Heimathafen

Im Hochsommer mache ich für 14 Tage Heimaturlaub. Die Ursache ist der 70. Geburtstag meiner Tante Christine, der jüngsten Schwester meines Papas. Mein Bruder Markus holt mich mitten in der Nacht bei heftigen Gewittern in Hahn vom Flughafen ab. Eine herzliche Umarmung und 90 Minuten später kommen wir in Eppelborn an. Will nur noch schlafen, doch als ich in unser Schlafzimmer gehen will, bleibe ich davor sehr gerührt stehen, hängt doch neben der Tür ein hölzernes Schild: Heimathafen.

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Da fließen glatt ein paar Tränchen. Am nächsten Morgen begrüße ich meine Schwägerin, die mir ein deutsches Frühstück serviert. Besuche meine Mama im Pflegeheim und schon geht meine Reise via Auto zum Bahnhof und mit Zug und U- Bahn zu meiner Tante nach Neckarrems.

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Um 17 Uhr stehe ich endlich vor ihr und kann zum runden Geburtstag gratulieren.

Die Feierlichkeiten dauern 3 Tage und finden ihren Abschluss in Bürg auf einer alten Burg. Hier versammelt sich die ganze Familie zu einem tollen Fest.

 

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Zurück im Saarland treffe ich meine Schwiegermama Lydia, die mir freundlicherweise immer ihr Auto zur Verfügung stellt. So bin ich mobil, ohne mir jedes Mal ein Auto leihen zu müssen. Später besuche ich meine Schwägerin Birgit und meinen Schwager Olaf zum ersten Mal seit über 6 Monaten. Es tut so gut, sie alle wiederzusehen. Natürlich sind die Tage in Eppelborn gefüllt mit Treffen von Freundinnen, Arztterminen und allem, was Frau sonst noch so beim Bootsleben vermisst, wie Kosmetikerin, Friseur und Fußpflege. Meine Freundin Ute widmet mir die meiste Zeit, wir kochen zusammen, wandern und quatschen, was das Zeug hält.

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Während dessen, ist Frank alleine auf Mallorca und hütet das Boot. In der Hauptsaison sind Hafenplätze rar und exorbitant teuer, so dass er vorzieht, in der Sonne auf meine Rückkehr zu warten. Er hat einige Bekannte in der Bucht von Santa Ponza, so dass er viele Einladungen zum Essen erhält und auch für ihn die Zeit rasend schnell vergeht. Nach einer Woche kommt mit Georg sein bester Freund aus Deutschland zu Besuch und die Beiden chillen und genießen die fraulose Zeit. Mit Christian Baltes ist ein Mandant mit Freund Bernd in Santa Ponza und alle 4 verleben bei einigen Treffen eine schaukelige Zeit an Bord, geschuldet der Tatsache, dass die Bucht mit Booten gefüllt ist und ein Kommen und Gehen vorherrscht.

Ja, Heimaturlaub ist auf der einen Seite anstrengend, weil man in die kurze Zeit versucht, so viel wie möglich zu erledigen, doch auf der anderen Seite all das nachzuholen, was man an Bord vermisst: Bruder Markus, der uns leckere Burger auf dem Grill bereitet, Freundinnen und Freunde, Bekannte und Verwandte zu treffen. Kaum Möglichkeit einfach mal die Ruhe des Heimathafens zu genießen: still zu sitzen, den Vögeln am offenen Fenster zuzuhören und Seele baumeln lassen, denn an Bord sind wir zu 99% immer zusammen. Und, Deutschland verändert sich, und auch ich bin eine Andere geworden. Ein Leben mit den Jahreszeiten und abhängig zu sein von Wetter, Wind und Welle macht dich sensibler. Sensibler und dankbarer: für schöne gemeinsame Stunden, für Zeitopfer, gute Gespräche und liebe Menschen und Familie.

Mit meiner Freundin Deana frühstücke ich bei Martin, bis wir beide fast platzen, die von ihm liebevoll angerichtete Mahlzeit ist jedoch jede Sünde wert.

Ein letztes Treffen mit Frank’s Familie bei einem gemeinsamen Abendessen, zubereitet vom Neffen Tilman, der gerade aus Mexiko zurück gekehrt ist, rundet den Besuch ab. Leider hat ein Zusammenkommen mit Anika nicht geklappt, sie sitzt in Berlin und wartet hochschwanger auf die Geburt ihres ersten Sohnes. Ich übergebe Lydia das Auto und sage ihr, dass etwas mit der Bremse nicht stimmt. In der Werkstatt stellt sich heraus, dass ein Marder die Bremsleitungen durchgebissen hat. Da hatte ich echt Glück, dass ich nicht weit gefahren bin und nicht mehr so rasant fahre wie früher.

Auf dem Herzweg in Tholey mache ich eine letzte Wanderung mit Ute. Ich stärke mich mit einer Currywurst, oh, so lecker!

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Sorry, wenn ich nicht jeden erwähnt habe, mit dem ich zusammengetroffen bin. Ihr seid mir alle wichtig und es war schön, euch zu sehen.
Schnell sind meine Siebensachen gepackt, dank des Heimathafens im Haus meines Bruders, kann ich immer mit kleinem Gepäck reisen. Schon heißt es Abschiednehmen. Ein letzter Besuch bei Mama und im Büro und schon sitze ich wieder im Flieger.

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Spät am Abend treffe ich im Flughafen Palma noch mit Georg zusammen, der mit meiner Maschine zurück nach Deutschland fliegt. Frank begrüßt mich stürmisch am Hafen von Palma. Ach, endlich wieder Meerluft schnuppern und zurück auf dem Boot zu sein. So schön die Heimat auch ist, so schön ist auch das Ankommen an Bord. Natürlich habe ich die Zeit in Deutschland genossen, den Luxus eine Dusche ohne Schwanken zu nehmen, den Platz in der Wohnung, das breite Bett.

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Wir verbringen einen weiteren Tag in Palma. Proviant muss beigeschafft werden, eine letzte Wäsche gewaschen und dann heißt es Leinen los. Unser Ziel ist der türkisfarbene Strand von Es Trenc.

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Ein Apfelkuchen ist gebacken, gleich gibt es ein Stück mit Sahne.

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Genießt die Zeit, wo auch immer ihr gerade seid. Wir kommen am 14. Dezember ins Saarland, gemeinsam, und freuen uns jetzt schon auf euch alle. Schönes Wochenende …

Wenig Wind, viel Sonne, rumdümpeln

Sorry, dass solange von mir nichts zu hören war. Wir haben erst seit gestern eine neue Datenkarte für Spanien. Zuvor war das Hochladen von Bildern nicht möglich und ja, es ist heiß und ich fühle mich leicht ausgebremst.

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Was in der Zwischenzeit geschah: wir sind mit Spirit of the wind von Alghero nach Porto Conte gesegelt. Eine schön geschützte Bucht in einem Naturschutzpark gelegen. Wir hatten zuvor bei der Guardia Costiera angefragt, ankern möglich, jedoch nur auf Sand. Wie gut, dass fast überall Sandboden ist. Frank und ich erkundeten die Gegend, fanden einen kleinen Laden, indem man sich gut versorgen kann und eine Pizzeria. Pizzen sind für Alea und Kai, die beiden Kinder an Bord von Spirit of the Wind (SpotW) ganz wichtig, am liebsten mit Würstel drauf. Also abends wieder zum Hafen mit dem Dingi und leckere Pizzen gegessen. ansonsten war nur schwimmen und schnorcheln angesagt, denn das glasklare Wasser war einfach phantastisch. Montags sind wir, weil Mistral mit sehr viel Wind angesagt war, nach Fertilia in den Hafen. Der Hafen liegt an einer Flussmündung, nichts spektakuläres, aber er bietet uns Schutz und das ist die Hauptsache. Das Dörfchen ist sehr retro. Erbaut in den 1930 er Jahren, somit in der Ära Mussolinis, hat es eine lange Aufmarschstrasse, die auf einem riesigen Platz hoch über dem Hafen endet. Darauf ein Löwenstandbild zu Ehren des Faschismus.

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Aber, selbst hier in dem verschlafenen Nest, findet sich eine alte Römerbrücke, die vergleichbar ist mit derjenigen in Avignon. Leider stehen nur noch 13 Pfeiler, sodass unmittelbar daneben eine neue Brücke erbaut wurde.

Trotz viel Wind ging es am nächsten Tag zurück nach Porto Conte, denn in den Häfen ist es einfach im Sommer zu heiß. Leider wurde der Wind unterwegs immer stärker und dann auch noch voll auf die Nase. Am Abend ist der ganze Spuk vorbei und wir können ins Wasser springen. Ein paar Tage verbringen wir hier mit SpotW und dann heißt es Abschied nehmen.

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Das tut weh, alle stehen wir auf den Booten, selbst Teddy, ihr Hund steht am Bug. Sie gehen nach Norden, verkaufen das Boot, die Kinder starten die Schule und Kindergarten. Unser Horn tönt zum Abschied laut durch die Bucht, in der so erstaunlich wenig los ist. Verlassene Strände und ein unglaublich toller Naturpark direkt hinter dem Hafen.

 

Zwei Tage später verlassen auch wir die Idylle und machen uns auf den Weg nach Menorca. Angesagt sind 3-4 Beaufort von hinten, eigentlich ideale Bedingungen. Aber, was soll ich sagen: kein Wind und alte Welle gleich aus Norden und Süden. Das bedeutet, dass wir die ganze Strecke motoren müssen, ab und an mal ein Segel raus, mehr nicht und leider hin- und hergeschaukel. Das lässt uns leiden, alle Wetterfrösche verdammen und wir sind froh, genug Essen vorbereitet in der Kühlung zu haben, denn Kochen macht bei Geschaukel natürlich auch wenig Freude. Einzig die Nacht mit dem phantastischen Sternenhimmel und dem noch hellen Mond entschädigt für die Kreuzsee. Meine Nachtwache ist unspäktakulär und um 01:30 falle ich müde ins Bett.

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Am Morgen Angel raus und wieder ein Biss, zum Glück kein Hai, sondern Thuna.

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Und dann endlich sehen wir vor uns, zwar noch Stunden entfernt, Menorca. Ein Kreuzfahrer zieht nördlich vorbei. 3 Meilen vor Mahon bläst direkt neben uns ein Wal, taucht unter dem Boot durch, bläst nochmals und zieht von dannen. Das berührt uns sehr, hatten wir doch bereits 2 Jahre zuvor, ebenfalls während der Ansteuerung Mahons einen Wal gesehen. Aus dieser Glückseligkeit werden wir herauskatapultiert: der Motor stottert, ruckelt, geht aus. Mist, wir sind nun doch sehr nah an der Einfahrt in den riesigen Naturhafen. Frank rennt in den Motorraum und unser Jockel lässt sich direkt am Motor starten. Uff, was war das? Keine Ahnung, wahrscheinlich war es der Maschine bei dem 39 Stunden Tripp doch zu heiß geworden.  Wir biegen in die Cala Taulada ein, finden einen tollen Ankergrund, klaren das Schiff für die Nacht auf: Trekkerbaum an die Rehling binden, Dingi hochziehen, damit wir Frischluft im Boot haben und danach ins klare Wasser springen und abkühlen! Nicht nur der Motor lief heiß, auch wir glühen. Danach gibt es leckeren gegrillten Thuna und dann fallen wir in tiefen Schlaf.

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24 Stunden wird nur gefaulenzt, doch am Dienstag lassen wir das Dingi ins Wasser und fahren 2 SM nach Mahon. Ein bisschen im Städtchen bummeln, in einer alten Markthalle Obst und Gemüse erstehn, den ersten Cafe con leche trinken. Zurück an Isla del Rey vorbei, danach die Lazarettinsel und schließlich wieder bei Eira anlanden. Abends zuvor hatten wir ein Lifekonzert auf einer kleinen Motoryacht mit James Kirby, toller Sänger, der uns mit Gitarrenmusik einen unvergesslichen Abend bereitet hat.

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Wir liegen unmittelbar vor einer alten Festungsanalge von Isabella der 2. in den 1850 er Jahren erbaut. Der Skipper beschließt, eine Wanderung zur historischen Stätte anzutreten. Also rein ins Dingi, an der Halbinsel anlanden und in sengender Hitze 1 KM zum Fort gehen. Unser Weg ist gesäumt mit wildem Knoblauch, Frank will es nicht glauben, eine Riechprobe bestätigt mich.

Die Schutzanlage, die wir nun vor uns haben ist riesig, 3 KM laufen wir vorbei an Außenschutzmauern mit Kanonen,

Kasematten, Innengebäude, Latrinen und und und. Alles erbaut zur Abschreckung. Niemals benutzt.

Damals trieben sich in der Gegend viele Franzosen und Engländer rum. Isabella wollte zeigen, was sie kann. 1872 fertiggestellt, später als Gefängnis genutzt um letztendlich für einige Jahre der Ausbildung von Rekruten zu dienen. Wenn sie zu Übungszwecken die riesigen Kanonen abfeuerten, nach 3 Schuss war Schluss, mussten die Bewohner von Mahon die Fenster öffnen, denn soviele Glaser gab es nicht, wie Fenster zersplitterten. Derjenige Rekrut, der die Kanone putzen musste, hatte anschließend 3 Tage frei.

Das Fort liegt wunderschön und wir genießen den 360° Blick, sehen Eira unter uns im Wasser schaukeln und machen uns auf den heißen Rückweg.

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Donnerstags geht es noch einmal nach Mahon, denn am Abend zuvor hatte sich der Schwimmerschalter der Sumpfpumpe verabschiedet. Solche Basicteile haben wir natürlich an Bord, Frank tauscht das defekte Teil. Er will sicherheitshalber wieder einen Schwimmer auf Vorrat kaufen. Also wieder mit dem Dingi nach Mahon, Ersatzteil gekauft und lecker Essen gegangen. Schiff aufklaren und am nächsten Morgen geht es mit Wind, später viel Wind nach Mallorca. Kurzweilig, weil wir immer wieder etwas an den Segeln verändern müssen, der Autopilot aussteigt und ich für 2 Stunden am Ruder stehe. Anker fällt in Porto Pollenca. Nun steht meiner Heimreise nach Deutschland nichts mehr im Wege. Doch bis dahin ist es noch etwas hin und die Tage sind echt nicht langweilig.

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Am Samstag helfen wir einem Pärchen mit Motorschaden und lernen so Weltumsegler kennen, die sich mit ihrem Buch über diese Zeit bedanken.

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Sonntags geht es auf den Markt nach Pollenca, wo wir mallorquinischen Käse, Sobrasada, Schinken vom schwarzen Schwein und ganz viel Obst und Gemüse erstehen. Am Montag verproviantieren, es gibt in Porto Pollenca einen Laden mit Balsamicoessigen, Salzen und Brotaufstrichen, wo ich ganz schön zulange.

Mit Sonnenaufgang geht es am nächsten Morgen ankerauf, denn es wird wieder viel Wind kommen und wir sind das Geschaukel hier, verursacht durch rücksichtslose Motorbootfahrer echt leid. Weiter nach Porto Soller, verlieren wir kurz hinter dem Kap Formentor einen Wobbler, diesmal ist es ein Motorbootfahrer, der über die Angel fährt und das Teil abreisst. Dieses Jahr ist der Schwund an Ködern groß!

Die Bucht von Soller ist proppevoll, doch wir finden einen akzeptablen Ankerplatz. Als vor uns ein Boot die Bucht verlässt, will Frank den Motor starten um neu zu ankern. Nichts passiert. Keine Zündung, kein Mucks. Motor tot! Oh nein!  Frank verschwindet in den superheißen Motorraum und kann nichts finden. Was tun, sprach Zeus, äh, nein Frank. Er findet eine Möglichkeit, das Startrelais von Hand zu bedienen. Das kann natürlich keine Dauerlösung sein. Auch ein Telefonat mit dem Vorbesitzer bringt keine Lösung. In der Nacht windet es heftig, Frank ist draußen und beobachtet die driftenden Boote. Unser Anker hält! Morgens bestimmt der Skipper, mich von Bord zu verbannen, damit er auf Fehlersuche gehen kann. Mit dem Dingi an Land und mit dem Bus nach Palma. Kulturschock; all die vielen Menschen, Geschäfte, Klamotten und Schuhe! Bin total überfordert. Gönne mir in einem koreanischen Restaurant eine kurze Auszeit und mache mich auf den Rückweg. Ich bin natürlich total gespannt, was Frank herausgefunden hat. Was soll ich sagen: Frank hat morgens den Motor gestartet und er sprang direkt an! Unglaublich.

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Am nächsten Tag wasche ich Wäsche und wir gehen abends lecker in das Restaurant Nautilus essen. Normalerweise hat man von hier einen Blick auf einen phantastischen Sonnenuntergang, damit ist heute leider nix. Das hätte uns eine Warnung sein sollen. Ursprünglich wollten wir freitags nach Port Andraitz. Am Morgen verlassen die Yachten die Bucht, wir sehen draußen heftige Wellen und spritzende Gischt und 95% der Boote kehren zurück. Dieser Wind war nirgendwo vorhergesagt! Liebe Wetterforscher, ihr müsst bitte etwas präziser arbeiten. Wir beschließen hier zu bleiben. Am Nachmittag kommt es zu der Rettungsaktion, die Frank gestern beschrieben hat. Samstags sind wir ohne Wind über Port Andraitx und Peguera nach Santa Ponca motort. Der Anker fällt hinter einer weiteren Reinke KIKA vom Deutschen Manfred. Der liegt schon länger hier und gibt viele wertvolle Tipps: Supermarkt, anlanden etc. Am Montag kamen Freunde aus Licata vorbei mit ihrer Yacht Catweezle und wir verbrachten einen schönen Abend zusammen. Gestern war grillen mit Manfred angesagt. Nun ist mein kleiner Rucksack gepackt. In 8 Std geht mein Flieger nach Frankfurt. Hei, ich komme für 14 Tage nach Eppelborn und freue mich riesig auf Euch.

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Frank hütet das Boot und erholt sich von mir. Heiße Grüße aus Santa Ponca von der Eira Crew!

Ankern

Eisen versenken, Kette hinterherwerfen, feddich. Und wir machen uns immer einen Kopp wie tief, wieviel Kette, woher kommt der Wind, wird er drehen über Nacht, Grundbeschaffenheit und und und.
Der gemeine Segler referiert auch immer gerne, warum ausgerechnet sein Anker der beste ist. Unzählige Varianten sind erhältlich und wie immer, das neueste Modell ist das Nonplusultra. Wir fahren zur Zeit einen echten old style CQR, ultimativ retro.
Auf Sand hält alles, im Schlick sowieso, auf Stein keiner und im Seegras die wenigsten, CQR zum Beispiel, ätsch.
Da kann man stundenlang kreiseln und ein Fleckchen Sand suchen, vorausgesetzt die Brühe ist nicht trüb oder das Ankerfeld schon so voll, dass nur da geankert werden kann, wo überhaupt noch Platz ist.
So gelangt man irgendwann in der Hochsaison nach Port de Soller auf Mallorca und alle Theorie ist für die Katz. Kaum Raum zum schwojen, der Wind dreht garantiert über Nacht, ist mitunter recht frisch oder einfach weg.
Eine echte Herausforderung, die den einen oder anderen Skipper hier überfordert.
Was ich dann vermisse ist der Test, ob der Anker überhaupt hält. Also Eisen runter, 3 mal Wassertiefe Kette hinterher und langsam Fahrt achteraus bis die Kette steif kommt. Halten und langsam den Hebel aufs Pult, pedal to the metal sozusagen. Wenn er bei Vollast hält, dann je nach verfügbaren Platz wieder hinterher mit der Kette, je mehr, desto sicher, Ankerkralle dran und kühles Bier öffnen. Feddich.
Hier wird gerne nur der Anker geworfen, Beiboot runter und ab ins Dorf, hoch die Kolben. Dafür wird dann mitten in der Nacht festgestellt der Anker hält nicht, Platz suboptimal, da die Felsen oder die Nachbarn nahen und das Spiel geht von vorne los, wohlgemerkt ein Test wird nach wie vor ignoriert, überbewerteter Quatsch.
So durfte ich heute Mittag mit 2 weiteren Mitstreitern ein driftendes Schiff vor der großen Katastrophe bewahren. Lag schon quer auf dem Nachbarn, Ruderblatt in dessen Kette und eine ordentliche Mütze Wind um die Ohren. Der Hammer dann am Abend, Nachbar kommt, erkundigt und bedankt sich, der gedriftete ankert neu, schnorchelt diesmal(!) wo das Ding liegt und das wars.

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Kein Ton, nix, niente. Doof, hatte eine Streicheleinheit für mein Pfadfinderego erwartet, vielleicht sogar eine Flasche Wein.
Okay, seis drum. Heute Morgen schwimmt dafür beim Frühstück ein Hai um unser Boot, kein sone Trümmer wie bei Steven Spielberg, aber eindeutig ein kleiner Bruder, vielleicht anderthalb Meter. Krass und ich segele schon jahrelang in dieser Gegend. Und Feuerquallen, portugiesische Galeeren (noch um einen ganzen Tacken schlimmer als die schnöden Feuerquallen, die auch schon böse aua machen), all so Gelump. Was ist denn hier passiert?
Vor ein paar Tagen hören wir in der Baja de Pollenca über Funk, dass ein Segelboot Maschinenausfall hat, gerade noch so den Anker raushaut und nun viel zu dicht an einem Motorboot liegt. Rüber mit dem Beiboot, Lage gepeilt und weil Wind angesagt war, ankerauf und in freies Wasser geschleppt. Die haben sich mehrfach bedankt und uns später das Buch über ihre Weltumsegelung anno 1984 geschenkt. Toll, das war zu der Zeit noch eine echte Herausforderung, zumal mit 2 kleinen Töchtern.

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Langweilig ist nicht, immer gut zu tun und so langsam nähere ich mich meinem Urlaub (Eva fliegt für 2 Wochen nach Deutschland und ein lieber Freund von uns kommt zu Besuch), bleibt also spannend.