Abschied nehmen tut weh

Ostern wollten wir längst auf Malta sein, doch der Sturm, der gerade draußen wütet, hat die Abfahrt verhindert, wie auch die Tatsache, dass unsere reparierte Genua erst am Donnerstag Abend zurück an Bord kam. Im Moment hängen wir auf Sizilien fest. In Deutschland ist das schönste Wetter von Welt und wir schaukeln seit Tagen im Hafen.

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Zeit, den letzten Winter Revue passieren zu lassen und Abschied zu nehmen. Abschied, von der Stadt Licata, die sich einem erst auf den zweiten Blick erschließt, nicht gerade eine Schönheit, doch mit einem gewissen Liebreiz und unglaublich netten Menschen.

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Fast jeder hier hat eine Beziehung zu Deutschland, ist dort geboren und oder aufgewachsen oder hat dort gearbeitet, so wundert es nicht, dass neben sizilianisch, deutsch die am zweithäufigsten gesprochene Sprache ist. Als ich gestern Morgen durch Licata spazierte kam häufig der Gruß; auguri, buona pasqua Eva. Das geht nicht spurlos an mir vorbei, es macht mich wehmütig, dieses liebliche Städtchen, dass mich nun 2 Winter aufgenommen hat, zu verlassen. Ich wollte einmal noch die älteste Kirche Licatas, Pompeji,  besuchen. Messe ist um 11 sonntags, ich bin zu spät und stelle mich hinten in die Kirche. Das letzte Lied ist verklungen und die Menschen wünschen sich mit auguri und buona pasqua, frohe Ostern, umarmen und küssen sich. Mich, die Fremde, schließen sie ein, so stehe ich in dieser kleinen Kirche, hoch oben über Licata und kann kaum die Tränen zurück halten, ob dieser Warmherzigkeit, selbst der Priester kommt zu mir und drückt mich.

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Ihr merkt, es fällt mir schwer dieses Völkchen los zu lassen. Wie auch, wenn du immer wieder hörst, aber ihr kommt doch nächsten Winter zurück, so als gehörten wir bereits zur Gemeinschaft. Sei es Marilia Peritone, die nicht nur samstags in die Marina zur Yoga Stunde kam, sondern uns auch öfter ihre Küche und ihr Haus zum Kochen und genießen sizilianischer Köstlichkeiten geöffnet hat, auch ihr Mann Angelo, der als Reporter hier arbeitet, Fahrdienste für unsere Küchenschlachten erledigte oder letzten Winter ein Interview mit uns Frauen aus dem Hafen machte, als reihenweise Hunde vergiftet wurden. Oft treffe ich ihn in der Stadt und sein ciao Eva, wird mir fehlen. Als ich an Karfreitag zur Prozession ging bat er mich erneut, nicht weg zu segeln, ohne dass er mir Lebewohl sagen kann.

 

Frater Agostino, der uns in die Geheimnisse der italienischen Sprache einführte und uns so viel von Licata und Sizilien erzählte.

Ruth, die Schweizerin, die seit 22 Jahren mit ihrem Mann Urli in den Bergen nahe Licata lebt und ebenfalls samstags zur Yogarunde kam. Ich vermisse jetzt schon ihre Zitronen, nur ein Liter selbst gemachter Limoncello, der aus ihren Zitronen entstand, geht mit auf die Reise.

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All die Boaters, die wir kennen und schätzen lernen durften, mit denen zahlreiche BBQ und Happy Hours verbracht und die Vielfalt unterschiedlicher Salate, Kuchen und anderer Köstlichkeiten geteilt wurden,

 

Birgit und Syd, mit denen wir viel erlebten, dank deren Kenntnissen in und über Licata, war vieles so einfach und leicht. Anne – Inger, Morten und ihr Hund Löwe, über zwei Winter unsere Lernfreunde bei Frater Agostino. Jil und Rein von unserem Steg, die unser Boot in Abwesenheit hüteten, Pascale und Gerrit, mit denen wir viel Zeit gemeinsam verbrachten. Während die beiden Männer sich über technische Probleme und Verbesserungen an Bord unterhielten, hat mir Pascale den Winter verkürzt mit vielen gemeinsamen Aktivitäten, mal ein Cappuccino in der Stadt, gemeinsames einkochen diverser Marmeladen und und und.

 

Die Beschäftigten der Marina, allen voran die hilfsbereiten Frauen vom Office: Maria, Mara und Emy und natürlich die allgegenwärtigen guten Hände der Marineros, die neue Segel mit dem Dinghi an den Steg lieferten, die neuen Batterien herankarrten und immer wieder die Stege überprüften.

All euch lieben Menschen da draußen rufe ich ein herzliches arrividerci zu, wissend, dass ich sicherlich irgendwann wieder  einmal hier vorbei schauen werde. Ihr seid nicht vergessen, zu viele gemeinsam verlebte Stunden, zu viele schöne Gespräche,  zu viele Wege, die wir gemeinsam gingen. Es stimmt, was Antoine de Saint – Exupery schrieb, man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

 

Mit diesen Worten wünsche ich Euch frohe Ostern, wo auch immer ihr gerade seid.

Fleißkärtchen

Dieser Tage habe ich mir ein Fleißkärtchen verdient.

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Die Winschen sahen von außen gut aus, drehten auch recht leicht,  im Inneren jedoch nicht mehr der Hit. Eine zeitlang bin ich noch darum herum geschlichen, aber dann habe ich mir ein Herz gefasst und die Dinger, sieben an der Zahl, zerlegt.

 

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Alle schön gebadet in Petroleum, penibel getrocknet und wieder geölt und gefettet. Tatsächlich nichts übrig nach Zusammenbau, nichts im Hafen versenkt, ein voller Erfolg. Knappe 3 Tage lang!

Vorgestern war der Propeller dran, unter Wasser natürlich. Erst mal das gute Stück finden in dieser Hafenbrühe, dann von einem Rest Fischernetz befreien und alle Mupfeln abkratzen. Bis das notwendige Geraffel wieder sauber, trocken und verstaut ist, neigt sich der Tag dem Ende zu.

Gestern dann Ventile an einem Nanni Diesel (auf DAKINI, ein Deutscher, der ehrenamtlich für Sea-Eye Flüchtlinge vor Lybien aufsammelt) eingestellt, absolutes Neuland für mich, aber Dank diverser Motorräder in der Vergangenheit kein echtes Problem. Das Prinzip ist immer das gleiche.

Mittlerweile ist auch die reparierte Genua zurück und tata….das Paddleboard eingetroffen (Vorstellung desselben auf Malta, Eva will das gute Stück nicht im Hafenwasser beschmutzen, tauchen darf ich aber). Jetzt gibt es noch ein Stürmchen über Ostern und wenn sich alles beruhigt hat können wir so langsam die Segelsaison einläuten, wird auch Zeit. Hier in Licata jagt zur Zeit eine Prozession die andere und das öffentliche Leben steht still. Mehr dazu sicher von Eva später.

Schöne bunte, dicke Eier wünscht Euch Frank

Reisen verändert? Natürlich

Reisen macht dankbar, für die Lebenszeit inmitten der Natur, Wind und Welle ausgesetzt, nicht immer schön und angenehm, doch das Losfahren oder Weitersegeln ist notwendig, um weiter zu kommen. In die nächste Bucht, den nächsten Hafen und letztendlich zu neuen Menschen und Orten.

 

Die Angst überwinden, aufmerksam sein, für alles, was um dich geschieht. So beobachte ich ständig den Wind und die Welle, gibt es Veränderungen? Muss der Kurs angepasst werden, was geschieht um uns herum. Die Zeit vergeht im Fluge, Langeweile, Monotonie, ein Fremdwort.

 

Dankbar sein, für den Bruder zu Hause, der mir das Fortgehen ermöglicht hat zu einer Zeit, als unsere Mutter krank wurde und er mich immer wieder darin bestärkt hat, genau das richtige zu tun. Dankbar für die Freunde überall, die uns nicht vergessen. Natürlich ist manchmal das Herz schwer, Freunde und Familie nicht um einen zu haben. Doch eins ist gewiss, wenn du dich nicht auf den Weg machst, wirst du vieles von dem, was wir die letzten 650 Tage erleben durften, nicht erleben. Muss man das haben? Nein, sicherlich nicht, nur, wenn du dich aufgemacht hast, gibt es so schnell kein zurück. Die Sehnsucht nach neuen Orten, Kulturen und anderen Menschen lässt mich immer wieder aufbrechen. Oft mit weinendem Auge, wegen all dem, was ich hinter mir lassen muss, aber auch mit der Gewissheit, dass anderswo Neues zu entdecken sein wird.

 

Dankbarkeit, gesund und munter zu sein. Dazu trägt bestimmt bei, dass wir meistens den ganzen Tag an der frischen Luft sind und uns jahreszeitbezogen ernähren. Alles frisch, weil nur eine kleine Kühlmöglichkeit zur Verfügung steht und nur haltbare Lebensmittel im größeren Umfang bevorratet werden können. Doch was heißt schon groß? Das Schiff hat nur begrenzten Stauraum und selbst dieser muss gut genutzt sein. Also lieber auf Kleidung verzichten und dafür Ersatzteile oder Nudeln mitnehmen. Aufgrund meiner früheren Trekkingreisen bin ich gewohnt, mit kleinem Gepäck unterwegs zu sein. Ein riesiger Kleiderschrank, 100 paar Schuhe, Taschen, all der Schnick Schnack, wird total überbewertet. Ich sage nur, Feng Shui gegen  das Gerümpel im Alltag und Ordnung ist das halbe Leben. Gewusst wie und wo verstaut ist das Wichtigste. ein schwieriger Punkt beim Zusammenleben auf engstem Raum. Jeden Tag eine neue Herausforderung für Frank und eine Geduldsprobe für mich. Listen helfen sich zu orientieren, Aufzeichnungen in den meisten Schapps geben Hilfestellung. Letztendlich ist es mir wichtiger, eine Yogamatte an Bord zu haben, als ein Zuviel an Kleidung. dann muss halt öfter gewaschen werden. Das Reisen mit kleinem Gepäck hat auch den Vorteil, dass schnell ein paar Sachen zusammen gesucht sind und ich mich nicht abmühen muss mit dem Gewicht. Reisen nur mit Handgepäck macht Spaß.

Dankbar sein, auch mal genießen zu können, das gute Wetter, ein Essen mit Freunden, ein Spaziergang oder Ausflug in die Umgebung. Was durfte ich neue Gerichte kennen lernen. Mein erstes Thanks Giving letztes Jahr am 22. November bei Syd und Birgit, zufälligerweise Franks 56. Geburtstag. Baccalao bei Anne – Inger und Morten und die unvergesslichen Kocherlebnisse bei Marilia. Neue Weine, Limoncello, nun von mir selbst zubereitet, wartet er im dunklen Schapp darauf, probiert zu werden. Pisatazien Pesto, hergestellt hier in Sizilien aus Pistazien von Bronte, ein Ort nahe am Ätna.

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Reisen macht demütig. Froh, für gutes Segelwetter, Wetter Apps und die Beobachtungsgabe helfen uns. Wir sehen leider auch viel Leid und Armut, was mich dann wieder dankbar macht für das freie und unabhängige Leben, das wir führen dürfen. Dies bedeutet auch, dass wir in unserem früheren Leben viel gearbeitet haben um vor dem Renteneintritt auf unsere Eira zu ziehen. Das Leben jenseits des Komforts eines Hauses ist schon manches mal mit Entbehrungen und Verzicht verbunden, in einer Art und Weise, mit der wir jetzt gut klar kommen. Solange wir gesund und beweglich bleiben, kein Problem. sollte sich das einmal ändern, muss die Lebensweise neu überdacht werden. Das Know How von Frank ist für unser Leben unabdingbar, zu mal ich die untechnischste Frau schlechthin bin. So ergänzen wir uns bestens und mein Nichtwissen wird von meinem Organisationstalent und meiner Beobachtungsgabe ausgeglichen.

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Reisen verändert das Aussehen. Das Leben auf einem Segelschiff erfordert, dass alles praktisch sein sollte. so stellte ich nach kurzer Zeit fest, dass im ganzen Boot meine Haare zu finden waren. Es hat einfach nur genervt. Also wurden die Haare bei einem Besuch zu Hause von der Friseurin meines Vertrauens abgeschnitten.

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Kleidung ist zweckmäßig und multifunktional und sollte einfach zu pflegen, sprich waschen sein. Für besondere Gelegenheiten ist das kleine Schwarze an Bord. Make up nur noch selten, meistens genügt Wimperntusche. Welch eine Veränderung zu früher.

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Nicht nur wir verändern uns. Auch Eira hat sich gewandelt. Neue Segel, ein Geräteträger für Solarpaneele, Sprayhood und Bimini. Nein, schön wird sie nie werden, es ist wie im wahren Leben, es kommt auf die inneren Werte an.

So hoffe ich, dass sie uns weiterhin sicher zum nächsten Ziel bringt, wo auch immer dies sein mag. Zu neuen Menschen, Ländern und Kulturen.

 

Verändert dich Reisen?

wir Frauen wurden aufgefordert dazu Stellung zu nehmen und ich schließe mich gerne an, zu diesem Thema etwas zu schreiben.

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Reisen hat mich schon immer fasziniert. Bevor wir auf Langfahrt gingen, war ich bereits eine Reisetante. Kein Ziel zu entlegen, keine Anstrengung zu groß. So habe ich Langstrecken gewandert, z.B. auf dem Jakobsweg oder zu Fuß durch Mustang, habe viele Länder bereist, bis ich 2005 zum Segeln gefunden habe.

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Wenn du dich aufmachst, musst du deine Komfortzone verlassen. Das habe ich auf einigen Törns erlebt, aber auch beim Zelttrekking im Himalaya.

Als wir uns dazu entschlossen haben, auf Langfahrt zu gehen, haben wir unser Haus verkauft. Seltsamerweise, hat mir das nichts ausgemacht. Der komplette Hausstand wurde aufgelöst, teilweise verkauft, verschenkt, auf´s Boot gebracht oder behalten und in die Wohnung gebracht, die uns mein Bruder in Eppelborn zur Verfügung stellt. Mein Anteil am Steuerbüro musste verkauft werden, auch dies gelang vorzüglich, da mein Bruder Markus 45% meiner Anteile übernommen hat. Dann war es soweit; Abschiedsparty, Lebewohl sagen, all den lieben Menschen, die uns ans Herz gewachsen waren, Familie, Freunde, Nachbarn, Mitarbeiter, Geschäftskollegen und und und. Tatsächlich dann im Auto zu sitzen und nach Südfrankreich zu fahren, war schon etwas unwirklich, aber all die Ereignisse konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht bewerten, zu sehr hatte sich mein Leben von einem Tag auf den anderen geändert. Plötzlich allein mit meinem Mann, in Frankreich, auf einem Boot ohne Büro, feste Strukturen war sehr ungewöhnlich. Doch die ersten Wochen in Port Napoleon waren ausgefüllt mit Arbeiten am Boot, der Mast musste gestellt werden, die Segel angeschlagen, die Schapps gefüllt werden, es war einfach keine Zeit darüber nachzudenken, wie sehr sich das Leben verändert hatte. Zum Duschen bin ich abends in die Duschräume gegangen, zum Wäsche waschen musste eine Möglichkeit gefunden werden und Hunger stellte sich bei all der körperlichen Arbeit auch ein. Also machte ich mit dem Zweiflammengasherd vertraut und lernte auch mit wenig Kochfläche etwas vernünftiges auf den Tisch zu bringen. Die ersten Wochen waren somit spannend und aufregend. Schließlich war das Boot nach 3 Wochen komplett und es ging los, die französische Küste entlang Richtung Spanien. In Port Gruisan haben wir nochmals Freunde aus der Heimat getroffen, wieder am Boot gearbeitet, endlich kam die Sprayhood und die Persenninge für unsere Segel und dann hieß es schon wieder Abschied nehmen.

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Abschied nehmen ist ein großes Thema für mich. Natürlich lernen wir auf unserer Reise, die nun schon über 650 Tage währt, viele Menschen kennen. Aus den unterschiedlichsten Ländern, an immer anderen Orten und aus den unterschiedlichsten Umständen. Einige trifft man eine Zeitlang wieder, weil sie die gleiche Route segeln, oder man trifft sich wieder, wenn man den Winter am gleichen Ort verbringt. All die unterschiedlichen Menschen bereichern mein Leben ungemein. Ich erhalte Einblicke in Kulturen, die mir bisher verschlossen waren, das Santa Luzia Fest haben wir 2018 mit 12 unterschiedlichen Nationen gefeiert.  Bereits 2017 habe ich  hier in Licata, wo unsere Eira bereits den 2. Winter liegt, eine Sizilianerin namens Marilia Peritone kennengelernt. Wir haben nun schon 4 mal gemeinsam gekocht und gebacken, einige Wanderungen gemacht und so wurde mir ein Einblick in die sizilianische Kochkultur eröffnet und durch sie habe ich natürlich auch ihre Familie und Bekannte kennengelernt. Die Tatsache, bei ihr zu Hause gemeinsam mit anderen zu Kochen, hat mich total fasziniert, oftmals sind die Rezepte sehr aufwendig und wir stehen stundenlang gemeinsam in der Küche. Wenn das Essen zubereitet ist, sitzen wir gemeinsam mit der ganzen Familie am Tisch und lassen es uns gut gehen. Marilia wohnt nicht eben um´s Eck, so muss jedes mal ein Fahrdienst organisiert werden, um zu ihr zu gelangen. Nun steht unsere Abreise aus Licata bevor und es heißt erneut Abschied nehmen, nicht nur von Marilia und ihrer Familie, sondern auch von Ruth und ihrem Mann Uerli, Schweizern, die in der Nähe von Licata leben, Birgit, Syd und all die anderen Boaters, allen voran auch Pascale und Gerrit von Mojito, mit denen wir den letzten Winter viel Zeit verbracht haben. Dieses Abschiednehmen tut weh, allein die Gewissheit, auf unserer Weiterfahrt neue Menschen kennen zu lernen, macht das Adieu sagen etwas leichter. Die Freude über das gemeinsam erlebte bleibt als schöne Erinnerung.

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Die zu Hause am meisten gestellte Frage lautet, wie hältst du es 24 Stunden täglich mit deinem Mann aus. Ich gestehe, es ist eine Herausforderung. Dadurch, dass jeder von uns die unterschiedlichsten Bereiche abdeckt, verbringen wir tatsächlich nicht immer 24 Stunden am Stück gemeinsam- In der Segelsaison schon. Nur, dann arbeiten wir Hand in Hand. So ist der Bootsalltag geprägt mit kochen, reparieren, ersetzen, lesen, planen, organisieren, putzen. Vieles von dem, was auch zu Hause anfallen würde, nur auf engerem Raum und manchmal unter nicht einfachen Umständen. Unser Zusammenleben ist geprägt von der Ruhe und Gelassenheit meines Mannes und meiner unerschöpflichen Energie, meinem Bewegungsdrang und meiner Freude über alles Neue. Frank, der ruhigere von uns Beiden, kann sich stundenlang mit der Technik an Bord beschäftigen, um nicht zu sagen, Tage. Er ist bemüht, Eira permanent zu verbessern, sei es Energie, Segel, Arbeitsabläufe. Ich weiß zudem, dass ich mich 100 % auf ihn verlassen kann und er nichts tut, um uns in Gefahr zu bringen. So haben Gewitterstürme auf See unbeschadet überstanden, weil er nicht kopflos reagiert hat, wo ich von Panik ergriffen war. Und wenn ich mich dann mal selbst nicht leiden kann, brauche ich Aktivität. Eine Stunde Yoga, auch unterwegs beim Segeln, eine Runde durch die Stadt, wenn wir im Hafen sind, oder einfach einen Kuchen backen oder kochen.

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Alles ist möglich, auf alles muss man sich einstellen. Reisen verändert den Blickwinkel. Du bist auf einmal ohne Job, aber nicht arbeitslos, weil an bord immer etwas zu machen ist. Da wir keine Waschmaschine an Bord haben, ist die wöchentliche Wäsche irgendwie zu organisieren, Alles braucht seine Zeit. Wo ich früher lediglich in  den Keller zu gehen brauchte, suche ich mir jetzt eine Wäscherei. Dazu muss das richtige Wetter kommen, da die Wäsche auf der Leine an Bord getrocknet wird. Kein Geschirrspüler an Bord, keine Putzfrau. Kein Auto, das heißt, ich bin entweder zu Fuß unterwegs, oder mit dem Fahrrad, Bus, manchmal auch mit einem  Leihwagen. Es heißt immer wieder, die Komfortzone zu verlassen.

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Natürlich gibt es auch vieles, was mein Leben reicher macht. Ich bin ganz nahe an der Natur, dadurch, dass ich zu Fuß, per Rad oder mit dem Segelboot unterwegs bin. Ich sehe die Umweltverschmutzung und bin traurig, dass das Umweltbewusstsein vieler Menschen, sehr zu wünschen übrig lässt. Ich sehe Müllstraßen im Meer. Ich sehe Müllberge hier in Sizilien und anderen Plätzen. Aber ich sehe natürlich auch wunderschöne Landschaften, teilweise unberührt, Vulkane, erloschen und aktiv. Delphine im Wasser, die mich immer wieder erfreuen und begeistern, wenn sie in Schulen sich um unser Boot tummeln und mit dem Schiff spielen.

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Eine andere Veränderung ist die Esskultur. Wir passen uns der jeweiligen Gegend an und bereichern unseren Speiseplan mit den vielen neuen Gemüsen, Obstsorten und all den unterschiedlichen neuen Lebensmitteln. Wir genießen, probieren, lassen uns verführen und staunen immer wieder über all das Neue, das sich uns erschließt. Wir mussten feststellen, dass Pizza nicht gleich Pizza ist, nein, hier wird die Kunst an der Pizza zelebriert. Wir gehen wandern und finden wilden Spargel und wilden Fenchel. Wir lernen Cedri kennen, eine hier wachsende Zitronenart, die komplett verspeist werden kann, mit Schale, weißem Fruchtfleisch und Innenleben. Wir genießen den sizilianischen Wein, den frisch gefangenen Fisch, wenn wir leider zu selten erfolgreich sind  beim Fischen. Wir genießen das sonntägliche BBQ in der Marina di Cala del Sole. Da ich endlich über genügend Zeit verfüge, koche ich Marmelade ein, bereite mindestens einmal die Woche einen Kuchen zu, wenn kein Bäcker zur Verfügung steht, backe ich mein Brot selbst und koche und koche und koche.

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So vergehen die Tage im Nu und ich frage mich oft, wo die Zeit bleibt. Mehr als 650 Tage unterwegs, kaum zu glauben. All die Veränderungen, die wir erfahren haben. Dank der Mühe von ‚Frank, haben nicht nur wir uns verändert, sondern auch das Aussehen unserer Eira. Dieses Jahr werden wir dank neuer Segel wohl ein neues Segelerlebnis erfahren. Mit neuen Lithium Batterien und der Solaranlage von letztem Jahr, sind wir nun Landstrom oder Generator unabhängig, was eine riesige Erleichterung ist. Unser Großsegel hat nun einen Layzbag, mal sehen, ob das Segelbergen nun schneller von statten geht.

Habe ich manchmal Angst? Es wäre gelogen, dies zu verneinen. Natürlich habe ich Angst. Vor der ersten Übernachtfahrt alleine mit Frank, und wie stolz war ich, als wir auf den Balearen ankamen und der erste Sonnenaufgang mitten auf dem weiten Meer erlebt war. Beim ersten Gewitter vor Anker. Hält der Anker oder driften wir wie einige andere Boote. Vor hohen Wellen und Stürmen, vor Containerschiffen in der Nacht. Vor neuen Herausforderungen und neuen Ländern. Ja, einiges macht Angst, doch nach der Angst, kommt die Freude und der Stolz, gemeinsam mit Frank die Situation durchlebt zu haben.

Viele Veränderungen um uns und in uns. Wir nehmen Euch mit auf unserer weiteren Reise, wo auch immer diese uns hinführen wird. D77E0D26-9057-4A8D-A4C4-EFA981479F16

Update Energieversorgung

Nach nun 1 Woche Erfahrung kann ich nur sagen:

non, je ne regrette rien.

Der blanke Einbau und die Verbindung an unsere Gleichstromverteilung ist natürlich nur ein Teil des Umbaus. Die guten Stücke mussten gegen Verschieben gesichert werden und sollten uns auch nicht auf den Kopf fallen, wenn wir mal zufällig mit EIRA kopfstehen, also mit Spanngurten sichern. Zuzsätzlich habe ich die Motorraumbelüftung geteilt in 1 x Solarladeregler und 1 x Lichtmaschinen.

Der Solarladeregler ist ja schon des öfteren ausgestiegen, weil es ihm im Hochsommer unter Maschine zu warm ums Herz wurde. Hat jetzt ein Hitzeschutzschild und extra Zuluft.

Die Limas könnten theoretisch unter ähnlichen Umständen ebenfalls glühen, da die Batterien erst mal alles aufsaugen, was geliefert wird, d.h. die Limas könnten längere Zeit Volllast laufen. Jetzt also auch mit extra Frischluft, dem Motor ist es schließlich egal welchen Umweg die Zuluft macht.

Die Fehlfunktion eines Trennrelais war auf eine abgerauchte Feinsicherung zurückzuführen (50 mV, Stromversorgung für Balancer und Temperaturüberwachung), habe ich wohl beim Zusammenbau einen kleinen Kurzschluß verursacht. Mittlerweile sind Batteriemonitor, Solarregler und Landstromregler angepasst und der Zugewinn an Komfort ist enorm. Ob der kleine Elektroheizer, die Warmwasserbereitung oder der Mixer läuft, 90 A aus der Batteriebank ist überhaupt kein Akt, da mutiert der Wassermacher im Sommer mit seinen 45 A Bezug zum Kleinverbraucher.

Unsere bevorstehende Abfahrt haben wir für Ostern angesetzt, +/- den einen oder anderen Tag, wetterabhängig. Nächste Woche muss ich mal in die Hafenbrühe tauchen und wenigstens den Propeller freischneiden, den Rest schrubbe ich dann lieber auf Malta. Paddleboard und Genua fehlen noch, sind aber unterwegs. Bunkern, Gasflaschen füllen und jede Menge Kleinkram harrt auf das Streichen von der Liste, klassische Routine auf einem Schiff.

Das Beste aber: Kein morgendlich banger Blick auf den Voltmeter, nur ein zufriedenes Grinsen.

Ciao vom LI

 

Scotty, Energie!

Und dieses mal aber richtig!

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Da ist schon mal der Batterie Monitor, ohne Bilanzierung was in die neuen Zellen rein- und rausgeht wird  das nix. Ich habe mich für 3 x Winston LifeYPo4 mit jeweils 160 Ah entschieden. Zur Zeit haben wir noch die 4 offenen Bleisäure-Starterbatterien zu je 110 Ah im Einsatz, funktioniert, wird aber unseren Ansprüchen auf Dauer nicht genügen.

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Das ist der zugehörige shunt (Messwiderstand), und kommt in die Minusleitung der Verbraucherbatterien. Dazu muss natürlich die Verkabelung geändert werden (35er Anschlussleitungen zur Sammelschiene), aber das ist das geringste Problem, wollte ich doch immer schon die Batterieklemmen durch Klemmen mit gepressten Ringkabelschuhen ersetzen.

Die nackten Zellen.

Der Bausatz, war preiswerter.

Das Ergebnis eines Tages basteln.

Mittlerweile zusammengebaut und es kann losgehen.

Wie immer, das Schiff wird teilzerlegt und man kann sich kaum noch bewegen. Der Umbau nimmt den ganzen Tag in Anspruch, Eva wird schon nervös und bangt um die Zubereitung ihrer ersten Paella auf EIRA, aber 1 Stunde vor Eintreffen von Pascale ist alles betriebsbereit und wieder aufgeräumt.

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Die Belohnung.

Gehen gerade so rein und das hat mir den ein oder anderen Schweißtropfen auf der Stirn beschert. Aber alles gut, es passt.

Nun ist  die erste Nacht vorbei und was soll ich sagen, wie geil ist das denn!

Nicht einmal 10% der verfügbaren Kapazität entnommen, cool. Die dicken Verbraucher wie Mixer (950 W) und ähnliches Spielzeug laufen einfach über den Inverter und die Batterien stellen mal eben 80 Ampere zur Verfügung, Hammer. Selbst bei dieser Entnahme bleibt die Spannung der Verbraucherbank über 13 Volt. Ich bin total begeistert.

Jetzt kann ich endlich das Landstromkabel einpacken und muss nicht mehr die vollgelaufenen Stecker nach einem heftigen Regen trockenlegen.

Ciao mi amici, Frank der Stromer