Jubiläum: 1500 Tage an Bord

Nun leben wir bereits 1500 Tage an Bord von SY Eira! 7092 SM haben wir im Kielwasser gelassen. Die Länder: Frankreich, Spanien, Italien, Malta und Griechenland bereist. Unzählige Inseln im Mittelmeer erkundet, mit Boot, Zug, Bus, Fahrrad oder Auto, oftmals einfach zu Fuß. Wir haben viele geschichtsträchtige Orte kennengelernt, die wir zuvor nur aus dem Geschichtsunterricht, aus Büchern oder dem Fernsehen kannten. Wir haben kullinarische Schätze unserem Magen einverleibt, köstliche Weine getrunken.

Wir haben atemberaubende Sonnenauf- und untergänge erlebt, die schönsten bei längeren Überfahrten auf dem offenen Meer.

Neue Menschen sind zahlreich in unser Leben getreten, wurden zu Freunden und Wegbegleitern. Trotz allem haben wir den Kontakt zur alten Heimat und unseren dortigen Freunden nie verloren, denn sie sind ein wichtiger Bestandteil auch unseres neuen Lebens geblieben, sei es per Whatˋs App, Telefon, E- Mail oder bei den seltenen Deutschland Besuchen.

Wir werden auch versuchen, in Zukunft wieder öfter einen Beitrag zu schreiben, allerdings vergeht die Zeit im Fluge und wir erleben sehr vieles, das kann ich euch versichern.

So hatten wir letzte Woche Mittwoch unsere Schweizer Freunde Lupita und Martin von Futuro Dos verabschiedet, die mit ihren Gästen nach Lipari segelten, was wir schon kennen und keine Lust in der Hitze des Augustes zwischen den alten Steinen herum zu rennen, denn ehrlich gesagt, macht mir im Moment die Hitze sehr zu schaffen. So haben wir uns am Donnerstag Morgen, nach einem zeitigen Frühstück, mit dem Dinghi auf den Weg nach Ponente gemacht, um Wäsche zu waschen und uns zu verpflegen. Welches Glück, dass wir dermaßen früh unterwegs waren, denn gerade hatten wir die einzige Maschine im Ort mit unserer Schmutzwäsche gefüllt, gab es einen Run. Vier Familien mussten sich hinten an stellen und eine Stunde warten, bis unsere Bettwäsche endlich durch war. In der Zwischenzeit erledigte ich die Einkäufe, da erreichte uns ein Hilferuf von Martin von Lipari. Frank der Techniker war wieder einmal gefragt. Bilder wurden hin und her geschickt, sie verhießen nichts Gutes. Es wurde telefoniert, wir erbaten etwas Zeit und machten uns schließlich mit der Wäsche zum Trocknen auf der Leine, auf nach Lipari. Unterwegs lief die Osmose, denn der Wasserbedarf, gleich ob zum Trinken oder Duschen etc ist enorm in dieser Hitze. Vor Ort geankert und Frank setzt mit dem Dinghi über zur Futuro Dos, ich nutze die Zeit die Betten neu zu beziehen und die Wäsche weg zu verstauen, zu schwimmen und mir die Kulisse zu betrachten, liegen wir doch vor einem netten Dörfchen. Die Zeit vergeht, ein riesiger Lastkrahn, gefüllt mit dicken Klötzen, läuft zwischen den Booten in die Bucht und lädt Steine zur Sicherung des Küstenstreifens ab. Kino direkt vor meinem Cockpit.

Während dessen repariert Frank gemeinsam mit Martin den Schaden mit Bordmitteln: die flexible Wellenverbindung hatte sich gelöst, zwei Bolzen hatten sich bereits verabschiedet und wurden durch 2 Schrauben notdürftig repariert, so dass Lupita, Martin und die Gäste mit geringem Tempo nach Termini Immarese fahren konnten. Die ersten Meilen haben wir sie noch begleitet, war uns die Bucht auf Lipari zu schwellig und wir zurück nach Vulcano wollten. Während wir in die ruhige Cala di Mastro Minico einliefen, setzten die Schweizer ihren Weg nach Sizilien fort. 3 mal Horn zum Abschied und Küsschen über das Wasser, denn wir müssen uns konzentrieren, liegt in dieser ruhigen Bucht ein überspülter Stein, den wir nicht treffen wollen. Und obwohl wir sehr vorsichtig navigieren, fangen wir uns eine Angelleine in den Propeller. Nun geht die Arbeit für Frank weiter, muss die Angelleine umgehend entfernt werden. Es gelingt nicht komplett am Abend. Also stärken wir uns mit gegrilltem Fisch und Salat.

Am nächsten Morgen gelingt es Frank, die Angelleine komplett zu entfernen, während dessen genieße ich schnorchelnd und schwimmend das glasklare Wasser der Cala. Von Martin hören wir unterdessen, dass sie ohne Probleme auf Sizilien im Hafen angekommen sind. Gut zu wissen, dass der Plan aufgegangen ist. Wir verlegen uns in die Bucht von Ponente, da für die nächsten Tagen mehr Wind aus West angesagt ist. Wir legen uns neben einen Holzcatamaran, der den polinesischen Booten nachemfunden ist, ein wahres Schätzchen und James, den Besitzer aus Kanada lernen wir am nächsten Morgen kennen. Doch zuerst läuft die Guardia Costiera in die Bucht und räumt unter den Ankerliegern etwas auf. Ist doch bei weitem der Sicherheitsabstand zur Badezone nicht eingehalten, der in Italien 200m beträgt. Die Eigner, die nicht an Bord sind, werden mit 350 € bestraft, zahlbar sofort! Wir liegen gut und bilden nun zum Strand die erste Reihe, James verlegt sich neben uns und kommt zu einem Plausch rüber. Natürlich haben wir gemeinsame Bekannte: Philippa und ihre Familie, sowie Suella und Familie. In der Zwischenzeit geht es mir richtig schlecht, mein Blutdruck kommt nicht mehr in die Puschen, er gammelt so zwischen 80/50 und 85/55 vor sich hin. Den Sonntag verbringe ich liegend, kippe Kaffee in mich rein, nichts tut sich. So versäumen wir es auch, uns einen besseren Liegeplatz zu suchen. Am Abend frischt der Wind extrem auf, die neu angekommenen Charterer gehen fast alle Anker auf, da sie keinen Halt finden. Wir verbringen eine sehr unruhige Nacht, rollen hin und her und auf und ab. Am frühen Morgen gehen auch wir ankerauf, rollen die Genua aus und segeln mit Halbwind nach Capo d’Orlando. Der Skipper hängt die Angel raus und was soll ich euch sagen, natürlich haben wir wieder einen Biss, Thunfisch ca 20-25 Kg. Nun haben wir 13 Portionen Fisch in der Gefriertruhe. Das Deck ist fischig ohne Ende, es wird gepützt, bis wir kurz vor der Hafeneinfahrt sind.

Wir werden uns mindestens 2 Tage Ruhe gönnen, relaxen, aber auch das Boot ordentlich säubern und uns mal eine Pizza gönnen, haben wir doch seit wir Licata verlassen haben, keine Pizza mehr gegessen und das in Italien. Am nächsten Tag fühle ich mich nicht gut, ob das wohl an der Pizza lag? Also bleiben wir eine weitere Nacht in der Marina. Am frühen Nachmittag beginnt der Ascheregen, diesmal ist die Ursache nicht der Ätna, sondern Brandstiftung. Die Sonne steht zudem glutrot am Himmel. Heute ist definitiv der heißeste Tag, selbst am Abend kühlt es nicht ab, im Gegenteil, es wird immer heißer. Die Nacht verbringen wir größtenteils an Deck. Das ehemals sehr sauber geputzte Boot ist mit schwarzer und weißer Asche bedeckt und innen, sieht es auch nicht besser aus. Wir beschließen zu gehen. Erst Tank auffüllen, kanpp 300 l für schlappe 550€, dazu die Hafengebühr mit 298€, Proviant und Essen, gleich mal 1000€ ärmer.

Ursprünglich wollten wir uns in die Bucht vor der Marina legen, doch der Marinero meint, es soll viel Wind aus Nordwest geben, keine gute Idee, hier zu bleiben. Also Genua raus und mit viel Welle rüber nach Vulcano. Ich verbiete dem Skipper zu Angeln, ich schiebe Platzprobleme vor, doch eigentlich habe ich Angst vor einem neuen Blutbad an Bord. Gegen Nachmittag laufen wir in die südöstliche Bucht von Vulcano ein, Spiaggia del Cannitello. Dachten wir zuerst, wir finden keinen Platz, sehen wir, dass neben der Avventura, unserem silzilianischen Freund, genug Ankerraum zur Verfügung steht. Also Anker runter, schwimmen, abkühlen und von dem Geschaukel wegen der Welle erholen. Wir essen den vorbereiteten Nudelsalat und beschließen, am nächsten Abend oben auf dem Weingut zu essen. Gesagt, getan, Frank schwimmt an Land und reserviert einen Tisch. Stehen doch demnächst 1500 Tage Bootsleben an, hier ist genau der richtige Ort, um dieses Fest zu begehen. So lassen wir uns am Freitag, den Pulpo, die Spagetti con Cozze und die Casarecci Eoleana munden, verbringen über der Bucht, in der Eira schwimmt, mit Blick auf Sizilien und den Ätna einen traumhaften Abend.

Am Morgen 1499 unserer Reise schwimme ich noch einmal im klaren Wasser der Bucht und um 9 Uhr rasselt die Ankerkette in den Ankerkasten hinab. Bevor die neue Charterwoche beginnt, wollen wir nach Ponente, einen Platz sichern, bunkerm und neue Pläne schmieden. Es gibt ein spätes Frühstück. Während wir Essen, sehen wir unseren Nachbarn, einem kleinen Motorboot zu, wie das klitzekleine Dinghi nebst Motor ins Wasser gelassen wird. Das Dinghi ist so klein, dass der Eigner nur eine weitere Person an Land fahren kann. So beginnt ein Pendeln zwischen Boot und Strand. Wir beobachten weiter, der Motor versagt öfter seinen Dienst und das kleine Böötchen tanzt auf dem Wasser. Es kommt, wie es kommen muss. Das Dinghi kippt um, der Motor wird unter Wasser gedrückt, das Dinghi liegt auf dem Kopf, der Eigner treibt am Boot klammernd durch ˋs Wasser. Frank springt in unser Dinghi und paddelt auf das gekenterte Dinghi zu und schleppt sowohl Mann als auch Dinghi zu dessen Motorboot. Mit viel Dank kehrt der Skipper an Bord zurück, wieder einmal was für die Deutsch – Italienische Freundschaft getan.

So ihr Lieben, es sollte ein kurzer Beitrag werden, wieder einmal nicht geschafft. Sorry! In der Zwischenzeit hat Sizilien wegen der Brände den Notstand ausgerufen, er wird ein halbes Jahr dauern. Während Deutschland im Regen versinkt, brennt hier die Erde. Alles so schlimm! Daher kein Grund, ein großes Fest zu feiern. Bescheiden werden wir heute Abend etwas Thunfisch essen, das senkt zumindest mein LDL enorm.

Bleibt gesund, wo immer ihr uns folgt. Forsetzung wird es geben, liebe Grüße von SY Eira nebst Crew

2 Kommentare zu „Jubiläum: 1500 Tage an Bord“

  1. Euer Beitrag hat uns ins Nachdenken gebracht und wir haben nachgerechnet. Nächsten Monat haben auch wir diese Zahl erreicht. Wir denken unser Resümee ist gleich. Gut, dass wir die Leinen losgeworfen haben, es gibt tatsächlich ein Leben nach der Arbeit und das ist wunderschön.

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