Verändert dich Reisen?

wir Frauen wurden aufgefordert dazu Stellung zu nehmen und ich schließe mich gerne an, zu diesem Thema etwas zu schreiben.

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Reisen hat mich schon immer fasziniert. Bevor wir auf Langfahrt gingen, war ich bereits eine Reisetante. Kein Ziel zu entlegen, keine Anstrengung zu groß. So habe ich Langstrecken gewandert, z.B. auf dem Jakobsweg oder zu Fuß durch Mustang, habe viele Länder bereist, bis ich 2005 zum Segeln gefunden habe.

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Wenn du dich aufmachst, musst du deine Komfortzone verlassen. Das habe ich auf einigen Törns erlebt, aber auch beim Zelttrekking im Himalaya.

Als wir uns dazu entschlossen haben, auf Langfahrt zu gehen, haben wir unser Haus verkauft. Seltsamerweise, hat mir das nichts ausgemacht. Der komplette Hausstand wurde aufgelöst, teilweise verkauft, verschenkt, auf´s Boot gebracht oder behalten und in die Wohnung gebracht, die uns mein Bruder in Eppelborn zur Verfügung stellt. Mein Anteil am Steuerbüro musste verkauft werden, auch dies gelang vorzüglich, da mein Bruder Markus 45% meiner Anteile übernommen hat. Dann war es soweit; Abschiedsparty, Lebewohl sagen, all den lieben Menschen, die uns ans Herz gewachsen waren, Familie, Freunde, Nachbarn, Mitarbeiter, Geschäftskollegen und und und. Tatsächlich dann im Auto zu sitzen und nach Südfrankreich zu fahren, war schon etwas unwirklich, aber all die Ereignisse konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht bewerten, zu sehr hatte sich mein Leben von einem Tag auf den anderen geändert. Plötzlich allein mit meinem Mann, in Frankreich, auf einem Boot ohne Büro, feste Strukturen war sehr ungewöhnlich. Doch die ersten Wochen in Port Napoleon waren ausgefüllt mit Arbeiten am Boot, der Mast musste gestellt werden, die Segel angeschlagen, die Schapps gefüllt werden, es war einfach keine Zeit darüber nachzudenken, wie sehr sich das Leben verändert hatte. Zum Duschen bin ich abends in die Duschräume gegangen, zum Wäsche waschen musste eine Möglichkeit gefunden werden und Hunger stellte sich bei all der körperlichen Arbeit auch ein. Also machte ich mit dem Zweiflammengasherd vertraut und lernte auch mit wenig Kochfläche etwas vernünftiges auf den Tisch zu bringen. Die ersten Wochen waren somit spannend und aufregend. Schließlich war das Boot nach 3 Wochen komplett und es ging los, die französische Küste entlang Richtung Spanien. In Port Gruisan haben wir nochmals Freunde aus der Heimat getroffen, wieder am Boot gearbeitet, endlich kam die Sprayhood und die Persenninge für unsere Segel und dann hieß es schon wieder Abschied nehmen.

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Abschied nehmen ist ein großes Thema für mich. Natürlich lernen wir auf unserer Reise, die nun schon über 650 Tage währt, viele Menschen kennen. Aus den unterschiedlichsten Ländern, an immer anderen Orten und aus den unterschiedlichsten Umständen. Einige trifft man eine Zeitlang wieder, weil sie die gleiche Route segeln, oder man trifft sich wieder, wenn man den Winter am gleichen Ort verbringt. All die unterschiedlichen Menschen bereichern mein Leben ungemein. Ich erhalte Einblicke in Kulturen, die mir bisher verschlossen waren, das Santa Luzia Fest haben wir 2018 mit 12 unterschiedlichen Nationen gefeiert.  Bereits 2017 habe ich  hier in Licata, wo unsere Eira bereits den 2. Winter liegt, eine Sizilianerin namens Marilia Peritone kennengelernt. Wir haben nun schon 4 mal gemeinsam gekocht und gebacken, einige Wanderungen gemacht und so wurde mir ein Einblick in die sizilianische Kochkultur eröffnet und durch sie habe ich natürlich auch ihre Familie und Bekannte kennengelernt. Die Tatsache, bei ihr zu Hause gemeinsam mit anderen zu Kochen, hat mich total fasziniert, oftmals sind die Rezepte sehr aufwendig und wir stehen stundenlang gemeinsam in der Küche. Wenn das Essen zubereitet ist, sitzen wir gemeinsam mit der ganzen Familie am Tisch und lassen es uns gut gehen. Marilia wohnt nicht eben um´s Eck, so muss jedes mal ein Fahrdienst organisiert werden, um zu ihr zu gelangen. Nun steht unsere Abreise aus Licata bevor und es heißt erneut Abschied nehmen, nicht nur von Marilia und ihrer Familie, sondern auch von Ruth und ihrem Mann Uerli, Schweizern, die in der Nähe von Licata leben, Birgit, Syd und all die anderen Boaters, allen voran auch Pascale und Gerrit von Mojito, mit denen wir den letzten Winter viel Zeit verbracht haben. Dieses Abschiednehmen tut weh, allein die Gewissheit, auf unserer Weiterfahrt neue Menschen kennen zu lernen, macht das Adieu sagen etwas leichter. Die Freude über das gemeinsam erlebte bleibt als schöne Erinnerung.

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Die zu Hause am meisten gestellte Frage lautet, wie hältst du es 24 Stunden täglich mit deinem Mann aus. Ich gestehe, es ist eine Herausforderung. Dadurch, dass jeder von uns die unterschiedlichsten Bereiche abdeckt, verbringen wir tatsächlich nicht immer 24 Stunden am Stück gemeinsam- In der Segelsaison schon. Nur, dann arbeiten wir Hand in Hand. So ist der Bootsalltag geprägt mit kochen, reparieren, ersetzen, lesen, planen, organisieren, putzen. Vieles von dem, was auch zu Hause anfallen würde, nur auf engerem Raum und manchmal unter nicht einfachen Umständen. Unser Zusammenleben ist geprägt von der Ruhe und Gelassenheit meines Mannes und meiner unerschöpflichen Energie, meinem Bewegungsdrang und meiner Freude über alles Neue. Frank, der ruhigere von uns Beiden, kann sich stundenlang mit der Technik an Bord beschäftigen, um nicht zu sagen, Tage. Er ist bemüht, Eira permanent zu verbessern, sei es Energie, Segel, Arbeitsabläufe. Ich weiß zudem, dass ich mich 100 % auf ihn verlassen kann und er nichts tut, um uns in Gefahr zu bringen. So haben Gewitterstürme auf See unbeschadet überstanden, weil er nicht kopflos reagiert hat, wo ich von Panik ergriffen war. Und wenn ich mich dann mal selbst nicht leiden kann, brauche ich Aktivität. Eine Stunde Yoga, auch unterwegs beim Segeln, eine Runde durch die Stadt, wenn wir im Hafen sind, oder einfach einen Kuchen backen oder kochen.

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Alles ist möglich, auf alles muss man sich einstellen. Reisen verändert den Blickwinkel. Du bist auf einmal ohne Job, aber nicht arbeitslos, weil an bord immer etwas zu machen ist. Da wir keine Waschmaschine an Bord haben, ist die wöchentliche Wäsche irgendwie zu organisieren, Alles braucht seine Zeit. Wo ich früher lediglich in  den Keller zu gehen brauchte, suche ich mir jetzt eine Wäscherei. Dazu muss das richtige Wetter kommen, da die Wäsche auf der Leine an Bord getrocknet wird. Kein Geschirrspüler an Bord, keine Putzfrau. Kein Auto, das heißt, ich bin entweder zu Fuß unterwegs, oder mit dem Fahrrad, Bus, manchmal auch mit einem  Leihwagen. Es heißt immer wieder, die Komfortzone zu verlassen.

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Natürlich gibt es auch vieles, was mein Leben reicher macht. Ich bin ganz nahe an der Natur, dadurch, dass ich zu Fuß, per Rad oder mit dem Segelboot unterwegs bin. Ich sehe die Umweltverschmutzung und bin traurig, dass das Umweltbewusstsein vieler Menschen, sehr zu wünschen übrig lässt. Ich sehe Müllstraßen im Meer. Ich sehe Müllberge hier in Sizilien und anderen Plätzen. Aber ich sehe natürlich auch wunderschöne Landschaften, teilweise unberührt, Vulkane, erloschen und aktiv. Delphine im Wasser, die mich immer wieder erfreuen und begeistern, wenn sie in Schulen sich um unser Boot tummeln und mit dem Schiff spielen.

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Eine andere Veränderung ist die Esskultur. Wir passen uns der jeweiligen Gegend an und bereichern unseren Speiseplan mit den vielen neuen Gemüsen, Obstsorten und all den unterschiedlichen neuen Lebensmitteln. Wir genießen, probieren, lassen uns verführen und staunen immer wieder über all das Neue, das sich uns erschließt. Wir mussten feststellen, dass Pizza nicht gleich Pizza ist, nein, hier wird die Kunst an der Pizza zelebriert. Wir gehen wandern und finden wilden Spargel und wilden Fenchel. Wir lernen Cedri kennen, eine hier wachsende Zitronenart, die komplett verspeist werden kann, mit Schale, weißem Fruchtfleisch und Innenleben. Wir genießen den sizilianischen Wein, den frisch gefangenen Fisch, wenn wir leider zu selten erfolgreich sind  beim Fischen. Wir genießen das sonntägliche BBQ in der Marina di Cala del Sole. Da ich endlich über genügend Zeit verfüge, koche ich Marmelade ein, bereite mindestens einmal die Woche einen Kuchen zu, wenn kein Bäcker zur Verfügung steht, backe ich mein Brot selbst und koche und koche und koche.

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So vergehen die Tage im Nu und ich frage mich oft, wo die Zeit bleibt. Mehr als 650 Tage unterwegs, kaum zu glauben. All die Veränderungen, die wir erfahren haben. Dank der Mühe von ‚Frank, haben nicht nur wir uns verändert, sondern auch das Aussehen unserer Eira. Dieses Jahr werden wir dank neuer Segel wohl ein neues Segelerlebnis erfahren. Mit neuen Lithium Batterien und der Solaranlage von letztem Jahr, sind wir nun Landstrom oder Generator unabhängig, was eine riesige Erleichterung ist. Unser Großsegel hat nun einen Layzbag, mal sehen, ob das Segelbergen nun schneller von statten geht.

Habe ich manchmal Angst? Es wäre gelogen, dies zu verneinen. Natürlich habe ich Angst. Vor der ersten Übernachtfahrt alleine mit Frank, und wie stolz war ich, als wir auf den Balearen ankamen und der erste Sonnenaufgang mitten auf dem weiten Meer erlebt war. Beim ersten Gewitter vor Anker. Hält der Anker oder driften wir wie einige andere Boote. Vor hohen Wellen und Stürmen, vor Containerschiffen in der Nacht. Vor neuen Herausforderungen und neuen Ländern. Ja, einiges macht Angst, doch nach der Angst, kommt die Freude und der Stolz, gemeinsam mit Frank die Situation durchlebt zu haben.

Viele Veränderungen um uns und in uns. Wir nehmen Euch mit auf unserer weiteren Reise, wo auch immer diese uns hinführen wird. D77E0D26-9057-4A8D-A4C4-EFA981479F16

Update Energieversorgung

Nach nun 1 Woche Erfahrung kann ich nur sagen:

non, je ne regrette rien.

Der blanke Einbau und die Verbindung an unsere Gleichstromverteilung ist natürlich nur ein Teil des Umbaus. Die guten Stücke mussten gegen Verschieben gesichert werden und sollten uns auch nicht auf den Kopf fallen, wenn wir mal zufällig mit EIRA kopfstehen, also mit Spanngurten sichern. Zuzsätzlich habe ich die Motorraumbelüftung geteilt in 1 x Solarladeregler und 1 x Lichtmaschinen.

Der Solarladeregler ist ja schon des öfteren ausgestiegen, weil es ihm im Hochsommer unter Maschine zu warm ums Herz wurde. Hat jetzt ein Hitzeschutzschild und extra Zuluft.

Die Limas könnten theoretisch unter ähnlichen Umständen ebenfalls glühen, da die Batterien erst mal alles aufsaugen, was geliefert wird, d.h. die Limas könnten längere Zeit Volllast laufen. Jetzt also auch mit extra Frischluft, dem Motor ist es schließlich egal welchen Umweg die Zuluft macht.

Die Fehlfunktion eines Trennrelais war auf eine abgerauchte Feinsicherung zurückzuführen (50 mV, Stromversorgung für Balancer und Temperaturüberwachung), habe ich wohl beim Zusammenbau einen kleinen Kurzschluß verursacht. Mittlerweile sind Batteriemonitor, Solarregler und Landstromregler angepasst und der Zugewinn an Komfort ist enorm. Ob der kleine Elektroheizer, die Warmwasserbereitung oder der Mixer läuft, 90 A aus der Batteriebank ist überhaupt kein Akt, da mutiert der Wassermacher im Sommer mit seinen 45 A Bezug zum Kleinverbraucher.

Unsere bevorstehende Abfahrt haben wir für Ostern angesetzt, +/- den einen oder anderen Tag, wetterabhängig. Nächste Woche muss ich mal in die Hafenbrühe tauchen und wenigstens den Propeller freischneiden, den Rest schrubbe ich dann lieber auf Malta. Paddleboard und Genua fehlen noch, sind aber unterwegs. Bunkern, Gasflaschen füllen und jede Menge Kleinkram harrt auf das Streichen von der Liste, klassische Routine auf einem Schiff.

Das Beste aber: Kein morgendlich banger Blick auf den Voltmeter, nur ein zufriedenes Grinsen.

Ciao vom LI

 

Scotty, Energie!

Und dieses mal aber richtig!

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Da ist schon mal der Batterie Monitor, ohne Bilanzierung was in die neuen Zellen rein- und rausgeht wird  das nix. Ich habe mich für 3 x Winston LifeYPo4 mit jeweils 160 Ah entschieden. Zur Zeit haben wir noch die 4 offenen Bleisäure-Starterbatterien zu je 110 Ah im Einsatz, funktioniert, wird aber unseren Ansprüchen auf Dauer nicht genügen.

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Das ist der zugehörige shunt (Messwiderstand), und kommt in die Minusleitung der Verbraucherbatterien. Dazu muss natürlich die Verkabelung geändert werden (35er Anschlussleitungen zur Sammelschiene), aber das ist das geringste Problem, wollte ich doch immer schon die Batterieklemmen durch Klemmen mit gepressten Ringkabelschuhen ersetzen.

Die nackten Zellen.

Der Bausatz, war preiswerter.

Das Ergebnis eines Tages basteln.

Mittlerweile zusammengebaut und es kann losgehen.

Wie immer, das Schiff wird teilzerlegt und man kann sich kaum noch bewegen. Der Umbau nimmt den ganzen Tag in Anspruch, Eva wird schon nervös und bangt um die Zubereitung ihrer ersten Paella auf EIRA, aber 1 Stunde vor Eintreffen von Pascale ist alles betriebsbereit und wieder aufgeräumt.

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Die Belohnung.

Gehen gerade so rein und das hat mir den ein oder anderen Schweißtropfen auf der Stirn beschert. Aber alles gut, es passt.

Nun ist  die erste Nacht vorbei und was soll ich sagen, wie geil ist das denn!

Nicht einmal 10% der verfügbaren Kapazität entnommen, cool. Die dicken Verbraucher wie Mixer (950 W) und ähnliches Spielzeug laufen einfach über den Inverter und die Batterien stellen mal eben 80 Ampere zur Verfügung, Hammer. Selbst bei dieser Entnahme bleibt die Spannung der Verbraucherbank über 13 Volt. Ich bin total begeistert.

Jetzt kann ich endlich das Landstromkabel einpacken und muss nicht mehr die vollgelaufenen Stecker nach einem heftigen Regen trockenlegen.

Ciao mi amici, Frank der Stromer

 

Nach dem Kino

Mein erster italienischer Film hat mich total begeistert! Nicht, dass ich alles verstanden hätte, aber mitlachen konnte ich an den richtigen Stellen. Der Film handelt von der Mafia in Licata und ist mehr eine Gangsterkomödie und mit Laiendarstellern gedreht. Mai arrendersi oder kapituliere nie, zeigt traumhafte Bilder von Licata, all die Orte, die wir hier lieben gelernt haben. Im Kino saß eine der Hauptdarstellerinnen neben mir und der gute Cop und das frühere Mafialiebchen hinter mir.

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Als wir mit 6 Personen aus der Marina das Kino verließen, haben uns die Darsteller draußen erwartet und wollten wissen, wo wir herkommen und ob uns der Film gefallen hat. Erstaunt waren sie, dass unsere kleine Gruppe aus 4 Nationen kam: Deutschland, Schweiz, Norwegen und USA. Und natürlich waren wir begeistert vom Film. Enzo, ein weiterer Darsteller, war nicht dabei, er arbeitet in Mailand, also wurde er kurzerhand angerufen, damit er uns kennenlernen konnte. Unglaublich, aber so ist Licata und die Licatesen und genau deshalb fühle ich mich hier so wohl.

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Ansonsten feiern wir hier andauernd jemandes Geburtstag, letzte Woche war Anne – Inger an der Reihe. Der Geburtstagskuchen von mir, darf dabei nicht fehlen.

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Gestern und heute, haben wir heftigen Ostwind mit 46 Knoten fegt er gerade durch die Marina. Da kommt Abwechselung mit Sport gerade recht. Gestern morgen hatten wir HIIT und gerade eben Yoga. Beim Yoga mußte ich feststellen, dass ich bedingt durch das heftige Schaukeln im Boot doch sehr unruhig stehe, quasi die Bootsbewegungen bereits voll und ganz adaptiert habe. In der Nacht soll es ruhiger werden, hoffentlich. Denn mal wieder eine Nacht durchschlafen wäre echt toll.

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Genießt eure Zeit und bleibt uns treu.

Arbeitspause

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Musste heute kurz vor einem Koller das Boot verlassen. Einfach zuviel Wind, konstante 9 Bft machen selbst im Hafen nicht wirklich Spaß, das Photo gibt die Situation nur unzulänglich wieder.

Normalerweise wären weitere Vorbereitungen zum Einbau der neuen Batterien im Plan, habe mich aber für eine kurze Auszeit entschieden. Auch der Muskelkater vom Austausch der Förderpumpe in den Tagestank hält noch an.

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Das Popelpümpchen hat mich echt gefordert. Musste 4 Löcher bohren und Gewinde in Edelstahlhalter schneiden, ein richtiger Kraftakt. Diesmal ein für das zu fördernde Gut ausgelegte Pumpe (Zahnrad). Die alte Pumpe hat gesäpelt wie Bill, da haben nicht mal mehr Pampers geholfen.

Das Markieren der Kette war dagegen vergleichsweise simpel.

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100 m und inklusive Anker knapp 300 kg auf dem Steg.

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Nun können wir auch mal die Länge der gesteckten Kette vor Anker zuverlässig bestimmen.

Die Montage unserer neuen Abdeckung der Scheiben im Salon war reine Fleißarbeit, 24 Löcher mit Gewinde in den Rahmen unserer Fenster, aber Aluminium ist ein wirklich dankbares Metall für derlei spangebende Formänderungen.

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Bin gespannt, ob die Temperaturen im Sommer wieder 45°C erreichen werden.


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Den Wasseranschluss aus der Backskiste nach außen zu verlegen war dem Komfort geschuldet, das Leben darf auch mal simpler werden.

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Die kleineren Umbauten fallen nicht so ins Gewicht, alles Kleinkram. Echte Erleichterung brachte noch der Einbau eines Aktivkohlefilters in den Kaltwasserzulauf unserer Küchenarmatur, damit hat die Schlepperei der Wasserflaschen im Winter ein ultimatives Ende, nebenbei natürlich auch die Müllentsorgung.

Die Vorbereitungen für 3 neue LifeYPo4-Batterien sind natürlich doch im Gange, wenigstens mental. Und der Batteriemonitor ist bereits eingebaut, trollt ja auch schon 2 Jahre in der Vorratskiste, war bislang jedoch nicht essentiell. Den Ladezustand der alten Batteriebank kann man ganz gut mit Hilfe der vorhandenen  Spannung bestimmen (12,75V ist voll, 12,5V am morgen heißt 75% noch da), das wird künftig nicht mehr gehen. Die neuen Lithium Eisen Yttrium Phosphat Kraftwerke müssen bilanziert werden, da die Spannung über den nahezu gesamten Verlauf konstant bleibt. Also messen und zählen was rein- und rausgeht. Die Dinger sind bestellt und unterwegs, die Erläuterungen dazu sind ein gesonderten Artikel wert. Nur soviel, damit ist das Schiff endgültig autark, kein Landstrom mehr notwendig.

Erwähnenswert ist noch der Flop mit der Phasenanschnittssteuerung unseres 230V Netzes. Hat erst mal 2 Tage gedauert bis der Heizstab im Boiler demontiert, entkalkt, neu abgedichtet und wieder montiert war. Dann das Wundergerät hinter den Inverter geklemmt und 3 Tage lang Warmwasser über die Solarpaneele produziert, dann ist das Dingens abgeraucht. Der Plan war, nur so ca. 200W aus den Batterien zu ziehen, da der kleine Heizstab schon 1000W will und das sind 80A, dat geit net. Soviel schieben unsere Paneele selbst im Optimalfall nicht nach (ca. 40A, mehr ist nicht). Deshalb Leistungsbegrenzung, jedoch scheint der nachgebaute Sinus unseres Wechselrichters nicht zu harmonieren. Egal, zukünftig wird das gehen, auch bei Vollast.

Genug der Technik für heute, nächste Woche kann ich vielleicht mehr berichten.

Auch Bootsbastler müssen mal raus

Nun haben wir das Auto schon über 3 Wochen und langsam wird es Zeit, dasselbe wieder nach Catania zurück zu bringen. Natürlich nutzen wir die Fahrt um uns einiges anzusehen.

Als erstes geht es zu Opas Grab nach Motta San Anastasia. Wie schon berichtet, gibt es hier einen Kriegsgräberfriedhof, auf dem 4500 Kriegsopfer beigesetzt wurden.  Zum Glück scheint dieses Mal die Sonne, ich verabschiede mich von Opa, denn wir werden im April Sizilien verlassen und ich weiß nicht, ob ich zuvor noch einmal Gelegenheit habe, das Grab zu besuchen. Tief bewegt verlassen wir die Anlage, schon seltsam, so weit weg von zu Hause ein Familienmitglied zu haben.

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Das Grab meines Opas Leo Bach in Motta San Anastasia

Es ist Faschingssonntag und Himmel und Menschen sind unterwegs. In Montebianco treffen wir auf den ersten Faschingsumzug. Verkehrschaos herrscht nicht nur hier, sondern in der kompletten Stadt Catania. Frank bewahrt Ruhe und so gelangen wir schließlich zum Museo dello Sbarco. Ein Museum, das der Befreiung im 2. Weltkrieg gewidmet ist. Ein Dorf wurde autentisch nachgebaut, vor der Bombadierung und danach. Wir sehen einen Bunker, die Türen werden geschlossen und die Bombardierung beginnt. Erst Fliegeralarm, dann Bombardierung, die Bomben schlagen in der Nähe an, das Gemäuer wackelt, Staub ist zu riechen. Originalgetreu, wir sind etwas überrascht. Wir sehen die Landung der Allierten, Engländer, vertreten durch Australier und Amerikaner. Mit dem Besuch des Museums folgen wir einer Empfehlung eines Sizilianers, der wir beim 3.Anlauf nun endlich nachkommen. Bisher standen wir immer vor verschlossener Tür.

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Das Innere des Zuges

Als weitere Attraktion haben wir uns eine Fahrt mit der Schmalspurbahn rund um den Ätna vorgenommen. Nun suchen wir zuerst mal die Stelle, an der der Zug abfährt. Mitten in der Stadt, etwas entfernt von unserem wundervollen B&B Aquadellaerte. Hier beziehen wir in einem uralten Palazzo aus dem 17. Jd. ein gemütliches Zimmer.

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Die Stuckdecke im B&B Aquadellarte in Catania, geniales Frühstück inbegriffen

Die Lage ist genial, direkt am Fischmarkt und in unmittelbarer Nähe zu allen Attraktionen der Stadt.

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Jeder Raum hat andere Fliesen

Die Lady des B&B ist sehr hilfsbereit und erklärt uns, wie wir von hier zum Bahnhof Borgo gelangen, wo die Schmalspurbahn startet. Tatsächlich hat Catania seit einiger Zeit eine Metro mit wenigen Stationen, und eine davon hält tatsächlich in Borgo. Früh am Morgen machen wir uns an Rosenmontag auf den Weg. Während zu Hause die Freunde sich dem Karnevalsumzug widmen, steigen wir in den Zug Richtung Ätna.

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Der Circumetnea mit seinen traditionellen Zügen

Die alte Bahn ist in die Tage gekommen, schnauft und wackelt und muss mit jedem KM, den sie zurücklegt 36 Höhenmeter überwinden. Die Circumetnea kostet pro Person 7,90 € und bringt uns dem Ätna schnaufend näher.

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Ausblicke auf den Ätna

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Wir überfahren den Passo Zingaro, passieren die Pistazienstadt Bronte und erreichen mit Maletto den höchsten Punkt der Fahrt. Immer wieder sehen wir aus einer anderen Perspektive den Ätna, kommen näher und näher. In der Stadt Randazzo verlassen wir den Zug, um uns die Stadt am Fuße des Ätnas anzusehen, die bisher immer von der Lava verschont wurde. Randazzo wird als schwarze Stadt bezeichnet, einige Kirchen sind tatsächlich aus Lavasteinen gebaut.

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Wir sehen uns Kirche nach Kirche an und genießen einen weiteren sonnigen Tag, diesmal hoch oben in den Bergen.

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Zurück geht es mit dem Vulcano  einem herrlich neuen und komfortablen Zug nach Catania.

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Dem Ätna ganz nah

Wir schlendern durch die Stadt, genießen einen Prosecco in der Sonne und planen unser Essen am Abend am Fischmarkt. Mit einer leckeren Scheibe Thunfisch auf sizilianische Art beschließen wir den traumhaften Tag.

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Thunfisch auf sizilianische Art

Am nächsten Morgen besuche ich den Fischmarkt und bin etwas betrübt, dass ich keinen Fisch hier kaufen kann. Nehme die Eindrücke in mich auf, bin faziniert von all dem Getier, das um mich herum ansprechend angeboten wird, gleich ob Fisch, Meeresfrüchte oder Schwein und Huhn.

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Fischmarkt Catania

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Eine letzte Autofahrt bringt uns zu Decathlon, wo wir unsere Bekleidung aufstocken, dann zurück zum Flughafen, Auto abgeben und mit dem Bus zurück nach Licata.

Nun hat das dolce vita ein Ende. Bevor die Segelsaison beginnt, gibt es noch einiges am Boot zu tun.

Zum einen, wollen wir außen an der Backskiste einen permanenten Wasseranschluss anbringen, damit wir im Sommer komfortabler außen duschen können. Ich darf nur Hilfestellung geben und bin vom Ergebnis begeistert.

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Süßwasseranschluss für die Außendusche

Der neue Sonnenschutz für die Fenster wird geliefert, nun müssen Löcher gebohrt werden, damit die Bahnen angebracht werden können. Die ersten Arbeiten sind erledigt, allerdings bremst uns heute der heftige Wind ein, so dass die Befestigung erst morgen erfolgen kann. Bilder werden auf jeden Fall nachgereicht.

Unterdessen beschäftigt sich Frank mit dem Austauschen unserer Batterien. Nicht dass wir ein Problem hätten, denn unsere Batterien stammen aus August 2017. Lithium Batterien haben eine wesentlich längere Laufzeit, können tiefer entladen werden und kosten daher ein Vermögen. Rund 7000,- € sind zu investieren. Kein Wunder, dass wir uns mit der Entscheidung etwas schwertun. Ich denke, die Würfel sind gefallen, Gerrit benötigt neue Batterien, da seine den Geist aufgegeben haben und wir könnten eine gemeinsame Lieferung erhalten.  Wenn nun unsere gebrauchten Batterien in der Marina eine neue Heimat finden, dann werden wir wohl die kostenintensive Investition durchführen. Dazu wird es einen technischen Blogbeitrag von Frank geben. Ich fühle mich damit etwas überfordert.

Meine Tätigkeiten an Bord beschränken sich auf Beschaffung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln und Reinigungsarbeiten und als Diskuissionspartner für Investitionen. So bringe ich den Sonnenschutz des Cockpits auf Fordermann und reingie die diversen Organizer im Boot, nach fast 2 Jahren kein Luxus.

Ciao ihr Lieben, bis bald

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind

Nicht immer ist es so ruhig, wie auf dem Foto oben. Während wir die letzte Woche traumhaftes Wetter mit fast sommerlichen, deutschen Temperaturen um 20-23 ° hatten, bläst es seit Sonntag immer wieder heftig. Diese Nacht hatte unser Boot auf einmal richtige Schräglage, das war der Moment, als der Sturm begann. Seitdem haben wir immer wieder Schräglage, wenn die Böen über die Marina hereinbrechen. Wir haben Wind aus Nordwest und der Spaziergang durch die Stadt ist nicht wirklich schön. In die engen Gassen bläst der Wind, wirbelt den ganzen Unrat auf und auch Sand ist in der Luft. Komme gerade vom Einkaufen zurück und ich mußte mich teilweise gegen den Wind stemmen. Die nette Bäckerin hat mir Wegzehrung mitgegeben und mich gefragt, wie es mit dem Schlafen bei so viel Wind ist. Na ja, es gibt Nächte, das schläft man schon besser. Arbeiten an Bord ist wegen des Windes nicht möglich, da wir uns immer wieder zur Seite neigen und der Wind verweht alles. Heute wollten wir den neuen Sonnenschutz an den Scheiben anbringen, vertagt auf morgen, in der  Hoffnung, dass der Wind über Nacht nachlässt. Also habe ich meine Sachen zusammengepackt und sitzen nun im Cafe Letterio und schreibe Blog. Habe auch einiges Nachzuholen, da wir die letzten Wochen, als wir das Auto hatten, viel unterwegs waren.

Ein Ausflug hat uns nach Enna geführt. Bei Enna handelt es sich um die höchstgelegene Provinzhauptstadt ganz Italiens.

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Die Gegend soll einer der Lieblingsorte der Korngöttin Demeter gewesen sein und schon die Hinfahrt in die Mitte der Insel lässt ahnen, warum sie von diesem Landstrich so begeistert war.  Alles grün, Mandelbäume, Wein, Oliven und Gerste wechseln sich ab. Dazwischen immer wieder Gemüse. Es geht bergauf, die Straße ist erträglich gut ausgebaut, sodass die knapp 100 km angenehm zu fahren sind. Das kann man hier nicht immer erwarten. Teilweise sind die Brücken in einem katastrophalen Zustand und man ist froh, wenn sie nicht unter einem zusammenbricht. Gerrirt und Frank fachsimpeln über die Qualität und Fertigung der Bauwerke.

Von Enna bassa schrauben wir uns quasi dem Himmel entgegen, denn Enna alto liegtn 1000 m hoch auf einer Bergkuppe. Das Auto wird vor dem Castello di Lombardia abgestellt. Die Burg wurde vom Normannen Roger I. im 11. Jh. gegründet und steigt man auf den höchsten Turm Torre Pisana, so erreicht man 1100 Höhenmeter und wird mit einem genialen Rundumblick belohnt.

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Während man im Osten den Ätna rauchen sieht,

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kann man im Westen das Bergstädtchen Erice erblicken. Dazwischen das Grün der Landwirtschaft und schneebedeckte Berge. Wir sind begeistert von unserem kostenlosen Guide, der uns in einem unglaublich schnellen Deutsch, das wir kaum verstehen, die Geschichte dieser Anlage nahebringt. Die Burg ist gepflegt, die 3 Höfe pikobello sauber. Am Eingang können wir uns eine Ausstellung über die Osterprozessionen ansehen, die von den diversen Bruderschaften organisiert werden.

Als nächstes sehen wir uns den Dom aus dem 14.Jh. an, Maria SS della Visitazione. Die Kirche wurde nach einem Brand im 15. Jh. im gotischen Stil wieder aufgebaut. Die Schiffe sind durch dicke Säulen aus schwarzem Basalt getrennt. Über uns schwebt eine kunstvoll geschnitzte Kassettendecke aus Kastanienholz, gefertigt im 16. Jh.

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Nach einem Spaziergang durch den Ort, mit einem kurzen Kaufstop in einem Resycling Laden, in dem ich ein paar blaue Ohrringe erstehe, gönnen wir uns einen Cappuccino und machen uns auf nach Caltagirone.

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Es handelt sich um die Citta della Ceramica, die Straßen sind gesäumt von Ateliers in denen wunderschöne Keramiken hergestellt werden: Fliesen, Tische, Waschbecken, alles individuell gefertigt. Wir lassen uns treiben und steigen natürlich die 142 Stufen der Freitrepppe Scala di S. Maria del Monte hoch. Hunderte von Majokikafliesen zieren die Treppe. Auch hier befinden sich rechts und links der Treppe Ateliers, die zum Verweilen einladen um den Künstlern über die Schulter zu sehen.

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Wir sehen uns den Dom aus dem 18. Jh. an und erhalten eine weitere kostenlose Führung durch den ehemaligen Kerker, der heute eine Ausstellung beherbergt.

In einem traumhaften Innenhof entdecken wir einen Laden, der antike Fliesen verkauft und Lieferant für alle Dolce & Gabana Verkaufsstores der Welt sein soll. Hier finden wir auch die arabisch anmutenden Blumentöpfe in Form von Köpfen. Der Sage nach, soll ein arabischer Fürst in den Gassen eine wunderschöne Frau gesehen haben und sich unsterblich in sie verliebt haben. Er wollte sie heiraten. Sie findet jedoch heraus, dass er bereits verheiratet ist und bei einem Date, schlägt sie ihm den Kopf ab. Zur Abschreckung an weitere Liebhaber stellt sie den Kopf auf den Balkon und pflanzt Blumen ein. Ein Töpfer sieht das „Kunstwerk“ und ahmt es nach. So gibt es heute auf Sizilien tausende dieser Blumentöpfe auf Terassen und Balkonen.