Der Müffi

Damit ist natürlich nicht der LI gemeint, sondern Vulcano, eine der eolischen Inseln.

AA987013-E9D5-427A-9869-D11280EECA8C

Tagsüber geht es noch, aber in der Nacht

3CB65730-9A91-4D7D-A2CF-3D86C4E26619

stinkt der Knecht schon gewaltig. Davon wußte der Skipper am Morgen zu berichten. Er war auch nicht wirklich begeistert, den Vulkan zu besteigen.  Nach dem Wettercheck war klar, heute oder gar nicht. So machte ich mich bereit, der Skipper ließ sich nicht lumpen, aber wie an Land kommen und Schuhe ohne Sand anziehen? Selbst dieses Problem konnte dank Lappen gelöst  werden und so wurde das Dinghi zu Wasser gelassen und  das Abenteuer begann. Alle klappte perfekt. Strümpfe und Schuhe anziehen, perfekt. Einstieg zum Krater, gefunden! Stöcke in Gebrauch genommen und den steilen Anstieg entlang des atemberaubend duftenden Ginsters gefunden. Allein dieser Duft und die Erinnerung an frühere Blumenbilder zu Fronleichnam wecken Kindheitserinnerungen.

22A0EDE0-D7CE-403F-8CEF-42D8D98CA057

Wir hören die Geißen bimmelnd ihren Weg finden und werden eins mit dem Pfad. Immer dem Gestank entgegen, immer bergan. Die Sonne scheint, der Staub des Vulkans schwärzt uns. Bergan. Dieses Mal, ist der Weg auf unserer Seite, mühelos geht selbst der Kapitän aufwärts.

99C7C81A-90F0-4DC2-A625-0AA930C1BFB9

Plötzlich stehen wir oben am Kraterrand: Farbenspiele im Gestein, der Schwefel zeigt, wie vielfältig er im Leuchten ist.

F7C8541C-2127-49C8-A280-408F86B8131D

Dämpfe treten aus  Bergspalten, Schwefelaroma hüllt uns ein. Wir entschließen uns, den Weg gegen die Windrichtung anzutreten, rund um den Krater, wissend, dass irgendwann die Dämpfe uns einlullen werden. Da nützt kein  Buff und kein Tuch vor dem Gesicht. Der Gestank, am höchsten Punkt verschlägt uns den Atem.

178B0E63-A309-42D6-B9C9-03871A9E625B

Wir gehen den gleichen Weg zurück, den wir gekommen sind.

7F10CF96-52E2-4B0B-B832-58C9973886AA

Der Skipper tänzelnd den Weg bergab und ich weiß, er ist froh, mit mir aufgestiegen zu sein. Wir sitzen an Bord, hatten Couscous mit Gemüsesugo und der Berg übergießt uns mit seinem Gestank. Die Ankerbucht ist jedoch so traumhaft, dass wir noch ein paar Tage hier bleiben werden. Freunde haben sich angekündigt. Das ist immer ein Grund zu bleiben. Außerdem waren wir noch nicht im Schwefelbad. Die alten Knochen warten darauf.

Buona  sera e buona notte miei  ragazzi

Europa und noch mehr

Gestern war Europawahl und das Ergebnis macht mir Angst. All die Rechtspopulisten, die gewonnen haben.  Wo wollt ihr hin? In die Nationalstaaten zurück? Keine Reisefreiheit, weil kein Schengenraum, keinen Euro und wieder alle Nationalwährungen? Das kann doch nicht euer Ernst sein. Wir verlieren einen großen Wirtschaftsraum und jeder kocht wieder sein eigenes Süppchen? Das wird nicht funktionieren sage ich euch. Ich will Reisefreiheit und den Euro. Ich lebe mitten in Europa und die meisten Amerikaner beneiden uns für die EU und unsere Entwicklung.  Sie müssen alle 180 Tage für 90 Tage als Personen raus aus der EU. Jeder, der wie wir auf dem Boot lebt oder gerne länger reist, genießt diese Freizügigkeit. Glückwünsche an alle, die ein politisches Mandat errungen haben, die in meinem Bekannten-und Freundeskreis wissen, wer gemeint ist. Strengt euch an, sprecht die Menschen an und holt alle mit ins Boot, dann werdet ihr Erfolg haben. Macht keine Politik für wenige, sondern  für alle: für die Menschen, für die Natur und Umwelt, für eine bessere Zukunft.

3602C0B4-86EB-4741-8700-7114E42AA326

Doch genug politisiert! Erlebt haben wir die letzten Tage auch vieles. Am letzten Mittwoch sind wir von Catania nach Naxos gesegelt, ehrlicher wäre, motort. Dort haben uns die Freunde Chris und Clint mit Zena erwartet. Eine unruhige Nacht mit ganz viel Geschaukel hat die Freude über das Wiedersehen etwas getrübt.

2CE342F9-D9CB-40A0-83EC-5149A6197111

Am nächsten Morgen stand Landgang an, mit Chris gemeinsam ging es ans Proviantieren.  Naxos ist ein kleines Dörfchen in der Nähe von Taormina und die ersten Strandtouristen haben sich eingefunden, es gibt schöne Strandabschnitte und einen archäologischen Garten, denn Naxos war die erste griechische Siedllung auf Sizilien.  Abends hatten wir Chris und Clint zu Gast an Bord, bei griechischem Käsesalat und Penne mit Salsicce ließen wir es uns gut gehen. Zena verließ am nächsten Morgen die Bucht und wir machten uns mit dem Bus auf nach Taormina, hoch oben am Berg gelegen. Da Castelmola noch höher gelegen ist und über eine normannische Burg verfügt, stiegen wir in Taormina direkt in den nächsten Bus und ließen uns über abenteuerlich enge Sträßchen in die Höhe fahren. Wieder einmal gut, dass das Busfahren im Mittelmeer so genial einfach und preiswert ist. So hat dieser Tagesausflug schlappe 12 Euro für 2 Personen gekostet. Castelmola ist weniger touristisch als Taormina, hat eine wunderschöne Kirche mit vielen Heiligen und einen spektakulären Blick auf den Ätna und die Bucht von Naxos.

So hatten wir unsere Eira meist im Blick und genossen die frische Luft und die Sonne oben am Berg, verweilten zum Cappuccino in einem ruhigen Cafe.

Und dann kam der Schock als wir zurück nach Taormina kamen. Menschenmassen schlängelten sich durch die Gassen, ein Souvenirshop am anderen, eine Edelboutique reiht sich an die nächste. So schwenkten wir ein nach links um das griechische Amphitheater zu besichtigen. Wieder wurden wir durch spektakuläre Ausblicke belohnt, wenn auch das Theater nicht mit dem in Epidauros zu vergleichen ist.

Auf dem Rückweg wurde noch etwas Brot und Salat eingekauft und dann ging es zurück an Bord.

 

Die Abreise stand bevor und bei langen Schlägen habe ich gerne Essen vorbereitet, so wurden Möhren geraspelt und Möhrensalat zubereitet, ein Liter grünen Smoothie gemixt und das Abendessen bestehend aus Maultaschen als Vorspeise und Schweinerückensteak mit grünem Salat als Hauptgericht gekocht. Früh ging es ins Bett, denn am Samstag sollte um 4:15h der Wecker klingeln. Die Nacht war kurz, ein Tiefschlaf wollte sich nicht einstellen. So gingen wir um 5:15h bereits aus der Bucht Richtung Straße von Messina.

F49C0E52-8A01-4094-BFCF-AD026679BFC4

Die Wetterprognose für Sonntag war alles andere als rosig und wir wußten, unser Weg würde ein weiter sein, wollten wir eine sichere Marina erreichen.

955ACEC6-EF12-417F-946F-6328AA5AC1EA

Die Straße von Messina ist alles andere als ein einfaches Segelrevier. Hier herrscht reger Fährverkehr zwischen dem italienischen Festland und Sizilien, außerdem ein Verkehrstrennungsgebiet, das bedeutet, man kann nicht segeln wie man will, sondern nach Verkehrsregeln. Es war kaum Wind zu spüren, so setzten wir das Groß als Unterstützung, es klapperte unentwegt, so wurde die Segelfläche zuerst verkleinert und letztlich doch das ganze Segel einzuholen. Später wurde die Genua gelüftet, mit teilweisem Erfolg, Kaum gesetzt, schlief der Wind ein, also Genua wieder rein. Man muss sich ja irgendwie beschäftigen. Eine weitere Schwierigkeit in dieser Straße ist der Strom und die Strudel. Diese beiden Phänomeme haben schon Odysseus zu schaffen gemacht. Unsere Fahrt verlangsame sich zusehends, obwohl wir mit ablaufendem Wasser segelten. Dann passierten wir Messina und hatten schließlich die Meerenge direkt vor uns. Es begann zu regnen, darauf hätten wir an diesem Tag nun wirklich verzichten können. Doch dann sahen wir Schwertfischjäger, mit ihren sehr außergewöhnlichen Booten. In einem sehr hohen Mast sitzen ein bis zwei Personen, die nach Schwertfischen Ausschau halten, sehen sie einen oder mehrere, versuchen andere mit der Harpune die Fische zu erlegen. Sehr speziell und schön, mal wieder ein solches Boot gesehen zu haben.

Das Kap wurde umrundet und nun lag die Nordseite von Sizilien vor uns. Die Genua wurde wieder gelüftet, wir machten Strecke und segelten an Milazzo vorbei. Auch hier wieder reges Treiben auf dem Wasser, verursacht durch die vielen Fähren, die die liparischen oder äolischen Inseln ansteuern. Also hieß es aufpassen. Während ich im Ausguck war, bereitete Frank die erste heiße Außendusche vor. Welch ein Luxus, unterwegs eine warme Außendusche zu genießen, denn der Himmel war bedeckt bis schwarz, immer wieder ging ein Regenschauer nieder und die Sonne ließ sich nur manchmal erahnen. Mittlerweile hatten wir uns entschieden, nicht das nähere Portorosa anzulaufen, sondern mit Capo dˋOrlando nochmals 17 SM weiter zu segeln. Das bedeutete, es würde nach 22 Uhr werden, bis wir ankamen. Da es noch Reste von Donnerstag gab, wurden die Penne mit Salsicce gewärmt, etwas aufgepeppt und verspeist.

Es wurde Nacht und noch mehr Regen fiel. Unser Ziel vor Augen, bereiteten wir das Boot für den Hafen vor, Leinen anbringen und Fender aufhängen. Dabei sahen wir eine riesige Schar Delphine um uns herum, sie sehen unsere Eira als Spielkamerad und unser Bugspriet inspiriert sie immer wieder unter dem Boot durchzutauchen und auf der anderen Seite ihre Schönheit zu präsentieren. Ich kann mich daran einfach nicht satt sehen, habe ihnen Namen gegeben und mit ihnen gesprochen. Erst kurz vor der Hafeneinfahrt verabschiedeten sie sich. Müde folgten wir den Marineros in den Hafen, machten das Boot fest und erkundeten die 5 Sterne Marina. Welch ein Luxus: Bäder vom Feinsten, total sauber und sehr gepflegt begrüßte uns die Marina Capo dˋOrlando. Nach einem Anlegerbier, Zeit ins Bett zu gehen.

 

Der Sonntag diente dem Ausruhen mit Wäschewaschen und mit der Heimat telefonieren und schließlich die Wahlen in Deutschland und Europa zu verfolgen.  Während in unserer Heimatgemeinde gut gewählt wurde, war die Europawahl doch sehr enttäuschend.

191ED652-9E59-4341-BA31-2192142DBD4E

Heute haben wir einen Spaziergang nach Capo d’Orlando unternommen, um einzukaufen, aber auch, um uns die Gegend anzusehen. Die Sonne scheint, Wind kommt auf und vertreibt die dunklen Wolken. Morgen geht es weiter auf die äolischen Inseln, die sich uns heute auf dem Weg präsentiert haben. Im Blickfeld liegt Vulcano, das wir noch nicht kennen. Also auf zu neuen Ufern und auf zu einem nächsten aktiven Vulkan.

 

Macht es gut, wo auch immer ihr gerade seid.

Ätna, oder ich will hoch

Nach den hektischen Tagen auf Malta, angefangen mit dem Sturz von Frank und dem Verlust des Tabletts und dem Abrauchen des Inverters, musste etwas Ruhe einkehren. Daher lagen wir 3 Tage in Mellieha mit viel Wind vor Anker. Danach ging es für einen weiteren hektischen Tag zurück nach Msida Creek. Inverter abholen, Wäsche waschen, Einkaufen. Frank hatte den schlechteren Part. Alter Inverter raus, was sich als sehr schwierig erwiesen hat, denn der Vorbesitzer hatte den Mastervolt mit 10er Schrauben (Schlüsselweite 17!)  befestigt. Kaum zu lösen. Das Gestöhne im Motorraum hat mich mehr als irritiert, Kraftausdrücke in der Vielzahl bin ich von Frank normalerweise nicht gewohnt. Endlich, nach Stunden, war das alte Teil raus.

5B6B793A-6BE7-4772-9F53-FC20E8344D44

Nun musste eine Vorrichtung für den neuen Victron gebastelt werden. Mit einem gefundenen Stück verleimtem Sperrholz, das nur noch in die rechte Form gebracht werden musste, ging der Einbau etwas schneller von statten. Dann das ganze Gerödel wieder eingebaut, was zuvor ausgebaut worden war, geduscht, gegessen und nach einer kurzen Nacht, morgens um 6.30 h raus aus der Marina. Kein Mensch konnte ahnen, was uns auf der Überfahrt nach Sizilien erwartete. Sehr hohe Welle, leider von der Seite, halber Wind, mehr als genug, machte das Ansteuern von Sizilien sehr sportlich. Mit ganz viel Wind in die Marina von Marzamemi reingerauscht und erst mal Wunden geleckt. Nach mehr als 13 Stunden waren wir echt fertig, zumal das letzte Wegstück rund um das Kap uns alles abverlangt hat.

EF823B2E-D808-4360-B4D1-0C3C48211837

Von dem Starkregen in der Nacht und dem heftigen Gewitter haben wir nichts mitbekommen. Um kurz vor halb 10 am Morgen habe ich zum ersten Mal versucht ein Auge zu öffnen und es gleich wieder geschlossen. Die Strapaze des letzten Tages haben wir uns versüßt mit einem Tag Auszeit in Marzamemi. Alle Hardware upgedatet und die Crew gestärkt an Leib und Seele, waren wir nach der nächtlichen Ruhe bereit, einen Spaziergang in die alte Thunfischstadt zu unternehmen. Dabei sahen wir, was der Regen der Nacht angerichtet hatte: alle Straßen überflutet, ein Weg musste erkundet und gefunden werden.

15D06BD9-AC4E-49FF-A65A-10B5250287CB

281ACE8E-104A-465A-8FE1-2CF30B16A4D2

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Siracusa, wir wußten, dass uns dort viele liebe Freunde aus Licata erwarteten.

Mit Segeln wurde es nichts, da wir nach ca 3 SM eine kleine Segelyacht in Seenot retteten: ohne Wind und mit nicht zu reparierenden Motor trieben sie im Meer.

So nahmen wir ihre Leine und schleppten sie nach Siracusa. Als Belohnung sollten wir später am Tag 2 Flaschen sehr guten sizilianischen Weines erhalten. Der Skipper war leicht angeschlagen, irgend etwas, womöglich ein Stück Käse hat ihm den Magen verdorben. Nach ein paar Stunden Ruhe war er soweit hergestellt, dass er den Abend gemeinsam mit mir, Jil und Rein von Hoppetossa verbringen konnte.

Am Morgen machte ich einen Einkaufsbummel über den Markt von Siracusa, verpflegte die Crew aufˋs Beste

49DEB6DF-76CD-4409-BC74-58F25A21685A

und dann kam das Geschaukel: ohne Wind stand Welle in die Bucht und wir haben ganz heftig Bewegung im Schiff und Magen verspürt. Gott sei Dank musste ich abends nicht kochen. Wir waren Gäste der Zena und wurden mit portugiesisch zubereitetem Fisch verwöhnt. Da am Sonntag etwas Wind einsetzte, war der Schwell plötzlich weg und die Crew verbrachte den Sonntag Vormittag in der Altstadt. Mittags wurde ein Mandelkuchen gebacken, am Abend der Thunfisch, der morgens fangfrisch auf dem Markt gekauft worden war, zubereitet.

Nach dem Wettercheck am Morgen steuerten wir mit Groß und Genua Richtung Catania. Es bleibt zu sagen, dass das neue Segel echt Spitze ist, wobei die Fock bisher noch nicht zum Einsatz kam. Unterwegs las ich, dass unsere Freunde Lupita und Martin Hofman von der Futuro Dos ebenfalls auf Sizilien sind. Nach einigem hin- und hergeschreibe verabredeten wir uns für den Abend zum Essen in Catania. Welch eine Freude, die Beiden nach fast einem Jahr wieder zu treffen. Auch sie wollten zum Ätna und boten uns an, uns im Auto mitzunehmen. Welch ein Luxus! Anstatt früh am Morgen den Bus zu nehmen, wurden wir von ihnen in der Marina abgeholt.

33AA92AE-8813-4738-88C9-D45BFB3C6D49

Nach einem gemeinsamen Frühstück an Bord von EIRA ging es los. Martin schraubte uns mit dem nagelneuen Leihwagen den Berg hinauf. An der Talstation, auf 1900 m wurden die Tickets gelöst und die Gondel brachte uns ein gutes Stück höher. Dort standen Allradfahrzeuge bereit, die uns durch die Lava- und Schneemassen fuhren.

5D599CB1-4E09-4219-A834-E8A378F60961

Mit einem Guide haben wir dann die letzten Höhenmeter überwunden um auf 2920 m den besten Blick auf die beiden Vulkankegel zu haben, den südöstlichen und den südwestlichen, die beide im Dezember 2018 zum letzten Mal zum Ausbruch kamen.

8A0C0E30-FE8A-4355-A23A-843E71B701DA

 

 

Tagtäglich raucht der Vulkan still vor sich hin, beeindruckend auf dem höchsten aktiven Vulkan Italiens zu stehen, und das bei bestem Wetter.

Endlich ging dieser große Traum von mir in Erfüllung und ich konnte mich gar nicht satt sehen an den Schloten, die rings um uns herum zu sehen waren. Warm eingepackt, war die Kälte zu ertragen, denn bei der Bergstation waren es lediglich 2°.  Die Bergstiefel fühlten sich im Schnee sicher an, die Füße steckten zudem in Merinosocken. Zwei Lagen Jacken wärmten den Körper. Gefühlt und in Realität sicher besser als die Shorts und Schühchen, die wir an einigen anderen Ätnabesuchern sahen.

 

 

Nun sitzen wir in der Marina in Catania, voll neuer Eindrücke und Erlebnisse und werden morgen ein neues Ziel ansteuern.

13B5EFA8-0AB6-4F20-9873-7AB870FF3A50

Vielleicht fragt ihr euch, was aus unserem Wunsch Linosa, Lampedusa und Pantelleria anzusteuern wurde: nichts, kann ich euch sagen. Die starken nordwestlichen Winde haben uns davon abgehalten, diese Ziele anzusteuern, da ohne sicheren Hafen die Überfahrt keinen Sinn machte. So sind wir gerne zurück auf Sizilien, genießen die Tage hier, fröhnen dem guten sizilianischen Essen und Wein und zumindest ich bin glücklich und dankbar noch einige Tage auf meiner Lieblingsinsel zu verbringen.

Genießt auch ihr die Tage, der Sommer wird kommen und damit hoffentlich auch angenehmere Temperaturen, denn diese lassen zumindest hier im Süden, noch immer auf sich warten.

Ciao, Eva und Frank

Beleidigte Leberwurst

Vor ein paar Wochen schrieb ich anlässlich der Vorstellung unserer neuen Batterien, dass ich nicht wirklich glücklich bin mit dem Inverter. Er kann nur trapezförmig (angenäherte Sinus-Welle) abgeben und unsere Förderpumpe für die Osmose bringt ihren Unwillen mit einem deulichen Brummen zum Ausdruck. Der Rest funktionierte klaglos, also never change a running system. Gestern Abend, nach dem Verfassen des letzten blogs kommen wir nach Hause und die ganze Karre müffelt nach verbrannter Elektronik. Alles abschalten, Abendessen kochen und Rotwein in de Kopp, sozusagen ignorieren. Heute Morgen sehe ich nach Inbetriebnahme des Systems ein rotes Licht hinter der Abdeckung. Häh?
Werkzeug raus und nachgeschaut. Dieses rote Licht war eine glühende Schraube auf der Platine. Ist so nicht vorgesehen und ich muss konstatieren, dieser Papagei ist tot (in Anlehnung an Monty Python). Glühende Schrauben müffeln, bergen ein gewisses Risiko (das Ding hängt im Motorraum) und rauben mir den Schlaf, kann mich ja nicht jeden Abend wegbeamen.
Nun haben wir Ersatz bestellt, den Plan wiederum angepasst und erwarten am Montag einen neuen (weniger beleidigten). Mit reinem Sinusausgang selbstverständlich! Die Anpassung des Umfeldes (Einbauort) wird mich noch eine Weile beschäftigen, sollte aber funktionieren. Ich bin nach wie vor in der Hoffnung mal einen Monat im Normalbetrieb ohne irgendwelche Reparaturen zu erleben, hat noch nicht geklappt, aber der Wille ist auf jeden Fall da.
Mit der Zunge im Zaum die nächsten Wochen (habe schon genug um die Ohren und werde nix mehr beleidigen),
immer noch zuversichtlich
Frank

Heureka!

Würde der alte Grieche sagen, auf maltesisch weiß ich es nicht und könnte es auch gar nicht aussprechen. Die Sprache hier ist ein Mix aus allem, arabisch, italienisch und was auch immer, jedenfalls nicht für unsere Ohren und Zungen geeignet.

Zurück zum Griechen, dieser Tage kommen wir aufs Boot zurück und nutzen die Toilette bei geschlossenem Seeventil. Sollte gar nicht möglich sein, da ein kleiner Schalter alle Pumpen stromlos macht (WC, Grauwassertank und Fäkalientank). Dieser sitzt direkt am Ventil und hält die Relais im Zaun wenn, ja wenn ein anderer Kippschalter, der zur Überbrückung dieser Funktion montiert ist, auf EIN steht. Habe mich all die Jahre gefragt, wozu dieser Schlingel gut ist, jetzt weiß ich es.

20190508_175128

Oben rechts, der isses. Da aber nichts abgeschaltet war, fliegt der Schlauch zum Seeventil weg und die Brühe wird fröhlich in die Bilge gepumpt, gefolgt von einem ordentlichen Schluck Seewasser nach Öffnen des leider nicht mehr verbundenen Ventiles. Das ganze natürlich Sonntags, war noch nie mein Spezialtag für den Umgang mit der Toilette, shit happens. Mittlerweile ist alles wieder trocken, 4 Spülschüsseln voll Wasser gelenzt und ich kenne endlich die Funktion des Kippschalters. Zu allem Überfluss haut es mich gestern Nachmittag hin, ein Flip-Flop fädelt in einem Wasserschlauch auf der Pier ein und ich mache mich lang. Das war das Ende unseres Tablets und wir mussten umgehend Ersatz besorgen, da unsere Navigationssoftware darüber läuft. Open CPN ist zwar mittlerweile mit weltweiten Seekarten auf einem Laptop installiert, es fehlt aber noch eine GPS-Maus, damit das Programm auch Kenntnis erhält wo wir gerade rumdödeln. Wir arbeiten daran.

Und natürlich sehen wir uns die Insel an. Der Blick aus meinem Fenster zeigt ein Fort,

der Blick aus dem Bus zeigt ein Fort, man könnte meinen, ganz Malta ist ein Fort. Die Lage mitten im Mittelmeer hat schon immer Begehrlichkeiten geweckt, so waren hier Phönizier, Carthager, Römer, Spanier, Franzosen, Türken, Engländer und natürlich auch die Deutschen, die die Insel im 2. Weltkrieg heftig bomardierten und selbst das Fort San Angelo in Vittoriosa unter Beschuss nahmen.

Das Fort haben wir uns heute mit unseren deutschen Freunden Pascale und Gerrit angesehen, gleichzeitig war es vorerst unser letztes Treffen, da sie morgen nach Sizilien zurückgehen und wir uns hoffentlich im Herbst irgendwo in Spanien wiedersehen.

Fair winds Euch Beiden. Gemeinsam besichtigten wir heute die 3 größten Sehenswürdigkeiten der Stadt Vittoriosa: Den Inquisationspalast, das Marinemuseum und das Fort San Angelo. Welch ein Zufall, dass dieses Fort den gleichen Namen trägt, wie die Burg in Licata, wo wir gemeinsam den Winter verbrachten.

Gestern bin ich stolze 22,3 Km und mehr als 33000 Schritte gelaufen, es gab viel zu erledigen, fast alles zu Fuß, nur den Rückweg vom Tablett Kauf haben wir im Bus zurückgelegt. Geschlafen habe ich diese Nacht wie ein Baby, den KM sei Dank.

 

Und in Deutschland heiratete gestern Frankˋs Nichte Anika. Herzlichen Glückwunsch von hier aus an Euch Beide!

 

Am Sonntag nahmen wir den Bus nach Marsaxlokk um uns das Städtchen anzusehen. Ein Schock waren die Menschenmassen schon, die sich an den Marktständen vorbeidrängten, so dass wir viel früher als geplant den Rückweg antraten. So what, es kann nicht immer jede Empfehlung tatsächlich ein MUST SEE sein.

Morgen wollen wir nach Mdina und Rabat, nein, nicht dort wo ihr meint, hier auf Malta gibt es die beiden Orte, die es zu besichtigen gilt. Werde sicherlich auch davon berichten.

Schönen Abend Euch, wo auch immer Ihr gerade seid.

 

 

Südwärts

FA381EA8-70D0-42A6-9059-F6667866D46E

Am letzten Sonntag haben wir um 5:30 h die Mooring in Licata geworfen und Gozo angesteuert. Der Abschied fiel schwer, viele Freunde wurden verabschiedet und dann segelten wir mit der Genua südostwärts. Hohe Wellen, viel Wind machte das Reffen der Genua notwendig, während dieses Manövers, Frank trug keine Handschuhe, ging mein geliebter Skipper fast über Bord. Schrecksekunden, Hautabschürfungen und ein riesiger blauer Fleck bleiben als Erinnerung. Noch Mals gut gegangen. Handschuhe gesucht, gerefft und die 73 SM abgespult.

CB039C06-8ED7-4412-A60F-A350A8FEE276

Gegen 18 Uhr erreichten wir Mgarr, vier Boote aus Licata lagen bereits vorm Hafen vor Anker, ein Schiff im Hafen.

7CEB8891-C5EF-4EC9-8DEC-B7AA190F5B3E

Mit viel Wind und wenig Kette geankert und dank den vielen Fähren, viel Schwell. Schlechte Nachtruhe für den Skipper, ankerauf und weg nach Mellieha. Dank etwas Genua sind die 6 SM schnell gesegelt. Bei viel Wind von vorn werfen wir den Anker und 50 m Kette hinterher.

78D8B4B5-A91D-46C0-B0B3-91960ECEF5B7

Eira pendelt aus und wir liegen ruhig in der großen Bucht.

78346D2B-D7ED-44B6-89B9-333E62F88422

Wir schlafen 12 Stunden und am Dienstag Morgen sieht die Welt gleich viel schöner aus. Frank macht das Dinghi startklar und wir steuern mit dem Beiboot die Stadt Mellieha an. Das kleine Dörfchen befindet sich oben auf einem Bergrücken. Eine alte Kirche, sie soll aus dem 12. Jh stammen, ist die Älteste von Malta. Natürlich besichtigen wir sie gerne und sind erstaunt über das uralte Altarbild, das Maria mit dem Jesuskind zeigt. Der Legende nach, soll dieses Bild von Lukas selbst gemalt worden sein.

 

Die Sakristei beherbergt eine Menge an Weihgaben, gestiftet von Menschen, die ein Marienwunder aus tiefer Not gerettet hat. Oberhalb der Felsenkirche befindet sich die 1948 erbaute Pfarrkirche.

9A8951C5-0829-426E-8DA7-9C3A57AEE349

Über 24 Treppenstufen erreichen wir das World War II Raid Shelter Museum, das wir besichtigen. Wieder einmal sind wir zutiefst beschämt über das, was die Deutschen den europäischen Nachbarn antaten. Hier auf Malta versteckten sich die meisten Menschen während der zahlreichen Luftangriffe, auf Mellieha gab es zwischen 1941 und 1943 3300 Attacken, in ins Gestein gehauene Luftschutzbunker.

 

Wir gehen durch 500 m tiefe Höhlengänge, gerade einmal 2 m hoch und breit. 5000 Menschen suchten hier Schutz. Über die Zustände, die im Erdinneren geherrscht haben, mag man sich keine Gedanken machen, ein Wunder, dass die Menschen überlebten, wobei viele an Krankheiten wie Typhus starben und Flöhe, Läuse und Wanzen das Leben zur Qual machten.

2A08B5DB-9DDC-4901-8FAC-9C66C08D99AA

Zurück auf Eira sehen wir, dass Mojito in die Bucht einläuft. Wir verabreden uns zum Aperitif auf ihrer Privileg und verbringen einen schönen Abend.

Am nächsten Tag steht  Wasser machen  auf dem Programm. Frank ist damit mehr oder weniger den ganzen Tag beschäftigt, so lese ich und bereite ein paar Häppchen für einen weiteren Aperitif mit der Mojito Crew auf unserem Boot vor. Außerdem stelle ich ein Limonen Tiramisu her, das uns mittlerweile besser schmeckt, als das traditionelle Tiramisu.

Da Frank mit der Ausbeute des Wassermachens nicht zufrieden war, wird der Wassermacher am Donnerstag gereinigt. Ein langwieriges Verfahren, also habe ich Zeit zu schmökern. Nachmittags fahren wir mit dem Dinghi an den Strand und erkunden das Naturschutzgebiet.

 

Es erwartet uns eine landwirtschaftlich genutzte Fläche, die noch immer traditionell bewirtschaftet wird. Natursteinmauern umgeben die einzelnen Flächen, auf denen Kartoffeln und Zwiebel angebaut werden. Dazwischen wächst Wein. Die Ursprünglichkeit zeigt sich an großen Mohnblumenfeldern,

7F5C7710-A042-46C6-82BF-2303F3D68BA8

deren sattes rot ins Auge sticht. Auf dem Rückweg machen wir ein schönes Foto von unserer Eira in der Bucht.

6C32D9C4-F148-42B4-A10B-36F38BEACD55

Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen von Mellieha. Starkwind ist angekündigt, den wir nicht hier oben ungeschützt abwettern möchten. Da die Besichtigung von Valetta und Malta eh auf dem Programm steht, buchen wir uns in der Msida Creek Marina einen Platz. Von hier aus können wir nun die Insel erkunden. Busse fahren im 15 Minuten Takt, rund um uns befinden sich die Botschaften der Welt.

C34BF54D-A63E-473F-83F5-4D8AA7160976

Euch ein schönes Wochenende! Es grüßt die Crew aus Valetta.

90B31458-7B75-48A4-923A-8E8E09AE2564