Valencia mi amor oder fasziniert von einer Stadt

Nur gut, dass wir von Anfang an vorhatten, hier so lange zu bleiben, hatten wir doch Informationen aus erster Hand von Susan und Mikel von Amarone.

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Wir hatten vier Häfen zur Auswahl, was die Entscheidung nicht gerade leicht machte. Da unsere Freunde Petra und Peter von Flip Flop im Club Nautico waren, haben wir uns für die gute Alternative Marina Mar entschieden, ok, ausschlaggebend war der niedrige Preis mit 17 ,- € die Nacht, dafür nahmen wir die weiten Wege gerne in Kauf. Haben wir doch Fahrräder an Bord, die bisher immer nur im Winter zum Einsatz kamen, sollten sie nun für mehrere Tage unser Fortbewegungsmittel sein. Zuerst wurden wir jedoch von einem netten Schweizer begrüßt, der ebenfalls im Club Nautico mit seiner Stahl Reinke 10 mit Namen SY Pasodoble liegt. Andy kam am ersten Abend mit dem Fahrrad vorbei, neugierig auf unsere Reinke, haten wir uns am Tag zuvor zufällig in der Facebook Gruppe Reinke Technik und Erfahrungsaustausch kennengelernt. Andy hatte angeregt, eine Liste zu erstellen, wo welche Reinke liegt. Am nächsten Morgen haben wir seine Reinke angeschaut. Stahl halt und soviel zu tun, dass wir froh waren, eine Aluyacht zu besitzen.

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Am Nachmittag kamen Petra und Peter zu Besuch, bei Kaffee und Apfelkuchen haben wir über unsere Erlebnisse auf Columbretes  berichtet, abends gab es eine leckere Paella Marisco und wir machten Pläne, was wir gemeinsam ansehen wollten. Am nächsten Morgen also kruschelt Frank die Fahrräder raus aber oh Schreck, wo sind die Schlüssel für die Schlösser? Heftige Suchaktion, die ich mit Erfolg abschließen konnte, auf die Fahrräder und los. Erster Stop das Science Center, das man über  genial angelegte Fahrradwege erreichen kann. Dieses Zentrum liegt in einem trocken gelegten Flußbett des Turia und beherbergt ein Ozeaneum, in dem alle Meere mit Lebewesen besichtigt werden können, ein Science Zentrum, in dem die Wissenschaften erklärt werden, ein riesiger Kinokomplex, eine Ausstellungshalle und Gärten, Parks, Musikhallen und so vieles mehr. Der Fluß Turia  trat in den fünziger Jahren des letzten Jahrhunderts über die Ufer, die Überschwemmungen waren fürchterlich, viele Menschen starben, die Stadt musste evakuiert werden und man beschloss, den Fluss umzulegen. Daraus entstand eine Brachfläche mit 8 KM Länge. heute genutzt als Jardin ( Garten ) del Turia. Somit entstand mitten in der Stadt, entlang der alten Stadtmauer eine grüne Oase der Ruhe, mit Wegen speziell für Fahrradfahrer, Fußgänger, Sportflächen und der Stadt der Künste und Wissenschaften.

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Das ungewohnte Fahrradfahren iim heißen Valencia wurde erleichtert durch diese Grünanlagen. Schattige Plätze laden zum Verweilen ein, doch wir hatten ein Ziel, den Biopark, in dem der Kontinent Afrika nachgebildet wird. Nein, es ist kein Zoo, die Tiere leben in Gehegen, die nicht durch Gitter abgesperrt sind, aber ja, die Tiere sind nicht freiwillig dort, vermehren sich aber prächtig, was wir bei den Silberrücken beobachten konnten.

 

Wir liefen mehr als 5 KM durch diesen Park. auch hier viele schattige Plätze, die zum Verweilen einladen, du gehst über eine Brücke und plötzlich sieht dir eine Giraffe in die Augen. Es nahm den ganzen Tag in Anspruch, wir konnten uns von diesem Ort der Stille und Ruhe kaum trennen, unglaublich, dass dieser Park mitten in der Stadt Valencia liegt.  Zurück am Boot hatten wir mehr als 35 km geradelt, ohne die Straße benutzen zu müssen. Ihr merkt, ich bin begeistert, da könnten sich die meisten deutschen Städte drei Scheiben und mehr davon abschneiden. Man fühlt sich auf dem Rad sicher und traut sich in eine Großstadt, denn dabei handelt es sich bei Valencia, ist sie die drittgrößte Stadt Spaniens.

Doch mitten in die Altstadt trauten wir uns noch nicht mit den Fahrrädern. So nahmen wir am nächsten Tag den Bus, der direkt vor dem Club Nautico abfährt, Anreise zur Haltestelle immerhin 2 km, dies jedoch mit dem Fahrrad. Die Linie 15 brachte uns direkt an den Nordbahnhof,  er ist eine wahre Augenweide, erschaffen im Stil des valencianischen Modernismus, erbaut von Demetrio Ribes zwischen 1906 und 1917. Hier trifft Altes auf Neues, der Innenraum ist mit Mosaiken geschmückt, die Orangen, Palmen und mehr darstellen. Eine wundervoll gestaltete Holzdecke wird von wuchtigen Stützpfeilern gehalten und rundum gibt es gute Reise Wünsche in mehreren Sprachen. Daneben die modernsten Kartengeräte und die Abfahrtshalle ist eine Wucht. Da die hochmodernen Schnellzüge andere Spuren brauchten, hat man diesen Traum von Bahnhof nicht abgerissen, sondern einige Meter weiter, ein modernes Gebäude für diese Art von Fortbewegung geschaffen, die bessere Wahl als Stuttgart 21.

Nebenan gleich die Stierkampfarena, die zu den größten Spaniens gehört und zwischen 1850 und 1860 im neoklassizistischem Stil erbaut wurde. Ich habe mich geweigert, den Skipper zu einem Stierkampf zu begleiten, auch wenn es eine Vorstellung ohne Töten gab.

Nur wenige Schritte entfernt liegt an einem großen Platz, Placa de lˋAjuntament auf der einen Seite das Rathaus mit einem prächtigen Glockenturm, der noch immer die vollen Stunden ankündigt  und im Inneren gibt es ein kleines Geschichtsmuseum zu besichtigen. Wir kreuzen den Platz und stehen unmittelbar vor der Post mit einer unglaublich schönen Glaskuppel, in welche die Wappen aller 48 spanischen Provinzen  eingearbeitet sind. Im Eingangsbereich befinden sich die Briefkästen, hübsch sortiert nach den verschiedenen Bestimmungsorten. An der Außenfassade befinden sich 2 Briefkästen in Form eines Löwenmauls, wer hier seine Post einwirft, muss sinnbildlich seine Hand ins Löwenmaul stecken.

Nächster Stop ist der Mercat Central, die Jugendstil Halle, mit 8160 qm in zwei unterschiedliche Zonen unterteilt. Das Gebäude wird von Eisenträgern gehalten und ist mit viel Glas versehen sowie mit Glaskunst dekoriert. Im Inneren fällt Licht durch eine große Kuppel in 30 m Höhe. Es gibt 300 Verkaufsstände, die alle möglichen Leckereien zum Kauf anbieten. Seht selbst.

Wir kosten von den Tapas und haben plötzlich Hunger auf mehr, suchen uns eine nette Tapasbar, in der wir an Körper und Geist regenerieren. So gestärkt machen wir uns auf zum Placa de la Reina, ein weiterer begrünter Platz unmittelbar an der Kathedrale. Die Santa Maria de Valencia steht auf historischem Boden, hatten bereits die Römer hier zu Ehren der Göttin Diana einen Tempel errichtet. Nach den Goten errichteten die Muslime hier eine Moschee und nach der christlichen Eroberung der Stadt 1238 wurde 1262 mit dem Bau der Kathedrale begonnen. Gebaut wurde bis 1426 und weiter und weiter. 1703 entstand der barocke Haupteingang, ein prachtvolles Tor mit allegorischen Skulpturen verziert. Diverse Kapellen säumen den Hauptgang. Direkt neben dem Haupttor befindet sich in der Capilla del Santo Caliz der heilige Gral, ein Kelch, den Jesus beim letzten Abendmahl benutzte.

Der Hauptaltar ist ein prachtvolles Werk, das mehrere Einzelbildnisse enthält, jedes für sich ein eigenes Kunstwerk. Hier kann man Stunden verweilen, ein angeschlossenes Museum zeigt verschiedene Gemälde und religiöse Kultgegenstände der lokalen Prozessionen.

Den Glockenturm Micalet kann man über 207 sehr enge Stufen ersteigen und oben 14 Glocken sehen, von denen die schwerste 7800 kg wiegt, doch wir haben ein anderes Ziel. Gibt es doch ums Eck das Tribunal de les Aigües zu besichtigen. Dieses Wassergericht ist eine einmalige Institution, die bereits seit 1000 Jahren existiert und jeden Donnerstag tagt, ja, es ist Donnerstag, doch leider spät nach 12 Uhr, als wir endlich eintreffen. Auf valencianisch wird hier über Streitigkeiten rund um Bewässerung und Kanäle  mündlich verhandelt, dazu treffen sich die Vertreter der acht ländlichen Wasserbezirke in traditionell bäuerlicher, dunkler Tracht.

Vor dem Gebäude ein weiterer Platz, der Placa de la Mare de Deu mit einem auffälligen Springbrunnen. Die zentrale männliche Gestalt symbolisiert den Fluss Turia, die 8 leichtbekleideten Wasserträgerinnen repräsentieren die 8 Bewässerungsbezirke Valencias.  Müde und erschlagen von der Schönheit und dem Glanz dieser beeindruckenden Stadt machen wir uns per Bus zu 1,50 € auf den Heimweg.  Es heißt Abschied nehmen von Petra und Peter, die sich am nächsten Morgen auf den Weg in ihren Winterhafen nahe Barcelona begegeben. Schön war es mit Euch zusammen in Port d‘ Andratx, wo wir gemeinsam die Gewitter und Unwetter erlebt haben und auf Ibiza, beim gemeinsamen Schaukeln im Wind.

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Wir steigen am nächsten Tag auf unsere Räder und fahren zum größten Aquarium Europas. Hier werden in 42 Millionen Liter Salzwasser, die dem Mittelmeer entnommen und über ein kompliziertes System aufbereitet bzw. an kühlere oder auch wärmere Lebensräume angepasst werden.

500 Tierarten werden auf 110.000 qm in neun Bereiche verteilt dargestellt. Spektakulär ist der 70 m lange Unterwassertunnel, der sinnbildlich die Meeresfauna und – flora Europas mit der Karibik verbindet.

Praktischerweise liegt direkt gegenüber ein riesiges Einkaufszentrum. Im Carrefour decken wir uns mit Leckereien ein, sind wir am Abend doch recht erschlagen, von all dem, was wir gesehen, erlebt und erradelt haben.

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Letztlich sind wir so mutig, dass wir mit dem Fahrrad in die Innenstadt fahren. Wir schlendern durch den Garten der Königin, radeln zum Mercat de Colon, wo es heute weniger Leckereien zu kaufen,

 

als vielmehr zu esssen und zu trinken gibt, unter der Brücke de les Flors entlang, der Blumenbrücke, wo jährlich 105.000 Blumen gepflanzt werden. Früher wurden die Pflanzen mehrmals im Jahr ausgetauscht, nach der Finanzkrise 2008 konnte das Geld, 500.000 € nicht mehr aufgebracht werden.

Einen Abend treffen wir uns mit Tatjana und Thomas, die mit ihrer Stahlyacht SY Wal in der Marina Real de Juan Süd liegen, sie sind in Deutschland losgesegelt, haben aber noch so einige Projekte zum abarbeiten.

Wir besichtigen die Seidenbörse , ein wuchtiges Gebäude im gotischen Stil, das zwischen 1483 und 1498 erbaut wurde und nun um Weltkulturerbe der Menschheit gehört. Es repräsentiert Macht und Reichtum, den die Fernhändler im 15. Jahrhundert erarbeitet hatten. Der große Saal wird getragen von 17,40 m hohen Palmensäulen.  Die Händler wurden damals schon schriftlich angehalten, saubere Geschäfte abzuschließen, wenn nicht, landeten sie in einem Kerker, der praktischerweise, in das Gebäude integriert war. Im Obergeschoss tagte das Consulat del Mar, das über Streitigkeiten im Seehandel wachte. Die Holzdecke hier ist unglaublich.

Ein Katzensprung entfernt, wieder der Mercat Central. Ein letztes Mal verpflegen.

 

 

Dann stehen profane Dinge an wie Wäsche waschen, einkaufen, Route planen und Wetterberichte ansehen, ja, und dann geht es nach einem letzten Abendessen mit Andy und einer valencianischen Paella, Hähnchen, Kaninchen, Elefantenbohnen und Reis, weg aus dieser traumhaften Stadt der Paella, Kunst und Wissenschaft.

Wir erwischen einen denkbar schlechten Tag, mit viel Welle, Regen und laufen am Nachmittag im Sonnenschein Denia an. Verweilen hier nur eine Nacht unterhalb der Burg, machen einen kurzen Ausflug in die Altstadt und sagen am nächsten Morgen: hasta luego, bis bald.

Jetzt liegen wir bereits den zweiten Tag in Calpe, unter dem beeindruckenden Pennon de Ifach, der verglichen wird mit dem Felsen von Gibraltar. Während Calpe Erhebung bedeutet, wird Hifach oder Ifach mit Norden übersetzt. Die Phönizier haben hier als Erste einen Handelsplatz errichtet. Heute ist es einer der hässlichsten Orte an der Costa Blanca, ein Platz, der von Ferienhochhäusern und Hotels gekennzeichnet ist. Der Berg hinter uns ist jedoch genial, 332 m hoch, ragt er einen Km ins Meer hinaus. Die Möwen, die hier nisten, schreien Tag und Nacht. Morgen geht es für uns weiter nach Alicante und danach nach Santa Pola, wo wir Freunde aus Licata treffen werden. Die Tage werden kürzer, die Crew sehnt sich nach dem Winterhafen. Cartagena ist nicht mehr weit, womöglich sind wir bereits nächstes Wochenende dort. Wir haben viel erlebt auf den gesegelten 1600 SM bisher, noch sind wir nicht am Ziel für dieses Jahr.

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Genießt den Sonntag, lasst es euch gutgehen, wo auch immer ihr gerade seid.

 

Die Crew sagt hasta luego und bleibt uns treu.

 

Vom Wetterphänomen Gota Fria bis zur Vertreibung aus dem Paradies

Ja, es wird Herbst, unschwer an der Häufigkeit der Gewitter zu erkennen. Nun sollte es aber ganz böse werden. Gota fria wurde angekündigt und Wetterwarnungen wurden ausgesprochen. Also mussten wir uns einen halbwegs sicheren Platz suchen. Wir verlegten nach Port d´Andratx an eine Boje, lediglich 7 SM von Santa Ponsa entfernt. Der Hafen ist zu teuer im September und die Boje bietet uns die Sicherheit, die wir suchen. Doch was ist schon sicher bei Sturm und Gewitter. Gota Fria bedeutet kalter Tropfen und ist ein Wetterphänomen, das meist zu Beginn des Herbstes auftritt, wenn kalte Luftmassen des Windes Transmontana aus den Pyrenäen auf Mistral und warme Luftmassen aus Algerien oder Marocco treffen. Am Dienstag, den 10.9. ist es dann soweit, anstatt entspannt in Cabrera den Naturpark zu genießen, harren wir in Port d´Andratx aus und lasssen ein Gewitter nach dem anderen über uns ergehen. Leider dreht der Wind auf Südwest, so dass nun auch noch eine elendige Welle in die Bucht steht, wir rollen hin und her. Starkregen verbannt mich ins Innere des Bootes, während Frank am Ruder steht und versucht, die schlimmsten Bewegungen des Schiffes auszugleichen. Handy, Tablett, Handfunke sind mal wieder im Backofen und der Motor läuft, damit wir bei einem Blitzeinschlag manövrierfähig sind.  Ursprünglich wollten wir uns mit Mojito und Pascale und Gerrit auf Cabrera treffen und 800 Tage an Bord feiern. Muss alles abgesagt werden, die Boje kann nicht storniert werden, was sollˋs, die Sicherheit für Boot und uns geht vor. Es stellt sich dann heraus, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, denn die Ostseite und insbesondere Cabrera hatten Windstärke 10 und meterhohe Wellen, dazu Hagelkörner, die Biminis zerstört und GFK Boote beschädigt hat.. Durchatmen,  als die errste Front durch ist, leider ist noch mehr angekündigt, also verpflegen wir uns am Mittwoch in einer Wetterpause, versuchen, einen Hafenplatz in Palma zu bekommen und erhalten leider eine Absage. Es ist auch nicht sicher, ob wir hier an der Boje bleiben können, denn nachdem noch mehr schlechtes Wetter angesagt ist,sucht jedes Boot einen sicheren Platz. Der nette Marinero lässt uns wissen, dass er uns nicht vertreiben wird, wir buchen gleich bis Sonntag,so dass meine Nerven nicht mehr flattern.

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In der Zwischenzeit lassen wir es uns gutgehen, genießen den außerordentlich guten Thunfisch, den uns ein netter Spanier geschenkt hat und gehen immer wieder an Land. Die nächste Front naht, Vorbereitungen an Bord, Dingi und Motor hoch an Deck, alles fest verzurren. Das erste Gewitter erwischt uns am Freitag den 13. morgens. Heftige Böen kündigen mehr an, das Dingi wird mehrere Zentimeter über Deck geschoben. Renne raus, das Meer kocht, die Boote tanzen an den Bojen. Sehe, wie der Katamaran hinter uns immer näher kommt, Frank rennt zum Heck, gerade rechtzeitig, um Schlimmeres zu verhindern, der Kat rammt uns hinten, Ankerkasten hängt nur noch an einer Halterung und die Badeleiter verhindert, dass der Kat uns aufspießt, Leider bricht dabei eine Holzstiege der Badeleiter und ein derber Schrammen ist das Ergebnis der Attacke. Wie uns die Crew von Flip Flop später berichtet, hatte der Kat anstatt Rückwärtsgang einzulegen, den Vorwärtsgang bedient und somit den üblichen Sicherheitsabstand zwischen den Booten zerstört. Auch Luna hat nun einen Schmarren vorne an der Backbordkufe.

Zeit durchzuatmen und den ersten Schaden zu beheben. Am Abend treffen uns die nächsten beiden Gewitter. Wie die Mallorcazeitng später mitteilt, gab es in der Nacht 153.000 Blitze rund um Mallorca, die schwere Schäden verursachten. Wir blieben verschont, unsere Nerven waren zwar aufˋs höchste gespannt, doch außer, dass uns der Schlaf geraubt wurde, ist nicht’s passiert. Am Samstag verpflegen wir uns, denn wir wollen nun endlich rüber nach Ibiza. Abends treffen wir uns bei Susan und Mikel zum Apero um anschließend an Land eine leckere Pizza zu verspeisen, hurra, wir haben es hinter uns! Petra und Peter von Flip Flop schließen sich uns an und wir genießen den Abend in vollen Zügen.

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Am nächsten Nachmittag gibt es bei uns an Bord Apfelkuchen und Kaffee, denn es sollte unser letzter Abend auf Mallorca sein. Nun heißt es mal wieder Abschied nehmen, während Susan und Mikel Richtung Sizilien segeln, werden wir nach Südwesten Ibiza ansteuern und dort vielleicht nochmals auf Flip Flop und Mojito treffen.Früh am Montagmorgen heißt es die Leine loszuwerfen und Kurs Ibiza ansteuern. Es sollten mal wieder 60 SM von der üblen Sorte werden: das Geschaukel war grenzenlos, Eira schleuderte im Wellental hin und her, in den Schapps schepperte es ohne Ende. Waren wir wohl einen Tag zu früh aufgebrochen. Endlich sehen wir Ibiza vor uns liegen. Von Pascale und Gerrit, SY Mojito wissen wir, dass sich in den Süden verkrochen haben. Als ich meutere beschließt Frank, uns einen ruhigen Abend in der Marina Santa Eulalia zu gönnen. Dankbar stelle ich mein Gemeutere ein und zücke liebend gerne die Kreditkarte um 112,25 € zu berappen. Wir genieeßen die schwankenden, exklusiven Duschen und reinigen am nächsten Morgen das Boot, hatten wir doch ganz schön Salzwasser überbekommen.

Mit Genua und Groß geht es nun dem Süden von Ibiza entgegen. Endlich sehen wir auch wieder Delphine, die mit unserem Boot Fangen spielen. Wir segeln durch die Meerenge zwischen Ibiza und Formentera und treffen endlich auf Pascale und Gerrit. Anker runter, Dingi ins Wasser und die beiden herzlich in den Arm genommen, haben wir uns seit Mai und Malta doch nicht mehr gesehen. Abends können wir dann auch endlich auf unsere 800 Tage Bordleben anstoßen, obwohl es nun bereits 808 sind. Mojito ist ähnlich lange wie wir unterwegs. In der ruhigen Bucht frönen wir dem Schwimmen, Paddeln

und Yoga, machen abends einen Spaziergang an Land. Früh am nächsten Morgen muss Frank unsere 11 KG Gasflasche wechseln, die wir in Licata kurz vorm Ablegen gefüllt hatten. Will ich doch Kuchen backen, denn heute feiern wir Frank’s  2. Geburtstag, den wir seit 2003 nach dem schlimmen Motorradunfall jährlich feiern. Mit Genua und Motor geht es weiter, der Anker fällt an der Südwestküste von Ibiza. Nach Kaffee und Kuchen gibt es abends eine riesige Paella Marisco in der Cala d’Hort.

Windwechsel vertreibt uns am nächsten Morgen, wir gehen zurück an die Südküste und finden in der  Cala Sa Caxata einen ruhigen Platz für die Nacht. Während unsere Freunde in Deutschland, Birgitt und Rudi, in der Nacht zum 2. Mal Großeltern wurden, dauert das Warten auf das Baby von Anika, Frank’s Nichte, noch immer an. Wir sind unruhig und nervös, war der errechnete Geburtstermin am 9.9. und nun ist bereits der 20. September. In der Nacht platzt dann die Fruchtblase, Anika fährt ins Geburtshaus, das Warten geht weiter. Wir suchen einen ruhigen Ankerplatz, werden jedoch nicht richtig fündig, ankern in der Punta des Llumbi bei viel Geschaukel. Am Samstag ist es dann soweit, Leonidis, genannt Leon oder Leo ist endlich zur Welt gekommen. Frank telefoniert mit Birgit und Olaf, den glücklichen Großeltern, wir feiern mit Linsensuppe und Würstchen und stoßen abends mit Gerrit und Pascale auf den neuen Erdenbürger an, gleichzeitig ist es unser letzter gemeinsamer Abend, da wir hoch nach Sant Antoni wollen und Gerrit und Pascale zum Festland müssen. Schon wieder Abschied nehmen, ich werde es nie lernen, es geht mir immer so nah, doch es besteht Hoffnung, dass wir uns über Winter treffen werden.

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Wir kommen abends nach viel Wind und noch mehr Welle in Sant Antoni an, finden ein Sandfleckchen und lassen genau darauf den Anker nieder. Anker hält, durchatmen und auf eine ruhige Nacht hoffen. Der Gott des Windes ist uns gnädig und nach einer absolut ruhigen Nacht erkunden wir am nächsten Morgen das Städtchen.

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Schnell sind wir riesig enttäuscht, Tourismus und Kommerz ohne Ende. Lichtblick sind der nahe Lidl, der uns mit einer bayrischen Woche milde stimmt, können wir hier endlich mal wieder deutsche Leckereien einkaufen. Finden direkt am Hafen auch noch eine Wäscherei: was wollen wir mehr. Der Tag wird gekrönt durch die Ankunft von Flip Flop und einen gemeinsamen Absacker bei ihnen an Bord. Am nächsten Abend grillen wir gemeinsam zum Abschied, denn Petra und Peter wollen in den Süden, während wir auf den Absprung auf die Columbretes warten.

 

Doch zuerst meldet sich am Morgen der Ankeralarm, den Frank wohlweißlich eingestellt hat, sollte es doch viel Wind geben. Um uns herum driften die Boote, weil der Anker nicht hält. Wir liegen fest und beobachten, was in der großen Bucht so abgeht. Bereite uns Wurstsalat zu,  nachdem sich der Wind beruhigt hat, fahren wir nochmals an Land zum bunkern, während ich einkaufe, datet Frank Handies und Tablet up. Am nächsten Morgen habe ich endlich Zeit und beste Bedingungen um die Yogamatte auf’s Vorschiff zu legen und eine Yogastunde zu haben. Frank bringt ein letztes Mal den Müll an Land, Motor an Deck, Dingi auf’s Vorschiff und um 16:30h gehen wir Anker auf Rictung Columbretes. Es sollte eine Nacht mit viel Wind und Welle sein, schade, dass uns keine ruhige Überfahrt gegönnt ist. So segeln wir einmal mehr mit Groß und einem Hauch Genua durch eine stockfinstere Nacht. Die Wellen klatschen rechts und links an Bord, wir finden beide keinen Schlaf und sind froh, als wir das Leuchtfeuer der großen Insel der Columbretes sehen. Doch es sollte noch 2 Stunden dauern, bis wir schließlich an einer Boje festmachen, gerade rechtzeitig, um die Sonne aufgehen zu sehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Rühreiern lege ich mich für 2 Stunden auf’s Ohr. Später nehmen wir uns eine andere Boje und vereinbaren mit den Rangern eine Besichtigung der Insel. Columbrets sind ein vulkanischer Archipel, der 30 SM vom spanischen Festland entfernt liegt, die Insel stehen unter Naturschutz, d.h.. sie dürfen nur in Begleitung von Rangern betreten werden, Hunde sind verboten.

 

Das Meeresgebiet in einem weiten Umkreis ist ebenfalls Reservat und somit Fischen und Angeln verboten. Um 17 Uhr starten wir mit 8 Fanzosen und 2 Rumänen zur Erkundung. Unser Guide ist Spanier, Biologe und spricht sehr gut Deutsch. Die Inselns sind vor 1 Million Jahren entstanden, der letzte Ausbruch war vor 350.000 Jahren, somit nicht aktiv. Im 19. Jahrhundert  wurde der Leuchtturm erbaut und anschließend 4 Familien angesiedelt, die das Leuchtfeuer betrieben.  Zuvor mussten jedoch die Schlangen, die den Inseln den Namen gaben, Columbretes, ausgerottet werden. Seit 1980 wird die Anlage mit Solarzellen unterhalten, so dass weniger Personal notwendig war. 1988. wurden die 4 Inseln unter Naturschutz gestellt, um die einzigartige Fauna zu schützen. Später, 1990 wurde das Seegebiet rundum ebenfalls dem Reservat zugeordnet.

Wir beobachten Falken, die hier nisten und gerade ihren Jungen bekommen um dann im November weiterzuziehen. Außerdem nutzen die Zugvögel den Archipel als Zwischenstation auf ihrem Weg nach Madagaskar, somit haben die Falken genügend Futter, um die Jungvögel aufzuziehen. Die Zugvögel werden hier beringt und vermessen. Es gibt endemische Skorpione, die wir Gott sei Dank nicht sehen, 2 endemische Käferarten, wilde Möhren, Kaktusfeigen, niedrig wüchsige Gräser und ganz viel Ruhe, die wir sehr zu schätzen wissen, nach dem Trubel der Balearen, dem Massentourismus und der Action.

 

Wir schwimmen im glasklaren Wasser und möchten länger bleiben, wissen jedoch, dass wir am nächsten Morgen hier durch ein Ausflugschiff vertrieben werden. So what, den Abend können wir hierbleiben, es gibt keine Berechtigung und nur 10 Bojen. Spät kommen unsere rumänischen Nachbarn zu einem Glas Wein an Bord. Melinda arbeitet als Modell und Schauspielerin und Rari kümmert sich um das Boot.

Während wir uns des Lebens freuen, kämpfen in der Nähe von Cartagena 7 Flüchtlinge um ihr Leben. Ausgesetzt in einer Rettungsinsel hören wir die Nacht unserer Überfahrt ins Pardies alle 15 Minuten das Pan Pan der Küstenwache. Wir können nicht in Erfahrung bringen, ob die Flüchtlinge gerettet werden konnten.

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Und wir werden dann tatsächlich um 11.15h am Samstag Morgen vertrieben. Der Ranger funkt uns an, dass das Ausflugsboot an Boje 10 festmachen wird. Super, ich am Geschirrspülen, Dingi noch nicht oben, so what, wir werfen die Leine los, gehen um die Insel herum und machen an Boje 11 fest, klaren das Schiff auf und beschließen, das Festland anzusteuern, da hier draußen zuviel Schwell ansteht. Wir reinigen auf der Überfahrt, die ruhig verläuft, den Grauwassertank, der total verschmutzt ist, natürlich nicht ganz freiwillig, habe ich gestern Abend eine Linse verloren, die wir versuchen zu finden. Letztendlich finde ich sie in einem Organizer im Bad.

 

Die nächsten beiden Nächte verbringen wir im Hafen von Buriana Nova, am spanischen Festland. Der Hafen ist äußerst preiswert, zahlen wir je Nacht lediglich 13,-€, nach den Preisen der Balearen kaum zu glauben, haben wir doch für die Boje in Andratx schon 46,50 € je Tag bezahlt.

 

Mittlerweile sind wir in Valencia angekommen und genießen diese 3. größte Stadt Spaniens in vollen Zügen. Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag. Wir wünschen Euch einen schönen Sonntag, wo auch immer Ihr seid. Ganz lieb grüßen wir den Wonneproppen Leo und seine Eltern Anika und Albi.