Operative Hektik ersetzt geistige Windstille

oder das Versagen von Politik und Behörden in Europa.
Zuerst mal zurück nach Licata, Motoröl und Filter wechseln, Seewasserkreis mit Süßwasser spülen (der Ölkühler lässt grüssen), Umkehrosmose mit Biocid spülen, das wars schon. Einzig die Lichtmaschine macht Kummer. Ausgebaut bringt mein Akkuschrauber nicht genügend Drehzahl um das Ding zum Leben zu erwecken, war ja klar, also ab auf die Drehbank. Dort erzeugt sie 14,4 V und funktioniert also. Sonntag Morgen gegen 0600 noch schnell eingebaut, kurze Verschnaufpause und ich mache mich auf den Weg zum Busbahnhof.
Das Ticket habe ich in weiser Vorausicht schon am Vortag gekauft, der Bus darf nur zu 50% ausgelastet werden. In Gela steigt der Rest zu, auf einen Schlag voll, Glück gehabt. Witzigerweise findet hier der Wochenmarkt statt. In Licata ist er coronabedingt geschlossen, ist lediglich 25 km entfernt und so verschieden scheinen mir als Laien die Umstände nicht.
Die unbedingt notwendige schriftliche Erklärung, warum ich die Stadtgrenze von Licata überschreite, will keiner sehen. Schade, habe mir so viel Mühe bei der Übersetzung gemacht, weil Formulare nur in italienisch heruntergeladen werden können.
Am Flughafen angekommen zücke ich das nächste Formblatt in zweifacher Ausfertigung und werde belehrt, dass ich das Gebäude erst 3 Stunden vor Abflug betreten darf. Nun gut, finde ein geöffnetes Café und setze mich in die Sonne. Alle anderen Cafés, Bars, Restaurants in Italien sind geschlossen. Irgendwie inkonsequent. Dieses besagte doppelte Formblatt wird später von der Polizei abgestempelt und ein Exemplar wandert in deren Ablage, meins Tags darauf in den Papierkorb. Bis auf die Tatsache, dass der Zubringerbus zum Flieger vollgestopft wird, geht alles seinen geregelten Gang und nach Ausfüllen eines weiteren Formulares (woher, wohin, mit wem und wo habe ich gesessen) wird nach der Landung bei Betreten des Flughafengebäudes mein Ausweis von der Bundespolizei geprüft. Das wars auch schon, kein Abgleich mit dem letzten Formular, selbstverständlich auch keine Temperaturmessung und selbstredend auch kein Schnelltest, sind wir doch keine Urlaubsrückkehrer zwischen erster und zweiter Welle sondern pendeln lediglich von einem Risikogebiet in ein anderes mitten in der zweiten Welle, muss man verstehen.
Eva und Georg kommen mich abholen und der Bub geht in Quarantäne, aus der ich mich nach 5 Tagen nach einem negativen Schnelltest selbst entlasse. Die zwingend vorgeschriebene Anmeldung, immerhin online (das ich das in Deutschland noch erleben darf) bei einreiseanmeldung.de verpufft derweil im Nirwana. Wer zur Hölle soll das auch kontrollieren, Gesundheitsamt? Das hat andere Sorgen. Ortspolizeibehörde? Die wissen wahrscheinlich nichts davon. War aber ein ausgesprochen übersichtliches Formular, deutlich schlanker als die italienischen, dafür aber ohne QR-Code, den gab es bei der Einreise nach Spanien und der kann so schön gescannt werden.
Wohin all die Daten fließen wär ja mal interessant, vermutlich gammeln die auf irgendeinem Server und langweilen sich zu Tode.
Mittlerweile habe ich wieder die App gewechselt. Von Immuni (bella italia) zu Corona Warn-App (klassisch deutsch), da beide gleichzeitig nicht funktionieren, warum auch.

Irgendein Fazit? Ich würde sagen der Schutz der Bevölkerung ist definitiv ausbaufähig, siehe simples Messen der Temperatur. Geht fix und sortiert die fiebrigen aus, die ganzen Selbstauskünfte über den Gesundheitszustand produzieren nur Altpapier.

Und noch ein Wort zu dem Lockdown light, typisch deutsches Wort, in den umliegenden Ländern sind das echte Ausgangssperren. Teilweise grundsätzlich, außer natürlich notwendige Besorgungen, schriftlich angezeigt, meistens jedoch nur nachts von 22:00-5:00. Maskentragen überall in der Öffentlichkeit, unabhängig von irgendwelchen Abständen. Das sind echte Einschränkungen, nicht so ein Pillepalle wie hier.

Kopfschüttelnde Grüße aus dem grauen Saarland

Frank

Angekommen

In Licata und was für ein Empfang.

Nach der Cala Teulada fuhren wir für einen Tag nach Mahon, einkaufen, Fleisch! essen, bunkern. Am nächsten Morgen brachen wir in Richtung Sardinien auf, leider hoch am Wind und mit einer ganz fiesen Welle genau auf die 12, nicht so schön. Das dauerte den ganzen Tag, der Anker wurde mehrmals gebadet, EIRA tauchte öfter mal die Nase in die See, kein Vergnügen, 110° waren angesagt, 080° waren mit ach und Krach möglich.

Im Laufe der Nacht dann konnten wir den Motor abschalten, Kurs ändern Richtung Carloforte und schlicht segeln, welch eine Entspannung.

Kommt irgendwann ein Thunfisch angeschwommen und beißt in unseren Köder, dumm gelaufen für ihn, Schlachtfest für uns.

Mein bisher dickster Brocken, Yellow fin Tuna

Ist leider immer eine Riesensauerei mit diesen Fischen, aber die Kühlbox war auf einen Schlag voll.

Als wir am übernächsten Morgen kurz vor Carloforte wieder Empfang hatten, entschlossen wir uns kurzfristig einfach weiterzusegeln, das Wetter war zu verlockend. Achterliche Winde, einfach nur mit der Genua, die Routine an Bord beibehalten und laufen lassen.

Wiederum 2 Tage später ist Sizilien voraus, zuerst die ägadischen Inseln und im Hintergrund schon Sicilia.

Das war der letzte für die Saison

Schnell noch ein Fischchen rausgeholt und dann muss ich auch schon von downwind zu upwind umrüsten. Genua rein, Grosssegel und Trekker raus. Da der Wind immer stärker aus Südost bläst machen wir noch ein paar Kreuzschläge, müssen aber einsehen, das wird nichts mit Licata und fahren notgedrungen in den Hafen von Mazara del Vallo. Obwohl ich mit der Hafenverwaltung vorab telefoniert hatte, schicken sie uns wieder weg, weil wir einen Tag vorher eine Gesundheitserklärung hätten mailen sollen, was in Unkenntnis der Wetterbedingungen und mangels Internetzugang auf hoher See nicht möglich war. Da wiehert der italienische Amtsschimmel fast noch lauter als der deutsche. Der uns zugewiesene Ankerplatz vor der Hafenmole war mir wegen aufziehender Gewitter und Sturmwarnung nicht geheuer und so schickte ich an Hafenverwaltung und Gesundheitsbehörde diese ominöse Erklärung und sollte bei letzterer nachfragen, ob wir eine Ausnahmegenehmigung bekommen können. Leider hatte die Behörde nachmittags geschlossen und der Skipper bekommt langsam einen ziemlich dicken Hals. Daraufhin habe ich den Harbourmaster zusammengefaltet und wollte von ihm wissen, ob das die neue Art italienischer Seemannschaft ist. Letztendlich durften wir dann doch in den Hafen, mussten aber an Bord bleiben.

Was für eine Ausgeburt an Schwachsinn! Niemand kontrolliert unsere freiwillige Selbstauskunft, aber ohne die paar Seiten Papier geht nichts. Idiotischer kann man mit dieser Pandemie kaum noch umgehen.

Nach 2 Tagen legt sich der Wind und wir nehmen die letzte Etappe nach Licata in Angriff, wiederum über Nacht, da ich nicht ständig mit den Behörden konferieren möchte, nicht das mir doch mal der Kragen platzt.

Anderntags am frühen Morgen ist dann endlich Schluss mit lustig, der Hafen ist erreicht und kaum haben wir angelegt kommen auch schon Angela, Klaus und Syd zur Begrüßung und offerieren trotz früher Stunde ein Anlegerbier.

Die Crew von EIRA

Jetzt werden noch ein paar Partys gefeiert, das Schiff in den Winterschlaf versetzt und am 15.11. geht es zurück in die Kälte.

Aber wir werden zurückkommen, da bin ich mir ganz sicher!

Frank aus dem unverschämt sonnigen Sizilien