Reisen verändert? Natürlich

Reisen macht dankbar, für die Lebenszeit inmitten der Natur, Wind und Welle ausgesetzt, nicht immer schön und angenehm, doch das Losfahren oder Weitersegeln ist notwendig, um weiter zu kommen. In die nächste Bucht, den nächsten Hafen und letztendlich zu neuen Menschen und Orten.

 

Die Angst überwinden, aufmerksam sein, für alles, was um dich geschieht. So beobachte ich ständig den Wind und die Welle, gibt es Veränderungen? Muss der Kurs angepasst werden, was geschieht um uns herum. Die Zeit vergeht im Fluge, Langeweile, Monotonie, ein Fremdwort.

 

Dankbar sein, für den Bruder zu Hause, der mir das Fortgehen ermöglicht hat zu einer Zeit, als unsere Mutter krank wurde und er mich immer wieder darin bestärkt hat, genau das richtige zu tun. Dankbar für die Freunde überall, die uns nicht vergessen. Natürlich ist manchmal das Herz schwer, Freunde und Familie nicht um einen zu haben. Doch eins ist gewiss, wenn du dich nicht auf den Weg machst, wirst du vieles von dem, was wir die letzten 650 Tage erleben durften, nicht erleben. Muss man das haben? Nein, sicherlich nicht, nur, wenn du dich aufgemacht hast, gibt es so schnell kein zurück. Die Sehnsucht nach neuen Orten, Kulturen und anderen Menschen lässt mich immer wieder aufbrechen. Oft mit weinendem Auge, wegen all dem, was ich hinter mir lassen muss, aber auch mit der Gewissheit, dass anderswo Neues zu entdecken sein wird.

 

Dankbarkeit, gesund und munter zu sein. Dazu trägt bestimmt bei, dass wir meistens den ganzen Tag an der frischen Luft sind und uns jahreszeitbezogen ernähren. Alles frisch, weil nur eine kleine Kühlmöglichkeit zur Verfügung steht und nur haltbare Lebensmittel im größeren Umfang bevorratet werden können. Doch was heißt schon groß? Das Schiff hat nur begrenzten Stauraum und selbst dieser muss gut genutzt sein. Also lieber auf Kleidung verzichten und dafür Ersatzteile oder Nudeln mitnehmen. Aufgrund meiner früheren Trekkingreisen bin ich gewohnt, mit kleinem Gepäck unterwegs zu sein. Ein riesiger Kleiderschrank, 100 paar Schuhe, Taschen, all der Schnick Schnack, wird total überbewertet. Ich sage nur, Feng Shui gegen  das Gerümpel im Alltag und Ordnung ist das halbe Leben. Gewusst wie und wo verstaut ist das Wichtigste. ein schwieriger Punkt beim Zusammenleben auf engstem Raum. Jeden Tag eine neue Herausforderung für Frank und eine Geduldsprobe für mich. Listen helfen sich zu orientieren, Aufzeichnungen in den meisten Schapps geben Hilfestellung. Letztendlich ist es mir wichtiger, eine Yogamatte an Bord zu haben, als ein Zuviel an Kleidung. dann muss halt öfter gewaschen werden. Das Reisen mit kleinem Gepäck hat auch den Vorteil, dass schnell ein paar Sachen zusammen gesucht sind und ich mich nicht abmühen muss mit dem Gewicht. Reisen nur mit Handgepäck macht Spaß.

Dankbar sein, auch mal genießen zu können, das gute Wetter, ein Essen mit Freunden, ein Spaziergang oder Ausflug in die Umgebung. Was durfte ich neue Gerichte kennen lernen. Mein erstes Thanks Giving letztes Jahr am 22. November bei Syd und Birgit, zufälligerweise Franks 56. Geburtstag. Baccalao bei Anne – Inger und Morten und die unvergesslichen Kocherlebnisse bei Marilia. Neue Weine, Limoncello, nun von mir selbst zubereitet, wartet er im dunklen Schapp darauf, probiert zu werden. Pisatazien Pesto, hergestellt hier in Sizilien aus Pistazien von Bronte, ein Ort nahe am Ätna.

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Reisen macht demütig. Froh, für gutes Segelwetter, Wetter Apps und die Beobachtungsgabe helfen uns. Wir sehen leider auch viel Leid und Armut, was mich dann wieder dankbar macht für das freie und unabhängige Leben, das wir führen dürfen. Dies bedeutet auch, dass wir in unserem früheren Leben viel gearbeitet haben um vor dem Renteneintritt auf unsere Eira zu ziehen. Das Leben jenseits des Komforts eines Hauses ist schon manches mal mit Entbehrungen und Verzicht verbunden, in einer Art und Weise, mit der wir jetzt gut klar kommen. Solange wir gesund und beweglich bleiben, kein Problem. sollte sich das einmal ändern, muss die Lebensweise neu überdacht werden. Das Know How von Frank ist für unser Leben unabdingbar, zu mal ich die untechnischste Frau schlechthin bin. So ergänzen wir uns bestens und mein Nichtwissen wird von meinem Organisationstalent und meiner Beobachtungsgabe ausgeglichen.

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Reisen verändert das Aussehen. Das Leben auf einem Segelschiff erfordert, dass alles praktisch sein sollte. so stellte ich nach kurzer Zeit fest, dass im ganzen Boot meine Haare zu finden waren. Es hat einfach nur genervt. Also wurden die Haare bei einem Besuch zu Hause von der Friseurin meines Vertrauens abgeschnitten.

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Kleidung ist zweckmäßig und multifunktional und sollte einfach zu pflegen, sprich waschen sein. Für besondere Gelegenheiten ist das kleine Schwarze an Bord. Make up nur noch selten, meistens genügt Wimperntusche. Welch eine Veränderung zu früher.

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Nicht nur wir verändern uns. Auch Eira hat sich gewandelt. Neue Segel, ein Geräteträger für Solarpaneele, Sprayhood und Bimini. Nein, schön wird sie nie werden, es ist wie im wahren Leben, es kommt auf die inneren Werte an.

So hoffe ich, dass sie uns weiterhin sicher zum nächsten Ziel bringt, wo auch immer dies sein mag. Zu neuen Menschen, Ländern und Kulturen.

 

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