Licata, Winterhafen, ankommen

Am Dienstag Abend sind wir in Licata eingelaufen. Hier werden wir bis Ende März 2018 überwintern. Gut gesagt, wenn man zuerst mal seine T – Shirts ohne Arme suchen muss. Anfang Oktober dachte ich, die Zeit der Hochsommershirts ist vorbei und habe meinen Kleiderschrank umgeräumt. Zwischenzeitlich hatte ich in Palermo schon ein Hochsommerkleid wieder aktiviert. Und nun ist es einfach tagsüber sehr warm mit über 20 Grad genießen wir kurze, dafür sonnige Tage im Süden von Sizilien. Auch Licata bietet uns Kultur und alte Kirchen, Burgen und mehr. Natürlich auch wieder sehr nette Menschen, hilfsbereit, wo auch immer sie dir das Leben erleichtern können. Was wir die ganze Zeit vermißt haben: eine Community, die sich hilft und unterstützt. Das ist unglaublich, der Bootsnachbar sagt dir direkt, dass heute, Dienstag, Happy Hour ist. Zudem Halloween und unser 15. Hochzeitstag. Soviele Feiern kann man an einem Tag nicht abhandeln. Zumal unser Tag um kurz nach 5 am Morgen  begann, denn auch heute standen wieder über 55 SM an. Seit der Zeitumstellung sind die Tage dermaßen kurz, dass wir sehr früh starten müssen, wenn wir noch im Hellen einen Hafen anlaufen wollen. Unser Hochzeitstag gibt alles, um uns einen tollen Tag zu präsentieren. Zwar ist die Welle noch hoch, die uns außerhalb des Hafenbeckens erwartet, doch zumindest ist die Richtung ok, denn sie schiebt uns von hinten an. Wir segeln in Küstennähe und haben daher immer Blickkontakt zum Küstenstreifen. Das Wasser ist türkisfarben, wir können die Klarheit des Tages kaum glauben. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die letzten Tage wieder einmal Mistrallage vorherrschte, die als Erkennungszeichen hat, dass die Landschaft wir klargemalt erscheint. Beeindruckend das Capo Bianco, das sich klar weiß mit Kalkgestein an Backbord zeigt. Davor das grüne Wasser, das Auge segelt schließlich mit. Wir genießen den stillen Tag, abgesehen von der noch immer hohen Welle, die uns ab und zu erschrickt, und zwar immer dann, wenn wir denken, sie wird jetzt niedriger. Weit gefehlt, bis zuletzt schiebt sie uns unserem Ziel entgegen. Wir passieren Realmonte, eine Partnergemeinde von Eppelborn. Gedanken an Heimat. Heimat, ganz weit weg, in Kilometern, Temperaturen und doch so nah. In dieser Gegend verlor mein Großvater im Juli 1943 sein Leben. Ich bin ihm auf einmal so nah, wie ich es noch nie war. An diesem Küstenabschnitt haben Engländer und Amerikaner am 10. Juli 1943 Italien vom Faschismus befreit. Mein Großvater gehörte dem deutschen Heer an, das Mussolini unterstützte. Mein Opa war Sanitäter und wurde leider hier scheinbar von eigenen Kameraden Ende Juli ermordet. So bin ich also an meinen Wurzeln angekommen. Eine Beziehung besteht. Seit wir Sizilien in Palermo erkundet  haben, fühle ich mich dieser Insel verbunden. Mich reizt die Landschaft mit schönen Strandabschnitten, hohen Bergen, alten Kirchen, normannischen Burgen und natürlich dem Ätna. Nun sind wir also angekommen. Die nächsten Monate können wir Land und Leute erkunden. Der Hafen bietet all das, was man sich als Langfahrer wünscht, eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, mit denen wir über Monate nun Kontakt haben werden. Und Kontakt ist gewährleistet.  Am Ponton begegnen wir unseren Nachbarn, jeder ist auf ein Gespräch aus, denn die meisten haben die letzten Monate wenig Möglichkeit gehabt, sich mit Gleichgesinnten zu unterhalten. Hier gibt es viele Gemeinsamkeiten, jeder hilft jedem, Gespräche sind obligatorisch. So war ich heute zum ersten Mal zur Yogastunde und als ich an den Steg zurückkomme, wartet schon der nette Finne mit seiner Frau auf mich, die eine schwere Grippe erwischt hat und die daher nicht mit zum Yoga kommen konnte. Sie spricht sehr gut deutsch, wir können uns also in meiner Muttersprache unterhalten. Wir sind jedoch auch bemüht, die nächsten Monate italiensch zu lernen. Morgen werden wir zu unserer ersten italiensch Stunde gehen.  Beim Wäschewaschen ging es heute sehr solidarisch zu. Wer hat wieviel Wäsche und welch große Waschmaschinen werden benötigt. Wir reihen uns in eine Schlange ein, ganz solidarisch, super. Heute Mittag hat uns dann ein Facebook Freund Harald Obergrusberger besucht. Er war schon einmal hier und hat gleich ein paar Insiderinformationen gegeben. Danke Dir Harald. Morgen werden wir uns eventuell zur Happy Hour treffen, die zweimal die Woche angeboten wird. Am Sonntag dann das gemeinsame BBQ. Unsere Stegnachbarn haben uns schon zum Wein eingeladen, da sie zwei Kinder und einen Hund haben, werden wir ihre Einladung natürlich gerne annehmen. Nun heißt es zuerst einmal ankommen, die notwendingen Arbeiten am Schiff durchführen und uns über Winter einrichten. Wir genießen die noch warmen Temperaturen und freuen uns auf die bevorstehenden Monate in dieser Marina im Süden von Sizilien. Bleibt gesund, wo auch immer ihr gerade seid und uns folgt.

Heute habe ich mal wieder das Werkzeug ausgepackt. Ein paar Tropfen entwichen aus dem Zulaufschlauch für das WC, gleich daneben ein paar Tropfen Kühlwasser aus der Zuleitung zur Heizschlange des Warmwasserbereiters, Bilge gewienert, Pampers entsorgt (die nutze ich zum Aufsaugen entweichender Flüssigkeiten, EIRA ist manchmal inkontinet, s.o.). Bei den Arbeiten am Mast (das Leerrohr für die ganzen Kabel ist lose und klötert bei jeder Bewegung) kommt Harald auf ein Bier vorbei, also einpacken und vertagen, morgen ist auch noch ein Tag und die sind verdammt kurz.

Die Fahrräder, welch eine segensreiche Erfindung, kommen mittlerweile zum Einsatz und plötzlich kann ich im Vorschiff Tango tanzen!

Übrigens ist die Marina ziemlich gut organisiert, alles sauber, alle höflich und zuvorkommend, scheint eine gute Wahl zu sein. Der lebendige Ort ist direkt angrenzend, keine Touris, keine Kreuzfahrer, nur Einheimische und Yachties halt. Sehr International, Europa, Amerika, Afrika, Australien, werden uns am Sonntag beschnuppern (BBQ) und fachsimpeln. Bis die Tage….

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