Ein Apfelkuchen ist gebacken, gleich gibt es ein Stück mit Sahne.

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Genießt die Zeit, wo auch immer ihr gerade seid. Wir kommen am 14. Dezember ins Saarland, gemeinsam, und freuen uns jetzt schon auf euch alle. Schönes Wochenende …

Wenig Wind, viel Sonne, rumdümpeln

Sorry, dass solange von mir nichts zu hören war. Wir haben erst seit gestern eine neue Datenkarte für Spanien. Zuvor war das Hochladen von Bildern nicht möglich und ja, es ist heiß und ich fühle mich leicht ausgebremst.

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Was in der Zwischenzeit geschah: wir sind mit Spirit of the wind von Alghero nach Porto Conte gesegelt. Eine schön geschützte Bucht in einem Naturschutzpark gelegen. Wir hatten zuvor bei der Guardia Costiera angefragt, ankern möglich, jedoch nur auf Sand. Wie gut, dass fast überall Sandboden ist. Frank und ich erkundeten die Gegend, fanden einen kleinen Laden, indem man sich gut versorgen kann und eine Pizzeria. Pizzen sind für Alea und Kai, die beiden Kinder an Bord von Spirit of the Wind (SpotW) ganz wichtig, am liebsten mit Würstel drauf. Also abends wieder zum Hafen mit dem Dingi und leckere Pizzen gegessen. ansonsten war nur schwimmen und schnorcheln angesagt, denn das glasklare Wasser war einfach phantastisch. Montags sind wir, weil Mistral mit sehr viel Wind angesagt war, nach Fertilia in den Hafen. Der Hafen liegt an einer Flussmündung, nichts spektakuläres, aber er bietet uns Schutz und das ist die Hauptsache. Das Dörfchen ist sehr retro. Erbaut in den 1930 er Jahren, somit in der Ära Mussolinis, hat es eine lange Aufmarschstrasse, die auf einem riesigen Platz hoch über dem Hafen endet. Darauf ein Löwenstandbild zu Ehren des Faschismus.

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Aber, selbst hier in dem verschlafenen Nest, findet sich eine alte Römerbrücke, die vergleichbar ist mit derjenigen in Avignon. Leider stehen nur noch 13 Pfeiler, sodass unmittelbar daneben eine neue Brücke erbaut wurde.

Trotz viel Wind ging es am nächsten Tag zurück nach Porto Conte, denn in den Häfen ist es einfach im Sommer zu heiß. Leider wurde der Wind unterwegs immer stärker und dann auch noch voll auf die Nase. Am Abend ist der ganze Spuk vorbei und wir können ins Wasser springen. Ein paar Tage verbringen wir hier mit SpotW und dann heißt es Abschied nehmen.

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Das tut weh, alle stehen wir auf den Booten, selbst Teddy, ihr Hund steht am Bug. Sie gehen nach Norden, verkaufen das Boot, die Kinder starten die Schule und Kindergarten. Unser Horn tönt zum Abschied laut durch die Bucht, in der so erstaunlich wenig los ist. Verlassene Strände und ein unglaublich toller Naturpark direkt hinter dem Hafen.

 

Zwei Tage später verlassen auch wir die Idylle und machen uns auf den Weg nach Menorca. Angesagt sind 3-4 Beaufort von hinten, eigentlich ideale Bedingungen. Aber, was soll ich sagen: kein Wind und alte Welle gleich aus Norden und Süden. Das bedeutet, dass wir die ganze Strecke motoren müssen, ab und an mal ein Segel raus, mehr nicht und leider hin- und hergeschaukel. Das lässt uns leiden, alle Wetterfrösche verdammen und wir sind froh, genug Essen vorbereitet in der Kühlung zu haben, denn Kochen macht bei Geschaukel natürlich auch wenig Freude. Einzig die Nacht mit dem phantastischen Sternenhimmel und dem noch hellen Mond entschädigt für die Kreuzsee. Meine Nachtwache ist unspäktakulär und um 01:30 falle ich müde ins Bett.

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Am Morgen Angel raus und wieder ein Biss, zum Glück kein Hai, sondern Thuna.

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Und dann endlich sehen wir vor uns, zwar noch Stunden entfernt, Menorca. Ein Kreuzfahrer zieht nördlich vorbei. 3 Meilen vor Mahon bläst direkt neben uns ein Wal, taucht unter dem Boot durch, bläst nochmals und zieht von dannen. Das berührt uns sehr, hatten wir doch bereits 2 Jahre zuvor, ebenfalls während der Ansteuerung Mahons einen Wal gesehen. Aus dieser Glückseligkeit werden wir herauskatapultiert: der Motor stottert, ruckelt, geht aus. Mist, wir sind nun doch sehr nah an der Einfahrt in den riesigen Naturhafen. Frank rennt in den Motorraum und unser Jockel lässt sich direkt am Motor starten. Uff, was war das? Keine Ahnung, wahrscheinlich war es der Maschine bei dem 39 Stunden Tripp doch zu heiß geworden.  Wir biegen in die Cala Taulada ein, finden einen tollen Ankergrund, klaren das Schiff für die Nacht auf: Trekkerbaum an die Rehling binden, Dingi hochziehen, damit wir Frischluft im Boot haben und danach ins klare Wasser springen und abkühlen! Nicht nur der Motor lief heiß, auch wir glühen. Danach gibt es leckeren gegrillten Thuna und dann fallen wir in tiefen Schlaf.

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24 Stunden wird nur gefaulenzt, doch am Dienstag lassen wir das Dingi ins Wasser und fahren 2 SM nach Mahon. Ein bisschen im Städtchen bummeln, in einer alten Markthalle Obst und Gemüse erstehn, den ersten Cafe con leche trinken. Zurück an Isla del Rey vorbei, danach die Lazarettinsel und schließlich wieder bei Eira anlanden. Abends zuvor hatten wir ein Lifekonzert auf einer kleinen Motoryacht mit James Kirby, toller Sänger, der uns mit Gitarrenmusik einen unvergesslichen Abend bereitet hat.

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Wir liegen unmittelbar vor einer alten Festungsanalge von Isabella der 2. in den 1850 er Jahren erbaut. Der Skipper beschließt, eine Wanderung zur historischen Stätte anzutreten. Also rein ins Dingi, an der Halbinsel anlanden und in sengender Hitze 1 KM zum Fort gehen. Unser Weg ist gesäumt mit wildem Knoblauch, Frank will es nicht glauben, eine Riechprobe bestätigt mich.

Die Schutzanlage, die wir nun vor uns haben ist riesig, 3 KM laufen wir vorbei an Außenschutzmauern mit Kanonen,

Kasematten, Innengebäude, Latrinen und und und. Alles erbaut zur Abschreckung. Niemals benutzt.

Damals trieben sich in der Gegend viele Franzosen und Engländer rum. Isabella wollte zeigen, was sie kann. 1872 fertiggestellt, später als Gefängnis genutzt um letztendlich für einige Jahre der Ausbildung von Rekruten zu dienen. Wenn sie zu Übungszwecken die riesigen Kanonen abfeuerten, nach 3 Schuss war Schluss, mussten die Bewohner von Mahon die Fenster öffnen, denn soviele Glaser gab es nicht, wie Fenster zersplitterten. Derjenige Rekrut, der die Kanone putzen musste, hatte anschließend 3 Tage frei.

Das Fort liegt wunderschön und wir genießen den 360° Blick, sehen Eira unter uns im Wasser schaukeln und machen uns auf den heißen Rückweg.

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Donnerstags geht es noch einmal nach Mahon, denn am Abend zuvor hatte sich der Schwimmerschalter der Sumpfpumpe verabschiedet. Solche Basicteile haben wir natürlich an Bord, Frank tauscht das defekte Teil. Er will sicherheitshalber wieder einen Schwimmer auf Vorrat kaufen. Also wieder mit dem Dingi nach Mahon, Ersatzteil gekauft und lecker Essen gegangen. Schiff aufklaren und am nächsten Morgen geht es mit Wind, später viel Wind nach Mallorca. Kurzweilig, weil wir immer wieder etwas an den Segeln verändern müssen, der Autopilot aussteigt und ich für 2 Stunden am Ruder stehe. Anker fällt in Porto Pollenca. Nun steht meiner Heimreise nach Deutschland nichts mehr im Wege. Doch bis dahin ist es noch etwas hin und die Tage sind echt nicht langweilig.

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Am Samstag helfen wir einem Pärchen mit Motorschaden und lernen so Weltumsegler kennen, die sich mit ihrem Buch über diese Zeit bedanken.

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Sonntags geht es auf den Markt nach Pollenca, wo wir mallorquinischen Käse, Sobrasada, Schinken vom schwarzen Schwein und ganz viel Obst und Gemüse erstehen. Am Montag verproviantieren, es gibt in Porto Pollenca einen Laden mit Balsamicoessigen, Salzen und Brotaufstrichen, wo ich ganz schön zulange.

Mit Sonnenaufgang geht es am nächsten Morgen ankerauf, denn es wird wieder viel Wind kommen und wir sind das Geschaukel hier, verursacht durch rücksichtslose Motorbootfahrer echt leid. Weiter nach Porto Soller, verlieren wir kurz hinter dem Kap Formentor einen Wobbler, diesmal ist es ein Motorbootfahrer, der über die Angel fährt und das Teil abreisst. Dieses Jahr ist der Schwund an Ködern groß!

Die Bucht von Soller ist proppevoll, doch wir finden einen akzeptablen Ankerplatz. Als vor uns ein Boot die Bucht verlässt, will Frank den Motor starten um neu zu ankern. Nichts passiert. Keine Zündung, kein Mucks. Motor tot! Oh nein!  Frank verschwindet in den superheißen Motorraum und kann nichts finden. Was tun, sprach Zeus, äh, nein Frank. Er findet eine Möglichkeit, das Startrelais von Hand zu bedienen. Das kann natürlich keine Dauerlösung sein. Auch ein Telefonat mit dem Vorbesitzer bringt keine Lösung. In der Nacht windet es heftig, Frank ist draußen und beobachtet die driftenden Boote. Unser Anker hält! Morgens bestimmt der Skipper, mich von Bord zu verbannen, damit er auf Fehlersuche gehen kann. Mit dem Dingi an Land und mit dem Bus nach Palma. Kulturschock; all die vielen Menschen, Geschäfte, Klamotten und Schuhe! Bin total überfordert. Gönne mir in einem koreanischen Restaurant eine kurze Auszeit und mache mich auf den Rückweg. Ich bin natürlich total gespannt, was Frank herausgefunden hat. Was soll ich sagen: Frank hat morgens den Motor gestartet und er sprang direkt an! Unglaublich.

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Am nächsten Tag wasche ich Wäsche und wir gehen abends lecker in das Restaurant Nautilus essen. Normalerweise hat man von hier einen Blick auf einen phantastischen Sonnenuntergang, damit ist heute leider nix. Das hätte uns eine Warnung sein sollen. Ursprünglich wollten wir freitags nach Port Andraitz. Am Morgen verlassen die Yachten die Bucht, wir sehen draußen heftige Wellen und spritzende Gischt und 95% der Boote kehren zurück. Dieser Wind war nirgendwo vorhergesagt! Liebe Wetterforscher, ihr müsst bitte etwas präziser arbeiten. Wir beschließen hier zu bleiben. Am Nachmittag kommt es zu der Rettungsaktion, die Frank gestern beschrieben hat. Samstags sind wir ohne Wind über Port Andraitx und Peguera nach Santa Ponca motort. Der Anker fällt hinter einer weiteren Reinke KIKA vom Deutschen Manfred. Der liegt schon länger hier und gibt viele wertvolle Tipps: Supermarkt, anlanden etc. Am Montag kamen Freunde aus Licata vorbei mit ihrer Yacht Catweezle und wir verbrachten einen schönen Abend zusammen. Gestern war grillen mit Manfred angesagt. Nun ist mein kleiner Rucksack gepackt. In 8 Std geht mein Flieger nach Frankfurt. Hei, ich komme für 14 Tage nach Eppelborn und freue mich riesig auf Euch.

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Frank hütet das Boot und erholt sich von mir. Heiße Grüße aus Santa Ponca von der Eira Crew!

Ankern

Eisen versenken, Kette hinterherwerfen, feddich. Und wir machen uns immer einen Kopp wie tief, wieviel Kette, woher kommt der Wind, wird er drehen über Nacht, Grundbeschaffenheit und und und.
Der gemeine Segler referiert auch immer gerne, warum ausgerechnet sein Anker der beste ist. Unzählige Varianten sind erhältlich und wie immer, das neueste Modell ist das Nonplusultra. Wir fahren zur Zeit einen echten old style CQR, ultimativ retro.
Auf Sand hält alles, im Schlick sowieso, auf Stein keiner und im Seegras die wenigsten, CQR zum Beispiel, ätsch.
Da kann man stundenlang kreiseln und ein Fleckchen Sand suchen, vorausgesetzt die Brühe ist nicht trüb oder das Ankerfeld schon so voll, dass nur da geankert werden kann, wo überhaupt noch Platz ist.
So gelangt man irgendwann in der Hochsaison nach Port de Soller auf Mallorca und alle Theorie ist für die Katz. Kaum Raum zum schwojen, der Wind dreht garantiert über Nacht, ist mitunter recht frisch oder einfach weg.
Eine echte Herausforderung, die den einen oder anderen Skipper hier überfordert.
Was ich dann vermisse ist der Test, ob der Anker überhaupt hält. Also Eisen runter, 3 mal Wassertiefe Kette hinterher und langsam Fahrt achteraus bis die Kette steif kommt. Halten und langsam den Hebel aufs Pult, pedal to the metal sozusagen. Wenn er bei Vollast hält, dann je nach verfügbaren Platz wieder hinterher mit der Kette, je mehr, desto sicher, Ankerkralle dran und kühles Bier öffnen. Feddich.
Hier wird gerne nur der Anker geworfen, Beiboot runter und ab ins Dorf, hoch die Kolben. Dafür wird dann mitten in der Nacht festgestellt der Anker hält nicht, Platz suboptimal, da die Felsen oder die Nachbarn nahen und das Spiel geht von vorne los, wohlgemerkt ein Test wird nach wie vor ignoriert, überbewerteter Quatsch.
So durfte ich heute Mittag mit 2 weiteren Mitstreitern ein driftendes Schiff vor der großen Katastrophe bewahren. Lag schon quer auf dem Nachbarn, Ruderblatt in dessen Kette und eine ordentliche Mütze Wind um die Ohren. Der Hammer dann am Abend, Nachbar kommt, erkundigt und bedankt sich, der gedriftete ankert neu, schnorchelt diesmal(!) wo das Ding liegt und das wars.

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Kein Ton, nix, niente. Doof, hatte eine Streicheleinheit für mein Pfadfinderego erwartet, vielleicht sogar eine Flasche Wein.
Okay, seis drum. Heute Morgen schwimmt dafür beim Frühstück ein Hai um unser Boot, kein sone Trümmer wie bei Steven Spielberg, aber eindeutig ein kleiner Bruder, vielleicht anderthalb Meter. Krass und ich segele schon jahrelang in dieser Gegend. Und Feuerquallen, portugiesische Galeeren (noch um einen ganzen Tacken schlimmer als die schnöden Feuerquallen, die auch schon böse aua machen), all so Gelump. Was ist denn hier passiert?
Vor ein paar Tagen hören wir in der Baja de Pollenca über Funk, dass ein Segelboot Maschinenausfall hat, gerade noch so den Anker raushaut und nun viel zu dicht an einem Motorboot liegt. Rüber mit dem Beiboot, Lage gepeilt und weil Wind angesagt war, ankerauf und in freies Wasser geschleppt. Die haben sich mehrfach bedankt und uns später das Buch über ihre Weltumsegelung anno 1984 geschenkt. Toll, das war zu der Zeit noch eine echte Herausforderung, zumal mit 2 kleinen Töchtern.

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Langweilig ist nicht, immer gut zu tun und so langsam nähere ich mich meinem Urlaub (Eva fliegt für 2 Wochen nach Deutschland und ein lieber Freund von uns kommt zu Besuch), bleibt also spannend.

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oder wie Eva anmerkte, der Wobbler muss kleiner werden.
Wer unsicher ist, ob Haie im Mittelmeer leben, sollte wissen, es sind ca. 50 verschiedene Arten, davon 15, die mit Menschen etwas anfangen können. Aber der Reihe nach:
Hatten wir seit Beginn unserer Reise einen Schnitt von rund 600 sm pro Fisch, entwickelt sich die Anglerei diese Saison erfreulich positiv. Und umgerechnet in Kilo essbar pro sm schießen wir nun den Vogel ab. Der erste Biss kurz nach Verlassen von Sizilien Richtung Liparische Inseln war definitiv groß, die Leine ist sofort gerissen. Der erste Tuna wurde innerhalb einer Woche vom nächsten klar getoppt. Und gestern nach Verlassen von Carloforte rauscht die Trommel wieder wie blöd aus. Bevor ich überhaupt reagieren konnte, waren schon gut 300 m abgespult, ups! Während ich also kurbele und kurbele, zwischenzeitlich geht es 100 meterweise vor und zurück, wird der Zug doch reichlich kräftig. Echt erstaunlich, wie stark sich die Rute verbiegt ohne zu brechen, trotzdem bange ich um Stick und Leine, die Grenze liegt bei 80 kg.

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Als wir den Fang endlich am Boot hatten, war ich doch überrascht. Knapp 2 m Hai, ein ultimatives Kraftpaket. Eva bringt ihren Spruch von wegen der Wobbler (Köder) muss kleiner werden, ich hingegen überlege fieberhaft wie ich dieses Monstrum an Bord bekomme, töte und zerlege. Eine richtig zündende Idee fiel mir aber nicht ein, derweil der Knecht einfach keine Ruhe gibt, von wegen müde oder so, keine Spur.

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Schweren Herzens stimme ich zu, die Leine zu kappen, Eva nimmt die Schere und schwupps reisst die Leine. Adieu du guter Wobbler, nun schwimmt ein gepiercter Hai um Sardinien. Immerhin benutze ich nur Stahlhaken, die korrodieren relativ schnell weg im Salzwasser. Trotzdem schade um diesen erfolgsverwöhnten Köder.
Zwischenstopp in Bosa, nach wirklich nervenzermürbenden letzten 20 sm ohne Wind, aber mit viel Welle von achtern. Legen wir uns an die Stadtpier, Eva ist schon unterwegs in eine Bar, ich dusche nach dem Spülen im Cockpit und da macht sich eine junge Frau von der Guardia di Costiera bemerkbar. Splitterfasernackt und eingeschäumt bitte ich um 10 Minuten, bevor ich mit ihr zum Büro gehen muss. Von wegen Anlegen ohne vorherige Genehmigung ist nicht erlaubt, wir sollen ablegen. Sag ich, es ist dunkel, wohin denn überhaupt und außerdem habe ich 2 Bier getrunken, ich darf nicht mehr fahren. Der Chef der Truppe genehmigt dann generös eine Nacht, mehr wollte ich eh‘ nicht, alles gut.
Heute das gleiche Spiel in Alghero, längs an die Stadtpier, allerdings mit Genehmigung von der Port Control. Da müffeln zwar die Betreiber der Marina ums Eck, haben sie doch diese Plätze mit Leinen ausgestattet und kassieren von großen Booten gerne mal 2 K€ pro Nacht, aber diese Plätze sind für den Transit vorgesehen, fragt halt nicht jeder und zahlt dann eben. Für uns übrigens 80 € pro Tag, nun aber 5 Tage frei, ohne Strom und Wasser zwar, aber davon haben wir genug.