Kommt mit, wir erkunden gemeinsam Cartagena!

Am Tag 840 unserer Reise starten wir, die Marina und Cartagena zu erkunden.  Was uns hier erwartet ist die spannende Frage, die wir uns stellen. Unser erster Gang führt uns natürlich zum Marina Office. Hier gilt es, die Bootspapiere: Auszug aus dem Schiffsregister Hamburg, Versicherung, Personalausweise und Standerschein Transocean, vorzulegen und den Wintervertrag abzuschließen. In Cartagena wird jeder Tag abgerechnet, es gibt keinen Winterkontrakt, so zahlen wir für 14m Länge 2817 Euro, davon sind schon die Prozente für Transocean Mitglieder ab. Dies bedeutet, dass wir schon mal 1000 € mehr zahlen als in Licata, Sizilien. Strom und Wasser kosten nach Verbrauch. Wir besichtigen die Duschen und Toiletten, jeweils 3 für Männer und 3 für Frauen, okay, aber nicht berauschend, kein überdachtes BBQ Areal, kein Raum für Yoga, Musik und ähnliches. Die Stimmung ist etwas weniger euphorisch, doch, von solchen Kleinigkeiten, lassen wir uns die Stimmung nicht verderben. Ein Pluspunkt hat der Hafen: 2 saubere Waschmaschinen und ein Trockner zum Preis von jeweils 4 €, fußläufig vom Boot in 2 Minuten erreichbar. Jetzt wird zuerst geduscht und dann geht es auf in die Stadt, es muss schließlich alles erkundet werden: wo kaufe ich was, nettes Cafe etc.

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Die Stadt ist groß mit über 600.000 Einwohnern. Direkt an der Marina gibt es eine Veranstaltungshalle, ein Unterwassermuseum, von der Stadtmauer trennt uns eine vierspurige Straße. Cartagena ist eine Jahrtausende alte Stadt, in der bereits Hanibal und Scipio Africanus ihre Schlachten schlugen. Ein Spaziergang führt uns durch das punische, römische und moderne Cartagena. Rundum, auf jedem Hügel befinden sich alte Forts. Geht man entlang der Promenade in westlicher Richtung, entlang einer weiteren Marina, hat man zur rechten immer die Stadtmauer im Blick. Am Ende gelangt man zum Marinemuseum und von dort über die Cala Major zum Rathaus und er Haupteinkaufsstrasse. Am besten lässt man sich treiben, biegt immer mal wieder in eine der vielen Nebenstrassen ein. Meist endet man vor einer alten Fassade. Die lässt man un Cartagena gerne stehen und integriert diese in einen Neubau. Oder man steht vor römischen oder punischen Ausgrabungen. Man könnte Cartagena auch als ein riesiges Freilichtmuseum bezeichnen. Steigst Du auf einen Hügel, siehst Du alte Windmühlen, eine Festung, oder eine Burg. Natürlich ist dies eine interessante, blitzsaubere Stadt, Einziger Nachteil: hier landen viele Kreuzfahrtschiffe, an manchen Tagen gleich drei, dann bleiben wir an Bord und waschen keine Wäsche, da diese riesigen Schiffe fortwährend Feinstaub ausstoßen und je nach Wind, bekommen wir den ganzen Dreck ab.

Am Sonntag findet bei gutem Wetter das BBQ hinter dem Container des Büros statt. Der Platz ist leider nicht vergleichbar mit Licata, aber man kann nur mit den Mädels tanzen, die da sind. So what, wir machen das Beste daraus. Es ist sonnig und mehrere Grills sind vorhanden. Während dem sonntäglichen Treffen lernen wir die übrigen Boaties kennen, tauschen uns aus, treffen Verabredungen.

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Bei einem Spaziergang an der Promenade entlang, lernen wir einen Schweizer mit einer Stahlreinke kennen.

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Nach einem Sommer an Bord sammelt sich so einiges an. Das heißt, nun wird geputzt und weggeworfen, was das Zeug hält. Am Ende, müssen frische Lebensmittel an Bord. Die Versorgungslage ist gut, Mercadona, Carrefour und Lidl sind fußläufig gut erreichbar. Die Bäckerei ist nur 10 Minuten entfernt. Kein Problem demnach, doch am Ende des Tages habe ich oft 10000 Schritte absolviert.

Am nächsten Morgen regnet es, also wird innen weiter geputzt, jedes Schapp kommt dran, ausräumen, saubermachen, wegwerfen, was seine beste Zeit hinter sich hat, einräumen. Der Muskelkater ist vorprogrammiert.

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Am nächsten Tag scheint die Sonne, also Wäsche waschen. Zwischendurch kommt Werner, der Schweizer vorbei und wir verabreden uns für den Abend bei uns an Bord. Da es Quiche Lorraine geben soll, kruschelt Frank das Fahrrad raus und besorgt die Zutaten. Und was soll ich sagen, am Abend funktioniert der  Backofen mal und die Quiche schmeckt lecker, wir verbringen einen kurzweiligen Abend.

Morgens stehen die Reiniging des Dhingies, der Luken und der Abdeckungen auf dem Programm. Da am Abend Gabriele, eine Nachbarin zum Essen kommt, muss Fisch besorgt werden, und da ich scheinbar noch nicht genug Aktion hatte, gehe ich auch noch in die Stadt und suche mir einen Frisör, werde herrlich verwöhnt mit einer Aromamassage und dann zurück in die Pantry. Leider verbringen Gabriele und Thomas nicht den Winter hier, wir haben uns  echt gut verstanden, die Beiden segeln nach Almerimar, schade.

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Endlich haben wir am nächsten Abend Gelegenheit, mit fünf Engländern und zwei Norwegern zum Tapas Essen in die Stadt zu gehen. Wir probieren einiges und verleben einen unterhaltsamen Tagesausklang.  Und es kommt, wie es kommen muss, ich bekomme die erste Grippe an Bord, fühle mich richtig krank und das, wo doch eine Schiffsumbenennung ansteht und wir eingeladen sind. Lisa und Ross haben ein gebrauchtes Boot  gekauft, das sie auf den Namen Betsy taufen wollen. Dies ist nicht ganz unproblematisch, müssen Poseidon und die Götter der Winde besänftigt werden. Die Beiden haben nicht nur den Meeresgott eingeladen, auch Vetreter der vier Winde geben alles, damit Betsy immer faire Winde und eine handbreit Wasser unterm Kiel hat,doch seht selbst, wie tolles war:

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Einen Tag vor unserem Hochzeitstag bekommen wir abends Überraschungsgäste. Pascale und Gerrit verbringen zwei Tage in der Marina, wie schön, sie nochmals zu sehen. Wir verabreden uns zum Essen in einem schicken Restaurant, müssen jedoch noch abwarten, bis die Kinder ihr Saures und Süßes zu Halloween abgeholt haben.

Dann geht es ins Luces, wo wir richtig verwöhnt werden und ja, auch hier spielt Halloween eine große Rolle.

Am nächsten Tag müssen wir die Crew der MOJITO in ihr Winterlager nach Torrevieja verabschieden, so Schade, dass wir den Winter nicht gemeinsam verbringen können.

In Cartagena beginnt nun das 39. Jazzfestival und ich konnte für das Eröffnungskonzert 2 Karten ergattern. Am 1. November erleben wir die 89 jährige Kubanerin Portuondo mit ihrer Band im El Batel. Wir erleben Buona Vista Social Club vom Feinsten, Singen, Tanzen zu karibischen Klängen. Wie spannend ist doch unser Leben.

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Und nun wird es 4 Wochen lang jeden Samstag ein Open Air Konzert in der Stadt geben: Cartagena swingt durch den November und wir swingen mit ♡. Musik liegt in der Luft.

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Ja und dann ist es soweit, wir starten Yoga im Park, unterhalb der Stadtmauer, in der Sonne, ich bin begeistert.

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Daneben werden Arbeiten am Boot erledigt,

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wie Holz streichen, Freunde treffen, mittlerweile sind Karen, Toby und die 3 Jungs hier eingetroffen und wir freuen uns auf ein Widersehen nach 18 Monaten.

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Ich beginne wieder zu Joggen, Sarah überredet mich und gemeinsam mit ihr, Katie, Amanda und Phil erlaufen wir uns Cartagena.

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Wir lernen immer mehr Überwinterer kennen, Die Zeit wird kurzweilig, weil Cartagena eine Stadt ist die lebt, Mittelaltertage, Geburtstage, wie der 57. von Frank kommen und gehen.

Die Zeit vergeht im Fluge. Mädelsabende bei Tapas Wein und Bier wechseln sich mit Spieleabenden an Bord ab. Meine Laufkarriere nimmt ein plötzliches Ende, meine Achillessehne streikt, also Bein hoch und Ruhe bewahren.

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Wir besuchen Freunde in Mazaron und besichtigen gleichzeitig die Werft, wo wir im April einige Arbeiten ausführen lassen werden. Dort liegt eine Galeone, der Nachbau eines alten Seglers, den wir gerne besichtigen.

Mittlerweile haben wir ein Auto gemietet, das wir in Alicante am Flughafen entgegen nehmen. Der Preis ist mit anfänglich 3,14€ für 14 Tage sehr preiswert, oder was meint ihr dazu?

Und dann steht plötzlich Weihnachten vor der Tür! Die Stadt ist toll dekoriert undes macht Spaß, abends durch die Stadt zu streifen.

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Am Plaza San Francisco wird eine riesige Grippenlandschaft aufgebaut.

Nachtspaziergang, Tagspaziergang

 

Letzte Streifzüge durch die Stadt, Abschied nehmen.

Weihnachten ist die Zeit der Familie. Wir fliegen nach Deutschland. Bevor es in die Heimat geht, gibt die Marina eine Weihnachtsparty für alle Überwinterer.

Am 13.12. Versammeln wir uns vor dem Office und essen und trinken die leckeren Tapas, Bier, Wein und alkoholfreien Getränke.

ZEIT für letzte Gespräche, denn morgen geht es in den Heimathafen zu Markus. Doch unsere Reise wird auch 2020 fortgesetzt, versprochen! Cartagena hat noch einiges zu bieten:

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Hurra, wir leben noch

Das schlechte Gewissen und zusätzlich schlechtes Wetter sorgen heute dafür, ein Lebenszeichen zu geben.

Wir sind in Cartagena, unserem Winterhafen 2019 bereits am 18.10.19 eingetroffen, d.h. wir haben uns hier bereits gut  eingelebt und vieles gesehen. Doch, der Reihe nach. Gemeinsam sind wir bis Calpe gekommen. Der Sonntag diente dem relaxen, gut essen und spazieren gehen. Am Montagmorgen stehe ich früh auf, gratuliere unserem Freund Rudi Holzer zum Geburtstag. Mit einem genialen Ableger verlassen wir die Marina am Fuße des Isfach. Genial deshalb, weil die Box mega eng ist und wir alle Möglichkeiten durchgesprochen haben. Ja, manchmal sind die Verhältnisse optimal. Das bisschen Wind drückt uns in die richtige Richtung, also kann es los gehen nach Alicante. Der Küstenabschnitt ist echt häßlich, einziges Hihglight sind Wasserfälle, die wir kurz vor Benidorm sehen. Das Wetter wird schlechter. Dicke Regenwolken ziehen auf, wir durchsegeln 2 Gewitterfronten mit heftigen Schauern.

Beim Einlaufen in den Yachthafen von Alicante zeigt sich die Sonne. Wir zahlen die Marina für 2 Tage und machen uns auf in die Stadt. Ist es die gewittrige Stimmung, die uns keinen echten Zugang zur Stadt finden lässt? Keine Ahnung, nach 2 Stunden und einem Apero an einem unschönen Platz gehen wir zurück an Bord und bereiten Gnochi mit Chorizo in Cidre Soße zu. Wenigstens das Essen ist lecker. Ein weiteres Gewitter lässt uns früh in die Koje kriechen.

Ausgeruht und mit gereinigte kühler Luft, es sind gerade mal 18 Grad, machen wir uns auf zu einer weiteren Erkundung der Stadt. Zuerst steuern wir den Mercat central an.

Die Stände erstrecken sich über 2 Etagen, doch wir lassen uns nicht verführen, kaufen nichts sondern trinken in der Sonne hinter der Markthalle einen Cafe con leche. So gestärkt beschließen wir, die Festung Santa Barbara zu erklimmen und zu besichtigen. Hoch über der Stadt thront die ehemalige Burg in gut erhaltenen Zustand. 166 m über dem Meeresspiegel auf dem Berg Monte Benacantil gelegen, unmittelbar am Meer bietet sich uns ein gewaltiger Rundumblick. Bereits die Mauren nutzten im 9. Jhd diesen äußerst strategischen Punkt um die Bucht und das gesamte Hinterland zu verteidigen.

Die Burg trägt ihren Namen, weil Alfonso el Sabio, der Weise, die Burg am 4. Dezember 1247 den Mauren entreißen konnte, dem Namenstag der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute. Während der Regentschaft von König Felipe dem II. wurde die Burg im 16. Jhd erheblich ausgebaut und besteht seither aus 3 Teilen, von starken Mauern und Wehrtürmen umgeben. Wir genießen die unglaubliche Aussicht und machen uns bei strahlendem Sonnenschein an den mühseligen Abstieg über hunderte von Stufen.

Das städtische Leben spielt sich auf den Plätzen der Stadt und der Esplanada, einer Promenade unter Palmen in Sichtweite zum Meer. Hier schlendern sowohl Einheimische, als auch Besucher entspannt entlang. Hier herrscht keine Hektik, kein Massentourismus, wie in den umliegenden Orten, hier geht es lässig und leichtfüßig über das Wellenmuster des Bodens.

Die Ursprünge der Stadt reichen ins 5./4. Jhd v. Chr zurück. 3 Jhd später bauten die Römer die Siedlung Lucentum aus. Ab dem 8. Jhd herrschten hier die Mauren, bis die Stadt 1266 von Jaime I. erobert wurde. Der Aufstieg als Handelszentrum war nicht mehr aufzuhalten. Der Hafen wurde zum wirtschaftlichen Motor. 1812 wurde Alicante zur Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Während dem spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 war Alicante der letzte Rückzugsort der Republikaner und vom Hafen versuchten viele Bürger vor Franco zu fliehen. Heute wird der Hafen vom Kreuzfahrterminal und dem riesigen Industriehafen  überragt.

Am nächsten Morgen finde ich an Deck einen abgebrochenen Bolzen. Oh Schreck, was ist kaputt? Finde die Ursache in einem Karabiner an der Reffleine des Trekkers. Schäkel tauschen und Leinen los Richtung Santa Pola, wo wir uns mit Freunden aus Licata, Anne – Inger und Morten aus Norwegen, treffen wollen. Mit schönem Wind geht es bis zum Cap vor Santa Pola. Die Marina ist der Hammer, separate Nasszellen mit Toiletten, alles perfekt sauber.

Ich bereite einen kleinen Imbiss vor und dann stehen die beiden Norweger vor uns. Welch eine Freude, die beiden nach einem halben Jahr und unterschiedlichen Segeltouren wieder zu sehen. Sie sind mit dem Flugzeug aus Catania für einen Kurzbesuch hierher gekommen. Wir berichten von unseren separat verbrachten Monaten, es gibt viel zu erzählen, gehen die Beiden nun mit ihrem Segelboot über die französischen Kanäle zurück nach Norwegen.

Gemeinsam besuchen wir eine Fischauktionshalle , genannt Llonja. Bereits im 5. Jhd v. Chr gab es hier eine iberische Handelssiedlung, die Seehandel betrieben. Nachdem wir uns auch das Fortaleza, eine Festung aus 1557 zum Schutze der Bevölkerung und des Fischerhafens vor plündernden Piraten erbaut, angesehen haben, heißt es bereits wieder Abschied nehmen.

Schade! Mit den Beiden haben wir zwei tolle Winter in Licata verbracht, wer weiß, was uns in unserem Winterhafen in Cartagena erwartet?

Am nächsten Tag bereite ich alles vor für unseren letzten langen Schlag nach Cartagena. Wasche Wäsche, bereite Nudelsalat vor. Ein letzter Spaziergang durch Santa Pola.

Um 6:45 am 18. Oktober legen wir ab. Mit dem Großsegel versuchen wir Stabilität is Boot zu bringen, aber irgendwie haben wir die Strömung gegen uns. Wir werden immer langsamer, so ein Mist. Aber es sollte noch schlimmer kommen. 2 Mal wird uns heute noch der Motor ausfallen. Und wir wollen doch endlich in Cartagena ankommen. Zum Glück lässt sich die Maschine immer wieder starten, aber, das ist jetzt klar, der Motor braucht nun viel Pflege und Wartung.  Die Delfine merken wohl, dass wir etwas Aufmunterung benötigen. Mehrere Gruppen zeigen, was sie können, springen hoch, überschlagen sich, so dass die Stimmung an Bord steigt. Die Sonne geht in einer Feuerexplossion unter. Mein Gott, unser letzter Sonnenuntergang auf See ist unbeschreiblich schön. So laufen wir im Dunkeln den Hafen von Cartagena an, ein riesiger Naturhafen mit Industrie-, Werften- und Marinebereichen. Auch ein Uboothafen gibt es hier, also viel zu sehen. Unsere Leinen sind um 20:30 fest. Müde trinken wir unser Anlegerbier. Jetzt noch kochen und dann fallen wir müde in den wohlverdienten Schlaf.