Spannungsarm

Dieser Tage abends fällt mein kritischer Kontrollblick auf die permanente Spannungsanzeige am Schaltpanel.

11, irgendwas Volt. Alarm!
Direkt daneben am Batteriemonitor, der normalerweise immer SOC (state of charge) oder besser den Ladezustand der Batteriebank anzeigt, genug übrig und wie immer 13,2 Volt.
Ups, wattt’en datt schon wieder. Wer klaut hier die Spannung?
Erstmal eine schlaflose Nacht, am nächsten Tag alle Stromkreise auf Masseschluss geprüft (Aluschüsseln mögen das überhaupt nicht), alles ok. Die Überprüfung aller 12 Einzelzellen der Batteriebank (durchgehend 3,33 Volt pro Stück) brachte auch keine echte Erkenntnis.
Schaltplan: Wo wird der Saft gespeichert und wie verteilt?

Monsterböhmisches Dorf, wie immer wenn ich in die Masse der Papiere blicke. Einige Demontagearbeiten und Messergebnisse später schält sich heraus, dass über alle Wege der gefühlt kilometerlangen Kabel ein sone Schlingel (Plus in dem Falle) rund 1,5 Volt weniger anbietet als ihm zur Verfügung gestellt wird und ausgerechnet die Hälfte des Schaltpanels versorgend, an dem die Spannungsanzeige, aber auch die beiden Kühlschränke hängen. Der eine für Lebensmittel, der andere für das Eis des Gin Tonic verantwortlich. Panik!
Es hat einen weiteren Tag und locker 2 Bier benötigt um einer schlechten Verbindung der Zuleitung im Klemmblock auf die Spur zu kommen. Erinnerte mich stark an die verschmurgelte Lüsterklemme in Italien (Hauptzuleitung zum Bad), damals sonntags! Abends vor dem Absprung zum Stromboli 2017, weswegen ich uns geschworen hatte nie mehr Sonntags an Werkzeug zu denken, geschweige denn das Zeug anzufassen.
Was für ein Aufwand für eine Verbindung. Und da sag mal einer in Coronazeiten sei es langweilig.

Mittlerweile habe ich mich dazu entschlossen einen weiteren Monat in Cartagena zu bleiben. Mazarron ist 15 sm entfernt, da wird gearbeitet und ich darf auch dorthin, aber danach kann ich unsere Langzeitkonditionen über den Winter nicht wieder erwarten, es sei denn ich zahle durch. Super, dann halt doppelt oder was? Es ist zur Zeit leider nicht erkennbar, wann wir uns wieder frei bewegen können, insofern möchte ich nicht auf die verhältnismäßig günstigen Liegeplatzgebühren verzichten.
Werde in Ruhe, solange der Strom wie gewohnt durchs Schiff fließt, abwarten. Im Zweifel kommt der Bock erst nächsten Winter an Land, der Bewuchs unter der Wasserlinie hält sich noch in Grenzen und kann tauchend abgeschrubbelt werden. Immer vorausgesetzt wir dürfen Spanien tatsächlich mal verlassen, Schengen und so, da war doch mal was.

Also alles beim Alten, gesund und munter, wieder total unter Spannung und immer noch optimistisch.

Keep distance, stay safe

Frank

Lost in space oder der unfreiwillige Pfadfinder

Gestern musste ich unseren Leihwagen zum Flughafen Alicante zurückbringen, rund 120 km entfernt und das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, sehr schlechtes timing.
Ostersamstag mitten in der sehr strikten Ausgangssperre, theoretisch laut Autoverleiher erlaubt, wie aber den genervten Polizisten erklären?
Also gehe ich der Diskussion aus dem Weg und schleiche im Morgendunst zum Flughafen. Die Bullerei hat Schichtwechsel oder sitzt beim Frühstück oder was auch immer, keiner da.
Dummerweise ist aber am Flughafen auch keiner da, nur Polizei, zwei Ambulanzen, Sicherheitspersonal, das wars.
Lost in space!
Kein Informationsschalter, kein Bus. Den Abend zuvor sollten laut Fahrplan drei Busse nach Murcia fahren, am Morgen allerdings nicht mehr. Die Situation hat sich also schlagartig geändert und ich sitze auf dem Trockenen.
In Alicante landet lediglich ein Flugzeug pro Tag, braucht man demzufolge auch keinen regelmäßigen Personennahverkehr mehr.
Glücklicherweise langweilen sich eine Ebene tiefer eine Handvoll Taxifahrer und stehen sich die Reifen platt.
Der erste in der Schlange hatte den ultimativen Glückstag und offeriert die Rückfahrt nach Cartagena zum Normalpreis. Hätte ich vielleicht angesichts der Umstände sicher runterhandeln können, richtig gestresst sah er nicht aus, aber da kam der Pfadfinder, der ich nie war, mit seiner guten Tat.
Dafür verteidigt er auf der Rückfahrt tapfer seinen Fahrgast gegen alle Diskussionen der mittlerweile zahlreich präsenten Polizei, umschifft die Kontrollen und hatte fast Tränen in den Augen als wir im Hafen ankommen. Ich relativ früh zu Hause, er mit dem wahrscheinlich höchsten Tagesumsatz der letzten Wochen, beide glücklich.
Hier wird von einer 15-tägigen Verlängerung nach dem 26. April gemunkelt, aber nichts genaues weiß man nicht.
Weiterhin planlos, abwartend, aussitzend. Bin aber gesund und das ist die Hauptsache.

Fügt euch (hier ist es wesentlich restriktiver), schützt eure Lieben.

Frohe Ostern und viele bunte Eierchen,

Frank