Zicke

Nein, nicht Eva. Es ist mal wieder der Außenborder, der zwar anspringt, leider aber recht zügig wieder abstirbt. 3 Vergaserreinigungen später rennt er wieder, weiß der Geier, warum der zu Beginn der Saison immer zickt. Eva vergibt den Namen Mary, ich in Gedanken dazu die Zicke.
Testlauf war auf Gozo, Dwejra bay. Kreisrunde Bucht mit Steilwänden drumherum, erster Anlaufpunkt nach Licata, Winterlager ade. Abschied ist immer schwierig, und so verlassen wir den Winterhafen Licata erst spät. Frank hatte viele Baustellen auf anderen Booten zu bearbeiten, so daß unsere Eira erst spät fertig wurde und der Außenborder, siehe oben nicht gecheckt war.

Wir verlassen Licata mit dem Morgenrot, Angel raus und SM schrubben. Keine besonderen Vorkommnisse. Glücksmomente, als eine Delfinschule neben uns auftaucht und wir diese herrlichen Fotos ablichten können.

Unterwegs Richtung Malta

Dwejra bay

Mittlerweile liegen wir in Valetta und warten auf die Lieferung des Diesels, biofrei und für 1,18 €/ltr.
1030 Liter und 2 Waschmaschinen später verlegen wir nach Sliema an die Bojen der Ausflugsschiffe im Winter, eine vorne, eine hinten mit je zwei unterarmdicken Leinen, die mit einer dünnen Tripleine verbunden sind. Dummerweise vergesse ich den Rückwärtsgang herauszunehmen und prompt wickele ich eben jene dünne Leine um den Propellerschaft. Bingo!

Ein etwa halbstündiger Taucheinsatz befreit uns wieder davon und so bekommt der Tauchkompressor am Folgetag eine weitere Betriebsstunde aufgebrummt. Übrigens nicht unsere Flasche, sondern die von Michael (Restdruck von 30 bar hat genügt) kombiniert mit einem Atemluftschlauch von Gorden (10 m lang, da konnte die Flasche an Bord bleiben), deren Buddeln habe ich gefüllt. Praktische Sache mit dem langen Schlauch, muss man nicht für jede Kleinigkeit die Tarierweste benutzen.

Valetta ist immer eine Besichtigung wert. Es gibt vieles zu entdecken. dieses Jahr haben wir uns das erste Krankenhaus auf Malta angesehen. Betrieben wurde es von dem Malteser Orden. Schon im 16. Jhd haben sie den grauen Star operiert und Blasensteine entfernt.

Die Waffenkammer mit Raritäten ausvergangenen Zeiten und diverse Kirchen durften genauso wenig fehlen, wie gutes Essen mit Freunden aus Licata.


Dienstags haben wir dann verlegt um Lupita und Martin von der Futuro Dos zu treffen, Technikgespräche und Klönschnack, das übliche.


Leider wimmelt es dieses Jahr nur so von Quallen und prompt sauge ich so’n Scheißdingens beim Wassermachen in den Grobfilter. Um ein Haar hätte ich mir die Hochdruckpumpe versemmelt, hat schon hörbar gequietscht und gehustet. Der Glibber hat alles in Sekundenschnelle verstopft und müffelt wie Bolle, unabhängig davon, das die Nesseln auch noch böse Aua machen.

Grobfilter mit Inhalt

Inhalt


Zurück zu Martin noch schnell die Rollanlage der Genua reparieren und heute Abend hören wir, dass die gestrigen Nachbarlieger (Schweizer) erst 70 m Ankerkette versenken und dann auch noch in Hafen geschleppt werden mussten, da der Motor streikt, was für ein Tag.
Morgen bereiten wir langsam unsere Rückfahrt nach Sizilien vor, wohl doch wieder über die Ostküste Richtung Sardinien, der Nordwestwind ist sehr hartnäckig. Immerhin segeln wir dann wieder in der Zugstrasse der Thun- und Schwertfische, wird auch langsam Zeit meine neue Gaff zum Einsatz zu bringen.
Kein Segeln, kein Fisch, nix. Ereignislose Überfahrt und Ankunft in Siracusa im Dunkeln.

In der Bucht von Siracusa haben sich einige Boote aus Licata wiedergetroffen. Neben der Merlin, lag auch die Vega hier. Kurzes Hallo und eine kleine Feier anlässlich meines 2. Geburtstages in einem tollen Restaurant auf den Clippen. Im Il Farao ließen wir es uns so irchtig gut gehn und haben irgendwie die Zeit vergessen. Auf der feuchten Rückfahrt im Dinghi wurde unsere gute Laune etwas gedämpft, der schöne Abend, war es wert.


Ein paar Tage später wollen wir weiter Richtung Augusta und kaum sind wir aus der Bucht heraus, reisst der Gaszug. Ups!

An der Steuersäule

Also wieder zurück, das Ding ausgebaut und los geht es mit der Beschaffung zusammen mit Gorden von der GLEC, die uns freundlicherweise zur Seite standen, waren wir doch ein wenig manöverierbeschränkt. Kein leichtes Unterfangen aber im vierten Laden außerhalb von Ortigia werden wir fündig. Gleich mal zwei gekauft, der Bub lernt ja dazu. Passt auch für die Schaltung, der Zug ist ja wahrscheinlich genauso alt. Kurzerhand (war ein Scherz, dauert immer alles länger) eingebaut und Tags darauf dann doch nach Augusta und vor Anker an die 30 Knoten Wind abreiten. Kein Problem für unseren CQR, dem viele nachsagen der taugt nichts mit Verweis auf die neuen Konstruktionen, die alle viel besser seien. Kann ich nicht bestätigen, eher ist die Art und Weise wie man ankert und wieviel Kette gesteckt wird entscheidend.
Nun liegen wir gemütlich vor Anker warten auf ein akzeptables Wetterfenster um durch die Straße von Messina zu segeln. Vollmond zur Zeit, heißt dann auch Springtide und sorgfältiges timing ist angesagt. Die Strömung erreicht über 5 Knoten und gegenan hieße stehen auf der Stelle.
Die Crew der GLEC macht sich derweil auf nach Catania, deren Trinkwassersystem ist kontaminiert und selbst Zitronensäure hilft da nicht mehr weiter, es muss geballte Chemie auf Chlorbasis ran und anschließend sorgfältiges Spülen, da stößt ihre Umkehrosmose (30 ltr./h) an ihre Grenzen.

Am Samstag, den 11.6. waren wir abends in Augusta lecker essen. Küche wie bei Mama wurde uns versprochen und gehalten. Die Feier für 1800 Tage an Bord haben wir um 1 Tag vorverlegt. Gestern gab es lediglich einen Aperol Sprizz und ein gegrilltes Hähnchen, das ich morgens im MD bereits gegrillt erstanden habe. Am 2.7. sind wir dann 5 Jahre an Bord, spätestens dann, gibt es Neues zu lesen, wir hoffen, auf Sardinien zu sein. Bleibt uns treu, wenn wir auch selten schreiben. Und vor allem, bleibt gesund und munter…..

Neues Spielzeug

Keine Angel, keine Harpune, nicht einmal ein Elektroroller.

Es ist ein Kalträucherofen

Inspiriert durch einen ebenfalls leidenschaftlichen Angler über die Frage wie mache ich den Fisch haltbar, instruiert mich Jost in der Kunst des Räucherns.

Geniale Idee und mangels fangfrischem Fisch in der Winterpause muss ein Schwein, genauer ein Filet als Ersatz herhalten. Gibt dann halt Schinken und dient der Übung im Handling mit pökeln, trocknen, räuchern, abhängen und zu guter letzt natürlich auch essen.

Der Geruch zieht durch die halbe Marina und die Vorfreude wächst mit jeder Räucherstunde

Vorbereitung des Räuchermehls mit sogenanntem Sparbrand

Die Probekiste von Jost wird modifiziert mit verschließbaren Bohrungen, neuem Rost, Magnethaltern für den Deckel und kaum ist das Räuchermehl in der optimalen Körnung eingetroffen, muss auch schon das erste Schwein dran glauben, naja nicht ausschließlich für uns, war ja schon geschlachtet.

In Aktion, qualmt wie Bolle

Das Ergebnis, nichts für Vegetarier

Derweil habe ich mir einen äußerst zweifelhaften Ruf als Werkzeugverleiher (kein Problem), Berater in Sachen Lithiumbatterien und dem Umgang damit (auch kein Problem), unerschrockenenem Kletterer auf diversen Masten (schon eher ein Problem) erarbeitet. Das mit dem Arbeiten in luftiger Höhe ist einfach, danach bin ich jedoch immer etwas groggy und leide an Muskelkater, Zerrung der Adduktoren und ähnliches mehr, definitiv kein Job für jeden Tag oder banal gesagt, ich bin halt doch nicht mehr der Jüngste.

Ankerlicht austauschen, Windmesser de- und remontieren, nebenbei erwähnt nun gibt es auch Informationen über Wind und dessen Richtung auf EIRA, Radar austauschen, Kabel ziehen.

Zwischendurch fahre ich mit Martin einmal pro Woche auf dessen Schiff in Termini Imerese (Nordküste) und tausche mit ihm die ollen Bleibatterien gegen Lithium Eisen Phosphat aus. Richtig fleißig zur Zeit, von wegen Ruhepause im Winter und so.

Problematisch ist dieses Jahr die Gasbeschaffung. Alle meine üblichen Quellen versagen laut deren Aussage aus Gründen der Sicherheit, echt witzig, aber der Straßenverkehr hier in Sizilien spielt meines Erachtens in einer ganz anderen Liga, von wegen gefährlich oder so. Gott, oder wem auch immer, sei Dank kommen wir mit einer Flasche (11 kg) im Jahr über die Runden. Wir kochen Wasser für Kaffee, Tee oder zum Spülen mittlerweile elektrisch mit unseren Batterien und den Solarpaneelen, funzt hervorragend und so muss ich mich nur einmal pro Jahr mit der Beschaffung auseinandersetzen.

Neue Variante, umfüllen

Auch nicht so wirklich legal, aber da habe ich in meinem Leben schon ganz anderen Unsinn getrieben.

Am 11.03. vergrößern wir wieder unseren CO2 Fußabdruck und fliegen nach Deutschland Corona besuchen, Freunde natürlich auch. Der bevorstehende Umzug muß langsam behördlicherseits finalisiert werden, wir sind ja treue Staatsbürger. Für mich werden das so 2-3 Wochen, Eva bleibt wohl etwas länger, mehr Arzttermine, womöglich auch etwas mehr Lust als meinerseits.

So far so long

Frank

Was in der Zwischenzeit geschah, oder Halbjahresrückblick 2021

Vulcano, Ankerbucht im August

Es ist August, wir haben gerade 1500 Tage an Bord gefeiert und wir sind noch immer auf den liparischen Inseln. Es ist heiß, tagsüber und auch nachts. Das bedeutet, dass wir oft sehr früh wach sind, uns ins Cockpit setzen, Kaffee trinken, schwimmen. Am 10.8. sieht Frank morgens um 5 Uhr ein Dinghi vorbeitreiben und sichert es an unserem Boot. Später an Land auf Vulcano können wir den glücklichen Besitzer auftreiben und das Dinghi übergeben. Und es wird voll auf den liparischen Inseln, alles, was ein Boot hat, ist gefühlt hier auf den Inseln, Ferragosta steht bevor, die Tage zwischen dem 13.8. und 15.8. Diese Tage hat einst Mussolini dem Volk als Feiertage geschenkt, was bedeutet, dass alle, wirklich alle unterwegs sind. Wir flüchten nach Salina und können unmittelbar vor dem Hafen an einer Boje festmachen, die Frank per Zufall entdeckt, als er unseren Anker abtaucht. Der Mooringblock ist ganz neu, mit Sicherheitsleine, an der wir uns nach einer Stunde Arbeit festmachen. Nun liegen wir sicher, aber rund um uns werfen immer mehr Boote ihren Anker aus. Wir fahren am Morgen des 14.8. an Land, bzw. wir pullen, der Motor streikt mal wieder. Wir entsorgen unseren Müll und versorgen uns mit allem, was wir benötigen, damit wir die nächsten Tage nicht an Land müssen. Während ich schwimme, schnorchele und relaxe, versucht Frank, den Außenborder in Gang zu bringen. In der Zwischenzeit kommen immer mehr Boote an, mit Segelromantik hat das nichts mehr zu tun! Wir beschließen, die Inseln zu verlassen und Richtung Sizilien aufzubrechen. So bereite ich uns eine große Portion Gazpacho zu und am 16.8. verlassen wir morgens um 6 Uhr die Ankerbucht. Der frühe Segler sieht einen grandiosen Sonnenaufgang, der uns für das sehr frühe Aufstehen entschädigt. die See ist spiegelglatt, mit der Unterstützung des Großsegels motoren wir die 65 SM nach Termini Imerese. Besonderes Vorkommnis: die 2. LIMA verabschiedet sich endgültig, wird glühend heiß, zum Glück war Frank im Motorraum und hat das Glühen rechtzeitig bemerkt. Der Anker fällt um 19:30 h. Wir essen kalten Thunfisch mit Reissalat und fallen müde in die Koje.

Am nächsten Morgen stürzt sich Frank in die Reparatur des Dinghimotors, während ich das Boot aufklare. Da der Arbeitseinsatz erfolgreich ist, geht es mittags an Land. Wir treffen auf Ronny, einen Freund von Lupita und Martin, versorgen uns bestens im nahen Eurospin mit allem, was wir benötigen und verbringen ein paar entspannte Tage vor Anker. Meist liegen wir alleine in der Bucht, welch eine Ruhe nach den turbulenten Tagen auf den liparischen Inseln. Den letzten Abend verbringen wir gemeinsam mit Ronny in einem ausgezeichneten Restaurant namens le Officine, essen Fleisch, das es in einer ausgezeichneten Qualität gibt, und fallen nach Mitternacht in einen Tiefschlaf.

das Steak war sehr lecker

Wir gehen um 10 Uhr ankerauf. Die Genua zieht uns Richtung Palermo, runden das Cap Zaffarello, ankern nach 15 SM in glasklarem Wasser vor Asra. Gegen Abend wird unser Liegeplatz immer ungemütlicher, Schwell läuft ein und wir beschließen, es gegenüber, oberhalb von Palermo zu versuchen. Mit den letzten Sonnenstrahlen fällt der Anker vor Aranella. Hier bleiben wir 2 Nächte, genießen den Vollmond und die Gitarrenklänge mit Gesang, die von einem italienischen Boot rüberwehen.

Aranella

Ohne Frühstück geht es am 22.8. morgens vorbei an Mondello um das erste Cap, genannt Gallo, Wind frischt auf, Genua raus und entlang der Nordküste Siziliens erforschen wir diverse Ankerplätze. Doch so richtig gefällt uns hier nichts, alles ohne wirklichen Schutz vor dem erwarteten auffrischenden Nordostwind. Und der frischt am Mittag so richtig auf, wir verkleinern die Genua und rauschen mit 6,2 kn nach San Vito lo Capo, sehen den Schwell, der in die Bucht läuft und Frank bucht gleich einen Platz in der Marina bei Guiseppe.

San Vito lo Capo
friedlich und ruhig
Couscous im Il Faro

Hier werden wir schließlich 14 Tage auf beständigen Wind warten, um auf die agadischen Inseln zu segeln. Wir treffen hier auf Freunde von Cartagena, Debra und Trev, Suella mit Familie, Freunde aus Licata, Claire und Simon, sowie auf James, den wir auf Vulcano kennen gelernt haben.

Claire und ich mit einem Limoncello
Debra und Trev

von Blitzen umgeben, heftige Stunden mit viel Wind

Aber, wir warten vergebens auf besseren Wind. Im Gegenteil, Gewitter kündigen sich an, ziehen über uns hinweg und blasen mit 53 kn Windgeschwindigkeit durch die Bucht. Auf der Insel Ustica wird in diesem Gewittersturm eine Segelyacht im Hafen sinken. Die Bilder, die wir sehen, zeigen uns, wie nah wir der Katastrophe waren. Wir verbringen den Tag damit, alles zu trocknen, was beim Gewittersturm nass wurde, Bettzeug, Handtücher, mit denen wir das Schiff innen trocken legten. Da sowohl Moskitonetze, als auch Sonnenschutz auf den Luken waren, trat erheblich Wasser ein und wir mussten einen von drei Stürmen abwarten, bis wir raus konnten, um Sonnenschutz und Moskitonetze zu entfernen. Also erneut zur Wäscherei laufen, es gibt ja sonst nichts zu tun. Am Abend beschliessen wir alle bei einer Pizza, dass wir das nächste Wetterfenster nutzen wollen, um diesen windigen Ort zu erlassen.

Morgens, nach dem Wetterscheck, geht es los. Wir planen gemeinsam mit Debra und Trev bis Mazara del Vallo zu segeln. Umrunden das Kap unter Motor, immer noch vorsichtig, da weitere Gewitter angesagt sind. Das Segel kommt raus und auf Höhe Trapani frischt der Wind auf 22 kn auf. Rauschefahrt unter Segeln. Immer wieder sehen wir uns die Wetterentwicklung an und beschließen, direkt nach Licata zu gehen. Die nächsten Tage verheißen sehr viel Wind und so komme ich zu meiner ersten Nachtfahrt 2021.

Sonnenuntergang bei Mazara del Vallo
gegen Morgen, es läuft

2 Stunden haben wir stürmische See und qualvolles Segeln, aber mit der beginnenden Dämmerung wird es erträglich. Während Debra und Trev am Plan festhalten und vor dem Hafen von Mazala ankern, geht es für uns weiter ein toller Sonnenuntergang zeigt sich uns. Gegen 2 Uhr am Morgen schläft der Wind ein, Frank startet die Maschine, Segel rein und rollen durch die Nacht, da die Welle nicht gerade klein ist. Glücklicherweise können wir um 4:30h wieder die Genua ausrollen, die wir mit Sonnenaufgang sogar verkleinern müssen. Die Rauschefahrt entlang der Südküste von Sizilien geht weiter.

kurz vor Licata

Um 10 Uhr laufen wir in den sicheren Hafen von Licata ein, ich gebe zu, ich freue mich riesig, diesen lieb gewonnenen Platz zu erreichen. Mein Herz hüpft heftig bei der Einfahrt, wir liegen an unserem alten Liegeplatz Nr. 6 an L1. Nach dem Frühstück gönne ich mir eine Dusche und dann geht es ab ins Bett, die 120SM mit Fahrt durch die Nacht haben mich ganz schön geschlaucht. Gewitter wecken mich auf, zum Glück sind wir durchgesegelt. So können wir später beim warmen Pfirsichsalat die tollen Wolkenformationen genießen.

Nach dem Gewitter

Wir werden von Maria im Office aufˋs herzlichste begrüßt, machen einen Spaziergang durch die Marina und Licata und schon wieder ziehen Gewitter über uns hinweg. Den Abend verbringen wir mit vielen Seglerfreunden vor der Blue Sky Bar.

warmer Pfirsich Salat

Auf dem Weg zum Friseur treffe ich am nächsten Tag auf Ruth, einer lieb gewonnen Schweizerin, die mit ihrem Mann Ueli seit annähernd 25 Jahren in der Nähe von Licata lebt. Ein gemeinsamer Kaffee muss sein, die Wiedersehensfreude ist riesig. Die Tage in Licata vergehen wie im Fluge, Frank wir unruhig, die Saison soll für uns noch nicht zu Ende sein und so beschließen wir, nach Malta zu segeln. So geht es am 15.9. wieder raus aus dem Hafen und auf nach Gozo, begleitet von einem herrlichen Sonnenaufgang. Angel raus und nach diversen Bissen kleiner Fische, denen wir sofort die Freiheit zurückgeben, beißt dann doch noch ein Bonito an, sehr zur Freude von Frank, da lacht das Anglerherz.

Licata Hafenausfahrt
wieder ein Bonito

Den Sonnenuntergang genießen wir schwimmend in der Nähe von Marsafarn an der Nordküste von Gozo. Am nächsten Morgen segeln wir weiter nach Malta, welch ein Fehler. Melliaha Bay ist voll von Bojen, Fischfarmen und total anders, als wir es kannten. Es ist schwierig, einen vernünftigen Ankerplatz zu finden. Zudem erfahren wir von Vic, einem maltesischen Segler, den wir von Licata kennen, dass nächste Woche ein Feiertag, Unabhängigkeitstag von England ist, und es dann überall brechend voll sein wird. So ein Mist, diesen Nationalfeiertag hatten wir nicht auf dem Schirm und die Buchten sind jetzt schon voll. Da ist guter Rat teuer, zumal recht viel Wind in der nächsten Woche vorhergesagt ist. Wir beschließen, uns am nächsten Tag einen anderen Liegeplatz zu suchen. Gesagt, getan, ankerauf am nächsten Morgen rund ums Kap. In der wunderschönen Bucht liegt mitten drin ein riesiges Motorboot, so ein Pech, also Segel raus und weiter, zurück nach Gozo. Wir entscheiden uns für die gleiche Bucht, die wir einen Tag zuvor verlassen haben, begehen aber den Fehler, uns mittenrein zu legen. Somit haben wir uns für den windigsten Patz überhaupt entschieden. Was tagsüber noch ganz nett ist, mutiert am Abend zum Windkanal, eine Böe nach der anderen fegt über uns hinweg. Keine Ruhe, heftiger Streit, dadurch kein Schlaf. Um 4:40 h kochen wir Kaffee und warten, dass es hell wird. Wir wollen zurück nach Licata, müssen aber das Tageslicht abwarten, da hier überall Fischer ihre Netze ausbringen und es daher zu gefährlich ist , durch die Nacht zu segeln. Mit 5 Beaufort bläst es uns schließlich aus der Bucht, allein ein kleines Stück Genua macht das Rollen etwas erträglicher. Dicke, kurze Wellen schieben uns mit 6 kn Richtung Sizilien. Als der Wind einschläft, wird es nervig, ohne Segel, ist das hin und her Gerolle fast unerträglich und die letzten 4 Stunden verlangen uns alles ab. Es ist total diesig, fast wie Nebel.

Licata sehen wir erst kurz vor dem Hafen. Die Marineros nehmen uns bereits an der Hafeneinfahrt in Empfang, toller Anleger vom Skipper, duschen und zur Blue Sky Bar zum Bier und zur wohlverdienten Pizza.

Nun wird das Boot auf den Kopf gestellt, alles muss aus den Schapps raus, sortiert, entsorgt oder wieder eingeräumt werden. Insbesondere der Medikamentenschrank bedarf meiner Aufmerksamkeit. Es ist schon unglaublich, was wir so alles mit uns rumschleppen!

Jeden Tag treffen nun in der Marina alte Bekannte und neue Gesichter ein. Ilona und Andreas kommen mit ihrer Yoko aus Griechenland zurück, welch eine Freude, die beiden gesund wieder zusehen. Am Wahlabend sitzen wir zusammen am BBQ Platz und verfolgen die Hochrechnungen. Schade Annalena, es hat zur Sensation nicht gereicht!

Erster Zwetschenkuchen an Bord

Die Pflaumensaison nutze ich, um Zwetschenkuchen zu backen, wir leben hier in einem absoluten El Dorado was Obst und Gemüse anbelangt. Das Leben generell ist hier so total anders als in Deutschland, weil man sich immer draußen aufhält. Damit wir noch mehr von unserem Boot haben, beschließen wir, uns für das Vorschiff einen größeren Sonnenschutz zuzulegen und das Cockpit bekommt eine Kuchenbude. Emanuele kommt zum Maß nehmen, neue Moskitonetze brauchen wir auch noch. Bei Andreas und Ilona sehen wir uns die neuen Polster an, die ebenfalls von Emanuele gefertigt wurden. Da werden neue Wünsche geweckt.

Granita und Cappuccino

Am 1. Oktober kommen Angela und Jost mit SY Infinity in der Marina an, wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut und werden über Winter viel Zeit mit beiden verbringen. Syd und Birgit treffen aus USA ein. Regelmäßiges Sportprogramm steht wieder an Nummer 1, meine Physiotermine bei Carmelo nehme ich wieder auf und die Zeit rast dahin.

wieder vereint

Stadtspaziergang mit Angelo und Marilia, Altstadt Quartier Marina
Wandmalereien
lange nicht gesehen! Im Haus von Marilia
Die Rose, die aus Dornen wächst

Das gute Wetter nutzen Birgit und ich zum Schwimmen im Meer und anschließendem Sonnenbad in der Strandbar von Felix.

Am 7. Otober machen wir mit einem Kleinbus einen Ausflug aufˋs Weingut von Quigniones, kosten die Weine und Produkte und wandern zusammen durch die Weinreben.

In Licata finden Oktoberfeste statt, die wir alle mitfeiern. Martin und Lupita besuchen uns in Licata, bevor sie zurück in die Schweiz reisen, um dort mit ihren Kindern und Enkelkindern den Winter zu verbringen.

Bei Ruth und Ueli findet die Olivenernte statt, die Oliven werden in der Ölmühle gepresst und wir erhalten das neue Olivenöl, das vorzüglich schmeckt. Leben, wie Gott auf Sizilien. Der italienisch Kurs mit Cettina beginnt Ende Oktober, nun sind die Freitage reserviert für Sprachübungen. Das Wetter zeigt sich von seiner unschönen Seite: Starkregen, Gewitter wechseln sich mit Sonnenschein ab, so unbeständig war es hier noch nie im September, Oktober, Klimawandel pur!

Cedri mit Buttara

An unserem Hochzeitstag, es ist der 19., gönnen wir uns ein Essen im La Lampara, und da es schon wieder regnet, kann Frank gleich seine neue Regenjacke einweihen. Die schönen Tage nutzen wir zu ausgiebigen Spaziergängen mit Syd, Birgit, Ruth und wechselnden Teilnehmern aus der Marina, kehren bei Felix an der Strandbar ein, man muss Sonnentage nutzen.

Die Tage an Bord ohne Frank, nutze ich zum Großreinemachen, so kann ich auch das eine oder andere verschwinden lassen, sprich wegwerfen, was defekt, kaputt oder nicht gebraucht wird, der Platz an Bord ist schließlich endlich. Die Tage sind angefüllt und rauschen nur so dahin. Während Frank in der Sonne segelt, zieht über Sizilien mal wieder eine Schlechtwetterfront. Dabei entwickelt sich direkt über dem Hafen eine Windhose, der erste Tornado, den ich erlebe, dabei habe ich das Gefühl, dass das Boot angehoben wird und sich auf die Seite legt. Noch 2 weitere Windhosen bilden sich vor dem Hafen, ziehen aber weiter, ohne Schäden anzurichten. So schnell wie der Tornado gekommen ist, ist er auch vorbei, viel Regen im Gepäck. Unmittelbar nach dem Tornado ruft Patricia an, ob bei mir alles ok sei, Jost kommt nachsehen, ob das Boot und ich wohlbehalten sind, da er von seinem Boot aus gesehen hat, daß die Windhose direkt vor unserem Boot durchgeweht ist. Gut, sich dermaßen behütet zu wissen, da unsere unmittelbaren Nachbarn alle nicht auf ihren Booten sind. Ich bin an diesem Abend bei meiner italienisch Lehrerin zum Essen eingeladen, bin zuerst unsicher, ob ich tatsächlich gehen soll, verbringe aber letztendlich einen schönen Abend im Strandhaus von Cettina bei einem sehr leckeren mehrgängigem sizilianischen Menü. Wir sehen während des Essens die hellen Blitze am Himmel leuchten. Was für ein widriges Wetter, und Frank bekommt von all dem nichts mit. Er ist ohne Netz, ich könnte ihn im Notfall über Satelitentelefon erreichen, doch mir und dem Boot geht es gut, Gott sei Dank! An Schlaf ist in der Nacht jedoch nicht zu denken, der Wind rüttelt am Schiff, die Blitze erleuchten die Nacht, so gratuliere ich um 6 Uhr Markus zum Geburtstag. Frank meldet sich um 8:30 h und teilt mir mit, dass es ihnen gut geht, sie südlich von Lampedusa sind und die Rückreise antreten werden, da das Wetter sich verschlechtern soll, irgendwie bin ich dann doch erleichtert. Schon am nächsten Morgen, ich bin gerade auf dem Markt mit Angela, Nafisa und Safi, ruft Frank an um mir mitzuteilen, dass sie gegen 13 Uhr ankommen werden. Ich spute mich, versorge die Einkäufe und mache mich mit einer Kühltasche voll Bier auf den Weg zu Imara, die mittlerweile schon fest an der Mooring an Pier P2 liegt. Wir fallen uns in die Arme, so schön, dass alle gesund und munter zurück sind und wieder festen Boden unter den Füßen haben. Während die Crew ein gemeinsames Essen im Il Mulino einnimmt, werde ich von Patricia und Gerhard an Bord von SY Arte kulinarisch verwöhnt, erst spät treffen Frank und ich am Hafen aufeinander. Beim Frühstück am nächsten Morgen bekomme ich die Tour mit all den technischen Problemen haarklein geschildert und ich bin froh, dass ich nicht dabei war! Bei einem gemeinsamen Essen mit Sampo und Wolfgang an Bord von SY Eira bekomme ich dann die letzten Berichte zu hören.

Pfeffersteak
Krabbencoctail
Geburtstagstorte von Birgit ins Del Duca gebracht

Wenige Tage später ist Frankˋs 59. Geburtstag, den wir alleine feiern, denn tags darauf wird Wolle 69 und beide laden in die BBQ Ärea ein zu Würstchen und Getränken. Bei bestem Wetter wird bis in die Nacht gefeiert, sind doch alle froh, dass die beiden Crewmitglieder der Imara wieder zurück sind.

Happy Birthday Frank

Happy Birthday Wolle
Kuchenparade

Während wir auf Sizilien eine unbeschwerte Zeit verbringen, erreichen die Covid 19 Zahlen in Deutschland Höchststände, wir sind besorgt um unsere Lieben dort und werden von Tag zu Tag unsicherer, ob es vor diesem Hintergrund Sinn macht, Weihnachten in Deutschland zu verbringen. Frank entschließt sich, nicht zu fliegen, während ich eigentlich reisen will. Wollen wir doch unsere Wohnung in Dillingen übernehmen, renovieren und beziehen! Aber wenn es erneut zum Lockdown kommt, dann erreichen wir nichts. So siegt die Vernunft, wir bleiben auf Sizilien und verbringen hier in der Sonne ein unbeschwertes Weihnachten, ohne Stress, bei gutem Essen, Weihnachtslieder singend im Sonnenschein mit dem Rest der Community. Im 5. Jahr unserer Reise Weihnachten im Süden. Das Wetter entschädigt uns, verbringen wir ein BBQ am 26.12. bei strahlendem Sonnenschein, unglaublich.

Die Zeit vor Weihnachten nutzen wir, um uns boostern zu lassen, so werden wir am 9.12. in Licata zum wiederholten Mal geimpft, ohne Impftermin, einfach beim Roten Kreuz in die Schlange stellen und den Arm hinhalten. Da kann man sich schon fragen, wieso es gerade in Italien und insbesondere auf Sizilien dermaßen unbürokratisch möglich ist? Alle sind hilfsbereit, niemand meckert oder demonstriert.

Mit einem Adventsschmuck meiner Freundin Ruth hübschen wir das Boot weihnachtlich auf, stellen ein paar Kerzen zu unseren Weihnachtskugeln mit Segelbooten. Dazu werden ein paar Sterne dekoriert, natürlich kein Vergleich zu unseren früheren Deko in Deutschland, aber genug, um das Boot heimelig zu machen und uns auf Weihnachten einzustimmen. Auch Licata schmückt sich festlich, Musikgruppen ziehen abends durch die Altstadt und spielen an jeder Krippe, die außen an den Hauswänden hinter Glasvitrinen dekoriert sind.

Schon steht der Jahrewechsel ins Haus, der bei einem festlichen Menü im Del Duca gebührend gewürdigt wird. Später ziehen wir um in die Blue Sky Bar, wo wir bis in die frühen Morgenstunden bei Gaspare und Daniela feiern und tanzen. Ohne Kater gehtˋs am nächsten Tag an den Strand, wer mag, beteiligt sich am Neujahrsschwimmen, wer mag schaut von Felix Strandbar zu. Wir bevorzugegen das letztere, im Kreis von lieben Freunden.

Zeit, ein Fazit zu ziehen! Das Jahr hat sich so ganz anders gestaltet als erwartet. Viel positives hat sich ereignet, was am 1. Januar 2021 nicht vorhersehbar war:

meinen 60. Geburtstag in Licata gefeiert, Heureka, zurück auf dem Boot

einen tollen Physiotherapeuten in Licta gefunden, danke Carmelo

wiedervereint mit lieben Seglern und Freunden, neue kennen und schätzen gelernt

in Licata geimpft und später geboostert

945 SM gesegelt, davon 120 SM in einer Nachtfahrt von San Vito lo Capo bis Licata

80 KG Thunfisch gefangen, was war der lecker!

Danke liebe Familie und Freunde in Deutschland, daß ihr mich habt ziehen lassen

Danke Frank, daß du dein Ego immer wieder zurück genommen hast und soviel Rücksicht auf mich und meine Ängste und Beeinträchtigungen genommen hast und mir einen unbeschwerten Segelsommer beschert hast

und danke an Euch, wo immer ihr seid, die an mich geglaubt habt und mich unterstützt habt

danke Leben, das du so lebenswert geblieben bist!

Mit ganz viel Zuversicht und Hoffnung gehe ich mit Euch ins neue Jahr! Bleibt gesund, oder werdet es wieder. Sören, unsere Gedanken sind bei Dir! Du schaffst es!

Tschüß bis bald

Jubiläum: 1500 Tage an Bord

Nun leben wir bereits 1500 Tage an Bord von SY Eira! 7092 SM haben wir im Kielwasser gelassen. Die Länder: Frankreich, Spanien, Italien, Malta und Griechenland bereist. Unzählige Inseln im Mittelmeer erkundet, mit Boot, Zug, Bus, Fahrrad oder Auto, oftmals einfach zu Fuß. Wir haben viele geschichtsträchtige Orte kennengelernt, die wir zuvor nur aus dem Geschichtsunterricht, aus Büchern oder dem Fernsehen kannten. Wir haben kullinarische Schätze unserem Magen einverleibt, köstliche Weine getrunken.

Wir haben atemberaubende Sonnenauf- und untergänge erlebt, die schönsten bei längeren Überfahrten auf dem offenen Meer.

Neue Menschen sind zahlreich in unser Leben getreten, wurden zu Freunden und Wegbegleitern. Trotz allem haben wir den Kontakt zur alten Heimat und unseren dortigen Freunden nie verloren, denn sie sind ein wichtiger Bestandteil auch unseres neuen Lebens geblieben, sei es per Whatˋs App, Telefon, E- Mail oder bei den seltenen Deutschland Besuchen.

Wir werden auch versuchen, in Zukunft wieder öfter einen Beitrag zu schreiben, allerdings vergeht die Zeit im Fluge und wir erleben sehr vieles, das kann ich euch versichern.

So hatten wir letzte Woche Mittwoch unsere Schweizer Freunde Lupita und Martin von Futuro Dos verabschiedet, die mit ihren Gästen nach Lipari segelten, was wir schon kennen und keine Lust in der Hitze des Augustes zwischen den alten Steinen herum zu rennen, denn ehrlich gesagt, macht mir im Moment die Hitze sehr zu schaffen. So haben wir uns am Donnerstag Morgen, nach einem zeitigen Frühstück, mit dem Dinghi auf den Weg nach Ponente gemacht, um Wäsche zu waschen und uns zu verpflegen. Welches Glück, dass wir dermaßen früh unterwegs waren, denn gerade hatten wir die einzige Maschine im Ort mit unserer Schmutzwäsche gefüllt, gab es einen Run. Vier Familien mussten sich hinten an stellen und eine Stunde warten, bis unsere Bettwäsche endlich durch war. In der Zwischenzeit erledigte ich die Einkäufe, da erreichte uns ein Hilferuf von Martin von Lipari. Frank der Techniker war wieder einmal gefragt. Bilder wurden hin und her geschickt, sie verhießen nichts Gutes. Es wurde telefoniert, wir erbaten etwas Zeit und machten uns schließlich mit der Wäsche zum Trocknen auf der Leine, auf nach Lipari. Unterwegs lief die Osmose, denn der Wasserbedarf, gleich ob zum Trinken oder Duschen etc ist enorm in dieser Hitze. Vor Ort geankert und Frank setzt mit dem Dinghi über zur Futuro Dos, ich nutze die Zeit die Betten neu zu beziehen und die Wäsche weg zu verstauen, zu schwimmen und mir die Kulisse zu betrachten, liegen wir doch vor einem netten Dörfchen. Die Zeit vergeht, ein riesiger Lastkrahn, gefüllt mit dicken Klötzen, läuft zwischen den Booten in die Bucht und lädt Steine zur Sicherung des Küstenstreifens ab. Kino direkt vor meinem Cockpit.

Während dessen repariert Frank gemeinsam mit Martin den Schaden mit Bordmitteln: die flexible Wellenverbindung hatte sich gelöst, zwei Bolzen hatten sich bereits verabschiedet und wurden durch 2 Schrauben notdürftig repariert, so dass Lupita, Martin und die Gäste mit geringem Tempo nach Termini Immarese fahren konnten. Die ersten Meilen haben wir sie noch begleitet, war uns die Bucht auf Lipari zu schwellig und wir zurück nach Vulcano wollten. Während wir in die ruhige Cala di Mastro Minico einliefen, setzten die Schweizer ihren Weg nach Sizilien fort. 3 mal Horn zum Abschied und Küsschen über das Wasser, denn wir müssen uns konzentrieren, liegt in dieser ruhigen Bucht ein überspülter Stein, den wir nicht treffen wollen. Und obwohl wir sehr vorsichtig navigieren, fangen wir uns eine Angelleine in den Propeller. Nun geht die Arbeit für Frank weiter, muss die Angelleine umgehend entfernt werden. Es gelingt nicht komplett am Abend. Also stärken wir uns mit gegrilltem Fisch und Salat.

Am nächsten Morgen gelingt es Frank, die Angelleine komplett zu entfernen, während dessen genieße ich schnorchelnd und schwimmend das glasklare Wasser der Cala. Von Martin hören wir unterdessen, dass sie ohne Probleme auf Sizilien im Hafen angekommen sind. Gut zu wissen, dass der Plan aufgegangen ist. Wir verlegen uns in die Bucht von Ponente, da für die nächsten Tagen mehr Wind aus West angesagt ist. Wir legen uns neben einen Holzcatamaran, der den polinesischen Booten nachemfunden ist, ein wahres Schätzchen und James, den Besitzer aus Kanada lernen wir am nächsten Morgen kennen. Doch zuerst läuft die Guardia Costiera in die Bucht und räumt unter den Ankerliegern etwas auf. Ist doch bei weitem der Sicherheitsabstand zur Badezone nicht eingehalten, der in Italien 200m beträgt. Die Eigner, die nicht an Bord sind, werden mit 350 € bestraft, zahlbar sofort! Wir liegen gut und bilden nun zum Strand die erste Reihe, James verlegt sich neben uns und kommt zu einem Plausch rüber. Natürlich haben wir gemeinsame Bekannte: Philippa und ihre Familie, sowie Suella und Familie. In der Zwischenzeit geht es mir richtig schlecht, mein Blutdruck kommt nicht mehr in die Puschen, er gammelt so zwischen 80/50 und 85/55 vor sich hin. Den Sonntag verbringe ich liegend, kippe Kaffee in mich rein, nichts tut sich. So versäumen wir es auch, uns einen besseren Liegeplatz zu suchen. Am Abend frischt der Wind extrem auf, die neu angekommenen Charterer gehen fast alle Anker auf, da sie keinen Halt finden. Wir verbringen eine sehr unruhige Nacht, rollen hin und her und auf und ab. Am frühen Morgen gehen auch wir ankerauf, rollen die Genua aus und segeln mit Halbwind nach Capo d’Orlando. Der Skipper hängt die Angel raus und was soll ich euch sagen, natürlich haben wir wieder einen Biss, Thunfisch ca 20-25 Kg. Nun haben wir 13 Portionen Fisch in der Gefriertruhe. Das Deck ist fischig ohne Ende, es wird gepützt, bis wir kurz vor der Hafeneinfahrt sind.

Wir werden uns mindestens 2 Tage Ruhe gönnen, relaxen, aber auch das Boot ordentlich säubern und uns mal eine Pizza gönnen, haben wir doch seit wir Licata verlassen haben, keine Pizza mehr gegessen und das in Italien. Am nächsten Tag fühle ich mich nicht gut, ob das wohl an der Pizza lag? Also bleiben wir eine weitere Nacht in der Marina. Am frühen Nachmittag beginnt der Ascheregen, diesmal ist die Ursache nicht der Ätna, sondern Brandstiftung. Die Sonne steht zudem glutrot am Himmel. Heute ist definitiv der heißeste Tag, selbst am Abend kühlt es nicht ab, im Gegenteil, es wird immer heißer. Die Nacht verbringen wir größtenteils an Deck. Das ehemals sehr sauber geputzte Boot ist mit schwarzer und weißer Asche bedeckt und innen, sieht es auch nicht besser aus. Wir beschließen zu gehen. Erst Tank auffüllen, kanpp 300 l für schlappe 550€, dazu die Hafengebühr mit 298€, Proviant und Essen, gleich mal 1000€ ärmer.

Ursprünglich wollten wir uns in die Bucht vor der Marina legen, doch der Marinero meint, es soll viel Wind aus Nordwest geben, keine gute Idee, hier zu bleiben. Also Genua raus und mit viel Welle rüber nach Vulcano. Ich verbiete dem Skipper zu Angeln, ich schiebe Platzprobleme vor, doch eigentlich habe ich Angst vor einem neuen Blutbad an Bord. Gegen Nachmittag laufen wir in die südöstliche Bucht von Vulcano ein, Spiaggia del Cannitello. Dachten wir zuerst, wir finden keinen Platz, sehen wir, dass neben der Avventura, unserem silzilianischen Freund, genug Ankerraum zur Verfügung steht. Also Anker runter, schwimmen, abkühlen und von dem Geschaukel wegen der Welle erholen. Wir essen den vorbereiteten Nudelsalat und beschließen, am nächsten Abend oben auf dem Weingut zu essen. Gesagt, getan, Frank schwimmt an Land und reserviert einen Tisch. Stehen doch demnächst 1500 Tage Bootsleben an, hier ist genau der richtige Ort, um dieses Fest zu begehen. So lassen wir uns am Freitag, den Pulpo, die Spagetti con Cozze und die Casarecci Eoleana munden, verbringen über der Bucht, in der Eira schwimmt, mit Blick auf Sizilien und den Ätna einen traumhaften Abend.

Am Morgen 1499 unserer Reise schwimme ich noch einmal im klaren Wasser der Bucht und um 9 Uhr rasselt die Ankerkette in den Ankerkasten hinab. Bevor die neue Charterwoche beginnt, wollen wir nach Ponente, einen Platz sichern, bunkerm und neue Pläne schmieden. Es gibt ein spätes Frühstück. Während wir Essen, sehen wir unseren Nachbarn, einem kleinen Motorboot zu, wie das klitzekleine Dinghi nebst Motor ins Wasser gelassen wird. Das Dinghi ist so klein, dass der Eigner nur eine weitere Person an Land fahren kann. So beginnt ein Pendeln zwischen Boot und Strand. Wir beobachten weiter, der Motor versagt öfter seinen Dienst und das kleine Böötchen tanzt auf dem Wasser. Es kommt, wie es kommen muss. Das Dinghi kippt um, der Motor wird unter Wasser gedrückt, das Dinghi liegt auf dem Kopf, der Eigner treibt am Boot klammernd durch ˋs Wasser. Frank springt in unser Dinghi und paddelt auf das gekenterte Dinghi zu und schleppt sowohl Mann als auch Dinghi zu dessen Motorboot. Mit viel Dank kehrt der Skipper an Bord zurück, wieder einmal was für die Deutsch – Italienische Freundschaft getan.

So ihr Lieben, es sollte ein kurzer Beitrag werden, wieder einmal nicht geschafft. Sorry! In der Zwischenzeit hat Sizilien wegen der Brände den Notstand ausgerufen, er wird ein halbes Jahr dauern. Während Deutschland im Regen versinkt, brennt hier die Erde. Alles so schlimm! Daher kein Grund, ein großes Fest zu feiern. Bescheiden werden wir heute Abend etwas Thunfisch essen, das senkt zumindest mein LDL enorm.

Bleibt gesund, wo immer ihr uns folgt. Forsetzung wird es geben, liebe Grüße von SY Eira nebst Crew

Wieder zwischen den Inseln

juhu, wir segeln wieder! Mein kurzer Trip nach Deutschland, zum 80. Geburtstag meiner Mama, Arztterminen und natürlich Treffen mit Familie, Freundinnen

und Freunden, endete am 11.7.21 mit dem krönenden Abschluss der Fußball EM und dem Sieg der italienischen Nationalmannschaft. Sforza Italia. Beim Flug von Rom nach Catania, sah ich die liparischen Inseln unter mir und die Freude wuchs, bald wieder auf unserer Eira zu sein.

Am 12.7. Standen wir früh auf, ich ging zum Markt,versorgte uns mit Frischwaren, verabschiedeten uns von Giuseppe, dem Eigentümer der Marina, und unseren Bootsnachbarn, der SY Columbia und der SY Unisax, die wir am Abend in der Bucht von Taormina wieder treffen wollten. Froh, die Hitze der Stadt verlassen zu können, nahmen wir Kurs nach Norden. Mit einer fiesen kurzen Welle und Wind von vorn, wurde es ein übler Rodeoritt, wir mussten jedoch wegen Wind und Welle den Tag zum Fortkommen nutzen. Es sollte eine Einstimmung auf den nächsten Tag werden, denn da stand die Durchfahrt der Straße von Messina an. Doch zuerst gönnen wir uns eine Boje vor Taormina zum Schnäppchenpreis von 70€, Diskount 10€, mit, das muss man sagen,sehr gutem Service. Der Wind schwächte sich ab und ich konnte Möhrensalat für den nächsten Tag zubereiten, denn wir wußten, es würde spät werden, egal wo wir landen würden. In der Straße von Messina herrscht eine extreme Strömung, sodaß die Durchfahrt gut geplant werden muss, insbesondere auf der Fahrt nach Norden. Nach ruhiger Nacht ging es kurz nach 9 Uhr los.

Die Strömung schob uns nach Norden, wir liefen 7 kn, die Stimmung entsprechend gut. Zu Beginn des Verkehrstrennungsgebietes fingen die Strudel an und Gegenströmung erschwerte das Vorwärtskommen. Per Funk gaben wir die Information an die nachfolgenden Segler SY Columbia und SY Unisax weiter, damit sie sich schon drauf einstellen konnten und am Ruder stehen konnten, wenn der Versatz durch die Strudel einsetzte. Wie wohl Odysseus einst die Durchfahrt erlebte, ohne moderne Navigationsmittel und bei Nebel? Wir jeden Fall mußten uns konzentrieren, denn überall fuhren Schnellfähren, Fähren und Containerschiffe, die alle Vorfahrtsberechtigt sind. Immer wieder wechselte die Strömung, was man am sprudeldem Wasser erkennen kann. Hinter der Hafeneinfahrt kreuzten auch noch Schwertfischfänger unseren Kurs, also Obacht!

Martin, von der Futuro Dos meldete sich permanent auf WhatsApp, um unseren Weg zu verfolgen und unsere Ankunftszeit auf Vulcano zu erfragen. Dabei wußten wir noch nicht, ob wir die Inseln überhaupt heute erreichen würden. Unsere potentielle Ankunftszeit verschob sich immer mehr nach hinten. So machten wir eine Anfrage in der Marina von Palmi, die die beiden hinter uns kommenden Segler auf ihrem Weg nach Rom ansteuerten. Leider hatte diese kleine Marina au dem Festland keinen Platz für uns. So hieß es an der Nordostspitze von Sizilien per Funk Abschied nehmen von Rosita, Bernd, Eva und Andres, schön war die Zeit mit Euch seit Februar. Fair winds and following seas to you!

Wir steuerten entlang der Nordküste Siziliens, wir hatten das Verkehrstrennungsgebiet verlassen und somit hieß es für Frank, Angel raus. Was soll ich euch sagen, wir hatten innerhalb 1 Stunde 2 Bisse, die Fische waren jedoch so klein, dass wir ihnen die Freiheit schenkten. Die Genua bauschte sich im Wind und zog uns vorwärts, Richtung Vulcano. In der Dämmerung endlich, ein kapitaler Thunfisch an der Angel. Das an Bord nehmen gestaltete sich schwierig, weil der Bengel von einem Hai verfolgt wurde. Für ihn hieß das ein verzweifelter Kampf, den er so oder so verlieren würde. Zum Schluß waren wir die Gewinner, aber es dauerte eine Stunde, bis der Kerl an Bord und filitiert war. Verpackt und in die Kühlbox, unsere Ankunftszeit hatte sich auf 24 Uhr verschoben, die Nacht würde auch für Martin und Lupita lange werden, denn sie wollten uns den Weg zum Ankerplatz leuchten.

Wir köderten sie mit der Aussicht, am nächsten Abend frischen Thunfisch für sie zu grillen. Zuerst mussten wir jedoch ankommen, der Kurs sehr hoch am Wind verlangte nochmals volle Konzentration. Fast tuschierte uns ein Catamaran, der uns so nah kam, dass ich die Augenfarbe des Skippers sehen konnte, na ja, fast sehen konnte. Schließlich sahen wir das Ankerfeld an der Südküste von Vulcano vor uns, Spiaggia del Cannitello und die Leuchtzeichen von Martin und Lupita. Der Anker fällt auf ca 10 m, 66 SM liegen in unserem Kielwasser, erschöpft trinkt die Crew ein Bier, versucht, das noch vorhandene Adrenalin aus dem Blut zu bekommen. Nach durchschaukelter Nacht erwartet uns bella vista, ein schöner Lavastrand, eine Strandbar und ein Weingut mit Restaurant warten auf uns als Besucher. Doch zuerst ankern wir um, zwei mal gleich, doch dann liegen wir perfekt. Der Anker greift, der Skipper ist zufrieden, die Eignerin auch. Der LI führt notwendige Arbeiten am Dinghi Motor aus, habe ich doch die richtigen Ersatzteile aus Deutschland mitgebracht. Am Abend pullen wir zu Futuro Dos, mit Thunfisch und Weisswein CDC , marrokkanischen Salzzitronen und dem restlichen Möhrensalat erleben wir einen harmonischen Abend mit Freunden, die wir 2 Monate nicht mehr gesehen haben.

Am nächsten Tag füllt sich die Bucht und Frank und ich machen eine Wanderung entlang der Weinstöcke und Feigenbäume zu den nächsten beiden Buchten. Wir reservieren auf dem Weingut einen Tisch für den Abend und beobachten, wieder an Bord, das Chaos in der Bucht. Da Hauptferienzeit ist, liegen nun außer den Eignerbooten auch zahlreiche Charterer hier, die am nächsten Tag die Boote auf Sizilien abgeben müssen. Das Restaurant erweist sich als erstklassig und der Service ist perfekt, sind wir doch hier oben die einzigen Gäste.

Da sich Gewitter und Regen angekündigt haben, verlegen wir am nächsten Mittag nach Salina. Dort haben wir im einzigen Sportboothafen für 2 Nächte einen Platz gebucht. Futuro Dos kann Wasser tanken und wir genießen dann wegen der weiteren Gewitterwarnung 3 Tage den Liebreiz des Dörfchens. Hier ist das Proviantieren mit Frischwaren einfach, wir grillen wieder Thunfisch und ich erhalte die Möglichkeit, an Bord von Lupita und Martin Handtücher zu waschen, da kann ich natürlich nicht wiederstehen.

Mit einer schönen Brise Wind zieht es uns am Montag mit der Genua nach Panarea, einer weiteren Insel im Archipel der äolischen Inseln. Wir segeln um die Südspitze, sehen mehrere gute Ankerplätze, umfahren ein Bojenfeld Richtung Panarea Hafen um festzustellen, dass es im Südosten schöner ist. Also zurück zum Spiaggo Zimmari. Hier gibt es über der Bucht ein prähistorisches Dorfaus der Bronzezeit zu sehen. Frank repariert an diesem liebreizenden Ort nun final unseren Außenborder, eine Halterung muss ersetzt werden und dann kann der Motor endlich wieder zum Einsatz kommen. Tipptopp, ab heute wird nicht mehr gepullt, sondern wieder unter Einsatz der Ölindustrie sich vorwärts bewegt. Ich bin mental beruhigt, hatte ich doch die letzten Tage eine Gemütsschwankung nach der anderen, ausgelöst von Ereignissen in der früheren Heimat. Nun ist fast alles an Bord vollfunktionsfähig und meine Stimmung steigt rasant nach oben.

Während Frank auf Futuro Dos den Generator repariert, gönnen Lupita und ich uns einen Landtag in der Hitze des Sommers. Zuerst steigen wir die Anhöhe zu den Ruinen eines Dorfes aus der Bronzezeit hoch

und uns zeigt sich die Insel mit ihren hübschen weißen Häuschen, Bergen und traumhaften Buchten und Stränden. Nach dem Abstieg gönnen wir uns eine Erfrischung im Schatten der Strandbar um so gekühlt den Weg zum Hafen von Panarea fortzusetzen. Anstatt die Golfcaddies, die hier als Taxi im Einsatz sind, zu nehmen wandern wir auf Schusters Rappen. Der Ort bietet Boutiquen, Lebensmittel, Restaurants und: Menschen in Hülle und Fülle. Seit Catania habe ich nicht mehr solche Menschenmassen gesehen. Sie schrecken mich ab, am liebsten würde ich mich, wie einst Scotty, zum Boot beamen. Wir nehmen reißaus, bimmeln Frank an und vereinbaren einen Abholservice am Steg des Bojenfeldes. Abends gibt es ein lecker gegrilltes Stück Fisch.

Dann setzt der starke Wind in der Nacht ein und lässt uns hin und her schwanken, manchmal weiß ich nicht, wie wir rollen, aber die Bewegung im Schiff ist heftig. Der stärkere Wind hält den ganzen Tag an, wir wollten ursprünglich nach Lipari, bei der Windrichtung und Stärke keine Option. So verbringe ich den Tag mit Lesen und Dösen, während Frank sich dem Antriebsmotor unserer Osmose widmet. Er muss ausgetauscht werden, waren die Geräusche vor einiger Zeit immer lauter geworden. So bestellte Frank den Austauschmotor bei Joachim Matz in Deutschland, der ihn postwendend zu Guiseppe in den Hafen von Catania verschickte. Die Reparatur war erfolgreich, surrt die Anlage nun wieder wie ein Kätzchen.

Das wurde auf der Überfahrt zurück nach Vulcano getestet. Nun liegen wir bereits seit Freitag unterhalb des Schwefelkraters von Vulcano. Mit Lupita und Martin verbringen wieder einmal einen schönen Abend bei uns an Bord. Sie dienen als Veruchskaninchen für ein neues Rezept, das ich im Zeitjournal entdeckt habe: Zucchinipesto mit Linguine, zuvor Thunfischdip und ein mallorquinisches Dip. Als Dessert musste eine eisgekühlte Melone herhalten. Zufrieden und satt schauten wir dem fast vollen Mond beim aufgehen zu.

Morgens ging es zum proviantieren und orientieren in den Ort, es hatte sich wenig geändert, seit dem wir vor 2 Jahren das letzte Mal hier waren.Da wir zum Abendessen bei den Schweizern eingladen waren, hatte ich einen kochfreien Tag. Mit 4 Ablegern meiner Aloe Vera, die ich vor 27 Monaten von Pascale geschenkt bekommen hatten, machten wir uns auf zu einem vorübergehenden Abschied der Crew der Futuro Dos, die morgen nach Capo d’Orlando geht. Wir wurden lukullisch mit Schweinefilet im Speckmantel, dazu köstlichem Kokosgemüsereis verwöhnt. Den heißen Abend verbringen wir unterhaltsam, während die rote Sonne im Westen untergeht und der Vollmond den Schwefelkrater anstrahlt. Adieu ihr Lieben, wir werden uns wiedersehen.

Nach dem Fare well am Morgen bringt mich Frank an Land. Hier gibt es einen Waschselfservice, den ich nutze, nicht daß Frank die Hemden und Badeshorts ausgehen.

Die Routine des Bordalltags hat mich wieder. Ich bin glücklich zurück auf den liparischen Inseln zu sein. Wir werdn ein paar Wochen rumdümpeln und uns von Ankerbucht zu Ankerbucht schleichen.

Aus Deutschland hören wir keine guten Nachrichten. Starkregen hat dort Dörfer zerstört und Menschen getötet. Unser Mitgefühl gehört den betroffenen Menschen und Angehörigen. Verliert nicht den Mut und die Zuversicht auf bessere Zeiten. Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß es immer ein Weiter gibt und eine helfende Hand!

Für heute sage ich Danke, für euer Interesse und A DOPO ( BIS BALD ), Eure Eva, unterwegs zwischen den Inseln.

Nachtrag von Frank: Als ich neulich von einem Wunder schrieb, weil es Eva gelungen war einen digitalen Impfausweis nachträglich zu generieren habe ich das Problem, dass diese Azubis in der Entwicklung der App CovPass versagt haben. Obwohl die QR-Codes generiert sind und ich sie auch einscannen kann, akzeptiert die App nicht die Zeitspanne zwischen Infektion, Impfung und scannen. Angeblich ist die Infektion nur bis 18.06. gültig obwohl! ich einen Monat vor Ablauf geimpft wurde. Offensichtlich sind die zu blöd die Zeitabstände abzugleichen. Digitales Deutschland eben, also alles wie gehabt, sie können es einfach nicht

Wunder

gibt es immer wieder, selbst in Deutschland.

Eva erzählt mir heute Nachmittag, dass es ihr gelungen ist meinen positiven PCR-Test und die italienische Impfung in einen mit deutscher App lesbaren QR-Code zu verwandeln. Das ich das noch erleben darf!

Der Reihe nach.

Abfahrt vorbereitet, Unterteil der Toilette gewechselt, hat einfach immer mal gesäpelt, Bunkern, verabschieden, Tränchen verdrücken, das übliche halt wenn man/Frau so lange die Zeit im Winterlager verbringt.

Unsere Abfahrt von Licata währte nicht lange. Nach ca. 1,5 Stunden fallen alle Kontrollinstrumente für den Motor aus, unschön. Der Einfachheit halber schleichen wir, leider gegen den Wind, wieder zurück. War nur ein Kabel lose (- der Stromversorgung aller Instrumente), muss Bube aber erst mal finden. Tags darauf 2. Versuch und diesmal kommen wir zur Südostecke von Sizilien (Porto Palo) und einen Tag später nach Syracusa, genauer Ortigia. Bischen schlammig die Brühe in dem Naturhafen, dafür hält aber der Anker wie Bolle.

Die anschließend notwendige Inbetriebnahme unseres Beibootes, liebevoll ANKIE genannt, gestaltet sich schwierig, der alte Mercury zickt herum. Der kleine 2-Wegehahn zum Umschalten von internem auf externen Tank lässt sich nicht bewegen. Also kurzerhand diese Verbindung gekappt, mit 6-er Schraube relativ fachmännisch verschlossen, kommt halt der große Tank zum Einsatz. Einige Abende mit befreundeten Seglern später, unter anderm auch mit einer privaten Führung durch Ortigia organisiert von Andreas, verholen wir nach Brucoli. An sich eine nette Bucht, leider aber offen nach Nord. Das nötigt uns später mal einen Alarmstart bei bösartig einsetzendem Schwell aus eben dieser nördlichen Richtung ab. Dummerweise in der Abenddämmerung, aber recht souverän gehen wir Ankerauf und verholen nach Augusta, rund 7 Meilen nach Süden, nur nach dieser Richtung offen und wesentlich größer.

Zwischendurch waren wir noch in Catania, danach Taormina, Zwischenstop in Riposto, wieder Brucoli, im Vorbeisegeln noch eben schnell einen kapitalen Thunfisch mitgenommen, immer auf und ab der Ostküste Siziliens.

Ziemlich fangfrisch

Eva fliegt nach D, Mutter besuchen und Geburtstag feiern, Ärzte konsultieren und natürlich auch Freunde besuchen bei der Gelegenheit. Bube bleibt zurück und vertieft Freundschaften zu Segelcrews mit der Einladung zum Thunfischessen und schlägt die Zeit tot bis zur Rückkehr der Eignerin.

Ich liege seit gut anderthalb Wochen in Augusta, der Anker ist wahrscheinlich im Grund festgewachsen und hatte dieser Tage den Flash am Morgen, weil der alte Ätna in der Nacht Blähungen hatte und das ganze! Schiff kohlrabenschwarz war, langweile mich ein wenig und mache mich übermorgen wieder auf die Socken nach Catania, Eva abholen.

Soweit also alles Paletti

In der Kürze liegt Frank’s Würze

Glück ist…

…endlich wieder an Bord zu sein! Vor 11 Monaten hätte ich es nicht geglaubt, dass ich jemals wieder das Schiff betreten würde. Nun sind wir schon mehr als 3 Monate hier in Licata, Sizilien. Am 10. Februar habe ich es ohne fremde Hilfe an Bord geschafft und das, obwohl wir über die Bugspitze an Deck klettern. Schnell war mir klar, dass ich so schnell nicht zurück nach Deutschland möchte. Die Flugverbindungen sind rar, mehrfach Zwischenlanden wäre notwendig geworden. So habe ich mich um einen Physiotherapeuten bemüht und dank der Hilfe des Marina Office, Carmelo gefunden.

…den Mann mit den magischen Händen.

Er hat einen anderen Ansatz und mir gleich einmal Lymphdrainage für Arm und Bein empfohlen. Die ersten Wochen hat er mich jeweils 2 mal in der Marina abgeholt, behandelt und dann wieder zurück gebracht. Mittlerweile genügt eine Behandlung pro Woche und ich gehe die 2 km zu Fuß. Die Spastiken, die mich gequält haben, sind sogut wie verschwunden, ab und zu zuckt mein linker Fuß etwas, aber kein Vergleich zu Deutschland. Auch konnte ich das Medikament Tolperison um die Hälfte reduzieren.

… meine täglichen Übungen in der Sonne durchführen. Das motiviert natürlich ungemein, mittlerweile in T Shirt und kurzer Hose und am Vormittag, weil es warm geworden ist. Nur heute nicht, da gerade eine Kaltfront durchzieht, in Verbindung mit viel Wind, ungemütlich.

… das gute Essen, die frischen Früchte und Gemüse, vieles direkt vom Erzeuger und meiner Freundin Ruth, die in der Nähe in den Bergen wohnt und immer wieder mit Überraschungen aufwartet, wie Mandeln, Zitronen, Feigen und und und. So habe ich kürzlich marokkanische Salzzitronen eingelegt, Limoncello angesetzt und Erdbeermarmelade eingekocht. So vergehen die Wochen im Fluge.

…wenn man einen Mann hat, der an Bord alles selbst machen kann. Er hat unserem Boot eine Aufhübschung verpasst, das Unterwasserschiff gereinigt, gestrichen, eine Warmwasser Außendusche installiert, Holz gestrichen, die Elektronik verbessert und vieles mehr. Während unseres einwöchigen Aufenthaltes in der Werft hat er uns ein schönes Appartement in der Altstadt besorgt, so dass ich das Leben der Nachbarn hautnah erleben durfte. Hautnah im wahrsten Sinne, da die Häuser in der Altstadt dicht an dicht stehen und man dem Nachbarn gegenüber die Hand reichen kann. Da das Appartement eine Waschmaschine hatte, wurde täglich gewaschen und meine Wäsche flatterte mit der der Nachbarn um die Wette.

…einen Cappuccino in der Sonne zu trinken.

Wenn auch die Auswirkungen der Pandemie deutlich zu spüren sind. Während der zona rossa haben wir nachts Ausgangssperre, Restaurants sind geschlossen, es gibt lediglich Essen und Trinken to go. Nun ist die Ampel auf orange gesprungen und wir warten auf weitere Lockerungen. Wir vermissen die sonntäglichen BBQs, den Austausch mit der Segelgemeinschaft. Treffen sind möglich, werden aber bewusst klein gehalten. Schwätzchen am Steg, gemeinsame Wanderungen, ab und zu ein Drink bei Gaspare in der Blue Sky Bar, mit dem nötigen Abstand kein Problem, weil immer draußen. Das macht das Leben in Corona Zeiten hier im Süden mehr als erträglich.

… geimpft zu sein! Wenn auch nur ich das Glück hatte und am 30. April beim freien BioNTech Impfen dabei zu sein. Wie in Deutschland gibt es hier eine Priorisierung und Dank meiner 60 Jahre und meiner Erkrankung war ich Nutznießer. Aber es bedurfte dreier Anläufe. Mit Astra Zeneca wollten sie mich nicht impfen, aber man hatte mir mitgeteilt, dass ich mich registrieren müsste, was ich mit Hilfe der Marina erledigen konnte. Eine Woche später war freies Impfen, aber man hat mich abgewiesen. Freitags kam meine Freundin Ruth und sagte, heute ist erneut freies Impfen. Sie fuhr mich zum Krankenhaus und wir ergatterten 2 Nummern für das Impfen am Nachmittag. Ueli, Ruth’s Mann und ich wurden am Abend tatsächlich geimpft, im nach hinein muss ich gestehen, dass ich unendliches Glück hatte, gemeinsam mit Ueli dort gewesen zu sein, mit seinen phantastischen italienisch Kenntnissen und seinem Charme hat er alle um den Finger gewickelt. Außer mir hat das in der Marina niemand erreicht. Mein Neurologe in Deutschland konnte es nicht fassen, dass ich ohne italienischen Pass dieses Glück hatte. Da ich Covid 19 Genesene bin,habe ich nun umfänglichen Schutz, nun brauche ich nur noch die Greencard!

…Sizilien, mir kommt es mittlerweile wie meine Heimat vor. Die Menschen sind unglaublich freundlich und hilfsbereit. Halten ein Schwätzchen, wenn sie merken, du bist Deutsche, viele haben zu mindest ein paar Jahre in Deutschland gearbeitet und gelebt. Als ich das erste Mal im Labor zur Blutuntersuchung war, hat eine Frau gleich übersetzt und mich unterstützt. Natürlich ist hier nicht alles perfekt, manches total chaotisch, aber ich fühle mich wohl.

…wenn wir los segeln können, natürlich werden wir unruhig, warten aber die Reisefreiheit ab, damit wir die Provinzgrenzen überschreiten dürfen. So hoffen wir, spätestens im Juni die Segel setzen zu können. Für mich wird dies ein weiterer Meilenstein sein und ein Test, wie weit sich mein Gleichgewichtssinn gebessert hat. Gestern habe ich einen schönen Spruch gelesen: der die Tragödie überlebt hat, kann nicht ihr Held sein! Bin ich so glücklich, nicht Held zu sein !

…Dankbarkeit für all die lieben Menschen um mich herum, die mir Mut gemacht haben und in den letzten 11 Monaten bedingungslos zu mir standen

🥰🥰🥰

Bella Sicilia

Wo fange ich an?
Hurra, wir sind wieder zu Hause, welche Wohltat.
Aber erst mal zurück nach Deutschland. Dort plätschern die Tage (für mich!) so dahin, Eva gibt alles und trainiert wie der wilde Bill, der Wille mit meiner Performance, das wäre der Hammer!
Scherz beiseite, ich bekomme eine Bitte um Hilfe zur Arbeit an einem Boot, wow. Endlich raus hier und basteln. Letztendlich ist das Ruderlager gerichtet und Loma im Wasser, in Schweich nahe Trier. 2 Wochen später steht die Überführung von Trier nach Saarbrücken über Mosel und Saar an und ich wieder dabei. Kann ich nicht beschreiben, mit welcher Freude ich aus der Wohnung auszog (übers Wochenende, aber immerhin) und in die Ferne ging.
Zwei Tage motoren auf Flüssen ist nicht der Brüller, aber endlich raus und da ich Stefan als einen meiner wenigen Freunde zähle, eine schöne Zeit auf dem Wasser.

Kurz vor der Saarschleife



Schon während des Trips, intensiver und intensiver danach stellt sich bei mir ein Gefühl ein, da ist irgendetwas nicht wie es sein sollte. Montag Nachmittag isoliere ich mich mal langsam, Dienstag war klar, da ist was gehörig falsch. Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Kopfweh, Durchfall. Mittwoch spreche ich mit Stefan, der mittels Schnelltest positiv getestet ist. Shit! Ein PCR am Donnerstag ergibt die Zwangsimpfung für Eva und mich, super gelaufen!
Kaum geht der Bub in all der Zeit mal vor die Tür, direkt ein Doppelbingo.
Wir haben beide aufgepasst was das Zeug hält, aber irgendwie kam der Schlingel angeflogen und fand ob der geschlossenen Räumlichkeiten, es war saukalt auf dem Schiff und wir haben natürlich die Türen geschlossen und geheizt, zwei willkommene Wirte.
Alles in allem, nur milde Symptome im Nachhinein, Glück gehabt.
Positiv war nicht nur das Ergebnis, nein am selben Tag kontaktiert uns das Gesundheitsamt und kümmert sich um die Nachverfolgung und wenig später kommt die Aufforderung der Ortspolizeibehörde zur Quarantäne. Chapeau, das hätte ich angesichts meiner Erfahrungen nicht gedacht. Soweit wir das verfolgen konnten haben wir niemanden angesteckt, wir haben uns nur auf die harte Tour geimpft.
Das passierte kurz vor Weihnachten und damit war dieses Fest für uns überschaubar. Anfang Februar fiel der Entschluss wieder nach Sizilien zu fliegen. Über Rom, Direktflüge sind rar zur Zeit, ein tagesfüllender Trip, aber was solls. Unglaublich viele Formulare im Vorfeld gefüllt, keines wurde benötigt. Dafür ein einziges in Frankfurt beschriftet, welches ohne Kontrolle direkt abgeheftet wurde und wir betreten sizilianischen Boden. Da endlich wurde unser negatives Testergebnis abgefragt und ein vorab bestelltes Taxi bringt uns in die Marina.
Back home oder wie der Saarländer sagt widda dahemm.
Kinners, wie geil ist das denn!

Eva’s Geburtstag


Der Kahn schwimmt noch, Syd hat alles überwacht und die Aloe Vera am Leben gehalten, 20°C wärmer und wir sind glücklich. Die zwei Wochen Quarantäne mit Rücksicht auf alle Boaties hier in der Marina sind vorbei und wir haben wieder unser Leben zurück. Eva trainiert weiterhin, Yoga mit der comunity, der Bub bastelt fröhlich vor sich hin, die Systeme laufen (die 2. Lima ist noch nicht wieder zum Leben erweckt), alles gut.
Heute am Sonntag ist Ruhetag, meine Liebe hat Ausgang mit den Mädels zum Aperitivo und männerfrei quatschen, ich genieße den Tag. Sizilien versucht langsam in die Normalität zurückzufinden, nicht einfach in der heutigen Zeit.

Konzentriert Euch noch ein paar Monate, bleibt gesund!
Covid-19 ist kein Spaß, das konnten wir am eigenen Leib erfahren.



Eva und Frank

Operative Hektik ersetzt geistige Windstille

oder das Versagen von Politik und Behörden in Europa.
Zuerst mal zurück nach Licata, Motoröl und Filter wechseln, Seewasserkreis mit Süßwasser spülen (der Ölkühler lässt grüssen), Umkehrosmose mit Biocid spülen, das wars schon. Einzig die Lichtmaschine macht Kummer. Ausgebaut bringt mein Akkuschrauber nicht genügend Drehzahl um das Ding zum Leben zu erwecken, war ja klar, also ab auf die Drehbank. Dort erzeugt sie 14,4 V und funktioniert also. Sonntag Morgen gegen 0600 noch schnell eingebaut, kurze Verschnaufpause und ich mache mich auf den Weg zum Busbahnhof.
Das Ticket habe ich in weiser Vorausicht schon am Vortag gekauft, der Bus darf nur zu 50% ausgelastet werden. In Gela steigt der Rest zu, auf einen Schlag voll, Glück gehabt. Witzigerweise findet hier der Wochenmarkt statt. In Licata ist er coronabedingt geschlossen, ist lediglich 25 km entfernt und so verschieden scheinen mir als Laien die Umstände nicht.
Die unbedingt notwendige schriftliche Erklärung, warum ich die Stadtgrenze von Licata überschreite, will keiner sehen. Schade, habe mir so viel Mühe bei der Übersetzung gemacht, weil Formulare nur in italienisch heruntergeladen werden können.
Am Flughafen angekommen zücke ich das nächste Formblatt in zweifacher Ausfertigung und werde belehrt, dass ich das Gebäude erst 3 Stunden vor Abflug betreten darf. Nun gut, finde ein geöffnetes Café und setze mich in die Sonne. Alle anderen Cafés, Bars, Restaurants in Italien sind geschlossen. Irgendwie inkonsequent. Dieses besagte doppelte Formblatt wird später von der Polizei abgestempelt und ein Exemplar wandert in deren Ablage, meins Tags darauf in den Papierkorb. Bis auf die Tatsache, dass der Zubringerbus zum Flieger vollgestopft wird, geht alles seinen geregelten Gang und nach Ausfüllen eines weiteren Formulares (woher, wohin, mit wem und wo habe ich gesessen) wird nach der Landung bei Betreten des Flughafengebäudes mein Ausweis von der Bundespolizei geprüft. Das wars auch schon, kein Abgleich mit dem letzten Formular, selbstverständlich auch keine Temperaturmessung und selbstredend auch kein Schnelltest, sind wir doch keine Urlaubsrückkehrer zwischen erster und zweiter Welle sondern pendeln lediglich von einem Risikogebiet in ein anderes mitten in der zweiten Welle, muss man verstehen.
Eva und Georg kommen mich abholen und der Bub geht in Quarantäne, aus der ich mich nach 5 Tagen nach einem negativen Schnelltest selbst entlasse. Die zwingend vorgeschriebene Anmeldung, immerhin online (das ich das in Deutschland noch erleben darf) bei einreiseanmeldung.de verpufft derweil im Nirwana. Wer zur Hölle soll das auch kontrollieren, Gesundheitsamt? Das hat andere Sorgen. Ortspolizeibehörde? Die wissen wahrscheinlich nichts davon. War aber ein ausgesprochen übersichtliches Formular, deutlich schlanker als die italienischen, dafür aber ohne QR-Code, den gab es bei der Einreise nach Spanien und der kann so schön gescannt werden.
Wohin all die Daten fließen wär ja mal interessant, vermutlich gammeln die auf irgendeinem Server und langweilen sich zu Tode.
Mittlerweile habe ich wieder die App gewechselt. Von Immuni (bella italia) zu Corona Warn-App (klassisch deutsch), da beide gleichzeitig nicht funktionieren, warum auch.

Irgendein Fazit? Ich würde sagen der Schutz der Bevölkerung ist definitiv ausbaufähig, siehe simples Messen der Temperatur. Geht fix und sortiert die fiebrigen aus, die ganzen Selbstauskünfte über den Gesundheitszustand produzieren nur Altpapier.

Und noch ein Wort zu dem Lockdown light, typisch deutsches Wort, in den umliegenden Ländern sind das echte Ausgangssperren. Teilweise grundsätzlich, außer natürlich notwendige Besorgungen, schriftlich angezeigt, meistens jedoch nur nachts von 22:00-5:00. Maskentragen überall in der Öffentlichkeit, unabhängig von irgendwelchen Abständen. Das sind echte Einschränkungen, nicht so ein Pillepalle wie hier.

Kopfschüttelnde Grüße aus dem grauen Saarland

Frank

Angekommen

In Licata und was für ein Empfang.

Nach der Cala Teulada fuhren wir für einen Tag nach Mahon, einkaufen, Fleisch! essen, bunkern. Am nächsten Morgen brachen wir in Richtung Sardinien auf, leider hoch am Wind und mit einer ganz fiesen Welle genau auf die 12, nicht so schön. Das dauerte den ganzen Tag, der Anker wurde mehrmals gebadet, EIRA tauchte öfter mal die Nase in die See, kein Vergnügen, 110° waren angesagt, 080° waren mit ach und Krach möglich.

Im Laufe der Nacht dann konnten wir den Motor abschalten, Kurs ändern Richtung Carloforte und schlicht segeln, welch eine Entspannung.

Kommt irgendwann ein Thunfisch angeschwommen und beißt in unseren Köder, dumm gelaufen für ihn, Schlachtfest für uns.

Mein bisher dickster Brocken, Yellow fin Tuna

Ist leider immer eine Riesensauerei mit diesen Fischen, aber die Kühlbox war auf einen Schlag voll.

Als wir am übernächsten Morgen kurz vor Carloforte wieder Empfang hatten, entschlossen wir uns kurzfristig einfach weiterzusegeln, das Wetter war zu verlockend. Achterliche Winde, einfach nur mit der Genua, die Routine an Bord beibehalten und laufen lassen.

Wiederum 2 Tage später ist Sizilien voraus, zuerst die ägadischen Inseln und im Hintergrund schon Sicilia.

Das war der letzte für die Saison

Schnell noch ein Fischchen rausgeholt und dann muss ich auch schon von downwind zu upwind umrüsten. Genua rein, Grosssegel und Trekker raus. Da der Wind immer stärker aus Südost bläst machen wir noch ein paar Kreuzschläge, müssen aber einsehen, das wird nichts mit Licata und fahren notgedrungen in den Hafen von Mazara del Vallo. Obwohl ich mit der Hafenverwaltung vorab telefoniert hatte, schicken sie uns wieder weg, weil wir einen Tag vorher eine Gesundheitserklärung hätten mailen sollen, was in Unkenntnis der Wetterbedingungen und mangels Internetzugang auf hoher See nicht möglich war. Da wiehert der italienische Amtsschimmel fast noch lauter als der deutsche. Der uns zugewiesene Ankerplatz vor der Hafenmole war mir wegen aufziehender Gewitter und Sturmwarnung nicht geheuer und so schickte ich an Hafenverwaltung und Gesundheitsbehörde diese ominöse Erklärung und sollte bei letzterer nachfragen, ob wir eine Ausnahmegenehmigung bekommen können. Leider hatte die Behörde nachmittags geschlossen und der Skipper bekommt langsam einen ziemlich dicken Hals. Daraufhin habe ich den Harbourmaster zusammengefaltet und wollte von ihm wissen, ob das die neue Art italienischer Seemannschaft ist. Letztendlich durften wir dann doch in den Hafen, mussten aber an Bord bleiben.

Was für eine Ausgeburt an Schwachsinn! Niemand kontrolliert unsere freiwillige Selbstauskunft, aber ohne die paar Seiten Papier geht nichts. Idiotischer kann man mit dieser Pandemie kaum noch umgehen.

Nach 2 Tagen legt sich der Wind und wir nehmen die letzte Etappe nach Licata in Angriff, wiederum über Nacht, da ich nicht ständig mit den Behörden konferieren möchte, nicht das mir doch mal der Kragen platzt.

Anderntags am frühen Morgen ist dann endlich Schluss mit lustig, der Hafen ist erreicht und kaum haben wir angelegt kommen auch schon Angela, Klaus und Syd zur Begrüßung und offerieren trotz früher Stunde ein Anlegerbier.

Die Crew von EIRA

Jetzt werden noch ein paar Partys gefeiert, das Schiff in den Winterschlaf versetzt und am 15.11. geht es zurück in die Kälte.

Aber wir werden zurückkommen, da bin ich mir ganz sicher!

Frank aus dem unverschämt sonnigen Sizilien