Hurra, wir leben noch

Das schlechte Gewissen und zusätzlich schlechtes Wetter sorgen heute dafür, ein Lebenszeichen zu geben.

Wir sind in Cartagena, unserem Winterhafen 2019 bereits am 18.10.19 eingetroffen, d.h. wir haben uns hier bereits gut  eingelebt und vieles gesehen. Doch, der Reihe nach. Gemeinsam sind wir bis Calpe gekommen. Der Sonntag diente dem relaxen, gut essen und spazieren gehen. Am Montagmorgen stehe ich früh auf, gratuliere unserem Freund Rudi Holzer zum Geburtstag. Mit einem genialen Ableger verlassen wir die Marina am Fuße des Isfach. Genial deshalb, weil die Box mega eng ist und wir alle Möglichkeiten durchgesprochen haben. Ja, manchmal sind die Verhältnisse optimal. Das bisschen Wind drückt uns in die richtige Richtung, also kann es los gehen nach Alicante. Der Küstenabschnitt ist echt häßlich, einziges Hihglight sind Wasserfälle, die wir kurz vor Benidorm sehen. Das Wetter wird schlechter. Dicke Regenwolken ziehen auf, wir durchsegeln 2 Gewitterfronten mit heftigen Schauern.

Beim Einlaufen in den Yachthafen von Alicante zeigt sich die Sonne. Wir zahlen die Marina für 2 Tage und machen uns auf in die Stadt. Ist es die gewittrige Stimmung, die uns keinen echten Zugang zur Stadt finden lässt? Keine Ahnung, nach 2 Stunden und einem Apero an einem unschönen Platz gehen wir zurück an Bord und bereiten Gnochi mit Chorizo in Cidre Soße zu. Wenigstens das Essen ist lecker. Ein weiteres Gewitter lässt uns früh in die Koje kriechen.

Ausgeruht und mit gereinigte kühler Luft, es sind gerade mal 18 Grad, machen wir uns auf zu einer weiteren Erkundung der Stadt. Zuerst steuern wir den Mercat central an.

Die Stände erstrecken sich über 2 Etagen, doch wir lassen uns nicht verführen, kaufen nichts sondern trinken in der Sonne hinter der Markthalle einen Cafe con leche. So gestärkt beschließen wir, die Festung Santa Barbara zu erklimmen und zu besichtigen. Hoch über der Stadt thront die ehemalige Burg in gut erhaltenen Zustand. 166 m über dem Meeresspiegel auf dem Berg Monte Benacantil gelegen, unmittelbar am Meer bietet sich uns ein gewaltiger Rundumblick. Bereits die Mauren nutzten im 9. Jhd diesen äußerst strategischen Punkt um die Bucht und das gesamte Hinterland zu verteidigen.

Die Burg trägt ihren Namen, weil Alfonso el Sabio, der Weise, die Burg am 4. Dezember 1247 den Mauren entreißen konnte, dem Namenstag der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute. Während der Regentschaft von König Felipe dem II. wurde die Burg im 16. Jhd erheblich ausgebaut und besteht seither aus 3 Teilen, von starken Mauern und Wehrtürmen umgeben. Wir genießen die unglaubliche Aussicht und machen uns bei strahlendem Sonnenschein an den mühseligen Abstieg über hunderte von Stufen.

Das städtische Leben spielt sich auf den Plätzen der Stadt und der Esplanada, einer Promenade unter Palmen in Sichtweite zum Meer. Hier schlendern sowohl Einheimische, als auch Besucher entspannt entlang. Hier herrscht keine Hektik, kein Massentourismus, wie in den umliegenden Orten, hier geht es lässig und leichtfüßig über das Wellenmuster des Bodens.

Die Ursprünge der Stadt reichen ins 5./4. Jhd v. Chr zurück. 3 Jhd später bauten die Römer die Siedlung Lucentum aus. Ab dem 8. Jhd herrschten hier die Mauren, bis die Stadt 1266 von Jaime I. erobert wurde. Der Aufstieg als Handelszentrum war nicht mehr aufzuhalten. Der Hafen wurde zum wirtschaftlichen Motor. 1812 wurde Alicante zur Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Während dem spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 war Alicante der letzte Rückzugsort der Republikaner und vom Hafen versuchten viele Bürger vor Franco zu fliehen. Heute wird der Hafen vom Kreuzfahrterminal und dem riesigen Industriehafen  überragt.

Am nächsten Morgen finde ich an Deck einen abgebrochenen Bolzen. Oh Schreck, was ist kaputt? Finde die Ursache in einem Karabiner an der Reffleine des Trekkers. Schäkel tauschen und Leinen los Richtung Santa Pola, wo wir uns mit Freunden aus Licata, Anne – Inger und Morten aus Norwegen, treffen wollen. Mit schönem Wind geht es bis zum Cap vor Santa Pola. Die Marina ist der Hammer, separate Nasszellen mit Toiletten, alles perfekt sauber.

Ich bereite einen kleinen Imbiss vor und dann stehen die beiden Norweger vor uns. Welch eine Freude, die beiden nach einem halben Jahr und unterschiedlichen Segeltouren wieder zu sehen. Sie sind mit dem Flugzeug aus Catania für einen Kurzbesuch hierher gekommen. Wir berichten von unseren separat verbrachten Monaten, es gibt viel zu erzählen, gehen die Beiden nun mit ihrem Segelboot über die französischen Kanäle zurück nach Norwegen.

Gemeinsam besuchen wir eine Fischauktionshalle , genannt Llonja. Bereits im 5. Jhd v. Chr gab es hier eine iberische Handelssiedlung, die Seehandel betrieben. Nachdem wir uns auch das Fortaleza, eine Festung aus 1557 zum Schutze der Bevölkerung und des Fischerhafens vor plündernden Piraten erbaut, angesehen haben, heißt es bereits wieder Abschied nehmen.

Schade! Mit den Beiden haben wir zwei tolle Winter in Licata verbracht, wer weiß, was uns in unserem Winterhafen in Cartagena erwartet?

Am nächsten Tag bereite ich alles vor für unseren letzten langen Schlag nach Cartagena. Wasche Wäsche, bereite Nudelsalat vor. Ein letzter Spaziergang durch Santa Pola.

Um 6:45 am 18. Oktober legen wir ab. Mit dem Großsegel versuchen wir Stabilität is Boot zu bringen, aber irgendwie haben wir die Strömung gegen uns. Wir werden immer langsamer, so ein Mist. Aber es sollte noch schlimmer kommen. 2 Mal wird uns heute noch der Motor ausfallen. Und wir wollen doch endlich in Cartagena ankommen. Zum Glück lässt sich die Maschine immer wieder starten, aber, das ist jetzt klar, der Motor braucht nun viel Pflege und Wartung.  Die Delfine merken wohl, dass wir etwas Aufmunterung benötigen. Mehrere Gruppen zeigen, was sie können, springen hoch, überschlagen sich, so dass die Stimmung an Bord steigt. Die Sonne geht in einer Feuerexplossion unter. Mein Gott, unser letzter Sonnenuntergang auf See ist unbeschreiblich schön. So laufen wir im Dunkeln den Hafen von Cartagena an, ein riesiger Naturhafen mit Industrie-, Werften- und Marinebereichen. Auch ein Uboothafen gibt es hier, also viel zu sehen. Unsere Leinen sind um 20:30 fest. Müde trinken wir unser Anlegerbier. Jetzt noch kochen und dann fallen wir müde in den wohlverdienten Schlaf.

 

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