Der Kanal von Korinth und Hochmut kommt vor dem(r) Fall(böe)

Von wegen zack, bumm, fertig. Aber der Reihe nach:
Unser Plan war von Epidaurus zum östlichen Ende vom Kanal zu segeln, nördlich davon zu ankern und morgens gemütlich durchzuschuffeln. Dieser Plan hielt bis ungefähr zur Hälfte der Strecke, dann blieb erst mal der Wind weg (Motor an, Wasser produzieren) und kam ca. 5 sm vor der Kanaleinfahrt volles Rohr zurück, leider jedoch fast auf die 12. Und wir reden da von 6-7 bft, da war Ankern keine Option mehr und wir haben den Transit vorgezogen. Kurz vor Abfahrt, längsseits liegend am Wartekai prescht dann auch noch so eine kackbraune Kackbratze an uns vorbei, die uns schon zweimal ihr komplettes motorisiertes Spielzeug vor Anker liegend vorgeführt hatte, und beschert uns gefühlt einen kleinen Tsunami. Rohr eins war schon wieder bewässert, aber ein Fehlschuss hätte unsere Kanalfahrt abrupt beendet. Es ist und bleibt ein arroganter Menschenschlag diese Motorbootfahrer! Vorurteile hin oder her, das sind stinkreiche Idioten, denen ihr Umfeld egal ist, es sei denn, sie können zeigen was sie haben.
Nun denn, also hinterher und die freundliche Dame von der Kanalverwaltung gab mir so Mitte der Strecke die Anweisung full speed und ich deutscher Dämlack hielt mich nur an die Geschwindigkeitsbeschränkung von 6 kts.

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Ausgang des Kanals sah ich dann nur noch fliegendes Wasser, was für ein Scheiß! Da war die Ostseite noch echt moderat dagegen. Der nächsterreichbare Hafen war mir wegen der vorherrschenden Windrichtung unangenehm und außerdem hatte ich Schiss in der Bux bei diesen Bedingungen unsere 18 t ohne erhebliche Zerstörung unseres Umfeldes in einem Hafen anzulegen. Hebel aufs Pult und motoren mit Unterstützung eines badehandtuchgroßen Segels, was besseres fiel mir da gerade nicht ein. Kurz vor Sonnenuntergang laufen wir frohen Mutes eine Bucht auf der Nordseite des Golfes von Patras an und wollen ankern. Natürlich liegt genau an der günstigsten Stelle wieder so ein Motorboot und wir leiern das Eisen zwischen 15-20 m Tiefe runter. Die Fallböen legen EIRA, ohne jeden Lappen natürlich, auf die Seite, zerren unseren Anker ins tiefe Wasser und da hängen plötzlich 40 m kurzstag. Super, also wieder rauf mit dem Ding, ein zweiter Versuch verlief ähnlich schlecht und aus der Traum mit zack, bumm, fertig.
Entnervt verziehen wir uns in die dunkle Nacht und motorsegeln nach Itea. Nie fertiggestellte Marina, große Bucht und moderate Wassertiefen versprechen mehr Erfolg beim ZBF. Gegen 3 Uhr endlich inmitten Unmengen von Lichtern, ohne Molenfeuer (Leuchtfeuer werden ganz allgemein völlig überbewertet) endlich die Einfahrt zur klassisch griechischen Bauruine. Eva funzelt am Bug rum, da sieht sie eine Lücke zwischen all den Längsliegern und ich denk nur noch au weia, wir kurz ist das denn. Vielleicht 1,5 m vor und hinter uns, auflandiger Wind immer noch sehr böig, also nur ein Versuch oder Bruch und Dallas. Mit viel Schwung hau ich das Ding an die Pier, mit Volldampf rückwärts aufgestoppt, zack, bumm, fertig und denke heute demütig daran, dass Glück im Leben auch dazugehört. Nun lauschen wir einer Liveband mit griechischen Volksweisen zu und sind gerichtet für eine Busfahrt morgen zum Orakel von Delphi, hab‘ da noch ein paar Fragen auf dem Schirm. Bilder zum Kanal und dem Orakel natürlich demnächst von Eva, bin ja nur der LI.

Kalinichta von Frank

Unterwasser

EIRA von unten

Heute vormittag haben wir mit Denise, Charles und einer Cousine nebst Sohnemann einen Ausflug in die angrenzende Bucht unternommen. Dort liegt auf bequemer Schnorcheltiefe das versunkene Epidauros (früher Klimawandel oder so).

Neben dem großen Theater, dem kleinen Theater nun der Rest dieser Gegend. Bei der Gelegenheit kam dann die seit ewigen Zeiten mitgeschleppte GoPro zum Einsatz. Vorgestern hatte ich schon ein Video vom Segeln gedreht, aber das muss ich bei Gelegenheit erst noch auf youtube hochladen, ansonsten wird die Ladezeit unserer Seite doch etwas heftig.

 

Brunnen oder sowas

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Keine Ahnung oder sowas

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Morgen geht es nun endgültig in Richtung Kanal von Korinth (3 sm lang und 24 m breit) und über den Golf von Patras wieder zurück in das ionische Meer.

Lange nichts vom Gebrauch der Werkzeuge an der Technikfront gehört? Nun, erstaunlicherweise funzt alles soweit (gute Pflege Herr Doktor!), bis auf Popelkram kein echter Systemausfall mehr. Die noch abzuschließenden Baustellen habe ich einfach in die kühlere Jahreszeit verlegt. Zur Zeit gerät jedwede Aktion zur schweißtreibenden Angelegenheit, da vergeht dem LI sofort die Lust am Basteln.

Zack, Bumm, Fertig

hatte ich mal gesagt, als ich diversen Chartercrews beim Ankern zusah. Das hatte Frank so kommentiert: das ist nicht deren eigenes Schiff, die geben sich halt nicht so viel Mühe. Als wir dann am Donnerstag Nachmittag in Poros ankerten und der Anker auf Anhieb saß, kam natürlich sofort der Spruch: Zack, Bumm, Fertig!

Seitdem kommt andauernd der Spruch und ja, nach all den Ankermanövern klappt es mittlerweile echt gut, zumal wir die Vorgehensweise vorher besprechen, ich fahre und Frank mit der Handfunke am Anker steht und Kommandos gibt. Bei solch heiklen Angelegenheiten höre ich natürlich auf’s Wort!

Die Tage mit viel Wind und Schaumkronen in der Bucht haben wir in der Umgebung von Poros verbracht. Diese Insel ist von Festland umgeben und daher bei allen Winden immer irgendwo sicher. So verlegten wir uns am Freitag in die Ormos Vidi mit schönem Badewasser und der Möglichkeit, dort auch die Osmose anzuwerfen.

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Am Samstag kam ich auf die Idee, trotz des heftigen Windes zurück nach Poros zu Segeln, um uns dort zu verpflegen. Das Hinsegeln war auch kein Problem, das Dingi ins Wasser zu lassen war mit all den Böen schon etwas schwieriger, erst recht den Motor vom Heck zum Dingi abzulassen. Ok, auch diese Problemstellung hat der Skipper gemeistert. Die Fahrt mit dem Beiboot zum Supermarkt war dann sehr feucht, die Crew war patschnass! Dann das ganze nochmals zurück. Abends, wieder in Vidi gab es dafür Spagetti Bolognese, sehr lecker!

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Am Sonntag habe ich uns einen Mandelkuchen gebacken, da es Dank des Windes, angenehm war, so dass ich es wagen konnte, den Herd 45 Minuten in Gebrauch zu halten. Der Kuchen hat uns bereits am 399 Tag unserer Fahrt lecker geschmeckt und dient uns die nächsten Tage zur Verpflegung.

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Gestern, am 400. Tag, haben wir Poros verlassen. Es soll nun Richtung Kanal von Korinth gehen. Da unsere Wunschbucht bereits um 12 Uhr dicht besetzt war, sind wir weiter nach Epidauros gesegelt, wobei uns nach 24 SM der Wind ausging und wir die restlichen 9 SM Motor sind. Nachdem wir wieder Zack, Bumm, Fertig geankert hatten gab es für die Crew eine kleine Feier mit Champagner

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und grünem Thaicurry an roten Kokoslinsen mit Auberginen und Bulgur. Der Skipper war zufrieden und hat den Abwasch übernommen.

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Nun warten neue Erlebnisse auf uns, wir sind gespannt, wie die FAHRT durch den Kanal von Korinth wird.

Kalimera von der Crew!

Blutmond und Kykladen

Den Blutmond haben wir in der Bucht vor Poros mit unseren irischen Freunden Denise und Charles erlebt.  Die Beiden hatten wir per Zufall hier nochmals getroffen, nachdem wir auf Aigin in der Bucht von Klima

am Abend zuvor ein Gewitter erlebt hatten und im Boot nebenan unseren Nachbarn von Licata Bonni Ellen erkannten. Ok, etwas abgeschweift, zwei Abende verbrachten wir mit den Iren, immer wieder schön, dass wir soviele gemeinsame Gespräche haben.

Da wir nun schon recht lange um Poros, Aigina und Epidauros rumgedümpelt waren, nahmen wir letzten Sonntag ein neues Ziel in Angriff: zuerst wollten wir an die Südspitze von Attika.  Kurz bevor wir das Ziel erreichten zogen  mega schwarze Wolken auf, zuerst sah es noch aus, als würde das Gewitter an uns vorbeiziehen, doch dann wurde es noch schwärzer, Blitz und Donner um uns herum und dann zeigte uns der Himmel, dass er auch anders als azurblau kann.

Keine CHANCE das Festland zu erreichen, ablaufen mit dem Sturm. Frank stand im strömenden Regen draußen, während ich versuchte, die Lücken irgendwie dicht zu kriegen. Bis auf die Badluke war alles geschlossen und im Bad selbst war es echt nass. Wir hatten unsere Navigationslichter an, was man von uns entgegenkommenden Motorbootfahrern nicht behaupten kann. Plötzlich war einer direkt neben uns, dank der blitzschnellen Reaktion von Frank ist nichts passiert. Diese Aktion hat unsere Stimmung den Mobofahrern gegenüber nicht gerade verbessert. Am Abend erreichten wir unsere erste Kykladeninsel Kea. Leider stand die ganze Nacht Schwell in die Bucht, das Geschaukel war entsprechend heftig. So sind wir am nächsten Morgen Ankerauf gegangen und direkt zur nächsten Insel weitergesegelt. Frank hatte sich bereits schlau gemacht , wo es hingehen sollte und dann hatten wir auch noch den Tipp von Joe the Sailor, so liefen wir auf Kythnos die Sandy Beach an. Eine traumhafte Bucht mit karibischem Flair, machte die Mühen des Tags zuvor und der verschaukelten Nacht wett.

 

So beschlossen wir, hier ein paar Tage zu bleiben. Das Restaurant von Maria hat uns gleich zwei mal gesehen, den gegrillten Oktopus kann ich wärmstens empfehlen.

Ansonsten kann man sich in dieser Bucht nicht versorgen und da wir einen neuen, nicht willkommenen Mitbewohner in Form einer Kakerlake hatten, nahmen wir das Taxiboot nach Merichas, dem nächsten Hafen. Die Überfahrt ging zügig vonstatten, wir besorgten ein Insektenspray und ein Brot wurde auch gefunden. Eine Stunde später waren wir schon wieder an Bord.

Die Bucht erkundeten wir mit Spaziergängen, schwammen im glasklaren Wasser und bekamen am Mittwoch Abend dann auch noch Besuch: Joe the Sailor war in der Nachbarbucht  und kam auf ein Glas Wein vorbei. Zuvor hatten wir schon ein Treffen in Athen angepeilt, was durch die fixe Reparatur unseres Segels vereitelt wurde.

Am nächsten Morgen ging es früh für uns los, denn der Meltemi hat sich angekündigt und bei bis zu 8 Windstärken wollten wir nicht hier bleiben. So gingen wir schon um 7 Uhr Anker auf und segelten mal ohne, mal mit Reff 1 vom feinsten. Delphine verschönerten uns den Tag, es immer wieder berauschend die lieblichen Schwimmer um uns herum zu haben. Frank hat 2 tolle Videos gedreht. Am Nachmittag liefen wir in die Bucht von Poros ein, 49 SM später. Zum Verpflegen ist Poros einfach genial und nach einem leckeren Essen ging es gestern Anker auf Richtung Epidauros, was wir aber nicht erreicht haben. Dort wollten wir uns im kleinen Theater eine Aufführung ansehen. Schon im Kanal Poros raus stand ein Fünfer Wind gegen uns an. Gleich beschlossen wir, das Gegen an Knüppeln sein zu lassen, wendeten und fuhren in die Ormos Nidi. Schöne Landschaft um uns, nicht die Masse an Booten wie in Poros, sauberes Wasser zum Schwimmen und Neuplanen.  Heute sind wir nochmals in die Bucht von Poros  zum Proviantieren, doch die nächsten Tage werde wir diese Gegend verlassen.

Hilfe!!!

Dieser Artikel behandelt von allem etwas!

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Angefangen bei den Waldbränden! Wir sind erschüttert! Was hier bei Athen seit Montag passiert, ist tragisch und unser ganzes Mitgefühl gilt den Angehörigen der zahlreichen Toten, mittlerweile vermutet man über 100, den Verletzten und denjenigen, die alles Hab und Gut verloren haben. Am Montag, als ich den letzten Beitrag schrieb, dachten wir, es brennt hinter uns auf dem Peloponnes. Weit gefehlt. Die Löschflugzeuge fliegen nach Athen, der Brandgeruch kam von Athen. Am Dienstag Morgen lasen wir die ersten Berichte! 24 Tote vermutete man. Heiße Tränen liefen mir über die Wangen, weil wir schon den Brand bei Pylos erlebt hatten, da gab es, Gott sei Dank, nur Sachschaden. Das hier und jetzt hat ein anderes Ausmaß. Gleich 2 Brände, der eine im Westen von Athen, der alle Zufahrt nach Athen behinderte. Autobahn dicht, Zugverkehr eingestellt und der weitere nordöstlich von Athen gegen der Insel Euböa. Dort wollten wir ursprünglich hin! Um die Sommerzeit: heiß, mit all den Urlaubern und Seglern aus Deutschland, Frankreich, Italien und natürlich den Griechen, zu überbrücken. Der Trekkerdefekt hatte uns nach Athen vertrieben und die Menschen- und Segelmassen uns abgeschreckt. So waren wir am Tag des Brandes in Epidauros. Am Dienstag Morgen regnete es Asche. Das Boot war von einer Ascheschicht bedeckt. Anker auf und weg. Der Wind sollte gut sein und uns Richtung Südküste Attika bei Athens Süden wehen. Weit gefehlt. Der Himmel war dunkel und das Geschehen in Athen hielt uns vom Kurs ab. Rumdümpeln war wieder angesagt. Die einzelnen Inseln rund um uns erkundet, keine geeignete Ankerbucht gefunden. Um so mehr Müll.

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Auf der Nachbarinsel von Aigina eine Mülldeponie entdeckt, wo Müll ins Meer gespült wird. Unfassbar. Diese kleine beschauliche Insel mit diversen Tauchspots kippt den Müll den Abhang hinunter. Kühlschränke, Matratzen und wer weiß was alles. Wir sind erschüttert. Nur weg hier. Die kleine und unbewohnte Insel Metopi oberhalb zieht uns an. Wir Ankern, Schwimmen und beim Anker abtauchen stellt Frank fest, dass derselbe auf einem der zahlreichen Steine liegt. Klar ist, wir müssen hier weg. Es blitzt, ok, wir müssen sofort weg, Anker auf und Genua raus und Richtung Perdika, das bei den vorherrschenden Winden die kürzeste und sicherste Ankerecke ist. Es regnet, die Brandwolke von Athen hängt über uns, weg hier. Perdika kennen wir, mögen wir. Das Wetter wird besser, wir schwimmen und entdecken mehrere Anker im Hafen. Frank schnappt sich schnorchelnd einen und wir liegen nun auch im Gewitter sicher. Heute morgen erkunden wir die Bucht und stoßen auf alte Stellungen der letzten Kriege hier. Jede Insel heiß umkämpft.

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Dann passiert mir ein Missgeschick! Beim Duschen verdrehe ich mich! Schmerz!!! Irgendwie schleppe ich mich ins Dinghy und an Land. Kann kaum Gehen. Die Freßmeile mit all den Tavernen nah. Bleibe irgendwo Stehen! Es geht nicht mehr! Der Tavernenbesitzer  bringt mir ein Wasser. Fragt, ob ich Eis bräuchte. Oh nein, ein Wärmepflasrer wäre jetzt gut. Frank zurück zum Boot und holt eins. Wie gut, dass unsere Bordapotheke so gut bestückt ist. Die Griechen sind echt Klasse. Wenn einem soviel Gutes widerfährt, dann ist das einen Blogbeitrag wert. Danke Ihr großartigen Griechen! Ich mag euch und wünsche euch, dass die Brandursachen bald erforscht sind und unser Mitgefühl ist euch sicher! Kraft euch allen, um diese tragischen Tage zu überstehen!

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Tolle Gegend und stoisch freundliche Menschen trotz aller Pseudo- und Möchtegernsegler. Klingt hart, muss man aber echt mal erleben. Den Mast nebst Segeln könnte man sich sparen, wird selten benötigt. Im Hafen liegen mindestens 4 verlorengegangene Anker, leider keiner besser als unsere und immerhin Schleife ich noch einen erbeuteten Edelstahl-Lewmar-Anker aus Mallorca mit uns rum. Einen fetten Flummi (dicker Fender) haben wir vor Athen geangelt, selbst dafür sind zu „ungeeignet“. So langsam wird aber der Platz an der Reling knapp, da hängen ja immer noch 2 Autoreifen rum und auf die will ich auf keinen Fall verzichten, die sind zum Eindampfen und bei auflandigem Wind längseits an der Pier liegend der absolute Burner, quasi unersetzbar.

Kalinichta

Rumdümpeln zwischen den Inseln

Manchmal fällt dir ein zentner schwerer Stein vom Herzen, wenn etwas funktioniert. Trekker gerissen, Herz in die Hose gerutscht, Motor ausgefallen. Angst! Erster größerer Schaden an Bord. Aber, und das ist ganz wichtig: die Segelkommunity hält zusammen! Man mag von Facebook halten, was man will, aber Schadensmeldungen werden gleich kommentiert und mit Personen verbunden, die Insiderwissen haben. Susanne Kühl hat mir den Kontakt zu CHRISTIAN Engl hergestellt und ich habe gleich meine Freundin Claudia Blume angefragt, die Jahre lang hier in dieser Gegend gesegelt ist. Gleich war klar, in Poros bekommen wir die Kuh, sprich das Segel,  nicht vom Eis. So legen wir Kurs Athen an und wollen zu Julian. Der wurde mir von Christian empfohlen und der Yachtservice, dank Claudia, von Poros,  hat uns einen Kontakt zur Marina in Alimos in Athen hergestellt. In der High Season, die gerade herrscht, sind alle Marinas dicht und wir haben Glück, dort für einen Tag einen Liegeplatz zu bekommen. Segel abschlagen, einkaufen, Hafen bezahlen, der mit 44,80 € echt preiswert ist und raus aus dem Hafen, den wir nur ungern verlassen, aber es ist Crewwechsel und wir sehen mehr als 100 Segelboote, wenn das reicht, in den Hafen einlaufen. Für uns ist definitiv kein Platz und die Marinas rund um überfüllt oder extrem teuer, oder wollen uns einen Liegeplatz für 1/2 Jahr verkaufen.

Die Nacht war grenzwertig schwellig, aber wir wußten, das Segel ist am nächsten Tag fertig. So stehen wir die Nacht durch und entscheiden, dass wir weder die Akropoli noch sonst etwas von Athen sehen wollen. Nur weg hier. Rein in den Hafen, Segel entgegen nehmen und weg.  Schon wieder durch das Verkehrstrennungsgebiet vom Hafen Piräus. Das bedeutet, riesige Pötte um uns herum, teilweise 400m lang, Bremsweg 5 km. Wenn Dir solch eine Stadt entgegenkommt, auch 60m breit, dann siehst du nur noch schwarz, Abgase. Wenn Dir von 2 Seiten diese Schiffe entgegenkommen, dann siehst du genau auf dein AIS um zu wissen, gibt es eine Berührung.

Wir ändern nur einmal den Kurs, als uns die Marine mit Kriegsgerät entgegenkommt, dann muß der 90• Winkel stimmen. In Lee von Aigina ziehen wir die Latten in den Trekker, dann denselben hoch

und Segeln bis kurz vor die Hafeneinfahrt von Perdika.

Anker werfen, Beiboot ins Wasser, schwimmen und gut essen. Gleich am nächsten Morgen nutzen wir den Wind und gehen nach Epidauros. Ja und dann beginnt nach anfänglich super Wind das rumdümpeln. Teilweise fallen wir unter 2 kn, aber wir halten durch. Erst als ich sehe, dass der Run auf die Plätze im Hafen begonnen hat und wir nur noch 1,5 kn laufen, werfe ich den Motor an. Wir ankern traumhaft und schwimmen den ganzen Nachmittag. Nicht dass das Wasser erfrischend wäre! Wir haben im Boot weit über 40 ° und da sind 30 ° Wasser Temperatur echt willkommen.

Heute haben wir die Hafengegend erkundet und das kleine Theater mit nur 14 Sitzreihen besichtigt.

Der Spaziergang durch die Orangenhaine war ein Dufterlebnis. Stellt euch vor, grüne Zitronen, fast reife Orangen, Granatapfel und Feigen! So riecht Griechenland und dann das Zirpen der Zikaden, das entschädigt für die Hitze des vormittags.

Wer weiß schon, wo wir morgen sind, der heutige Tag war entspannend und schön.

Kalinichta und bleibt uns treu.

Der Trekker trekkt wieder

Einen Tag Reperatur, ganz großes Lob an Julian, perfekt gearbeitet und gleich auch die gewünschte Verbesserung einfließen lassen. Statt das alte Reffauge mit Gewalt in den Haken reinzuprügeln können wir jetzt einen Ring einhaken. Ohne Bilder echt zu technisch jetzt, aber es funktioniert und auf dem Weg nach Aigina haben wir das Segel nebst Latten eingezogen. Perfekt, dieser blöde Baum auf dem Vorschiff hin oder her, das kleine Vorsegel ist segeltechnisch der burner. Trimmbar, überschaubar und selbstwendend. Mit gemütlichen 6 kn sind wir dann nach Aigina gesegnet dem Chartertrubel entgegen.
Wir liegen zwar etwas abseits, aber so recht kann man dem nicht entgehen. Zum Teil wirklich unglaublich dilettantisch und oft auch begleitet von zu viel Alkohol und ich bin bestimmt kein Waiseknabe in der Beziehung. Aber offenes Meer bleibt offenes Meer und das kann Ratzfatz ganz schön böse werden.
Bin jetzt auch kein Moralapostel aber heute Morgen hätte ich im Hafen um ein Haar einen arroganten Motorbootfahrer versenkt. Kommt mir entgegen und will an der falschen Seite passieren, hupt dann auch noch! Der Zeitpunkt Rohr ein zu bewässern und einen Aal vorbeizuschicken. War kurz davor einfach laufen zu lassen und dem Bub ein Loch in den Rumpf zu rammen. Es gibt hier leider unglaublich viele reiche Griechen und diejenigen, die mit sehr viel Engagement und Freundlichkeit versuchen über die Runden zu kommen, bleiben auf der Strecke.
Genug gejammert, ist immer noch schweineheiß hier, selbst das Meer kocht schon langsam, alles im Lot.
Kalinichta von Frank

Der Müll und das Meer

Gestern, an einem schönen Segeltag, reisst uns das Reffauge am Vorliek des Trekker (kleines Vorsegel) aus. Unschön, da wir das Segel an der Kreuz (selbstwendend) und bei mehr Wind gerne nutzen. Also ab nach Poros zu einer Charterbasis, die uns nach Athen verweisen. Ähnlich wie in Frankreich (Paris), Italien (Rom) führen in Griechenland offensichtlich alle Wege nach Athen. Also auf in die alte Hauptstadt. So während meiner üblichen Spielereien im Motorraum, Seewasserfilter reinigen, Kühlwasser checken, Trinkwasser bereiten, wird mir ganz warm ums Herz. Eine Kontrolle des Auspuffschlauches (Gummi) zum Schalldämpfer (Kunststoff!) per Handauflegen lässt mich ins Cocksprit sprinten und siehe da, die alte Möhre möhrt schon um die 100°C rum. Am Heck plätschert auch kein Wasser mehr aus dem Auspuff, da naht der Hitztod. Hätte ich mich auch gleich daneben legen können, war selbst schon leicht überhitzt. Erst mal Lage peilen, von der recht nahen Insel weg kreuzen mit Groß und Genua (pro Wende jedes mal 80 qm einrollen und wieder ausrollen) und Hirn einschalten (brauch ich normalerweise nicht, habe ja Eva). Mit Wasserschlauch den Kühlwassereinlauf spülen (eingeschweißtes Rohr mit Kugelhahn on Top, nach dem Abgang für die Kühlwasserpumpe), Tauchgang zur Kontrolle unter das Boot und mit dem alten Wurstfinger rumprokeln. Ein erneuter Probelauf der Maschine offenbart wieder plätschern ausm Auspuff und moderate 80 °C Öltemperatur. Den bereits vorbereiteten Austausch des Impellers habe ich angesichts der im Motorraum herrschenden Temperaturen erstmal verschoben. Erleichterung in unseren Mienen, 2 Stunden Arbeit mal eben zwischendurch, Muckibude gespart durch mehrere Wenden, Win-win an allen Fronten. Vor einem Jahr undenkbar, dass ich, es Evele, eine Wende mit Genua ganz alleine hinbekomme! Jetzt Standard, wie so vieles mehr. Wir wachsen mit den Hersusforderungen! Nun liegen wir in Athen und harren der Dinge morgen.
Ursache in dem Fall war wohl der im Angesicht der Hauptstadt vermehrt herumtreibende Plastikmüll im Wasser. Nothing else, aber mit großer Wirkung, kann leicht mal den Motor kosten, oder den LI, dem gefühlte 100 Alternativen durch den Schädel brausen wie er diese blöde Kuh wieder vom Eis holt, wobei von Eis hier weit und breit keine Rede sein kann. Nur die Dusche im Hafen war eiskalt und das haben wir heute genossen. Wobei, das was wir heute an Plastikseen sahen, echt krass war. Unglaublich, was alles im Meer schwimmt. Das größte Teil, das ich sah, war ein Sixpack Wasser!

Neulich bin auch der Fehlfunktion des Solarreglers auf die Spur gekommen, Überhitzung wenn der Motor brummt. Eine direkte Luftkühlung mit einem 100er Aluflexrohr (so was haben wir auch dabei) vom Zuluftventilator für den Motorraum auf den Regler schaffte Abhilfe. Alltag bei knapp 40 °C, alles irgendwie ein büschen heiß.

Kalinichta für heute

Von Action bis rumdümpeln

Von Porto Cheli starten wir gegen Norden und wollen mal wieder eine ruhige Bucht anlaufen. Die Insel Dokos erscheint uns gerade richtig.

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Eine einsame Bucht wird im Törnführer beschrieben. Leider scheint das jeder zu lesen und genau an diesem Tag in dieser Bucht zu sein.

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Was soll’s, das Wasser ist klar, wir schwimmen und genießen den Abend auf der Insel nahe Hydra. Das sehen wir am nächsten Tag, doch vor der Altstadt mit den schönen Häuschen liegt ein Kreuzfahrtschiff, daher beschließen wir, nach Poros, einer weiteren Insel, zu segeln. Mit ganz schön Wind müssen wir zwischen dem Festland und der Insel Hydra aufkreuzen, doch je nördlicher wir kommen, desto besser wird es. Seit langer Zeit sind wir vom Auslaufen bis Hafenansteuerung gesegelt. Die Insel Poros ist nur durch einen schmalen Kanal vom Festland getrennt. Daher herrscht viel Fährverkehr hier. Leider können wir wegen Seitenwind nicht an der gewünschten Stelle anlegen, so dass wir  den Schwell der Fähren voll abbekommen. Eine Festmacher reißt, während ich in der Wäscherei bin. Nur gut, dass Frank an Bord ist und die Leinen sofort austauschen kann. Es ist ja nicht so, dass wir keine ordentlichen Festmacher hätten! Die dicken, stabilen sind recht schwer und zum übergeben nicht gerade optimal.

Der Trubel und die Hitze in Poros ist extrem, ab und zu benötigen wir jedoch eine Wäscherei und Verpflegung, so dass kein Weg am Trubel vorbei führt. Während es in Italien in fast jedem Hafen eine Waschmaschine gibt, sind diese Geräte in Griechenland echt Mangelware. Am Freitag Nachmittag legt neben uns ein super nettes Pärchen aus Mallorca an. Was haben wir Spaß miteinander, wir bekommen wertvolle Tipps für die Weiterfahrt und geben unsere Erfahrungen gerne weiter.

Am Nachmittag besteige ich den Clockhill mit dem Clocktower. Man kann ins innere des Uhrgehäuses sehen. Interessanter ist jedoch der Ausblick von hier oben mit dem 360 Grad Panorama.

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Am Samstag bin ich schon kurz nach 6 Uhr wach, mache Yoga und bin schon vor 8 Uhr beim Bäcker und Obsthändler. Heute wollen wir weiter Richtung Norden zur Insel Aigina. Mit wenig Wind kreuzen wir hoch nach Perdika, einem kleinen Hafen auf Aigina. Da wir recht früh die 15 SM hinter uns gebracht haben, finden wir einen guten Ankergrund und -platz.

Bestes Hafenkino die nächsten Stunden sind garantiert, da hier 2 Flottillen Platz suchen diverse Motorboote und diverse kleinere Boote ein- und auslaufen. Zwischen durch schwimmen Menschen, ein Gekreise im Hafenbecken: unglaublich. Abends machen wir einen Spaziergang um die Bucht und das Dörfchen und gönnen uns etwas leckeres zu Essen. Die Hitze inspiriert mich nicht gerade zum Kochen.

Auch die Nächte sind jetzt mit mehr als 25 Grad echt heiß und so ist Schwimmen und Schnorcheln eine willkommene Abkühlung.

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Nun schauen wir uns das WM Endspiel an. Möge der Bessere gewinnen.

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Freud‘ und Leid

Seit Bernd uns ein Kommentar schrieb, gehe ich mit diesem Titel schwanger. Er hat uns seinerzeit auf den Seychellen einen Segeltörn ermöglicht, der Anfang meines Wunsches diese Fähigkeit zu erlernen, und nun schreibt er wir würden seinen Traum leben. Machen wir, keine Frage, er kennt sich aus und segelt auf eigenem Kiel in seiner freien Zeit. Die Freude des unbestimmten Lebens an Bord irgendwo wo es Wasser gibt, weicht aber auch manchmal dem Unbill über die Beschwerlichkeiten. Momentan gerade die Außentemperatur, besser gesagt Hitze. Solange man vor Anker liegt, kein Problem, im Hafen dagegen fast unerträglich. Da haut man locker mal 5-10 ltr am Tag durch und denkt nicht einmal an Alkohol (für mich fast undenkbar, wenn man von der Zeit in der algerischen Sahara mal absieht). Das war’s aber dann auch zum Thema Leid, der Rest ist tatsächlich ok.
In Monemvasia hatten wir mal 40+kts auf die Ohren, ansonsten war das entspanntes segeln und leider oft auch motoren, viel Kultur und nette Leute.
Ein Problem wäre noch die ständige Verabschiederei. Überall finden wir wirklich tolle Leute und doch trennen sich immer unsere Wege. Gerade vor kurzem in Nafplio, Iren. Charles frägt Eva nach einem Mechaniker und sie schickt mich den Generator wiederzubeleben. Kein großes Problem und wir verbringen zwei aufschlussreiche Tage über irische Befindlichkeiten miteinander. Lässt oft ein wenig Schwermut aufkommen, denn viele unserer neuen Bekanntschaften sind locker einen zweiten Blick wert. Zeit hätten wir ja genug und doch treibt es uns immer ein wenig weiter. Einen richtigen Plan haben wir aber nach wie vor nicht. Betrieb vermeiden, ist uns bis jetzt gut gelungen, ansonsten Winter in Licata. So langsam trudeln wir Richtung Athen und wenn die Segler überhand nehmen sollten (die Motorbootfahrer mit monströs großen Schleudern haben das schon) schleichen wir uns vom Acker Richtung Euböa, da pinkeln die Normalos nicht hin, sorry.

Gruß Frank