Kalabrien, du mein Traum!

Seit Tagen Motoren und Segeln wir entlang der traumhaften Küste Kalabriens. Nie hätte ich vermutet, dass mich ein Landstrich so faziniert. Direkt an der Küste kleine verschlafene Dörfchen, meist mit historischem Kern! Einer alten Kirche, netten Menschen, die nicht vor ihren Fernsehern sitzen, sondern sich auf Plätzen treffen, auf einer Bank sitzen und miteinander reden. Die Männer spielen  Karten, es werden übrigens andere Karten benutzt als in Deutschland. Zwischen den Ortschaften Sandstrände mit traumhaft klarem Wasser, kleine Buchten, einige, die man nur über das Wasser erreichen kann. Hinter den Dörfchen liebliche Hügel, die gerne erwandert werden, denn es finden sich überall kleine Hotels oder Bed and Breakfast Möglichkeiten. Die Infrastruktur ist ausgesprochen gut, es fahren Züge bis nach Rom oder Neapel, natürlich sind auch Busse und Fähren im Einsatz. Da wir kein Auto zur Verfügung haben, nutzen auch wir diese Nahverkehrsmöglichkeiten, wenn wir uns Altertümer ansehen.

Hinter den Hügeln ragen höhere Berge auf, sie Strecken ihre Gipfel oft auf über 1500 m in den Himmel, na und der ist dieser Tage oft genauso blau, wie das Wasser. Wir haben in der Regel jetzt Mitte Oktober 25- 30 °, abends wird es früh dunkel, dann fallen auch die Temperaturen recht schnell auf moderate 18 – 20 °.

Die Marinas, die wir zur Zeit mangels Buchten anlaufen, sind sauber, die Marineros extrem hilfsbereit. Gestern wollten wir zuerst die Marina Amantea anlaufen, ebenfalls ein Örtchen mit ganz viel Charme, der die Jahrhunderte überstanden hat. Schnell haben wir gemerkt, dass unser Boot zu groß für den kleinen Hafen  ist. Was tun, keine Ankermöglichkeit weit und breit, daher mache ich den Vorschlag nach Vibo Valentia zu gehen. Leider noch über 20 SM entfernt, es ist schon 16 Uhr. Als wir im Hafen anrufen, wird uns versichert, dass Platz ist und die Marineros auf uns warten, bis wir ankommen. Es wird vereinbart, dass wir uns melden, sobald die Hafeneinfahrt in Sicht ist. Uns ist etwas mulmig, weil es die erste Ankunft bei Nacht im Hafen ist. Wir melden uns im Hafen und werden an die Mooring geleitet mit Licht- und später auch Handzeichen. 3 Marineros stehen bereit. Einer auf dem Nachbarboot mit der Mooring, die er auch selbst am Heck unserer Eira befestigt, zwei vorne am Steg, die mir helfen, unsere Landleinen zu vertüdeln, ein nettes buon notte und verschwunden sind die 3. Bezahlen sollen wir heute, später. Schließlich ist fast 20 Uhr, die Männer machen jetzt Feierabend. Wir sind stolz und glücklich, dass das Anlegen so gut geklappt hat und machen uns an die Zubereitung des Abendessens. Da der Skipper am Freitag den riesigen Schwertfisch gefangen hat, gibt es natürlich noch einmal Fisch mit Minizucchinis und Bulgur. Ja und dann erwartet uns heute früh eine Überraschung, als wir bezahlen. Die Marina kostet für eine Nacht nur 27,-€! Da sagt Frank, dann bleiben wir 2 Nächte, weil er sich in der Zwischenzeit die Duschen und Toiletten angesehen hat. Für die beiden Übernachtungen zahlen wir letztendlich 50,-€, wo wir auch schon mal 90,-€ in einer anderen Marina für 1 Nacht zahlen sollten. Das Internet ist hervorragend, wir finden Läden, in denen wir heute am Sonntag frische Lebensmittel kaufen können und bleiben daher gerne einen Tag länger. Heute wollten wir eh nur 10 SM weiter nach Tropea, wer weiß, was uns dort erwartet hätte. Nach den 11 Stunden und 55 SM von gestern, tut ein Tag Ruhe auch mal gut.

Morgen legen wir ganz früh ab in Richtung Stromboli, da wir im Hellen ankommen möchten, es gibt keinen Hafen, nur Bojen. Die Insel gehört zu den äolischen  oder liparischen Inseln, die wir uns in den nächsten Tagen ansehen möchten. Sie sind bekannt, wegen dem aktiven Vulkan auf Stromboli und ihrer Abgeschiedenheit und Autentizität. Wir freuen uns darauf und hoffen, dass es uns möglich sein wird, den Stromboli bei Nacht zu besteigen, ansonsten werden wir uns auf jeden Fall die Feuerrutsche vom Wasser aus ansehen. So nennt man den Ort, wo die Lava ins Meer rutscht.

Zu Beginn des Beitrages habe ich erwähnt, dass wir viel Motoren. Das ausgewachsene Hoch, das uns Barometerwerte von über 1030 beschert, sorgt dafür, dass sich kein Lüftchen regt. Und selbst wenn, nur mit Lüftchen können wir nicht Segeln, zumal wenn wir abends in einem bestimmten Hafen ankommen wollen oder müssen. Daher also unter Motor unterwegs. Den Tank haben wir günstig, lach bei 1250,-€, in Korsika gefüllt. Aus diesem Grund haben wir auch die Muße, diese schöne Landschaft zu betrachten. Genießt den Sonntag. Das machen wir nun auch. Ciao ihr Lieben.

Golfo di Policastro. Von lieblichen Gegenden und räuberischen Fischen.

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Normalerweise kommt mir nah an der Küste nichts an den Haken.

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Dieser liebliche Gummitintenfisch ist aber überall erfolgreich. Beißt da doch glatt ein Schwertfisch rein, was nicht dessen beste Idee war.

 

Deutlich größer als beim letzten mal, müssen wir uns ernsthaft mit der Zubereitung beschäftigen. Heute wird er gegrillt, Tip von Olaf und davon hat er Ahnung. Also Pesce spada vom Lotus-Grill und das am Freitag den 13.

Camerota , gestrandet in der Idylle

Seit gestern morgen wissen wir, dass wir eine neue Starterbatterie benötigen. Die Alte  zählt so viele Lenze wie das Boot. Das frühe Ablegen in Agropoli hat sich etwas verzögert. Klar ist, dass wir mit diesem Problem nicht die liparischen Inseln, die fernab von Sizilien liegen, anlaufen können. Unsere Reisestrecke gestern führt uns aus der Bucht von Salerno heraus und weiter entlang eines lieblichen Küstentreifens mit Wäldern bis an die zahlreichen kilometerlangen Strände, die nur durch Felsen voneinander getrennt sind. Im Hintergrund sehr hohe Berge, die immer wieder an Form und Beschaffenheit voneinander abweichen und dem Auge daher gut tun. Leider bleibt der Wind aus, es wird immer wärmer, kurze Hose und T – Shirt sind um die Mittagszeit bis ca 15 Uhr fast zu warm. Irgendwann wird klar, dass wir das uns gesteckte Tagesziel Maratea   nicht erreichen, bevor es längst dunkel ist. Zwar  können wir die  Segel setzen, der Wind reicht jedoch nicht aus, um effektiv  schneller voran zu kommen. Neuer Plan, schon im Hinblick auf die zu besorgende Starterbatterie lässt uns die Marina Camerota anlaufen. Ein netter Hafen, sehr freundliches Personal und endlich mal wieder Duschen, die wir gerne nutzen, da sie groß und geräumig sind, mit 2 Haken und einem Hocker ausgestattet sind. Es sind die ersten Duschen an Land, seit wir Ostia  verlassen haben. Entweder müssten wir unsere Dusche an Bord nutzen oder könnten Schwimmen um anschließend die Außendusche zu aktivieren.

Frank hat nach unserer Ankunft gleich die Batterie bestellt, die heute um 10 Uhr geliefert werden sollte. Die Lieferung verzögert sich nun doch etwas, so dass an ein Ablegen heute nicht mehr zu denken ist. Also den Ort erkunden, frische Lebensmittel besorgen, einen Capuccino Trinken und die Zwischenzeit nutzen:

Bettwäsche waschen. Das Wetter ist bestens, um nicht zu sagen: heiß ohne Ende. Ich sitze bei mehr als 30 ° im Schatten an Bord, während die Wäsche in der Sonne trocknet.  Die Hochsommer Bekleidung ist hinten in den Schränken verstaut, also Bikini hervorkramen und die Sonne genießen.

Das kleine Städtchen ist ein Traum mit netten Restaurants, Eisdielen und Läden, in denen man sich gut versorgen kann.  Einfach mal treiben lassen, Streß machen nutzt nichts. Das Dolce Vita auch mal genießen. Morgen ist auch noch ein Tag um unsere Route gegen Süden weiter in Angriff zu nehmen.

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Bilder von Ercolano, Pompeii und Amalfiküste

Wir waren noch Bilder der Ausgrabungen schuldig, hiermit erledigt.

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In der Zwischenzeit, haben wir Capri passiert, nicht im Dunkeln und nicht als die Sonne rot im Meer versank, sondern bei helllichten Tag. Am Sonntagmorgen mit ganz viel Fährverkehr und einem Kreuzfahrtschiff, das bei Sorrento lag, kein Vergnügen. Nach der Kabbelsee zwischen Festland und Capri war es ein Vergnügen, die Amalfiküste entlang zu motoren. Kein Wind ließ uns ganz nah an die Küste kommen, so dass wir die lieblichen Orte wie Positano, ich denke dann sofort an Stefan Andres und Goethe, sowie Amalfi passieren konnten. Wir wollten ein Stück weiter kommen, haben Salerno angefragt und sind in Cetera gelandet. Ein kleines Fischerdörfchen,  kurz vor Salerno, gefiel uns so gut, dass wir dort übernachtet haben. Der freundliche Marinero hilft beim Anlegen und fragt uns, wie lange wir bleiben wollen. Ich sofort: eine Nacht, denn hier kann man auch für ein, zwei Stunden bleiben, den Ort besichtigen, etwas essen und trinken und dann wieder ablegen. Der liebliche Ort hat es uns angetan! Die Einheimischen verbringen den Sonntagabend auf den Plätzen und Bänken und unterhalten sich. Kein Fernsehn kann so interessant sein, wie das persönliche Gespräch und das Treffen mit Freunden. Eine Gruppe Männer spielt Karten, Töchter gehen  mit ihren Müttern spazieren. Man trifft sich auf ein Eis, ein Glas Wein und unterhält sich. Ich kenne dies noch aus meiner Kindheit, als ich bei meiner Urgroßmutter und Oma war. In Deutschland Geschichte, schade!

Am Morgen bezahle ich den Hafen und bin freudig überrascht. Der Marinero will lediglich 20€ von mir. Schöne Überraschung zum 100. Tag auf See.

Wir verlassen Cetera und erleben ein weiteres Highlight: Delfine sind in der Bucht von Salerno zu Hauf unterwegs, spielen mit uns und verschönern uns die Fahrt nach Agropoli. Hier wurde die Marina aufgeteilt in Stege und jeder Steg hat einen anderen Besitzer. Wir bekommen zwar einen Platz, fühlen uns im Vergleich zu Cetera abgezockt. Der Marinero will 70,- € die Nacht und wir wollen 2 Nächte bleiben, können ihn auf 60,-€ runterhandeln. Da wir uns Paestum ansehen wollen, bleibt uns keine Wahl, wir bleiben und zahlen den Hochsaisonpreis. Beim Erkunden des alten Dörfchens entdecken wir die Zugverbindung nach Paestum, eigentlich wollten wir mit dem Bus fahren, eher per Zufall. Gleich sind die Karten am Automaten gekauft, eher einfacher, als in Deutschland, und zurück ist der Weg auch schneller gefunden, als der Hinweg. Durch den historischen Dorfkern gelangen wir schnell wieder zum Hafen.

Heute morgen sind wir dann mit dem Zug 6 Minuten gefahren um unmittelbar vom Bahnhof von Paestum in die griechisch, römische Antike einzusteigen. Eine 15 m hohe Stadtmauer umgibt die Anlage, die teilweise 5-7 m dick ist und von einem Wassergraben umgeben. Mit Audioguide ausgestattet, besichtigen wir Tempel, Wohnhäuser, Amphitheater und Forum.  Die Gebäude entstanden teilweise 600 v. Chr, wurden von den Griechen errichtet. Die Stadt hieß damals Poseidon, nach dem Gott des Meeres. Die Tempelanlagen sind extrem gut erhalten und erlauben einen Einblick in die Lebensweise vor 2600 Jahren. Unglaublich, wie gut die Haushaltsgegenstände erhalten und beschrieben sind. Wir sind schon gespannt, was uns in Sizilien an weiteren griechischen Tempeln erwartet.

Am Abend habe ich uns einen Kuchen und ein Brot gebacken und morgen geht es weiter Richtung Süden. Bona notte.

von Ercolano nach Pompej oder wow

Gestern sind wir in die Vergangenheit eingetaucht. Mit dem Zug, der in einer unglaublichen Geschwindigkeit an der Küste entlang gebraust ist, haben wir zuerst Ercolano Scavi erreicht. Ursprünglich wollten wir den Vesuv besteigen, da der Vulkan aber den ganzen Tag in Wolken gehüllt war, haben wir das Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt. Dafür hatten wir den ganzen Tag zur Verfügung um die Altertümer zu besuchen. Auf Ercolano ist Frank gekommen. Es handelt sich dabei um eine kleinere Anlage als Pompej, dafür übersichtlich und sehr informativ. Mit einem Audioguide ausgestattet, sind wir die Anlage abgeschritten. Man erreicht die Ausgrabungen durch einen Tunnel, der in die Lava gebohrt wurde. Die ersten Gebäude sind am früheren Strand gelegen. Leider wird das gefundene Ruderboot gerade restauriert. In diverse Häuser kann man hineingehen, sieht Küchen mit Aborten direkt neben der Kochstelle, Handwerkerhäuser, Tempel, Thermen. Unglaublich, wie fortschrittlich schon vor Christi Geburt gelebt wurde. Morgens frühstückte man nicht viel, zu Mittag ging man in eine der zahlreichen Tavernen, wo das Angebot an Speisen und Getränken vielfältig war, und alles wurde in Tonkrügen aufbewahrt. Hier traf man sich zu Gesprächen und zum Verweilen. Teilweise sind Fresken gut erhalten, man sieht verkohlte Balken, denn auch hier hat der Vesuv die Stadt eingeäschert. Beeindruckend auch die Thermen. Angegliedert Sporträume, die zuerst aufgesucht wurden um sich dann später in der Anlage zu reinigen und zu relaxen. Natürlich streng getrennt nach Männern und Frauen. Das Wasser wurde durch Bleirohre geleitet. Brunnen standen quasi an jedem Straßenzug. Sportstätten und Theater waren ebenfalls vorhanden.

Von Ercolano sind wir wieder mit dem rasenden Zug, der zudem voll besetzt war, zurück nach Pompej gefahren. Diese Ausgrabung ist viel weitläufiger, als die zuvor besuchte und natürlich stärker frequentiert. Hier die Übersicht zu behalten gestaltetete sich sehr schwierig, trotz Plan hat auch der Navigator nicht immer gewußt, wo wir uns gerade befinden. Da Pompej größer als Ercolano war, sind die Straßen breiter. Damit man diese besser überqueren konnte, wurden Trittsteine über den Weg verlegt. Auch heute noch sehr praktisch zum Seitenwechsel. Auch hier eine Anzahl von Tavernen, Bäckereien, selbst Ärzte und Apotheken gab es schon. Natürlich dürfen auch Tempel nicht fehlen. Es gab mehrere Theater, ein kleineres sogar überdacht. Schockierend waren für mich die gefundenen Menschen, die vom Ausbruch überrascht wurden und versteinert ausgegraben wurden. In der Ausstellung zur Ausgrabung sieht man sehr gut erhaltene Gefäße, die kunstreich verziert wurden.

Im Zug zurück nach Castelammare di Stabia, waren wir dann auch erschlagen von dem gerade gesehenen. Da wir noch nicht genug gelaufen sind an diesem Freitag, machen wir noch eine Orientierungstour durch die Stadt, weil wir uns noch versorgen müssen und auch eine Wäsche wäre wieder fällig. Wir finden alles mögliche, aber keine Wäscherei mit Selfservice. Lavanderia ist hier auch gleichzeitig eine Reinigung. Also fragen wir den Marinero, der nach einiger Zeit uns eine brauchbare Wegbeschreibung geben kann.

Am heutigen Morgen war der Vesuv ganz ohne Wolken zu sehen. Da wir Waschtag haben, bleibt keine Zeit nochmals die ganze Strecke mit dem Zug in Richtung Vesuv anzutreten. Bleibt mir nur, heute diverse Bilder vom klar sichtbaren Vulkan zu schießen. Man kann nicht alles haben. Das Schiff wird aufgeklart, die Kleiderschränke aufgeräumt, denn die Hochsommerkleidung wird nicht mehr benötigt. Der gemeine Italiener trägt jetzt schon  Winterkleidung. Der Wind war heute recht stark, weswegen wir auch entschieden haben, noch einen Tag in der nicht gar so schönen Marina zu bleiben. In der Stadt sind Frank und ich mit unseren Kurzarmshirts und Shorts doch etwas merkwürdig beäugt worden. Das Schiff ist gesäubert, die Schaps sind gefüllt. Morgen machen wir uns auf in Richtung Amalfiküste, denn wir wollen uns noch die Liparischen Inseln ansehen und die Tage werden immer kürzer. Ciao!

Überraschung

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Finde den Fehler!

Neugierig wie LI’s nun mal sind, will der bordeigene die von der Hauptmaschine mittels Keilriemen angetriebene Bilgenpumpe testen. Nach dem Einkuppeln sehe ich anstelle Wasser nur weißen Rauch. Da wir aber keinen Pabst gewählt haben, bleibt nur der Griff zu Werkzeug- und Ersatzteilkiste, abtauchen in den Motorraum und wechseln des recht flügellahmen Impellers. Der stand wahrscheinlich jahrelang in derselben Stellung und das mag der gemeine Impeller überhaupt nicht.

 

Das ist die Burg, praktischerweise mit Aufzug im Inneren,  spart nicht nur Zeit!20171004_142611

Blick immer vom Boot natürlich, sieht man an der Angel!

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Zwischen den Inseln 3

Nachdem wir Nettuno am Sonntagmorgen schon kurz nach 7 Uhr verlassen haben, befinden wir uns wieder zwischen Inseln. Dieses Mal steuern wir die Pontinischen Inseln an, die zur Region Latium gehören. Das Archipel mit mehreren Inseln, wovon einige unter Naturschutz stehen, ist wenig touristisch, Dank seiner geographischen Lage. Außerdem sind die Inseln nur auf dem Wasserweg erreichbar. Die Inseln Ponsa und Ventotene werden mit Fähren versorgt. Da es keinen Massentourismus gibt, sind die Strände naturbelassen und wenig frequentiert, sie sind fast alle nur auf dem Wasserwege oder über haarsträubend steile Sträßchen erreichbar. In der Cala di Feola, auf der Westseite von Ponsa, lagen wir mit 2 weiteren Segelbooten alleine, dort hatten wir einen phantastischen Blick auf Palmarola, zerklüftet, wild, ein Naturreservat. Über den stolzen Skipper mit seinem Bonito haben wir bereits das letzte Mal berichtet. Am Montag wollten wir uns Ponza ansehen. Gegen eine Mordswelle und 3 Beaufort sind wir um das Cap herumgekommen, die Ansteuerung Ponza  war entsprechend schwierig. Glücklich im Hafenbecken angekommen, sagt uns der Marinero, dass die Plätze erst abends ab 19 Uhr vergeben werden und wir morgens bis 8 Uhr den Hafen verlassen müssten! Das geht gar nicht, vor allem nicht bei der Welle, die ins Hafenbecken steht. Auf der kompletten Ostseite kein Schutz. Sofort greift Plan B: auf der Fahrt zur Ostküste haben wir im Süden eine traumhafte Bucht passiert. WENDE AUF ENGSTEM RAUM und ab zur Südküste. Hier verbringen wir einen ruhigen Tag mit schwimmen und relaxen und einer kurzen Erkundung des Strandes per Dinghi. Die Höhle, die wir durchqueren ist schmodderich  und macht keine Lust auf mehr. Wir genießen einen weiteren genialen Sonnenuntergang und planen den nächsten Tag, an dem erneut Ostwind vorherschen soll.

Den Deutschen Tag der Einheit feiern wir mit einem selbstgebackenem Kokoskuchen und, weil wir schon seit Freitag kein Brot mehr kaufen konnten, mit einem selbst gebackenem Dinkelvollkornbrot im Omnia auf dem Gasherd. Wer wie wir seit über 90 Tagen unterwegs ist und kein dunkles Vollkornbrot mehr gegessen hat, kann sich nicht vorstellen, wie einem beim Geruch des warmen Brotes das Wasser im Mund zusammenläuft. Wir dösen und schwimmen und warten die 4. Stunde am Nachmittag ab, um die Insel zu verlassen. Wir steuern Eira in die Nacht, meine Wache ist die Erste. Diesmal gehen wir keine lange Strecke, es liegen etwas über 50 SM vor uns, doch das Revier ist anspruchsvoll, da ein einsamer Fels mitten im Weg liegt, dann Ventotene, die letzte der Pontinischen Inseln umfahren werden muss und einiges an Fähren und Kreuzfahrern, Seglern und Mobos unterwegs ist. Frank hat in seiner Koje keine Ruhe und ist nach 1 Std und 30 Minuten wieder an Deck. Leuchttürme rund um uns blinken uns an. Ein fast voller Mond wirft seinen Schein auf’s Wasser. Was waren die anderen Nachtfahrten doch so ruhig und einfach zu steuern! Gemeinsam meistern wir die helle Nacht. Gegen 6 Uhr ist der Anker bereits zum 2. Mal im Wasser, spektakulär unterhalb der Burg von Ischia. Ich lege mich kurz auf’s Ohr, während Frank seinen Adrenalinspiegel noch mit Kaffee puscht.

Nachdem das Boot aufgeklart ist, wagen wir den Landfall, zuvor wurde der Ankerplatz verlegt. Mit dem Dinghi steuern wir Porto Ischia  an.  Welch nette Überraschung: italienischer Flair, wohin man schaut. Wir gönnen uns einen Cappucino unmittelbar unterhalb der Burg. Die Aragoner haben diese Festung hinterlassen, nachdem die ersten Gebäude bereits 474 v. Christus von den Tyrannen griechischer Herkunft aus Syrakus errichtet wurden.  Wir wandern durch die Anlage hoch über dem Meer und genießen eine phantastischen Blick im 360 Grad Panorama. Wir haben gut und gerne 28 Grad und Sonnenschein pur, also genau den richtigen Tag erwischt, um alte Steine zu besichtigen. Mir haben es auch die Blüten, Bäume, Palmen und Kakteen angetan. Der Landfall wird gekrönt von Spaghetti von Cozze ( darunter versteht der Italiener Muscheln). Den heißen Nachmittag verbringen wir an Bord. Morgen wollen wir wieder das Festland anpeilen, in der Bucht von Neapel gibt es viel zu erkunden. Arrividerci!

Isola di Ponza

Kaum durfte heute Morgen mein geliebter Gummiköder baden, beißt ihn ein Bonito. Der liegt nun filettiert im Kühlschrank.

20171001_09565120171001_095737Kein ausgesprochener Riese, aber ausreichend für eine Mahlzeit. Werde mir einen Seewasseranschluß ans Heck basteln müssen, die Pützerei des blutigen Schlachtfeldes raubt zuviel des guten Trinkwassers.

Die Grobreinigung des Hecks, das natürlich ebenfalls blutüberströmt ist, habe ich gleich nach dem Schwimmen im glasklaren Wasser erledigt.

Nun sind wir also wieder zwischen den Inseln, diesmal den Pontinischen. Die äußerste des Archipels ist eine unbewohnte Naturschutzinsel mit einem Felsendom und einen tiefen Schlucht. Wir haben uns die Hauptinsel Ponsa ausgesucht und liegen vor Anker in einer kleinen Bucht. Morgen geht es hoffentlich zur Ostseite nach Ponsa, denn diese Insel will ich unbedingt betreten. Der Hahn im Dorf kräht schon, ich hoffe, es bleibt noch etwas Tageslicht zum rumträumen und genießen, denn danach muß ich als Smutje in die Kombüse und den Bonito zubereiten. Ich freue mich schon auf den fangfrischen Fisch. Bona Sera ihr Lieben.

Mein Held, oder der Mann und das Meer

Ich sage es fast jeden Tag zu Frank, daher nun einen Beitrag über meinen Helden Frank! Es ist kaum zu glauben, was dieser Typ, der ja zufällig mein Mann wurde, alles kann. Angefangen bei der Ausrüstung des Bootes, Reparaturen an Bord, Segelsetzen, einreffen, Navigation, Fischen, mich beruhigen, mich mitziehen, er hat das alles drauf. Das bestätigte sich mal wieder bei der letzten Überfahrt. Im Hafen sieht es einfach aus. Wir machen einen Plan, nachdem wir über mehrere Tage das Wetter beobachtet haben, denn ich bin was Nachtfahrten anbelangt, total unerfahren. Gerade einmal 3 Nächte auf See lagen hinter mir, als wir am Mittwoch morgen den wunderschönen Hafen von Porto Vecchio verlassen haben. Die Mindestwegstrecke, die vor uns liegt, beträgt 135 SM. Also mindestens eine weitere Nachtfahrt! Schön in der Bucht hat sich gezeigt, dass es zuerst viel Wind und Welle aus Nordost geben wird. Wegen der einlaufenden Fähre könnten wir Groß- und Trekkersegel erst außerhalb der Bucht setzen. Dafür in den Wind zu gehen, bedeutet für mich am Ruder stehen, während Frank nach vorne zum Mast und Trekker muß, um die Segel hochzuziehen. Da wir vorsichtig sind, natürlich mit Rettungsweste und Lifebelt. Bei dem Seegang ist das so etwas wie meine Lebensversicherung. Wir reffen das Groß und auch den Trekker. Sofort liegt das Schiff stabiler und pflügt nun durch die hohe Welle. Schräglage enorm, da Kurs hoch am Wind anliegt. Nach Stunden nimmt der Wind ab, die See wird ruhiger, angenehmer, doch den von uns geplanten Kurs Rom könnten wir zwischenzeitlich nicht halten, abfallen Richtung Anzio, eine Zeitlang sogar Richtung Pontinische Inseln. Wir reffen aus, Segelfläche wird größer, der Wind dreht Richtung Nord und Anzio wird wieder möglich, sind halt 30 SM mehr. Frank hat natürlich die Angel draußen. Gegen 15:30 h beißt ein Fisch an. Die Leine rauscht aus! Ich nehme Geschwindigkeit aus dem Boot und Frank holt den Fisch ein. Es handelt sich um einen kapitalen Schwertfisch.

IMG_7252 Mit der Gaff wird unser Abendessen getötet, dazu ein Schnaps in die Kiemen. Dann beginnt das filetieren. Und dann beginnt mein Part: was machen wir daraus? Zuerst mache ich aus den kleinen Filets Tatar und die großen Filets werden gebraten und mit Reis und Zitrone gegessen. Die Stücke, die wir nicht schaffen kommen mit dem Tatar in die Kühlung. Das Ganze hat uns 3 Stunden beschäftigt. Der Fischgeruch war heftig kann ich euch sagen. Geschirspülen im Schiff ging bei mir dann auch nicht.

Ziehe mich warm an für meine Nachtwache, während Frank das Schiff aufklart und sich schlafen legt. Wir haben Halbmond und der Sternenhimmel ist grandios. Der Mond geht schon früh zur Ruhe, feuerrot versinkt er im Meer. In der Zwischenzeit läuft ein Kreuzfahrtschiff in sicherem Abstand an uns vorbei. Ich lese zwischen meinen Inseln, welch passende Lektüre in diesen Tagen, beobachte die Segelstellung, hole Trekker und Groß etwas dichter, trinke heißen Tee und werde immer müder. Um 00:30 H wecke ich Frank. Wachwechsel, für mich heißt es, irgendwie in den Schlaf finden. Der ist nicht tief, mit einem Ohr bin ich immer am Boot. Als Frank um 6 Uhr Kaffee kocht, stehe ich auf. Wachwechsel.

IMG_7273 Mein Held erzählt von den zahlreichen Schiffen, die unseren Weg durch’s Wasser gekreuzt haben, teilweise ganz schön nahe. 100 SM haben wir irgendwann hinter uns. Schon wieder kommt die Angel raus, ich protestiere, da die Kühlung voll mit Fisch ist. Mittags gibt es Tatar auf spanischen Tapasbrot. Lecker und erfrischend. Wir fiebern der Küste entgegen, immer noch kein Land in Sicht, obwohl wir nur noch 15 SM vor uns haben. Die Küste ist hier ganz flach, nicht so bergig wie die Ansteuerung Mallorca oder Sardinien. Der Wind frischt auf, drückt uns nun von hinten quasi Rom entgegen, denn dieser Kurs wurde dann doch irgendwann morgens wieder möglich. Wir sehen dann doch die Küste, steuern quasi direkt auf die Hafeneinfahrt zu. Daneben ergießt sich der Tiber ins Meer.  Das Wasser des Flusses stinkt und wir sind froh, uns für den Hafen Rom entschieden zu haben und nicht für die Häfen, die in der Tibermündung liegen. Die Marineros weisen uns eine Mooring zu. Wir liegen an Pier N 545. Ich melde das Boot an, wir bekommen einen elektronischen Schlüssel für den Pier und die Duschen. Was soll ich sagen, es war eine tolle Überfahrt, mit allem was man sich an Winden so vorstellen kann. Die Welle war zu Beginn hoch, dann immer flacher um zum Schluß wieder höher zu werden. Als Abendessen gab es natürlich: Fisch. Fischcurry an Kokossoße mit Aubergine und Banane, Reis nicht zu vergessen. Vorweg haben wir das restliche Tatar verspeist.

Geschlafen habe ich dann wie eine Tote. Eventuell war dies dem Rotwein geschuldet, egal, Hauptsache geschlafen. Nach dem Frühstück haben wir den riesigen Hafen erkundet und dann eine Einkaufsmöglichkeit gesucht. In dem riesigen Areal keine Versorgung! Dafür habe ich in Ostia eine Markthalle gefunden und mich dort mit frischen Produkten aus dem Umland versorgt. Smoothie ist schon zubereitet, wie auch Bohnensalat für die Fahrt morgen nach Anzio. Frank, mein Held schraubt am Boot, während ich unsere Verpflegung sicher Stelle und Blog schreibe. Nun genieße ich die strahlende Sonne noch etwas. Arrividerci, tutto bene.

Mein erster Fisch

Jahrelang zerre ich Unmengen von Ködern durch das Mittelmeer, immer in Küstennahe. Kann man sich schenken. Bei der Überfahrt Menorca-Sardinien hatte ich den ersten Biss, da fault direkt am Boot so ein Sch… Wirbel (französischer!). Wieder nix. Gestern zwischen Korsika und dem Schienbein vom Stiefel (italienischer) wieder ein Biss und siehe da, ein Schwertfisch (war noch jung der Bub oder das Mädel). Kein Monsterkaliber, hätte ich eh nicht in das Cockpit hieven können, eher Richtung Nachwuchs, blöd genug meinen Gummitintenfisch essen zu wollen. Was für ein Festessen gestern unterwegs und heute im Hafen bei Rom. Hatte auch heute Angelverbot, schnief! Jetzt isser wech, übermorgen darf ich wieder, Petri Heil.