Alarm, Wasser im Schiff

Dazu aber später mehr.
Die Überfahrt nach Sizilien verlief schaukelig, war zu erwarten, wenn ständig 20-30 Knoten Wind durch dieses Seegebiet pfeifen. Zurück in Licata galt es erst einmal das alte Dinghy zu verschenken, Carmello, Eva’s Lieblingsphysio erwies sich als dankbarer Abnehmer und kennt natürlich einen Profi im Kleben von PVC.
Als nächstes galt es dann die Bilgen wieder zu füllen, 3 Wochen reißen schon Lücken auf. Mit Unterstützung von Ruth schnell noch eine italienische Gasflasche in unsere umgefüllt (das reicht für ca. 12 Monate) und das nächste Wetterfenster wird genutzt endlich mal Station auf den ägadischen Inseln im Westen von Sizilien zu machen.

Auszug aus Licata

Der Einfachheit halber segelten wir über Nacht dorthin und kämpften uns durch die Fischfangflotte von Sciacca. Da tummeln sich zig kleine Ruderboote mit Mordslampen und verwirren die Fische. Dazwischen düsen 3 dicke Pötte völlig unkontrolliert hin und her. Das Schauspiel konnte ich gut 2 Stunden lang beobachten, allein das System dahinter habe ich nicht verstanden.
Im ersten Licht lag dann Favignana vor uns und wir versenkten den Anker direkt am Leuchtturm auf der Westseite. Himmlische Ruhe, keine Quallen und nur ein einziger Segler eine halbe Meile entfernt, passt.
Da der Weg von hier aus ins einzige Dörfchen doch arg weit ist, verlegen wir tags darauf an die Südküste. So früh in der Saison sind die Bojenfelder noch nicht bewirtschaftet und so findet sich gleich ein ruhiger Ankerplatz.

Noch nicht wirklich viel los

Orientierungshilfe

Favignana war eine Hochburg des Thunfischfanges

Mehrere Spaziergänge in das quirlige Dörfchen später zieht es uns dann doch nach Sardinien und so ziehen wir eines frühen morgens von dannen und erreichen nach entspannter Überfahrt am folgenden Nachmittag Villasimius um Arjan von der MANDABRASA, sowie Wolfgang, der ultimative BBQ-Meister von der ANTARES zu begrüßen. Die Schatten von unserem Winterlager in Licata reichen überallhin.

Frank, Arjan, Wolfgang

Und das ganze mit Eva


Ein paar Tage später erkunden wir die Südküste und so langsam steigen auch die Temperaturen des Wassers in Richtung badetauglich ohne Herzkasper beim Eintauchen. Auf dem Rückweg Richtung Südostecke, der ständig blasende Mistral vergällt uns den Weg über die Westküste, überredet Eva mich die Angel einzusetzen und prompt beißt endlich auch der erste Fisch der Saison an. 15 kg Yellowfin-Tuna ist erst mal ausreichend Nahrung für die nächsten Wochen.

Vorher

Nachher

Ein Zwischenstop in der Marina wird genutzt um das Biest zu zerlegen, Wäsche zu waschen, einzukaufen und Essen zu gehen. Ein voll genutzter Nachmittag und so segeln wir am nächsten Tag nach Olbia entlang der Ostküste. Schön abseits der Küste (15 sm), fangen den kleinen Bruder des ersten Tuna’s (3 kg) und erreichen am darauffolgenden Tag Golfo d‘ Arranci.

Der kleine Tuni

…und was man daraus machen kann

Hier in dieser großen Bucht pendeln wir von Nord nach Süd, je nach Wind und Schwell und kaum akklimatisiert kommen Marie und Pierre aus Kanada vorbeigeschlunzt. Mit diesen beiden bin ich vor gefühlt 100 Jahren das erste mal über den Atlantik in die Karibik gesegelt. Die Welt ist halt doch sehr klein und so verbringen wir einige Tage zusammen, es gab so einiges zu erzählen. Ihr Weg führt erstmal nach Tunesien, ich bin aber sicher wir werden uns in Sizilien oder Malta wieder treffen. Den Hochsommer verbringen sie in Kanada, die 3 anderen Jahreszeiten in Europa.

Marie und Pierre von meiner ersten Transatlantik 2009-2010

Zwischenzeitlich lernen wir Thorben, Ulli’s (TUTTO BENE) Sohn und seinen Opa Kurt kennen. Sie wollen mit einer betagten Dufour 35 in die Ostsee segeln. Nach 2 Tagen Crashkurs unter Einsatz aller sich auf dem Boot befindlichen Segeln kann ich sie schließlich doch überreden über die Kanäle zu gehen und die Challenge Atlantik auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Der Kenntnisstand, sowie die Ausrüstung an Bord sind sagen wir mal ausbaufähig.

ELLA, eine Dufour 35

Training mit symmetrischem Spi als Gennaker



Ein aufkommender fetter Mistral wird sich bis Nordsardinien auswirken, Ortswechsel ist angesagt. Idiotischerweise segeln wir nur auf die Nordseite der Bucht, begleitet von Belinda und Andrè von der MISTER BEAN 2 (Licata, gleicher Steg, was sonst?) und eine übelst schaukelige Nacht später verlieren wir die Nerven und verkrümeln uns nach Olbia.

Kurz vorm Start der Formel 1, Andrè ist ein Fan von Verstappen

Belinda schaut sich nur den Start an

Der Stadtkai ist natürlich voll belegt und so ankern wir einfach davor. Eine weise Entscheidung, vielleicht nur etwas zu spät. Sei es drum, es gab irgendwann Platz und so konnten wir unsere Einkäufe bequemer verladen. Ulli hat nach wie vor sein Auto dort geparkt und so fuhr ich den ganzen Tag durch Olbia für Wäsche, Enoteca, Lidl, Flughafen mit André wg Leihwagen, nochmal Lidl mit Arjan und so weiter und so fort. Witzigerweise liegen wir direkt neben der Reinke 13 von Ute und Markus (OKEANOS), das heißt natürlich fachsimpeln und gegenseitig besichtigen. Nebenher das ist nun die 3. Reinke für diese Saison, erstaunlich viele, aber vielleicht fallen sie uns auch nur direkt auf.
Der anschließende gemütliche Abend auf MANDABRASA mit 2 holländischen und 2 deutschen Pärchen endete wie schon auf Malta mit Schlagern aus den 70er Jahren, die von den Niederländer äußerst textsicher mitgesungen wurden. Egal ob Roy Black, Drafi Deutscher, Marianne Rosenberg… you name it.

Ziemlich fröhliche Runde


Hart war der André versprochene Transfer am folgenden Morgen (0830!) zum Flughafen wegen seines Leihwagens, strenggenommen hätte ich zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht fahren dürfen. Gegen Mittag geht es endlich aus dem Hafen, längsseits an der Pier ist praktisch, aber auch unglaublich heiß. Wir verbringen in der Cala Cirgolu ein paar Tage mit MISTER BEAN 2

Richtig gutes Restaurant

Vorspeise

und OKEANOS,

begrüßen zum Abschied eine weitere Reinke 12,

Reinkemania 2023 auf Sardinien

segeln Richtung Golfo d’Arranci und treffen dort die INFINITY mit Angela und Jost (mein Räucherlehrer) von vorvergangenem Winter, die mittlerweile wieder aus der Karibik zurückgekommen sind.

Wieder glücklich vereint

Sie schätzen eher die Vielfalt im Mittelmeer und anhand ihrer Erzählungen von den karibischen Inseln können wir das gut nachvollziehen. Egal, es ist eine Freude sie wieder zu sehen und der kommende Winter in, tata Licata!, wird sicher nicht langweilig werden.
So langsam rückt der Flug von Eva nach D in den Focus, diesen Freitag (es ist Dienstag) isse wech für 4 Wochen und Frank allein zu Haus.
Und was war nochmal mit dem Wasser im Schiff?
Eines schönen Tages schwappen so 2 cm in der Bilge der Pantry, süß zwar, aber trotzdem unschön. Der Schwimmerschalter unseres Grauwassertankes, den ich zu Beginn unserer Reise quasi jährlich wechseln musste war so schwer durch den angesammelten Schmodder, dass er nicht mehr aufschwimmen konnte (schon lange keine Kontaktlinsen mehr darin gerettet) und so tröpfelt es sonstwohin und wird eben nicht automatisch abgepumpt. Diese Sauerei aufzuwischen, auch unter der Duschtasse stand natürlich Wasser, kostet mich einen ganzen Tag und Halsweh wegen der Flucherei im Bad, Stichwort Duschtasse. Da wird zukünftig sensibelst registriert werden müssen ob der Schlingel noch von sich aus pumpt oder eben nicht.
So langsam wird es auch kuschelig hier, Kühlschrank und Gefriertruhe sind im Dauerstress, meine Kopfdichtung steht kurz vorm Platzen und der Sprung ins Wasser erinnert eher an einen Warmbadetag im Hallenbad als an eine Erfrischung.
Vorgestern konnten wir einen weiteren Meilenstein feiern: 2200 Tage an Bord, wow, ich, Eva hätte es nie für möglich gehalten. Wir sind nun über 6 Jahre im Mittelmeer unterwegs und die Zahl der Begegnungen mit lieben Menschen ist unglaublich und macht unser Leben so reich und interessant, da erträgt Frau auch schon mal 40 Grad im Boot.

Life is hard and rich

Frank

4 Kommentare zu „Alarm, Wasser im Schiff“

  1. Schön geschrieben!
    Da tut es immer wieder weh, dass ich meine Yacht verkauft habe.
    Irmi wäre nie länger als 3 Wochen auf der Yacht geblieben.
    Liebe Grüße auch an Deine Seglerfrau, die das alles mit Dir mitmacht.
    Franz

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    1. Ja Franz, wir haben Glück, dass beide es wollen. Eva mag nur den Hochsommer nicht. Zu heiß, zu viele respektlose Charterer, zu viele noch respektlosere Motoryachten ab 100 Fuß aufwärts mit unglaublich viel “ Spielzeug“ an Bord. Die Costa Smeralda hier auf Sardinien ist bekannt für die Schönen, die Reichen und die ganz schön Reichen. Egal, jammern auf hohem Niveau.

      Liebe Grüße

      Eva und Frank

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      1. Nach Deiner Beschreibung seit Ihr zur Zeit ja gerade richtig positioniert!🤣

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