Vom richtigen Zeitpunkt

Wann ist der schon? Wir wollten weg aus Kalamata, die ewigen Gewitter und die heftigen Regenschauer nervten, die Prognose alles andere als gut. Trotzdem haben wir am Dienstag den Hafen und unsere neuen Freunde Ilona und Günter verlassen, nachdem noch einmal der Brotvorrat aufgestockt und wir uns von der Crew von Anna Gisa verabschiedet hatten. Mit genügend frischen Lebensmitteln, Wein und Olivenöl ging es ab Richtung Süden. Oh Schreck, wir stellen fest, dass wir das Ladekabel für das Surface im Yacht Club am Sonntag nach dem vermaledeiten Fußballspiel vergessen hatten. Sofort schreibe ich Ilona und bald ist klar, es lag noch immer im Yacht Club und wird nun nächste Woche von den beiden mit nach Deutschland genommen. Das Surface können wir somit vergessen. Dann der nächste Schreck: neben uns braut sich ein Gewitter zusammen. Alle notwendigen Geräte abgeklemmt, Handys müssen in den Backofen, Schutz vor einem möglichen Blitzschlag. Es blitzt und donnert um uns herum, die Schlechtwetterklamotten und die Rettungswesten sind bereit gelegt. Der Wind frischt auf, es beginnt zu regnen. Ich suche Schutz bei allen Reiseheiligen und es nutzt, wir lassen das Gewitter hinter uns und hören nur noch das Donnern. Da fällt mir doch ein Stein vom Herzen. Nach 40,5 SM werfen wir dann gleich 3 mal hinter einander den Anker, bis er an der richtigen Stelle in der Ormos  GUALI liegt. Dieses ehemalige Piratennest liegt wunderschön auf der Manihalbinsel. Der Baustil hat sich verändert. Die Häuser sind mit Natursteinen gebaut. Der Fels um uns herum wird nachts angestrahlt und wir haben nach dem Gewitter klare Luft, die uns gut schlafen lässt.

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Früh am Morgen gehen wir um 6:20 h Anker auf.

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Wir passieren das Kap Tainaron und sind von riesigen Schiffen der Berufsschifffahrt umgeben. Der Wind ist mit uns, wir segeln mit Groß und Trecker der Bucht Sarakiniko auf der Insel Elaphonisos entgegen. Es war ab 14 Uhr Wind aus Nordost und somit Gegenwind prognostiziert. Leider ist er schon um kurz vor 12 da, bevor wir die Tagesetappe absolviert haben. Schnell die Segel rein und dann frischt der Wind immer mehr auf, Gischt kommt über, unser Motor bewältigt die restlichen 6 SM souverän. Der Anker fällt und hält dierkt beim ersten Fallen. Boot aufgeklart und dann ab ins türkisfarbene Wasser.

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Welch eine Wohltat. Außer uns liegen 2 weitere Segelboote, sowie 2 Motorboote hier. Wir machen das Dinghy klar und erkunden die Insel. Laufen am Strand entlang und durch die Dünen zu einer Bar. Die kalten Getränke zischen nur so.

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Zurück am Schiff, wird der Dinghy Motor hochgeholt, das geht nun super leicht und später das Dinghy auf’s Vorschiff gepackt. Alles startklar zum frühen Ablegen, denn am nächsten Morgen soll das berühmt, berüchtigte Kap Maleas gerundet werden.

Wir sind die ersten, die am Morgen die Bucht verlassen. Kurz vor 9 Uhr winken wir den Mönchen zu, die kurz vorm Kap in einem abgeschiedenen Kloster leben.

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Das Kap zeigt sich uns wohl gestimmt, mit Schub von achtern ist das Kap bereits um 9:20h gerundet. Jetzt liegt Kurs Nord an, unser Tagesziel heißt Monemvasia. Bevor wir jedoch dort eintreffen, sehe ich eine Flasche im Wasser schwimmen. Kursänderung, zurück, Flasche an Bord genommen und tatsächlich, wir haben eine Flaschenpost aufgelesen. Sie stammt von einer russischen Crew, die die Nachricht am 14.6.18, also vor 7 Tagen, ins Wasser geworfen hat. Unglaublich, was wir so alles erleben. Im Hafen in Monemvasia legen wir längsseits an. Später am Nachmittag wird eine Flotille mit 12 Booten hier einlaufen, gut, dass wir morgens so früh die schöne Bucht verlassen haben. Wir schlendern durch’s Dörfchen, werden die spätbyzantische Stadt aber erst am nächsten Tag besichtigen.

Am nächsten Morgen laufen wir über den Damm, der das neue Dorf Gefyra mit der alten Stadt am Berg verbindet. Die Sonne brennt unbarmherzig, als wir durch das Westtor die Altstadt betreten. Enge Gässchen schlängeln sich den Berg hinauf.

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Im 13. Jh wurde die Stadt errichtet, Zeugnisse legen die alten Kirchen ab, z.B. Christus Elkomenos, die von Andronikos II. Palaiologos in Auftrag gegeben wurde. Der Name bedeutet weggeschleppter Christos und bezieht sich auf eine Ikone, die zeigte, wie der Gefesselte zum Kreuz geschleift wird. Der Glockenturm steht nach italienischer Manier frei.

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Wir gehen bis zur östlichen Festungsmauer und sind von unseren Aus- und Weitblicken immer wieder fasziniert.

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Wir suchen den Weg zur Oberstadt, spektakulär in den Hang gebaut, der Weg, den Frank mit den Worten beschreibt: dieser Weg wird kein leichter sein,

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und erreichen wieder durch ein altes Tor die Ruinen der Stadt, unmittelbar an der Felskante. Hier lebten im 12. Jh. Adelige. Wir besichtigen die Agia Sofia, eine Achtsäulenkuppelkirche. Zu der Anlage gehörte früher ein Kloster, von dem nur noch Mauerreste stehen. Wir umrunden die komplette Anlage und können nur staunen, ob der Ausblicke.

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Der Abstieg ist beschwerlicher, als der Aufstieg, denn die Steine sind glatt und jeder Schritt muss wohl gesetzt sein. In der Unterstadt belohnen wir uns mit einem Espresso Freddo.

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Wir bleiben länger als beabsichtigt, der Platz im Hafen ist ok, das Wasser klar

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und so werden wir heute Abend Deutschland gegen Schweden sehen. Hoffen wir, dass unsere Jungs diesmal besser drauf sind.

Schland, oh Schland….

 

3 Kommentare zu „Vom richtigen Zeitpunkt“

  1. Oh wow, beim der Beschreibung mit dem Gewitter ist mir ja ein bisschen mulmig geworden.
    Kann mir überhaupt nicht vorstellen wie sich das auf einem Boot anfühlt.

    Die restlichen Bilder und der Reisebericht sind wie immer klasse.
    Das Bild mit der Schildkröte hat es mir besonders angetan.

    Liebe Grüße

    Andrea

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Andrea,
      Gewitter machen Angst auf dem Wasser. Man kann immer Nut hoffen, dass sie eine andere Richtung nehmen und uns verschonen. Wir sind auf dem Meer den Naturgewalten ausgeliefert. Daher beobachten wir die Vorhersagen ganz genau und bleiben auch schon mal länger im Hafen oder einer geschützten Bucht als notwendig. Daher hatte ich den Beitrag auch vom richtigen Zeitpunkt genannt. Ansonsten ist es hier in Griechenland so anders, als in Italien, kaum zu glauben. Wir stöhnen jetzt schon ob der Hitze. Gestern hatten wir 42 Grad im Boot.
      Liebe Grüße Eva

      Gefällt 1 Person

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