Mein Held, oder der Mann und das Meer

Ich sage es fast jeden Tag zu Frank, daher nun einen Beitrag über meinen Helden Frank! Es ist kaum zu glauben, was dieser Typ, der ja zufällig mein Mann wurde, alles kann. Angefangen bei der Ausrüstung des Bootes, Reparaturen an Bord, Segelsetzen, einreffen, Navigation, Fischen, mich beruhigen, mich mitziehen, er hat das alles drauf. Das bestätigte sich mal wieder bei der letzten Überfahrt. Im Hafen sieht es einfach aus. Wir machen einen Plan, nachdem wir über mehrere Tage das Wetter beobachtet haben, denn ich bin was Nachtfahrten anbelangt, total unerfahren. Gerade einmal 3 Nächte auf See lagen hinter mir, als wir am Mittwoch morgen den wunderschönen Hafen von Porto Vecchio verlassen haben. Die Mindestwegstrecke, die vor uns liegt, beträgt 135 SM. Also mindestens eine weitere Nachtfahrt! Schön in der Bucht hat sich gezeigt, dass es zuerst viel Wind und Welle aus Nordost geben wird. Wegen der einlaufenden Fähre könnten wir Groß- und Trekkersegel erst außerhalb der Bucht setzen. Dafür in den Wind zu gehen, bedeutet für mich am Ruder stehen, während Frank nach vorne zum Mast und Trekker muß, um die Segel hochzuziehen. Da wir vorsichtig sind, natürlich mit Rettungsweste und Lifebelt. Bei dem Seegang ist das so etwas wie meine Lebensversicherung. Wir reffen das Groß und auch den Trekker. Sofort liegt das Schiff stabiler und pflügt nun durch die hohe Welle. Schräglage enorm, da Kurs hoch am Wind anliegt. Nach Stunden nimmt der Wind ab, die See wird ruhiger, angenehmer, doch den von uns geplanten Kurs Rom könnten wir zwischenzeitlich nicht halten, abfallen Richtung Anzio, eine Zeitlang sogar Richtung Pontinische Inseln. Wir reffen aus, Segelfläche wird größer, der Wind dreht Richtung Nord und Anzio wird wieder möglich, sind halt 30 SM mehr. Frank hat natürlich die Angel draußen. Gegen 15:30 h beißt ein Fisch an. Die Leine rauscht aus! Ich nehme Geschwindigkeit aus dem Boot und Frank holt den Fisch ein. Es handelt sich um einen kapitalen Schwertfisch.

IMG_7252 Mit der Gaff wird unser Abendessen getötet, dazu ein Schnaps in die Kiemen. Dann beginnt das filetieren. Und dann beginnt mein Part: was machen wir daraus? Zuerst mache ich aus den kleinen Filets Tatar und die großen Filets werden gebraten und mit Reis und Zitrone gegessen. Die Stücke, die wir nicht schaffen kommen mit dem Tatar in die Kühlung. Das Ganze hat uns 3 Stunden beschäftigt. Der Fischgeruch war heftig kann ich euch sagen. Geschirspülen im Schiff ging bei mir dann auch nicht.

Ziehe mich warm an für meine Nachtwache, während Frank das Schiff aufklart und sich schlafen legt. Wir haben Halbmond und der Sternenhimmel ist grandios. Der Mond geht schon früh zur Ruhe, feuerrot versinkt er im Meer. In der Zwischenzeit läuft ein Kreuzfahrtschiff in sicherem Abstand an uns vorbei. Ich lese zwischen meinen Inseln, welch passende Lektüre in diesen Tagen, beobachte die Segelstellung, hole Trekker und Groß etwas dichter, trinke heißen Tee und werde immer müder. Um 00:30 H wecke ich Frank. Wachwechsel, für mich heißt es, irgendwie in den Schlaf finden. Der ist nicht tief, mit einem Ohr bin ich immer am Boot. Als Frank um 6 Uhr Kaffee kocht, stehe ich auf. Wachwechsel.

IMG_7273 Mein Held erzählt von den zahlreichen Schiffen, die unseren Weg durch’s Wasser gekreuzt haben, teilweise ganz schön nahe. 100 SM haben wir irgendwann hinter uns. Schon wieder kommt die Angel raus, ich protestiere, da die Kühlung voll mit Fisch ist. Mittags gibt es Tatar auf spanischen Tapasbrot. Lecker und erfrischend. Wir fiebern der Küste entgegen, immer noch kein Land in Sicht, obwohl wir nur noch 15 SM vor uns haben. Die Küste ist hier ganz flach, nicht so bergig wie die Ansteuerung Mallorca oder Sardinien. Der Wind frischt auf, drückt uns nun von hinten quasi Rom entgegen, denn dieser Kurs wurde dann doch irgendwann morgens wieder möglich. Wir sehen dann doch die Küste, steuern quasi direkt auf die Hafeneinfahrt zu. Daneben ergießt sich der Tiber ins Meer.  Das Wasser des Flusses stinkt und wir sind froh, uns für den Hafen Rom entschieden zu haben und nicht für die Häfen, die in der Tibermündung liegen. Die Marineros weisen uns eine Mooring zu. Wir liegen an Pier N 545. Ich melde das Boot an, wir bekommen einen elektronischen Schlüssel für den Pier und die Duschen. Was soll ich sagen, es war eine tolle Überfahrt, mit allem was man sich an Winden so vorstellen kann. Die Welle war zu Beginn hoch, dann immer flacher um zum Schluß wieder höher zu werden. Als Abendessen gab es natürlich: Fisch. Fischcurry an Kokossoße mit Aubergine und Banane, Reis nicht zu vergessen. Vorweg haben wir das restliche Tatar verspeist.

Geschlafen habe ich dann wie eine Tote. Eventuell war dies dem Rotwein geschuldet, egal, Hauptsache geschlafen. Nach dem Frühstück haben wir den riesigen Hafen erkundet und dann eine Einkaufsmöglichkeit gesucht. In dem riesigen Areal keine Versorgung! Dafür habe ich in Ostia eine Markthalle gefunden und mich dort mit frischen Produkten aus dem Umland versorgt. Smoothie ist schon zubereitet, wie auch Bohnensalat für die Fahrt morgen nach Anzio. Frank, mein Held schraubt am Boot, während ich unsere Verpflegung sicher Stelle und Blog schreibe. Nun genieße ich die strahlende Sonne noch etwas. Arrividerci, tutto bene.