Abschied nehmen tut weh

Ostern wollten wir längst auf Malta sein, doch der Sturm, der gerade draußen wütet, hat die Abfahrt verhindert, wie auch die Tatsache, dass unsere reparierte Genua erst am Donnerstag Abend zurück an Bord kam. Im Moment hängen wir auf Sizilien fest. In Deutschland ist das schönste Wetter von Welt und wir schaukeln seit Tagen im Hafen.

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Zeit, den letzten Winter Revue passieren zu lassen und Abschied zu nehmen. Abschied, von der Stadt Licata, die sich einem erst auf den zweiten Blick erschließt, nicht gerade eine Schönheit, doch mit einem gewissen Liebreiz und unglaublich netten Menschen.

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Fast jeder hier hat eine Beziehung zu Deutschland, ist dort geboren und oder aufgewachsen oder hat dort gearbeitet, so wundert es nicht, dass neben sizilianisch, deutsch die am zweithäufigsten gesprochene Sprache ist. Als ich gestern Morgen durch Licata spazierte kam häufig der Gruß; auguri, buona pasqua Eva. Das geht nicht spurlos an mir vorbei, es macht mich wehmütig, dieses liebliche Städtchen, dass mich nun 2 Winter aufgenommen hat, zu verlassen. Ich wollte einmal noch die älteste Kirche Licatas, Pompeji,  besuchen. Messe ist um 11 sonntags, ich bin zu spät und stelle mich hinten in die Kirche. Das letzte Lied ist verklungen und die Menschen wünschen sich mit auguri und buona pasqua, frohe Ostern, umarmen und küssen sich. Mich, die Fremde, schließen sie ein, so stehe ich in dieser kleinen Kirche, hoch oben über Licata und kann kaum die Tränen zurück halten, ob dieser Warmherzigkeit, selbst der Priester kommt zu mir und drückt mich.

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Ihr merkt, es fällt mir schwer dieses Völkchen los zu lassen. Wie auch, wenn du immer wieder hörst, aber ihr kommt doch nächsten Winter zurück, so als gehörten wir bereits zur Gemeinschaft. Sei es Marilia Peritone, die nicht nur samstags in die Marina zur Yoga Stunde kam, sondern uns auch öfter ihre Küche und ihr Haus zum Kochen und genießen sizilianischer Köstlichkeiten geöffnet hat, auch ihr Mann Angelo, der als Reporter hier arbeitet, Fahrdienste für unsere Küchenschlachten erledigte oder letzten Winter ein Interview mit uns Frauen aus dem Hafen machte, als reihenweise Hunde vergiftet wurden. Oft treffe ich ihn in der Stadt und sein ciao Eva, wird mir fehlen. Als ich an Karfreitag zur Prozession ging bat er mich erneut, nicht weg zu segeln, ohne dass er mir Lebewohl sagen kann.

 

Frater Agostino, der uns in die Geheimnisse der italienischen Sprache einführte und uns so viel von Licata und Sizilien erzählte.

Ruth, die Schweizerin, die seit 22 Jahren mit ihrem Mann Urli in den Bergen nahe Licata lebt und ebenfalls samstags zur Yogarunde kam. Ich vermisse jetzt schon ihre Zitronen, nur ein Liter selbst gemachter Limoncello, der aus ihren Zitronen entstand, geht mit auf die Reise.

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All die Boaters, die wir kennen und schätzen lernen durften, mit denen zahlreiche BBQ und Happy Hours verbracht und die Vielfalt unterschiedlicher Salate, Kuchen und anderer Köstlichkeiten geteilt wurden,

 

Birgit und Syd, mit denen wir viel erlebten, dank deren Kenntnissen in und über Licata, war vieles so einfach und leicht. Anne – Inger, Morten und ihr Hund Löwe, über zwei Winter unsere Lernfreunde bei Frater Agostino. Jil und Rein von unserem Steg, die unser Boot in Abwesenheit hüteten, Pascale und Gerrit, mit denen wir viel Zeit gemeinsam verbrachten. Während die beiden Männer sich über technische Probleme und Verbesserungen an Bord unterhielten, hat mir Pascale den Winter verkürzt mit vielen gemeinsamen Aktivitäten, mal ein Cappuccino in der Stadt, gemeinsames einkochen diverser Marmeladen und und und.

 

Die Beschäftigten der Marina, allen voran die hilfsbereiten Frauen vom Office: Maria, Mara und Emy und natürlich die allgegenwärtigen guten Hände der Marineros, die neue Segel mit dem Dinghi an den Steg lieferten, die neuen Batterien herankarrten und immer wieder die Stege überprüften.

All euch lieben Menschen da draußen rufe ich ein herzliches arrividerci zu, wissend, dass ich sicherlich irgendwann wieder  einmal hier vorbei schauen werde. Ihr seid nicht vergessen, zu viele gemeinsam verlebte Stunden, zu viele schöne Gespräche,  zu viele Wege, die wir gemeinsam gingen. Es stimmt, was Antoine de Saint – Exupery schrieb, man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

 

Mit diesen Worten wünsche ich Euch frohe Ostern, wo auch immer ihr gerade seid.

2 Kommentare zu „Abschied nehmen tut weh“

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